14. März
Eintracht – Hamburger SV 2:1 (0:0)14.03.1964
24. Spieltag Bundesliga 1963/64
Drei Viertel der ersten Bundesliga-Saison waren nun schon vorbei, aber von Abstiegskampf fehlte in Braunschweig jede Spur. Der von der breiten Mehrheit der Fussballexperten als Abstiegskandidat hochgehandelte Club aus dem Zonenrandgebiet Eintracht Braunschweig wollte partout die Prognosen nicht erfüllen. Eine sorgenfreie Saison strebte einem vermeintlich sorgenfreien Abschluss entgegen. Wohlgemerkt – gerettet waren die „Löwen“ noch nicht, aber nichts deutete darauf hin, dass sie noch einbrechen würden. Gerade der Sieg am letzten, dem 23. Spieltag bei Werder Bremen mit 3:2 – schon der dritte Auswärtssieg – hatte die letzten Zweifler überzeugt. Mit 19:23 Punkten (2-Punkte-Wertung) belegte der BTSV einen Platz im unteren Mittelfeld. Aber der Club hatte ja noch zwei Heimspiele in der Hinterhand, die aufgrund der widrigen Platzverhältnisse im Winter ausgefallen und noch nachzuholen waren. Mit dem 1.FC Saarbrücken (Ausfall v. 25.1.) und Hertha BSC (Ausfall vom 29.2.) erwartete man zudem noch zwei Teams, die in akuter Abstiegsgefahr schwebten, und rechnete sich daher weitere Punkte aus.
Überhaupt der Winter! 15 Spiele insgesamt waren den Witterungsverhältnissen in der kalten Jahreszeit zum Opfer gefallen. 5 waren bereits (am 8.2.) nachgeholt worden, 10 weitere standen also noch aus und gaben der Tabelle ein leicht schiefes Bild.
Zwei Nachholspiele hatte auch der Hamburger SV noch zu absolvieren, der am 24.Spieltag im Stadion an der Hamburger Straße antreten musste. Der Abonnementmeister der Oberliga Nord (seit 1955 bis 1963 durchgehend Meister) lag in der Tabelle erwartungsgemäß mit 24:18 Punkten vor dem BTSV, rechnete sich aber keine Chancen auf die Meisterschaft mehr aus. Zu dominant trat der 1.FC Köln auf, der dann auch später souverän Meister wurde.
Im Gegensatz zu den Blau-Gelben kamen die Hamburger nicht mit dem frischen Wind eines Erfolgserlebnisses angereist – ganz im Gegenteil!. Mit 2:9 war der große HSV bei 1860 München am 23.Spieltag unter die Räder gekommen. Kein Grund für Eintracht den Gegner zu unterschätzen, denn in der Elf von der Elbe standen mit Uwe Seeler, den Gebrüdern Bernd und Gert Dörfel, Horst Dehn, Ernst Kreuz, Jürgen Kurbjuhn und Harry Bähre schon einige Spieler, deren Namen jeder Fussballfan kannte.
Trainer Johannsen schickte an diesem Samstag, den 14.3.1964 unter den Augen von 30.000 Zuschauern folgende Elf aufs Feld: Jäcker – Brase, Meyer – Schmidt, Kaack, Bäse – Wuttich, Schrader, Moll, Hosung, Dulz.
Pünktlich um 16.30 Uhr pfiff Schiedsrichter Rolf Seekamp aus Bremen die Partie an. Hoffentlich war er nicht rachsüchtig, dachten einige Eintracht-Anhänger wegen des gerade erst eine Woche zurückliegenden Erfolgs der „Löwen' bei Werder. Aber Werder und der HSV sind ja nun auch nicht gerade befreundet…
Der HSV stellte in der 1.Halbzeit das bessere Team, schaffte es aber nicht, die Überlegenheit in Zählbares umzuwandeln. Am Dichtesten war noch Nationalstürmer „Uns Uwe“ Seeler dran, der in der 22.Spielminute die Latte traf. So ging es mit einem 0:0 in die Pause. In Halbzeit 2 änderte sich am der Kräfteverteilung zunächst nichts. Die Rothosen dominierten. In Minute 60 allerdings schickte Bäse Stürmerkollege Schrader mit einem 40m-Diagonalpass auf die Reise. Dieser bediente Wuttich und … Tooor! 1:0! Der BTSV führte!
Praktisch vom Anstoß weg holten die Hamburger zum Gegenschlag aus, aber auch Bernd Dörfel traf nur die Latte. Diese Schrecksekunde und die kurz darauf folgende schwere Verletzung von Dulz (Wadenbeinbruch), der nach Behandlung fortan nur als Statist mitwirken konnte, ließen für die „Löwen“ Schlimmstes befürchten. Aber die Braunschweiger wehrten sich mit allem, was sie hatten. In Minute 80 gelang den dezimierten Blau-Gelben sogar ´mal wieder ein vielversprechender Angriff. Wuttich hatte sich durchgesetzt, flankte zur Mitte und Schrader köpfte… ins Tor! 2:0! Vertauschte Rollen zum 1:0!
Die Köpfe der HSV-Spieler gingen runter, aber nur kurz. Dann kämpfte der Nord-Meister wieder darum, wenigstens einen Punkt von der Oker mitzunehmen. Mehr als der Anschlusstreffer durch Gert Dörfel (86.) gelang ihm aber nicht mehr.
Eintracht hatte den besten norddeutschen Verein der jüngeren Geschichte mit 2:1 besiegt und stand mit 21:23 Punkten glänzend da. Was sollte nun noch schiefgehen?
Es ging nichts schief! Aus den beiden Nachholspielen holten die Blau-Gelben 3:1-Punkte und beendeten die Saison mit 28:32 Punkten auf Platz 11. Absteigen mussten der 15. und der 16. Preußen Münster (23:37) und der 1.FC Saarbrücken (17:43).
Übrigens: Highlight des 24.Spieltags war das 7:1 im Verfolgerduell Borussia Dortmund gegen den VfB Stuttgart. Hohe Ergebnisse waren in den ersten Bundesligajahren häufiger als heutzutage. In der Gründersaison 1963/64 schossen allein sechs Teams 7 Tore in einem Spiel, ein Team sogar 9 (s.o.). Besonders Borussia Dortmund tat sich da hervor. Sein Torverhältnis von 73:57 spricht Bände. 4,3 Tore pro Partie bekamen die Besucher im Schnitt zu sehen! Die wenigsten Tore erlebten die Eintracht-Fans. Mit einer Ausbeute von 36:49 fielen gerade einmal 2,8 Treffer pro Eintracht-Spiel. Mit 49 Gegentoren stellten die „Löwen“ allerdings die fünftbeste Abwehr. -- Die gute Abwehr war bekanntlich die Grundlage für das Erringen der Deutschen Meisterschaft gut 3 Jahre später.
[Stand: Februar 2020]