25. März
Eintracht – FSV Mainz 05 3:1 (2:1)25.03.2014
27. Spieltag Bundesliga – 2013/2014
Am 25.3.2014 hatte Eintracht im Punktspiel den FSV Mainz 05 zu Gast.
So langsam wurde die Luft dünn für den BTSV. In der Bundesliga-Saison 2013/14 waren nur noch acht Spiele zu bestreiten, und der Sensationsaufsteiger aus dem Vorsommer zierte immer noch das Tabellenende. 18 Punkte aus 26 Spielen waren einfach nicht genug! Der Abstand zum rettenden Ufer, Platz 15 der Tabelle, betrug schon 6 Punkte und auch der Relegationsplatz 16 war bei 5 Punkten Rückstand außer Reichweite.
An Unterstützung fehlte es den „Löwen“ wahrlich nicht. Erst drei Tage zuvor waren 5.000 Eintracht-Fans mit nach Gelsenkirchen gereist, um ihr Team bei Schalke 04 zu unterstützen (1:3-Niederlage). Nach verlorengegangenen Spielen gab es regelmäßig noch Beifall für die Spieler. Pfiffe? Fehlanzeige! Die Fangemeinde rund um die Stadt an der Oker hatte weitgehend verinnerlicht, dass diese Bundesliga-Saison (nach nur 2 Jahren Zweitliga-Zugehörigkeit und) 28 Jahren Abwesenheit ein Geschenk war, das man genießen sollte. Nicht umsonst sagte Trainer Lieberknecht vor der Saison, dass der Klassenerhalt ein noch größeres Wunder wäre als der Aufstieg.
Dieses „Wunder wollte man immer noch schaffen. Aufgeben? – Kam für „Löwen“ nicht in Frage! Lieberknecht machte in Interviews vor dem Mainz-Kick allerdings deutlich, dass „es vielleicht die letzte Chance ist, noch ´mal an die anderen Mannschaften heranzurücken“. Er sprach Klartext: „Es hilft nichts! Wir brauchen den Dreier!“ Und an seine Spieler gerichtet: „Laufen bis der Arzt kommt!“
Laufen würden an diesem Wochenspieltag jedoch neben den Dauerverletzten (Oehrl, Petkovic, GL Korte, Khelifi, Erwig-Drüppel) auch Bellarabi und Theuerkauf nicht. Bellarabi wurde bereits auf Schalke kurz nach Beginn der 2.Hälfte wegen Leistenproblemen ausgewechselt und fiel weiterhin aus. Theuerkauf musste nach nun schon 10 Gelben Karten seine zweite Gelbsperre absitzen. Insbesondere der Ausfall von Bellarabi tat Eintracht weh.
Der FSV Mainz 05 dagegen stand komfortabel da. Der Karnevalsverein, der erst im achten Jahr erstklassig war (2004-2007, seit 2009 durchgehend), hatte bereits 41 Punkte eingefahren und lag damit auf Platz 7 der Tabelle, punktgleich mit dem Sechsten VfL Wolfsburg. Da der Fünfte Borussia Mönchengladbach mit 42 und der Vierte Bayer Leverkusen mit 44 Punkten in Reichweite waren, hieß die Blickrichtung: EUROPA! Trainer Tuchel hatte seine Mannschaft vor diesem Wochenspieltag – entgegen den Gewohnheiten der meisten anderen Teams -- in einem Hotel außerhalb Braunschweigs in Peine-Stederdorf untergebracht, am Dienstagmorgen noch ein kurzes, lockeres Training auf dem örtlichen Fussballplatz absolvieren lassen und war erst knapp 2 Stunden vor Spielbeginn in die Stadt Heinrich des Löwen gereist.
Im Stadion an der Hamburger Straße wurden die beiden Mannschaften von 21.880 Zuschauern erwartet. Der Heimbereich war wieder ausverkauft und im Gästeblock tummelten sich über 500 Fans der 05er – eine beachtliche Anzahl für ein Dienstagabend-Spiel.
Trainer Lieberknecht hatte sich für folgende Startformation entschieden:
Davari – Kessel, Bicakcic, Correia, Reichel – Elabdullaoui, Vrancic, Boland, Hochscheidt – Kumbela, Nielsen.
Hinsichtlich der Abwehrformation gab es keine Überraschungen. Auch mit zwei Angreifern war angesichts der Ausgangslage gerechnet worden. Winter-Neuzugang Havard Nielsen sollte es also an der Seite von „Kumba“ richten. Für Einige überraschend kam der Einsatz von Damir Vrancic. Eintrachts Aufstiegsheld (Torschütze des Siegtreffers beim FC Ingolstadt am 26.4.2013) kam damit zu seinem 6.Startelfeinsatz.
In der Mainzer „Elf“ standen mit Torwart Karius, Malli, Nicolai Müller und Choupo-Moting gleich mehrere Spieler, die aufgrund ihrer überdurchschnittlichen Leistungen längst die Aufmerksamkeit anderer Vereine auf sich gezogen hatten. Stürmer Okasaki, für den das auch galt und der im Hinspiel beide Treffer zum 2:0-Erfolg des FSV erzielt hatte, musste dagegen zunächst auf der Ersatzbank Platz nehmen.
Um 20 Uhr pfiff Schiedsrichter Robert Hartmann (Wangen) die Begegnung an.
Eintracht machte sofort Druck. In der 8.Minute lautete das Eckenverhältnis bereits 4:0. Erst danach fingen sich die Mainzer, die von der Angriffswucht der Blau-Gelben offensichtlich überrascht worden waren. Nun nahmen sie am Spiel teil, kamen selbst zu 2 Ecken und erspielten sich erste Gelegenheiten. Einmal musste Davari klären (8.), das andere Mal konnte Sotos Schuss gerade noch von einem Eintracht-Spieler geblockt werden (17.). Keine 60 Sekunden später jubelten die „Löwen“-Fans. Vrancic hatte einen Freistoß in den Strafraum der 05er getreten, der zunächst geklärt wurde. Den hohen Ball köpfte Kessel weiter zu Kumbela, der ebenfalls per Kopf den Treffer erzielte. Tooor! 1:0! Verdient!
Der Jubel in der Südkurve war noch nicht ganz verklungen, da stand es bereits 1:1! Auf Flanke seines Mitspielers mit der Nr.3 traf Nicolai Müller, der nach der Saison (für eine Ablöse von 4,5 Millionen Euro) zum HSV wechselte und maßgeblich am Klassenerhalt des Dinos in den Jahren 2015, 2016 und 2017 beteiligt sein sollte, zum Ausgleich (20.). Müllers 9. Treffer in der Saison. Nun jubelte der Mainzer Anhang, der vor Spielbeginn mit einer Choreografie (rote und weiße Luftballons und Pappen; Blockfahne) auf sich aufmerksam gemacht hatte, und entzündete einige Leuchtfackeln.
Dem Spiel der Blau-Gelben danach war anzumerken, dass sie der Ausgleich geschockt hatte. Die Gäste wirkten nun in der Spielanlage reifer. Da Eintracht sich aber nicht hängen ließ und weiter kämpfte, entwickelte sich ein Spiel auf Augenhöhe. In dem die 05er die nächsten Chancen hatten! Choupo-Motings Schuss (25.) sowie Sotos Kopfball (31.) konnten von den „Löwen“ noch geblockt werden, in Minute 41 stockte jedoch jedem Anhänger des BTSV im Stadion der Atem. Wieder war es Müller, der völlig frei zum Abschluss kam, aber Davari konnte das Tor mit einer Fussabwehr gerade noch verhindern. ‚Klasse, Daniel!‘ Im Anschluss meldete sich auch Eintracht offensiv zurück. Nielsen war allerdings zu überrascht, um die sich bietende Chance nutzen zu können (42.). In der 2minütigen Nachspielzeit sorgte noch einmal Choupo-Moting, der nach der Saison zu Schalke 04 wechseln sollte, mit einem Schuss für etwas Aufregung. Das letzte Ausrufezeichen in der 1.Spielhälfte setzte dann aber Eintracht. Und was für eins! Boland führte einen Freistoß aus dem Halbfeld aus. Der Ball segelte in den 16er des Gastes und … dann ging alles ganz schnell! Per Kopf geklärt, vor die Füße von Nielsen, Schuss, erneut per Kopf geblockt, wieder vor die Füße von Nielsen, erneuter Schuss, Tor! Nielsen traf per Rechtsschuss ins kurze Eck. Der Schuss wirkte haltbar. Egal ! Tooooor! 2:1! „Und wir haben einen neuen Spielstand: Eintracht 2, Mainz 05 0 .. ähh .. 1! Die Südkurve jubelte noch, als die Mannschaften bereits in Richtung Kabinen gingen. Pause ! Der BTSV führte -- etwas glücklich -- mit 2:1.
Die 2.Halbzeit begann so, wie die meisten Zuschauer es erwartet hatten. Die Gäste versuchten Druck zu machen, kamen auch schnell zu ihren Ecken 4 und 5 und wechselten früh Stürmer Okasaki für Zimling ein (56.). Da die „Löwen“ jedoch weiterhin eng an den Gegenspielern dran und giftig in den Zweikämpfen blieben, ergaben sich auf beiden Seiten lediglich Halbchancen. Die erste richtige Chance in Durchgang 2 hatte dann sogar der BTSV. Vrancic konnte die Flanke von Elabdellaoui jedoch nicht verwerten und zielte knapp vorbei (70.). Vorentscheidung vertagt. Das Tor hätten alle Eintracht-Fans dem Bosnier sicherlich von Herzen gegönnt. So stand das Spiel weiterhin auf der Kippe – und das merkte man plötzlich. Bicakcic legte sich nach dessen „Faller“ im Eintracht-Strafraum mit dem zwei Minuten zuvor eingewechselten Stürmer Polter an (72.) und Kumbela holte sich „Gelb“ ab (74.). In Minute 77 ergab sich für die Blau-Gelben dann eine gute Konterchance. Nielsen spielte den an der Außenlinie laufenden Elabdellaoui an, der den Ball in den Gästestrafraum in Richtung Kumbela flankte. Fallrückzieher „Kumba“, rechts vom Torwart aus gesehen zischte das Leder ins Netz. Tooooooor! 3:1! „Kumbas“ 8.Saisontor. Ausgelassener Jubel in der Südkurve! ‚Das muss es jetzt doch gewesen sein!‘, dachten viele „Löwen“-Fans.
Kaum zu Ende gedacht, sahen sie plötzlich, wie Okasaki am 5m-Raum der Blau-Gelben auftauchte und mit dem Ball am Fuß nur noch Davari vor sich hatte (78.). Eine 100%ige Gelegenheit! Schuss …, genau auf Davari! Hörbares Durch- und Aufatmen in der Südkurve!
Aber nur kurz, dann galt es, dem Seelenzustand mit einem Gesang Ausdruck zu verleihen. „Der BTSV ist wieder da!“ Ja, das Gefühl hatte man!
Und das Gefühl trog nicht. Mainz 05 gelang es nun nicht mehr, gefährlich vor das Tor von Davari zu kommen. Das lag aber auch daran, dass der BTSV weiter nach Vorn spielte und sich nicht Hinten reinstellte. Kumbela hätte sogar noch das 4:1 erzielen können, fand aber in Keeper Karius seinen Meister (83.). Das war ´s! Ohne weitere Höhepunkte ging die Partie (nach 93 Minuten) zu Ende. – Halt! Einen Höhepunkt gab es noch: Die Auswechslung Kumbelas in der 88. Minute! Unter Beifallstürmen und „Kumbela“-Sprechchören verließ Eintrachts Kongolese den Rasen.
3:1! Die „Löwen“ hatten wieder einmal einen Sieg errungen. Erst den zweiten in der Rückrunde nach dem 4:2 gegen den HSV am 21.Spieltag und erneut nicht unbedingt nervenschonend für seine Fans, aber egal! Die Stadt an der Oker hatte Fussball-Deutschland gezeigt: ‚Wir leben noch!‘ -- Entsprechend äußerte sich auch Damir Vrancic nach dem Spiel. Logisch dass er mit seinem ersten Startelfeinsatz in der Rückrunde zufrieden war.
Da die anderen Abstiegskandidaten erst am Mittwoch in der „Englischen Woche“ antreten mussten, konnten die „Löwen“-Fans natürlich noch nicht wissen, was der Sieg des BTSV wert war. Zumindest aber sah die Tabelle am Mittwochmorgen schon etwas freundlicher aus und sollte doch, bitte schön, auch nach allen Ergebnissen des 27.Spieltags so bleiben. Eine allerdings vergebliche Hoffnung, da sich die vier anderen Mannschaften aus dem Tabellenkeller – das wussten die Fans natürlich -- in direkten Duellen gegenüberstanden!
Die Ergebnisse:
1.FC Nürnberg -- VfB Stuttgart 2:0
Hamburger SV -- SC Freiburg 1:1
Nun gut, der Sieg des bisher Vorletzten aus Nürnberg wäre aus Sicht von Eintracht nicht nötig gewesen, aber wenigstens hatte der Drittletzte aus Hamburg nicht gewonnen.
Die Tabelle hatte am unteren Ende nun folgendes Bild: 14.) 1.FC Nürnberg 26 Punkte; 15.) SC Freiburg 26; 16.) Hamburger SV 24; 17.) VfB Stuttgart 24; 18.) Eintracht 21 Punkte
Während es also im Abstiegskampf weiterhin spannend zuging, war die Meisterfrage bereits seit Dienstagabend entschieden. Bayern München stand nach dem 3:1-Erfolg bei Hertha BSC als Deutscher Meister fest, da der BvB gegen Schalke nur ein 0:0 erreicht hatte. Bayerns 77 Zähler konnten die Borussen als Tabellenzweiter mit ihren nun 52 Punkten nicht mehr erreichen. Laaaangweilig!
Für die „Löwen“ galt es dagegen, weitere Erfolge zu erringen, um dem Abstieg vielleicht doch noch zu entgehen. Ihre Fans hofften auf weitere Siegtreffer von „Kumba“, der es mit seiner Leistung (zum 2.Mal) in die „Elf des Tages“ der Sportzeitschrift „Kicker“ gebracht hatte. Außerdem hofften sie auf ein Mitwirken von Innenverteidiger „Eisen-Ermin“ in den nächsten Begegnungen. Bicakcic hatte sich nämlich im Spiel gegen Mainz einen Mittelhandbruch zugezogen. [Stand: Januar 2018]