27. März
Werder Bremen – Eintracht 2:0 (1:0)27.03.1990
Halbfinale DFB-Pokal – 1989/90
Im Halbfinale des DFB-Pokals der Saison 1989/90 musste Eintracht am 27.3.1990 im Weser-Stadion bei Werder Bremen antreten.
Das Erreichen des Halbfinales war für den BTSV ein Riesen-Erfolg. Immerhin waren die "Löwen" kein Erstligist mehr, sondern spielten in der 2. Bundesliga.
Dort inzwischen aber wieder ganz erfolgreich! Nach 17 Spieltagen hatte es Mitte November sogar so ausgesehen, als ob die Blau-Gelben wieder an die Bundesliga anklopfen könnten. Mit 25:9-Punkten (2-Punkte-Wertung) belegten sie Platz 2 in der Tabelle, somit einen Aufstiegsplatz. Danach ließen die Blau-Gelben allerdings nach, hielten jedoch lange den Kontakt zur Tabellenspitze. Erst mit dem 0:4 gegen den Drittletzten Hessen Kassel vier Tage vor dem Bremen-Spiel hatten sie sich (bei nun 31:25-Punkten) endgültig aus dem Aufstiegsrennen verabschiedet.
Im Pokal-Wettbewerb musste Eintracht zunächst dreimal in Folge auswärts antreten. Der erste Gegner war machbar, hieß VfL Bückeburg und wurde am 18.8.1989 mit 2:0 besiegt. In der zweiten Runde drohte dann das Aus. Mit dem Bundesligisten Borussia Dortmund wartete der Pokalverteidiger auf die Blau-Gelben! Zur Überraschung aller Experten mit Ausnahme derer, deren Brille blau-gelb war, gewannen die "Löwen" jedoch in einem denkwürdigen Spiel am 23.9.1989 mit 3:2. Und "durften" wieder reisen, dieses Mal zu Schweinfurt 05. Mit 2:0 setzten sie sich am 11.11.1989 durch und zogen ins Viertelfinale ein. Endlich hatten sie Losglück und bekamen ein Heimspiel. In einer Wasser- und Schlammschlacht schalteten sie den Liga-Konkurrenten VfL Osnabrück am 13.12.1989 mit 3:2 aus.
Natürlich hatten alle Blaugelb-Infizierten für das Halbfinale auf einen weiteren Heimauftritt gehofft. Neben Werder waren noch der Drittligist Kickers Offenbach (Zwangsabstieg aus der 2. Bundesliga 1989 nach Lizenzverweigerung) sowie die Bundesliga-Mannschaft vom 1. FC Kaiserslautern im Lostopf. Mit dem FCK hatte man in Sachen Pokal seit dem Halbfinale von 1981 sowieso noch eine Rechnung zu begleichen.
Es sollte nicht sein! Knapp dass Werders Trainer Otto Rehhagel, Studiogast bei Dieter Kürten im "Aktuellen Sportstudio", in dem die Ziehung der Halbfinalbegegnungen vorgenommen wurde, den Wunsch auf ein Heimspiel gegen Eintracht geäußert hatte, wurde genau diese Paarung gezogen. Rehhagel und Kürten fanden `s lustig. Na ja!
Also kein Heimspiel ! Es war schon makaber. Erst zweimal war es Eintracht gelungen, im DFB-Pokal bis ins Halbfinale vorzudringen. In beiden Fällen waren die "Löwen" zu diesem Zeitpunkt nicht erst-, sondern zweitklassig. Und in beiden Fällen mussten sie die Reise zu einem Bundesligisten antreten.
Aber es half ja nichts! Mund abputzen, Karte kaufen und mit den anderen 4.000 "Löwen"-Fans nach Bremen fahren.
Werder hatte sich für das Halbfinale durch Siege beim Bundesligisten FC St. Pauli (2:1), beim Zweitligisten Stuttgarter Kickers (3:2), bei 1860 München (2:1) und gegen den Bundesligisten VfB Stuttgart (3:0) qualifiziert und belegte in der Bundesliga mit 26:26-Punkten derzeit einen vorderen Mittelfeldplatz. Zudem waren sie noch im UEFA-Cup vertreten.
Die Favoritenrolle war also klar vergeben, zumal Werder mit der besten Mannschaft auflaufen konnte, während die Blau-Gelben infolge Verletzung auf einige Spieler verzichten mussten.
Lediglich knapp 18.000 Zuschauer fanden sich an diesem Mittwochabend im Stadion ein, ein Viertel davon aus der Harz- und Heide-Region. Zusätzlich verfolgten mehr als 7,5 Millionen Fussball-Fans das Spiel an ihren Fernsehgeräten. Das ZDF übertrug live. Beide Vereine konnten sich daher über eine Zusatzeinnahme von ca. 200.000 DM freuen.
Werder tat sich zunächst schwer gegen die mutig auftretenden "Löwen", die gut gestaffelt in der Abwehr standen. Dann passierte jedoch das, was aus Braunschweiger Sicht unbedingt vermieden werden sollte. Die Grün-Weißen gingen durch eine ihrer wenigen Chancen früh in Führung. Dieter Eilts traf in der 11. Minute zum 1:0. Danach wurde das Bremer Spiel zwar nicht besser, der Bundesligist konnte nun aber seine Routine ausspielen. Und profitierte von einer weiteren Schwächung der Blau-Gelben. Michael Wilke zog sich einen Kreuzbandriss zu und musste bereits nach 20 Minuten ausgewechselt werden. Werder ließ danach kaum Chancen für die Blau-Gelben zu. Zwar gab sich Eintracht nie auf und kam auch 2, 3 Mal recht verheißungsvoll vor das Tor der Gastgeber, das war es dann aber auch schon. Insgesamt wirkten die Bremer druckvoller. Entscheidend absetzen konnten sie sich jedoch nicht. So blieb das Spiel bis kurz vor dem Ende spannend. Erst in der 90. Minute gelang Karl-Heinz Riedle, ebenso wie Eilts Nationalspieler, mit dem 2:0 die Entscheidung. So hieß es auch am Ende.


Eintracht-Trainer Reinders ging zu Otto Rehhagel, unter dem er selbst noch bei Werder gespielt hatte und der, wie er selbst, aus Essen stammte, und gratulierte. Die "Löwen"-Fans traten traurig, aber erhobenen Hauptes die Heimreise an. Der BTSV hatte sich – auf dem Platz und den Rängen – wieder einmal gut verkauft.
Im zweiten Halbfinale siegte am folgenden Tag der 1. FC Kaiserslautern bei Kickers Offenbach mit 1:0. Die Lauterer waren es dann auch, die den Pokal gewannen. Im Endspiel schlugen sie Werder mit 3:2.
Eintracht beendete die Saison in der 2. Bundesliga als Siebter unter 20 Mannschaften (39:37-Punkte).