1. März
Eintracht – Borussia Mönchengladbach 1:1 (0:1)01.03.2014
23. Spieltag Bundesliga – 2013/2014
Glücklicherweise betrug der Abstand zwischen dem 22. und 23.Spieltag der Bundesliga-Saison 2013/14 nur eine Woche. So wurden die „Löwen“-Fans bereits nach wenigen Tagen abgelenkt von ihrem Trauma der zuletzt erlittenen 1:2-Niederlage beim 1.FC Nürnberg. Die volle Aufmerksamkeit galt nun der Mannschaft von Borussia Mönchengladbach, die sich am 1.3.2014 im Stadion an der Hamburger Straße vorstellen sollte.
Es gab ungünstigere Zeitpunkte, an denen man die „Fohlen“ zum Gegner haben konnte. Das Team von Trainer Lucien Favre, der den Verein im Frühjahr 2011 auf Tabellenplatz 18 übernommen, zunächst (in der Relegation) vor dem Abstieg gerettet und in den beiden Folgespielzeiten auf die sehr guten Plätze 4 und 8 geführt hatte, war zur Saisonhalbzeit noch Tabellendritter mit 33 Punkten gewesen. Nach der „Winterpause“ jedoch war der Erfolg ausgeblieben. Einem 0:2 gegen Bayern München folgten mit dem 1:3 bei Hannover 96 und dem 0:1 gegen Bayer Leverkusen zwei weitere Niederlagen. Auch die danach erzielten Punkteteilungen mit 1:1 bei Werder Bremen und 2:2 (nach 2:0-Führung) gegen die TSG Hoffenheim konnten die Ansprüche der Westdeutschen nicht befriedigen und ließen sie auf Platz 6 der Tabelle abrutschen. Der Rückstand auf Platz 4, der für die Teilnahme an der ChampionsLeague mindestens erforderlich war, betrug schon 6 Punkte. Beim letzten Spiel hatte es sogar Pfiffe gegen den Trainer gegeben. Mit mickrigen 2 Punkten lagen die -- nun schon seit 7 Spielen (inkl. den letzten beiden Partien aus der Hinrunde) sieglosen -- Gladbacher auf Platz 17 der Rückrundentabelle.
Der BTSV dagegen hatte seinem Punktekonto nach dem 17.Spieltag „schon“ 4 weitere Punkte zugeführt (13. der RüRdTab). Nicht genug für den Aufsteiger aus dem Vorsommer, der seit dem 13.Spieltag durchgehend die „Rote Laterne“ des Tabellenletzten trug! Zwar kam diese Tabellenposition – für viele sog. Experten und auch Eintracht-Fans – nicht wirklich überraschend, aber 3 Punkte mehr hätten es für die „Löwen“ schon sein müssen! Aber wenn man die Partie beim „Club“ trotz 1:0-Führung, trotz 60minütiger Überzahl und trotz 2 Elfmetern für sich noch mit 1:2 verliert, …! So musste man als Blau-Gelber damit leben, dass der Abstand zum Vorletzten SC Freiburg schon 3 Punkte und auf die Mannschaften davor, HSV und VfB Stuttgart, 4 Punkte betrug.
Aber nun kam mit der Borussia bereits die nächste Gelegenheit, das Punktekonto aufzubessern. Vielleicht erwischte die Mannschaft wieder so einen guten Tag wie beim letzten Heimspiel, als sie den HSV mit 4:2 vom Platz gefegt hatte. Besser als im Hinspiel, als Eintracht mit 1:4 unterlag, sollte es doch auf jeden Fall laufen. Trainer Torsten Lieberknecht hatte mit seiner Vertragsverlängerung bis 2019 am Tag vor der Partie immerhin schon einmal ein positives Zeichen gesetzt.
Natürlich war das Stadion an der Hamburger Straße an diesem Sonnabend mit 23.200 Zuschauern wieder ausverkauft. Auch die „Fohlen“ hatten jede Menge Fans mitgebracht. Diese waren dem „Löwen“-Anhang noch in guter Erinnerung, weil sie im Hinspiel „Lieber Braunschweig als die TSG“ gesungen hatten. Aber was hieß das schon? Nahezu jedem Verein dürfte ein Traditionsverein sympathischer sein als ein durch die Millionen und Abermillionen eines Mäzens aufgepumpter Dorfverein wie Hoffenheim.
Der BTSV musste nur noch auf die Verletzten Oehrl, Gianluca Korte und Neuzugang Khelifi verzichten, konnte ansonsten auf alle Spieler zurückgreifen. Lieberknecht schickte Davari; Kessel, Bicakcic, Correia, Reichel; Bellarabi, Pfitzner, Boland, Hochscheidt; Kumbela, Nielsen auf den Platz. Im Gladbacher Team standen mit Herrmann, Xhaka, Max Kruse, Raffael und nicht zuletzt Torwart ter Stegen, der kurz darauf einen Vertrag bei seinem neuen Verein FC Barcelona unterschreiben sollte, gleich einige Akteure, die jedes Kind kannte.
Nach dem Anpfiff von Schiedsrichter Perl (München) erspielte sich Eintracht schnell leichte Feldvorteile, ohne aber zu zwingenden Torchancen zu kommen. In Minute 24 folgte dann die kalte Dusche: Bei einer Ecke von Raffael verfehlten mit Boland, Nielsen und Kessel gleich drei Blau-Gelbe das Leder. Davari wurde dadurch irritiert und boxte sich den Ball selbst ins Netz. Eigentor, 0:1! Entsetzen in der Südkurve bei den treuen Fans, vor deren Augen sich das Drama abgespielt hatte! Die „Löwen“ auf dem Rasen zeigten sich jedoch unbeeindruckt und dominierten weiter mutig die Begegnung. Die beste Gelegenheit zum Ausgleich bot sich Hochscheidt. Bei seinem Schuss war ter Stegen aber auf dem Posten (37.). Auch die Gladbacher kamen in Halbzeit 1 noch zu Chancen. Ein Schuss von Kruse ging über die Latte, und bei einem Schuss von Herrmann frei vom 16er zeigte Davari sein ganzes Können. So ging es mit dem Spielstand von 0:1 in die Pause. Nicht die bessere Mannschaft lag in Führung!
In der 2.Halbzeit waren nicht einmal sieben Minuten gespielt, als tosender Jubel im Stadion aufbrandete. Das 1:1 war gefallen! Aber nicht ein Eintracht-Spieler hatte einen Angriff erfolgreich abgeschlossen, sondern einem Gladbacher war ein „Missgeschick“ unterlaufen. Und was für eins! Gladbachs Abwehrspieler Daems spielte fast von der Mittellinie einen Rückpass auf seinen Keeper. Wie man es schon in der Jugend lernt, visierte er das Tor nicht direkt an, sondern servierte das Leder seitlich versetzt. Ter Stegen wollte den nicht hart geschossenen Ball in Ruhe stoppen, war aber offensichtlich unkonzentriert und das Spielgerät hoppelte über seinen rechten Fuß. Es bekam dabei eine leicht andere Richtung und fand den Weg ins Tor (52.). Ausgleich! 1:1 durch ein weiteres Eigentor! Ausgleichende Gerechtigkeit!
Wie die Fans nach der Begegnung der Presse entnehmen konnten, gab es zwei Eigentore zweier Torhüter in einer Bundesliga-Partie zuvor noch nie.
Nach dem Ausgleich übernahmen mehr und mehr die Gladbacher die Spielkontrolle. Die größte Chance vor der aufregenden Schlussphase vergab Hrgota, als er frei vor Davari auftauchte, aber das Leder nicht am sich ganz breit machenden Keeper vorbeilegen konnte. Auch Eintracht kam noch zu einer guten Gelegenheit. Kessel machte bei seinem Kopfball in Spielminute 79 auch alles richtig, konnte nur nicht mit dem Abwehrspieler auf der Torlinie rechnen, der den Treffer verhinderte. In den Schlussminuten schließlich häuften sich dann die Szenen vor dem Eintracht-Tor. Die Borussia machte nun richtig Druck. Erst verfehlte ein Schuss von Nordtveit nur knapp sein Ziel, dann traf Kruse den Pfosten. Und schließlich lag der Ball doch noch in Eintrachts Gehäuse. Der eingewechselte Mlapa hatte getroffen, wurde aber wegen „Abseits“ zurückgepfiffen. Wie sich hinterher herausstellte, war es ganz knapp „gleiche Höhe“, das Tor hätte also zählen können. Glück für den BTSV, der im Hinspiel aber auch mit einem zweifelhaften Elfmeter gegen sich klar benachteiligt worden war.
Das war es dann. Kurz darauf ertönte der Schlusspfiff. Unentschieden 1:1! Ein Punkt!
Sollte man als Eintracht-Fan zufrieden sein? Angesichts der aufregenden Schlussphase eigentlich schon. Das hätte noch schief gehen können. Angesichts der 1.Halbzeit war der Punkt aber auch verdient. Außerdem hatte die Mannschaft kämpferisch alles gegeben. Also was denn nun? Hätte man die Woche zuvor in Nürnberg gewonnen, ja dann … ! – Der Gedanke an das Nürnberg-Spiel sollte noch oft bei vielen Eintracht-Fans hochkommen.
Zumindest hatte die Konkurrenz dafür gesorgt, dass sich die Laune des blaugelben Anhangs nicht verschlechtern konnte. Nur dem SC Freiburg war beim 0:0 bei Hertha BSC ein Teilerfolg gelungen. Der HSV hatte bei Werder (0:1) und der VfB bei der Frankfurter Eintracht (1:2) verloren. Folge: Eintracht lag (mit 16 Punkten) in der Tabelle 3 Punkte hinter den punktgleichen Teams des SC Freiburg, des HSV und des VfB Stuttgart zurück. Alles machbar! Oder?
Wie wir inzwischen wissen, war es nicht machbar. Eintracht stieg im Sommer 2014 als Tabellenletzter wieder ab.
Was wir auch wissen: Borussia Mönchengladbach fing sich und rutschte nicht weiter ab. Am Saisonende wurden die „Fohlen“ Sechster. Sie qualifizierten sich damit erneut für einen internationalen Wettbewerb, die Europa League.
[Stand: August 2017]