4. März
Eintracht – Hansa Rostock 3:2 (2:1)04.03.2012
24. Spieltag 2. Bundesliga – 2011/12
Hansa Rostock reiste an! Am 4.3.2012 kam es im Stadion an der Hamburger Straße wieder einmal zum Duell zwischen Eintracht und den Ostseestädtern.
In der Vorsaison hatten beide Teams noch die 3. Liga beherrscht und waren gemeinsam souverän aufgestiegen. Nun, in der 2. Bundesliga, marschierten die Vereine nicht mehr Seite an Seite. Während die „Löwen“ nach 23 Spieltagen der Saison 2011/12 mit 32 Punkten den 8. Tabellenplatz belegten und auf dem besten Weg waren, das Saisonziel „Klassenerhalt“ sicher zu erreichen, stand Hansa mit nur 16 Punkten am Tabellenende. Der bereits im Dezember vorgenommene Trainerwechsel von Peter Vollmann, einst Aufstiegstrainer bei den Blau-Gelben im Jahr 2002, zu Wolfgang Wolf, der den Bundesligisten VfL Wolfsburg zwischen 1998 und 2003 trainiert hatte und dem BTSV noch in der letzten Saison als Trainer von Kickers Offenbach gegenüber stand, war ebenfalls ohne Wirkung verpufft. Gerade am letzten Spieltag hatten die Rostocker mit dem 1:2 (nach 1:0-Führung) gegen den Vorletzten FC Ingolstadt einen weiteren Nackenschlag hinnehmen müssen.
Eine leichte Aufgabe für den BTSV also, zumal Hansa auswärts in der Saison noch nie gewonnen hatte? Nicht unbedingt!
Denn bei den „Löwen“ war die Leichtigkeit der Hinrunde ein wenig verloren gegangen – wohl zum Teil auch deshalb, weil sich die Liga inzwischen auf die Spielweise der Blau-Gelben eingestellt hatte. In den sechs Spielen der Rückrunde war der BTSV sieglos geblieben, hatte aber auch nur 2x verloren. Die letzten drei Begegnungen waren alle Unentschieden ausgegangen (0:0 gegen den KSC; 1:1 bei Erzgebirge Aue; 0:0 bei St.Pauli).
22.000 Zuschauer fanden sich an diesem Sonntag im „Tempel“ ein, unter ihnen auch eine stattliche Anzahl von Hansa-Fans.



Wieder einmal mehr als 20.000! Typisch Braunschweig, das in der Zuschauertabelle der Hinrunde als Aufsteiger schon den 6. Platz eingenommen hatte (mit knapp 22.100 im Durchschnitt)! Nur übertroffen von Eintracht Frankfurt (35.200), Fortuna Düsseldorf (28.000), Dynamo Dresden (26.200), 1860 München (24.700) und dem FC St.Pauli (22.700), die zum großen Teil über Stadien mit einem erheblich höheren Fassungsvermögen verfügten.
Die Begegnung verlief zunächst ausgeglichen mit leichten Vorteilen für den Gast. In Führung ging aber der BTSV. Nach einer Ecke traf Theuerkauf früh zum 1:0 (7.). Bereits ein paar Minuten später war die Führung schon wieder „Geschichte“. Hansa glich aus (14.). An den Spielanteilen änderte sich in der Folgezeit wenig. Eintracht bekam die Partie einfach nicht so in den Griff, wie das alle Blau-Gelben gern gesehen hätten. Nach 30 Minuten korrigierte Trainer Lieberknecht das Spielsystem mit dem Wechsel Edwini-Bonsu für Vrancic vom 4-5-1 auf ein 4-4-2. Eintrachts neuer Stürmer führte sich auch gleich gut ein. 40. Minute, Vorarbeit Edwini-Bonsu auf Kruppke, der mit Pass auf Kumbela – 2:1! Mit dieser etwas glücklichen Führung für die „Löwen“ ging es in die Pause.
Lange hielt die Freude der Eintracht-Fans über die Führung nicht an. In Minute 52 gelang den Rostockern erneut der Ausgleich. Nicht unverdient, wenn man bedenkt, dass das Schussverhältnis nach 60 Minuten 3:9 aus Sicht des BTSV betrug. Nach einer Stunde aber legten die Blau-Gelben noch einmal zu. Nun schossen nur noch sie (7:0 bis zum Ende)! Einer dieser Schüsse brachte dann auch den Siegtreffer. Nach einem Foul an Randy Edwini-Bonsu, der ein starkes Spiel ablieferte, traf der ebenfalls eingewechselte Zimmermann per Freistoß. Der gegnerische Torwart sah dabei nicht gut aus, da der Schuss in die „Torwartecke“ ging. 3:2 in der 79. Spielminute! Dabei blieb es.





[alle 3 Bilder von B.Grimm]

Mit diesem (ersten) Sieg (der Rückrunde) hatte sich Eintracht den 7.Tabellenplatz von Union Berlin zurückerobert. Mit nun 35 Punkten brauchte vom möglichen Abstieg der Blau-Gelben nun wirklich niemand mehr zu reden. Allein der Vorsprung auf den Zwölften Energie Cottbus (27P.) betrug schon 8 Punkte. Tabellenplatz 16 war gar 15 Punkte entfernt.
Die „Löwen“ blieben danach weitere sechs Spiele unbesiegt – aber auch sieglos, da sie immer Unentschieden spielten.
Die Bilanz vom 21. bis 30. Spieltag lautete also: 1 Sieg und 9 Remis – Ungewöhnlich!
Mit insgesamt 15 Unentschieden, dem Höchstwert der Liga, beendete der BTSV die Saison. Da Eintracht außerdem 10 Partien gewonnen hatte, reichte das locker zum Klassenerhalt (8. mit 45 Punkten). Hansa Rostock stieg als Tabellenletzter mit 27 Punkten wieder in die 3. Liga ab.

Bayern München – Eintracht 2:0 (1:0)04.03.2015
DFB-Pokal Achtelfinale – 2014/2015
Am Mittwoch, den 4.3.2015 musste Eintracht bei Bayern München antreten!
Huch, Eintracht bei Bayern? War die Eintracht nicht im Sommer 2014 gerade erst aus der Bundesliga abgestiegen? Ein Freundschaftsspiel also? – Nein, nein! Das mit dem Abstieg war schon richtig, trotzdem handelte es sich nicht um einen Freundschaftskick. Die „Löwen“ trafen im Achtelfinale des DFB-Pokals auf den aktuellen Deutschen Meister, und das auch noch auswärts!
Die ersten beiden Pokalrunden hatte der BTSV mehr oder weniger souverän gemeistert. Einem 1:0 beim Bremer SV (16.8.2014) folgte in der 2.Runde ein Sieg mit demselben knappen Ergebnis beim Regionalliga-Spitzenreiter Würzburger Kickers (29.10.2014). In beiden Fällen war (der von RB Salzburg ausgeliehene) Nielsen der Siegtorschütze gewesen.
Zeit zum Träumen, wen man sich als Gegner für das Achtelfinale wünscht, war der blaugelben Fangemeinde danach nicht vergönnt. Als sie sich noch auf der Rückfahrt aus Würzburg befand, fand anderen Orts bereits die Auslosung statt. Und tatsächlich wurde aus dem Kreis der verbliebenen 9 Bundesligisten, 4 Zweitligisten, 2 Clubs aus der 3.Liga und 1 Regionalligisten den Okerstädtern ein Auswärtsspiel beim Abonnement-Meister zugelost. Während die Mehrheit der „Löwen“-Fans mit dem Los haderte und vom sicheren Ausscheiden ausging, jubelte zumindest ein in den Diensten des BTSV Stehender: Sören-Oliver Voigt! Der Geschäftsführer der „Eintracht Braunschweig GmbH u CoKG aA“ musste die Finanzen im Blick haben, und da gab es kein besseres Los. Voigt ging von einer so gut wie ausverkauften Allianz-Arena aus. Bei Einnahmeteilung würde für den BTSV also ein gehöriger Batzen Euros übrig bleiben.
Voigt sollte Recht behalten. Am Spieltag hatten sich 75.000 Zuschauer im Stadion eingefunden, unter ihnen mehr als 4.000 Eintracht-Anhänger – für einen Mittwochabend sensationell!
Die Rollen waren klar verteilt. Auf der einen Seite der Deutsche Meister Bayern München, der auch in der laufenden Saison die Tabelle (nach 23 Spieltagen) bereits wieder mit deutlichem 8-Punkte-Vorsprung anführte, auf der anderen Seite der Zweitligist Eintracht Braunschweig, der vier Jahre zuvor noch drittklassig war.
Eintracht hatte den Abstieg aus der Bundesliga eigentlich hervorragend weggesteckt. Die Blau-Gelben waren als Tabellenvierter punktgleich mit dem zweiten (33P. nach 19 SpT) in die Winterpause gegangen, aber dort offensichtlich im nicht vorhandenen Schnee stecken geblieben. Mittlerweile waren wieder 4 Partien absolviert und die Punkteausbeute Eintrachts daraus betrug ein einziges Pünktchen. Zuhause gab es ein 0:2 gegen den 1.FC Kaiserslautern und ein 1:1 gegen RB Leipzig, auswärts holte man sich beim VfL Bochum (2:3) und bei Darmstadt 98 (0:1) zwei Niederlagen ab. Die Aufstiegsträume der „Löwen“-Fans hatten angesichts Platz 6 und 7 Punkten Rückstand zu Relegationsplatz 3 einen argen Dämpfer erhalten.
Ob Eintracht tatsächlich das Selbstvertrauen abhanden gekommen war, wie das Sportmagazin „Kicker“ am 2.3. vermutete, sei dahingestellt. „Löwen“-Bändiger Lieberknecht musste zwar auf den Pokaltorschützen Nielsen sowie auf Kruppke, Oehrl und Dogan verzichten, hatte aber zumindest seinen Humor nicht verloren. Er drohte den Münchnern an: „Wir werden die Bayern … in unserem 16er einschnüren“.
Folgende Elf sollte die nicht vorhandene Chance auf eine Sensation nutzen: Gikiewicz – Kessel, Decarli, Reichel, Sauer – Hedenstad, Correia, Boland – Omladic, Ryu, Zuck.
Dem stand mit der Bayern-Elf Neuer – Rafinha, Boateng, Dante, Alaba – Götze, Schweinsteiger – Robben, Lewandowski, Ribery eine Ansammlung von Weltmeistern, Nationalspielern und Stars gegenüber. Der Trainer des „Stern des Südens“ Pep Guardiola hatte seine Ankündigung also wahrgemacht, als er sagte: „Es spielt die beste Mannschaft, die möglich ist, um zu gewinnen“.
Pünktlich um 20.30 Uhr pfiff Schiedsrichter Dr.Jochen Drees (Münster-Sarmsheim) die Begegnung an.
Fünf Minuten später stand er schon im Mittelpunkt. Was war geschehen? Kessel hatte Ribery gefoult und der für seinen Jähzorn bekannte Franzose wehrte sich rotwürdig mit einem Revanchefoul. Und was machte Dr.Drees? Er ahndete das Foul Kessels mit Freistoß und der Gelben Karte und ließ Ribery ungeschoren davonkommen. Angeblich hatte er die Aktion des Bayern-Spielers nicht gesehen. – Nicht das erste und auch nicht das letzte Mal, dass Ribery für Tätlichkeiten nicht vom Platz flog. Ob er für die Handvoll Tätlichkeiten in seiner aktiven Zeit in Deutschland (2007-2019) auch so zuvorkommend behandelt worden wäre, wenn er nicht für den Großkonzern FC Bayern gekickt hätte? Man weiß es nicht!
Natürlich waren die Münchner in der Partie überlegen und kamen auch zu 2, 3 Chancen. Dennoch sah es so aus, dass die Blau-Gelben mit einem torlosen Unentschieden in die Pause gehen könnten. Nach 45 Minuten stand es noch 0:0. In der Nachspielzeit kam es jedoch zu einem Zweikampf Boland/Robben, den der Schiri als Foul des Einträchtlers wertete. Höchst zweifelhaft, wie auch die Sportzeitung „Kicker“ in ihrer Ausgabe vom 5.März schrieb, aber was half es? Direkter Freistoß für Bayern, ca. 22m vor dem Eintracht-Tor. Alaba lief an und hämmerte den Ball ins Netz (45.+1). Der für Gikiewicz unhaltbare Schuss touchierte noch die Latte. 1:0 für Bayern, Pause!
Auch in Halbzeit 2 blieben die Münchner das dominierende Team. Sie erspielten sich auch wieder Chancen -- die gleiche spärliche Anzahl wie in Durchgang 1. Dennoch wäre es wohl zu keinem weiteren Treffer gekommen, wenn sich Weltmeister Mario Götze nicht in der 67. Minute zu einem Alleingang entschlossen hätte, dabei drei Blau-Gelbe ausspielte und eiskalt abschloss. 2:0. Da Eintracht – trotz insgesamt guter Leistung -- dem Gehäuse von Manuel Neuer nicht wirklich gefährlich nahe kam, lautete so auch der Endstand
Der Favorit Bayern München hatte den Außenseiter Eintracht Braunschweig mit 2:0 besiegt.
Alles normal, oder? Was aber wäre gewesen, wenn der an diesem Abend wirklich schlechte Schiri („Kicker“-Note 5, für mangelhaft) Ribery vom Platz gestellt oder zumindest den Freistoß zum 1:0 nicht gegeben hätte? …
Neben den Bayern qualifizierten sich der SC Freiburg, Bayer Leverkusen, die TSG Hoffenheim, VfL Wolfsburg, Borussia Dortmund, Bor. Mönchengladbach (alle Bundesliga) und Drittligist Arminia Bielefeld für das Viertelfinale.
Für Eintracht blieb als Trost die satte Einnahme.
Für Fans des Sports der Okerstadt allgemein gab es 1 ½ Wochen einen weiteren Trost: Braunschweigs Bundesliga-Basketballer schlugen Bayern München in deren Halle 80:76. Ein Ausrufezeichen, wenn man bedenkt, dass die Bayern in diesen Jahren dank Hoeness praktisch alle guten Basketballer aufkauften. Wie im Fussball, so im Basketball!

[Stand: Mai 2019]