31. Januar
Eintracht - Juventus Turin 3:2 (3:1)31.01.1968
Viertelfinale Europapokal der Landesmeister - 1967/68
Am 31.1.1968 fand im Stadion an der Hamburger Straße das Viertelfinal-Hinspiel im Europapokal der Landesmeister zwischen Eintracht und dem italienischen Meister Juventus Turin statt.
Eintracht war als aktueller Deutscher Meister kampflos in die zweite Runde dieses Wettbewerbs eingezogen, da der albanische Vertreter Dinamo Tirana verzichtet hatte. In dieser Runde hieß der Gegner Rapid Wien. Nachdem der österreichische Meister das Hinspiel in Wien mit 1:0 gewinnen konnte, setzten sich die Blau-Gelben im Rückspiel mit 2:0 durch und qualifizierten sich so für die Runde der letzten Acht. Die Turiner waren durch Siege gegen Olympiakos Piräus (2:0/0:0) und Rapid Bukarest (1:0/0:0) ohne Gegentor in das Viertelfinale eingezogen.



Der Respekt der "Löwen" vor dem italienischen Rekordmeister war groß. Allerdings wusste man auch um die eigene Spielstärke. Zwar war die Mannschaft nach der Meisterschaft im letzten Sommer nicht gut in die Saison gestartet (4:8 Punkte nach 6 Spieltagen), hatte dann jedoch eine Siegesserie hingelegt (13:1 Punkte zwischen Spieltag 7 und 13) und stand inzwischen mit 23:15-Punkten als Tabellendritter sehr gut da. Zudem hatte man in der Saisonvorbereitung ein Freundschaftspiel in Turin gegen Juventus mit 2:1 gewonnen. Vor Furcht erstarren musste man also nicht.
Ganz Braunschweig freute sich auf die Begegnung, die live im ZDF gezeigt wurde. Das Hotel "Forsthaus" an der Ecke Hamburger Straße/Siegfriedstraße, in dem Juventus Turin abgestiegen war, wurde von Autogrammjägern umlagert. Natürlich war das Spiel mit 34.000 Zuschauern, darunter 3.000 italienische "Gastarbeiter", wie sie damals hießen, bestens besucht (, aber tatsächlich nicht ganz ausverkauft).
Eintracht begann die Partie bei winterlichen Temperaturen von knapp über dem Gefrierpunkt zur Freude seiner Fans und der vielen deutschen Zuschauer vor den Fernsehgeräten stürmisch und erspielte sich innerhalb der ersten 10 Minuten gleich mehrere Chancen durch Moll (Fallrückzieher), Dulz (Schuss) und Ulsass (Schuss nach Dribbling durch den Strafraum). Allerdings wirkte "Juve" bei seinen gelegentlichen Vorstößen immer gefährlich. Einer dieser Vorstöße führte dann tatsächlich nach einem Freistoß in der 11. Minute zum 0:1. Ärgerlich!
Doch unbeeindruckt stürmten die "Löwen" weiter und wurden nach knapp einer halben Stunde belohnt. Kaack eroberte in der 28. Minute Mitte der gegnerischen Hälfte das Leder, marschierte noch 20 Meter und traf mit einem Flachschuss von der Strafraumgrenze links ins Tor. Jubel! Feuerwerkskörper en masse! Die "Löwen" erhöhten den Druck und erzielten 10 Minuten später tatsächlich die Führung. Nachdem Moll zurückgelegt hatte, traf Dulz hoch ins Netz. Doch damit nicht genug. Nicht einmal 60 Sekunden waren vergangen, als Berg mit einem Flachschuss rechts unten auf 3:1 erhöhte (siehe Bild). Das war zugleich der Pausenstand. Mit dem Gefühl, eine hervorragende Leistung der eigenen Mannschaft gesehen zu haben, gingen die Fans zum Halbzeit-Bier. Die Fernsehzuschauer wurden mit Interviews mit der langjährigen Geschäftsstellenmitarbeiterin Martini, dem 96-Trainer Horst Buhtz und Eintracht-Trainer Johannsen unterhalten.
Direkt nach dem Wiederanpfiff traf Eintracht per Kopf den Pfosten. Danach zogen sich die "Löwen" etwas zurück und die Turiner kamen besser ins Spiel. Außer einer Großchance in der 58. Minute, bei der Eintracht Glück hatte, ließ die Abwehr aber keine gefährlichen Situationen zu. Ab der 70./75. Minute spielten die Blau-Gelben wieder zielstrebiger nach vorn und drängten auf das vierte Tor. Der Mut wurde nicht belohnt – im Gegenteil! In der 82. Minute fälschte Kaack, der bereits beim 0:1 den Ball als Letzter berührt hatte, den Schuss eines "Juve"-Spielers unhaltbar für Torwart Wolter ins eigene Tor ab. Eigentor! Nur noch 3:2!
3:2 war gleichzeitig das Endergebnis! Die Spieler wussten nicht so recht, ob sie sich freuen oder ärgern sollten. Einerseits hatten sie den italienischen Meister geschlagen, dabei teilweise begeisternden Fussball gespielt und 3 Tore erzielt, andererseits wurde das knappe Ergebnis den Spielanteilen nicht vollständig gerecht und gab für das Rückspiel in Turin keine Sicherheit. So überwog der Ärger. Auch Uwe Seeler, deutsche Sturm-Ikone der 60er Jahre, konstatierte: "Ein 3:1 wäre gerechter gewesen."
Sieben Wochen später stand fest, dass das 3:2 zu Hause nicht gereicht hatte. Das Rückspiel in Turin ging durch einen Elfmeter in der 88. Minute mit 0:1 verloren und im erforderlich gewordenen Entscheidungsspiel (noch keine Verlängerung und Elfmeterschießen, noch keine Auswärtstore-Regelung!) in Bern unterlagen die "Löwen" mit demselben Ergebnis. Den deutschen Fussball hatten sie dennoch gut vertreten. Erst sechs Jahre später gelang es einer deutschen Mannschaft, weiter als bis ins Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister zu kommen.
In diesem Jahr erreichten neben Juventus Turin die Mannschaften von Real Madrid, Benfica Lissabon und Manchester United das Halbfinale. Den Europapokal holte sich "ManU" durch ein 4:1 gegen Benfica.