8. März
VfB Stuttgart – Eintracht 2:2 (2:1)08.03.2014
24. Spieltag Bundesliga – 2013/2014
Wenn doch bloß das unselige Spiel beim 1.FC Nürnberg (1:2-Niederlage) nicht gewesen wäre! Wie könnte der BTSV jetzt vor dem 24.Spieltag dastehen, wenn die blau-gelben Streiter zwei Spieltage zuvor ihren 1:0-Vorspung durch den Elfmeter von Kumbela ausgebaut und ihn gegen nur 10 Franken verteidigt hätten?! Sie wären punktgleich (19 Punkte) mit dem SC Freiburg (17.), dem HSV (16.) und dem VfB Stuttgart (15.) gewesen, und der 1.FC Nürnberg (14.) hätte auch nur 1 Pünktchen mehr auf dem Konto gehabt. Aber so? Eintracht zierte – nach dem Punktgewinn am 23.Spieltag zu Hause gegen die Borussia aus Mönchengladbach (1:1) -- mit 16 Punkten weiterhin das Tabellenende. Die nächsten Teams lagen 3 Punkte voraus, und die Blau-Gelben mussten unbedingt punkten, um nicht frühzeitig hoffnungslos zurückzufallen.
Wenigstens trat man am 8.3.2014 bei einem Gegner an, bei dem das möglich erschien. Dem VfB Stuttgart ging es kaum besser als den „Löwen“. Die Schwaben, die schon früh in der Saison Trainer Labbadia (nach 3 Niederlagen) entlassen und durch Thomas Schneider ersetzt hatten, waren nach kurzfristigen Erfolgen nun tief im Tabellenkeller gelandet. Nach einer Niederlagenserie von 8 Partien in Folge zuletzt (nach der Winterpause: 1:3 gg Mainz 05; 1:2 bei Bayer Leverkusen; 1:4 gg FC Augsburg; 1:4 bei 1899 Hoffenheim; 1:2 gg Hertha BSC; 1:2 bei Eintracht Frankfurt) trennte sie nur noch das bessere Torverhältnis von einem direkten Abstiegsplatz. In einer fiktiven Tabelle seit dem 8.Spieltag waren sie sogar Letzter. Nur 9 Punkte aus den letzten 16 Spielen trieben den Verantwortlichen des VfB den Schweiß auf die Stirn. Trainer Schneider stand arg in der Kritik und hatte nur noch eine Gnadenfrist erhalten.
Eigentlich war es unter diesen Umständen kaum verständlich, dass der Wettanbieter „Tipico“ für einen Sieg des VfB nur den 1,65fachen Einsatz auszuzahlen bereit war, bei einem Unentschieden dagegen den 4fachen Einsatz und bei einem Sieg der „Löwen“ sogar den 5,5fachen. Traute man Eintracht, dem Aufsteiger aus dem Vorsommer, denn gar nichts mehr zu? Gut, das Hinspiel in der Okerstadt hatten die Blau-Gelben deutlich mit 0:4 verloren, aber das allein rechtfertigte doch eine solche Quote nicht. ‚Na warte, Tipico …!‘
Wie üblich, machte sich eine stattliche Anzahl unverdrossener „Löwen“-Fans an diesem Samstag auf den Weg in die (ca. 500 km entfernte) baden-würthembergische Landeshauptstadt. Über 2.000 von ihnen fanden sich schließlich in der Mercedes-Benz-Arena ein, die mit 59.000 Zuschauern (erst das 2.Mal in der Saison) ausverkauft war.
Sie waren gespannt, welche Mannschaftsaufstellung Löwenbändiger Lieberknecht dieses Mal wählen würde. Oehrl, Khelifi, GL Korte und Erwig-Drüppel standen wegen schwerer Verletzungen ohnehin nicht zur Verfügung. Zudem hatte sich Torwart Petkovic im Training verletzt. Boland fehlte zusätzlich wegen einer Gelb-Sperre. Wenigstens waren die vier Länderspiel-Fahrer Davari (Iran), Bicakcic (Bosnien-Herzegowina), Nielsen und Omar Elabdellaoui (beide Norwegen) gesund von ihren Nationalmannschaften zurückgekehrt.
Der Eintracht-Trainer entschied sich schließlich für folgende Elf:
Davari; Reichel, Correia, Bicakcic, Kessel; Hochscheidt, Theuerkauf, Pfitzner, Bellarabi; Nielsen, Kumbela .
In der Stuttgarter Startformation fehlte Torjäger Ibisevic wegen einer 5-Spiele-Sperre nach einer Roten Karte. Harnik und Cacau sollten stattdessen die Tore schießen.
Pünktlich um 15.30 Uhr pfiff Schiedsrichter Dingert (Lebecksmühle ) die Begegnung an. Die „Löwen“, die ganz in Dunkelblau mit einem gelben Längsstreifen gekleidet waren, legten vielversprechend los. Die 1.Ecke holten sie schon nach 11 Sekunden raus. Nach 2 Minuten hieß das Eckenverhältnis bereits 2:0 für Eintracht. Danach entwickelte sich eine Partie auf Augenhöhe. Der BTSV spielte munter mit und hatte sogar ein Chancenplus nach 20 Minuten. Gelegenheiten von Nielsen (7.) und Bicakcic (15.) stand lediglich eine von Harnik aus der 4.Minute gegenüber. In der 24.Spielminute hatte der stimmgewaltige BTSV-Anhang in Block 61B und, wo er auch sonst immer stand oder saß, dann Grund zum Jubeln. Bellarabi hatte sich an der linken Eckfahne durchgesetzt und das Leder nach innen geflankt. VfB-Verteidiger Rüdiger fälschte noch ab, sodass das Spielgerät genau vor Hochscheidt landete. Ein kluger Heber ins rechte obere Eck und … Tooooooor! 0:1! Die blau-gelbe Welt war sowas von in Ordnung!
Allerdings nur kurz! Nachdem 5 Minuten lang nichts darauf hingedeutet hatte, dass die Gastgeber jetzt besonderen Druck entfalten könnten, segelte in Minute 30 eine hohe Flanke von Boka an Eintrachts 5m-Raum, die Harnik per Kopf auf den lauernden Maxim zurücklegte. Schuss, Tor! 1:1! Keeper Daniel Davari sah dabei unglücklich aus.
Die Blau-Gelben auf dem Platz brauchten 2, 3 Minuten, bis sie sich wieder gefangen hatten, gestalteten die Begegnung dann aber wieder offen. Bis zur 35.Spielminute! In dieser wurde Harnik am 16er angespielt, ließ noch einen Abwehrspieler aussteigen und zog aus 16 Metern ab. Flach und unhaltbar zischte das Leder ins vom Schützen aus linke Eck. Tor! 2:1 für den VfB! Entsetzen im Gästeblock. Erinnerungen an das Nürnberg-Spiel drängten sich wegen der Reihenfolge der Tore förmlich auf. ‚Das darf doch nicht wahr sein! Nicht schon wieder!‘
Bis zur Pause tat sich nicht mehr viel. Pfitzner holte sich noch „Gelb“ ab, weil er sich mit Cacau geschubst hatte. Der VfB-Spieler kam ohne Karte davon. Ungerecht – wie das Halbzeitergebnis von 2:1 für die Gastgeber! Wenigstens die Halbzeitstände waren nach dem Geschmack der Eintracht-Fans. 95+1 lag gegen Leverkusen 0:1 zurück wie auch der HSV gegen den Namensvetter der Blau-Gelben aus Frankfurt. ‚Ob Schwarz-Weiß-Grün, ob Schwarz-Weiß-Blau, To… ähh … wir mögen nicht … dem HSV!‘
Die 2.Halbzeit war noch keine 6 Minuten alt, da traf alle Blaugelb-Infizierten der nächste Schock. Davari hatte VfB-Stürmer Harnik im Strafraum einfach abgeräumt und der Schiedsrichter zu Recht auf Strafstoß entschieden. 52.Minute, Gentner lief an, schoss und … Davari hielt den Schuss, der links von ihm einschlagen sollte. Jubel in Block 61B! ‚Endlich ´mal Glück für uns! Los, Löwen, auf geht ´s!‘
Wer gedacht hatte, Eintracht würde nun Aufwind bekommen und beherzt angreifen, sah sich getäuscht. Nach je einer Kopfballchance (Gentner 53. und Bicakcic 55.) kontrollierte der VfB das Geschehen auf dem Rasen recht souverän. 11 Minuten vor Schluss hatten die Schwaben das Eckenverhältnis, das zur Pause noch ausgeglichen war, auf 9:3 geschraubt. Wirklich gefährlich wurden sie in dieser Zeitspanne aber auch nur einmal. In der Szene brannte es vor dem Tor der „Löwen“ allerdings lichterloh. Pfitzner konnte schließlich auf der Torlinie klären (64.). Und der BTSV? Außer einem knapp das Tor verfehlenden Freistoß von Perthel, der kurz zuvor gemeinsam mit Ademi (für Pfitzner und Nielsen) eingewechselt worden war, tat sich nichts. Aber das Spiel dauerte ja schließlich noch mindestens 11 Minuten.
In der 80.Spielminute zeigten die Gäste zur Freude ihres Anhangs dann endlich eindrucksvoll, dass sie sich noch nicht mit der Niederlage abgefunden hatten. Hochscheidt hatte einen Freistoß maßgerecht auf den Kopf von Kessel gezirkelt, der das Leder auch nahezu optimal traf. Den Torschrei schon auf den Lippen mussten die Eintracht-Fans jedoch sehen, wie VfB-Keeper Ulreich den Ausgleich mit einer Glanzparade verhinderte. Statt im Tor landete der Ball auf der Latte. Die nachfolgende Ecke brachte nichts ein.
Zwei Minuten später kamen die „Löwen“, die nun druckvoller agierten, zur nächsten, der 5.Ecke. Vrancic, der 4 Minuten zuvor für Reichel eingewechselt worden war, brachte sie herein. Bellarabi verlängerte und Bicakcic drückte das Spielgerät mit seinem rechten Fuß über die Linie. Toooooor! 2:2! Ausgerechnet durch „Eisen-Ermin“, der bis zum Jahreswechsel 2011/12 selbst noch beim VfB gekickt hatte!
Die Eintracht-Fans wurden nun noch lauter „Werdet zur Legende …!“. ‚Vielleicht war ja sogar der Sieg drin!‘ Auf dem Spielfeld tat sich jedoch nicht mehr viel. Hochscheidt, Kessel und der 51 Sekunden vor dem 2:2 eingewechselte VfB-Spieler Traoré holten sich noch „Gelb“ ab, jedes Team kam noch zu einer Ecke und der VfB wechselte Timo Werner für Cacau ein – das war ´s! Nach 92 Minuten pfiff Schiedsrichter Dingert, der gut geleitet hatte, die Partie ab.
2:2! Unentschieden! Der „Löwen“-Anhang war zufrieden. Angesichts des spät gefallenen Ausgleichs und der Spielanteile in der 2.Halbzeit durfte man nicht mehr als 1 Punkt erwarten.
Eintracht-Trainer Lieberknecht sah es genauso und äußerte sich in der Pressekonferenz nach dem Spiel auch entsprechend. Diese PK fand übrigens erst 1 Stunde nach dem Schlusspfiff statt, weil die Hardcore-Fans des VfB in der Cannstatter-Kurve zuvor noch „Gesprächsbedarf“ hatten. VfB-Trainer Schneider war natürlich enttäuscht, weil sein Team nun schon wieder kurz vor Schluss Punkte verspielt hatte. Keine 16 Stunden später war er als Trainer beim VfB Stuttgart entlassen. Bereits am Montag (10.3.) übernahm Hub Stevens.
Die „Löwen“ und ihre Fans beschäftigten sich derweil mit anderen Dingen. ‚Wie hatten die anderen Mannschaften gespielt? War es bei den Rückständen von Hannoi und Hamburg geblieben?‘ Nein, war es nicht! In beiden Spielen hatten die Heimteams noch getroffen. Endstand jeweils 1:1! Nicht erfreulich, aber hinnehmbar aus Sicht des BTSV. Immerhin hatten sich die Abstände nicht vergrößert, obwohl Eintracht auswärts antreten musste, während die Konkurrenz Heimspiele hatte. Interessant war zudem, wie der nächste Gegner der Blaugelben, der VfL Wolfsburg, gespielt hatte. Die „Radkappen“ hatten ihr Heimspiel gegen die Bayern aus München mit 1:6 in den Sand gesetzt.
Das nächste Spiel, das aus „Löwen“sicht von Interesse war, konnten Eintrachts Fans auf der Rückfahrt aus Stuttgart verfolgen. Im Samstagabendspiel (18:30 Uhr) traf der 1:FC Nürnberg auf Werder Bremen und unterlag mit 0:2. Und dann war da noch die Begegnung des SC Freiburg gegen Borussia Dortmund am Sonntag. Endstand: 0:1.
Der Spieltag war nicht schlecht für Eintracht gelaufen! Keiner der Konkurrenten hatte sein Heimspiel gewonnen, Nürnberg und Freiburg sogar verloren. Der SC Freiburg war wieder in direkter Reichweite. Hoffnung! „Eintracht gibt nicht auf!“ ….
Während Eintracht am Saisonende den Klassenerhalt deutlich verfehlte, rettete sich der VfB Stuttgart tatsächlich noch auf Platz 15. In der Folgesaison 2014/15 gerieten die Schwaben erneut in Abstiegsnot, retteten sich aber am Ende erneut, dieses Mal auf den 14.Platz. Das gelang ihnen in der Spielzeit 2015/16 jedoch nicht mehr. Mit 33 Punkten belegten sie Platz 17 und stiegen direkt ab.
In der 2. Liga trafen sie dann in der Saison 2016/17 wieder in Punktspielen auf den BTSV.
[Stand: Dezember 2017]