18. April
Eintracht – SC Freiburg 2:2 (0:0)18.04.2016
30. Spieltag 2.Bundesliga – 2015/2016
Am 30.Spieltag hatte Eintracht sein 5. Live-Spiel der Saison 2015/16 im Sportsender „Sport 1“ (früher DSF). Abgesehen davon, dass die Montagsspiele in der 2.Bundesliga bei den Fans sowieso verhasst sind, weil nur die Wenigsten die Gelegenheit haben, ihre Mannschaft an einem Wochentag auswärts zu begleiten, hatten die „Löwen“ in dieser Spielzeit ausschließlich negative Erfahrungen mit Live-Spielen gemacht. Eintracht gegen SpVgg Greuther Fürth = 0:1, 1.FC Nürnberg gegen Eintracht = 2:1, Fortuna Düsseldorf gegen Eintracht = 1:0 und FC St.Pauli gegen Eintracht = 1:0 – so lauteten die Ergebnisse der Live-Spiele! 0 Punkte aus 4 Partien. Und nun kam mit dem SC Freiburg auch noch der Spitzenreiter ins Stadion an der Hamburger Straße, der drauf und dran war, den Abstieg aus der Bundesliga im letzten Sommer sofort zu „reparieren“.
Der BTSV dagegen war im Aufstiegsrennen nicht mehr dabei. Nachdem es bis zur Winterpause so aussah, als ob die Mannschaft zumindest um Platz 3, dem Relegationsplatz, würde mitkämpfen können (3 Punkte Rückstand), sorgten lediglich 10 Punkte aus den 10 Partien im neuen Jahr dafür, dass der Tabellendritte 1.FC Nürnberg nun uneinholbare 17 Punkte voraus war. Aber auch mit der Abstiegszone hatten die „Löwen“ nichts zu tun. 39 Punkte bedeuteten einen soliden Platz 9. Dennoch würde man dem Spitzenreiter natürlich gern „ein Bein stellen“, zumal der letzte Sieg gegen den SC aus dem Jahr 1986 datierte. Bereits im Hinspiel hatten die Blau-Gelben mit einem 2:2 in Freiburg gezeigt, dass sie an einem guten Tag durchaus mithalten konnten. Allerdings fielen mit Baffo, Correia und Ofosu-Ayeh gleich drei Abwehrspieler zum Rückspiel wegen Verletzung aus.
Die Breisgauer hatten die letzten 8 Punktspiele zwar allesamt gewonnen, konnten sich des Aufstiegs aber dennoch noch nicht sicher sein. Ihre 62 Punkte sicherten ihnen lediglich einen Vorsprung von 3 Punkten auf den Zweiten RB Leipzig (59P.) und von 6 auf den Dritten Nürnberg (56P.). Allerdings hatte die Konkurrenz an diesem Spieltag bereits gepatzt. Am Freitag verlor RB sein Heimspiel gegen den SV Sandhausen (13.) mit 0:1, am Samstag unterlag der 1.FC Nürnberg beim Karlsruher SC mit 1:2. Ein Sieg in Braunschweig und die Truppe von Trainer Streich wäre so gut wie durch!
Angesichts der verletzten Defensivakteure bot Löwenbändiger Torsten Lieberknecht an diesem 18.4.2016 folgende Elf auf: Gikiewicz; Hochscheidt, Kijewski, Decarli, Reichel; Omladic, Matuschyk, Schönfeld; Khelifi, Kumbela, Holtmann. Mit Hochscheidt als Rechtsverteidiger hatte der Eintracht-Trainer eine brauchbare Alternative zu den verletzten Ofosu-Ayeh und Sauer gefunden, die sich schon bewährt hatte. Wenigstens Sauer saß nun wieder auf der Bank. Und Boland? Der war nach seiner Hüftverletzung wohl offensichtlich nicht rechtzeitig fit geworden, stand aber mit im18er-Kader. Die knapp 20.000 Zuschauer im Stadion an der Hamburger Straße waren gespannt, wie sich diese Mannschaft gegen den SC Freiburg schlagen würde. Der SC trat wie im Hinspiel mit seinen „Stars“ Nils Petersen (gekauft für 2,8 Millionen Euro) und Vincenzo Grifo (1,2 Mlln. €) an.
Bereits in den ersten Minuten zeigten die „Löwen“, dass sie sich für diesen Abend etwas vorgenommen hatten. Erst flog ein Schuss von Omladic aus spitzem Winkel am Freiburger Gehäuse vorbei (2.), dann schloss Reichel einen schönen Angriff über links erfolglos ab (4.). Von Freiburg war bis zur 15.Minute wenig zu sehen. Dann wachte der Spitzenreiter auf. In Minute 18 passte Petersen von links auf den am 5er lauernden Niederlechner, der sofort abzog, das Tor aber knapp verfehlte. Nun wurde es ein offenes Spiel, in dem die Blau-Gelben die nächste Chance hatten. Decarli kam nach einem Freistoß für den BTSV ganz frei am zweiten Pfosten des generischen Tores zum Kopfball, aber Höfler konnte auf der Linie klären. Der Nachschuss wurde ebenfalls gehalten (21.). Es folgte die nächste Freiburger Chance. Den zweiten guten Angriff des SC im Spiel konnte Eintrachts Torwart gerade noch so blocken, indem er weit aus seinem Tor eilte und vor zwei einschussbereiten Gegnern an den Ball kam (28.). Danach nahm sich das Spiel eine Auszeit. Es plätscherte ohne Höhepunkte dahin, auch weil der SC Freiburg es häufig beruhigte, d.h. verlangsamte. Zwei relativ ungefährliche Freistöße für die Blau-Gelben kurz vor der Pause – das war ´s! Halbzeitstand 0:0.
Die 2.Halbzeit begann wieder aufregend. Erst startete Grifo einen Alleingang und schloss auch sehenswert ab, aber Gikiewicz kratzte den Ball aus dem Winkel (46.). Nach der anschließenden Ecke konterte Eintracht klug über rechts mit Kumbela, der auf den mitlaufenden Reichel ablegte. Dessen Direktabnahme ging knapp rechts am Freiburger Tor vorbei (47.). Die nächste Gelegenheit besaß ebenfalls der BTSV. Nach einem schnell ausgeführten Freistoß für die „Löwen“ konnte Hochscheidt von rechts auf Kumbela flanken, der aber zielte direkt auf Torwart Schwolow (51.). Und noch einmal die Eintracht: Der Freiburger Abrashi passte auf seinen Mitspieler Torrejon, der den Ball nicht sauber kontrollieren konnte. Holtmann sprintete dazwischen, eroberte das Leder und ging allein auf das Tor des Spitzenreiters zu. Schwolow stürzte heraus, aber Holtmann legte den Ball links an ihm vorbei und schob locker ein (54.). Toooor! Tor für die Eintracht ! 1:0! Mann, was für ein Abwehrschnitzer! Egal, Hauptsache Führung! Jubel im ganzen Stadion -- außer in dem Teil der Nordkurve, wo die Gäste-Fans standen und saßen. Das Jubelritual in der Südkurve war gerade erst beendet, da starteten die Blau-Gelben schon den nächsten vielversprechenden Angriff. Nach einer Kombination über Holtmann – Kumbela – Khelifi konnte dieser flanken. Über die gesamt Abwehr hinweg gelangte der Ball zu Reichel, der sich das Leder noch mit der Brust vorlegte und vollstreckte (57.). Tor, Tooor, Tor! 2:0 gegen den Spitzenreiter! Was ging denn hier ab?
Freiburgs Trainer reagierte sofort und brachte Stürmer Philipp für Mittelfeldspieler Frantz. Am Spiel änderte sich jedoch erst einmal nichts. Während in der Südkurve schon der „B-T-S-V-Walzer“ gesungen wurde, wirkte der SC geschockt und brachte offensiv nichts zustande. Zwischenzeitlich war Boland für Holtmann eingewechselt worden (64.), und Eintracht machte weiter Druck. Nach 69 Minuten deutete nichts darauf hin, dass Freiburg noch einmal gefährlich werden könnte. Aber eben nur bis zur 69. Minute!
In der 70.Spielminute entschied sich bei einem Angriff der Breisgauer Torwart Gikiewicz unnötigerweise, sein Gehäuse zu verlassen und selbst zu klären. SC-Stürmer Petersen kam vor ihm an den Ball und köpfte aus 16m über den Keeper hinweg ins Tor. Anschlusstreffer! 2:1! Das war nicht nötig!
Wer nun erwartete, der Spitzenreiter würde sofort nachsetzen, sah sich getäuscht. Nichts tat sich! In Minute 79 wechselte Lieberknecht den Braunschweiger Jung´ Pfitzner für Reichel ein, der sich zwei Minuten zuvor verletzt hatte. Erst danach wurde Freiburg wieder ´mal gefährlich. Nach einem Freistoß kam Kempf vor dem Eintracht-Tor zum Kopfball, aber Gikiewicz war nun wieder auf dem Posten (80.). Vier Minuten später zog Streich seinen letzten Trumpf und brachte Stürmer Havard Nielsen, der von Januar 2014 bis Juni 2015 selbst für die „Löwen“ gespielt hatte, für Niederlechner. Dieser war es dann auch, der bereits zwei Minuten später für Aufregung sorgte. Nielsen drang in Eintrachts 16er ein und fiel nach einer Attacke von Boland (86.). Der Elfmeterpfiff blieb aus. Glück für Eintracht, wie auch Lieberknecht in der Pressekonferenz nach dem Spiel zugab, da „Bole“ sein Bein rausgestellt hatte!
Aber das war´s immer noch nicht! Hochscheidt holte sich „Gelb“ ab, Tietz wurde für Kumbela eingewechselt und der vierte Offizielle zeigte eine Nachspielzeit von 3 Minuten an. In dieser gab der Schiedsrichter weitere Gelbe Karten für Abrashi (SC Freiburg) und Khelifi und traf zwei unglückliche Entscheidungen. Erstens ließ er einen Freistoß für den SC von einem gänzlich falschen Punkt ausführen und pfiff zweitens einmal falsch „Abseits“. Die am meisten umstrittene und diskutierte Entscheidung des Schiris Patrick Ittrich (Hamburg) stand dem Spiel aber noch bevor. Nach 93:25min, also nach Beendigung der offiziellen Nachspielzeit, klärte ein Eintracht-Spieler zur Ecke und … der Schiedsrichter gab Zeichen, dass diese Ecke noch ausgeführt werden soll. 25 Sekunden später zappelte der Ball im Netz der „Löwen“. Der SC-Spieler Kempe war im 5er zum Kopfball gekommen und hatte sich diese Chance nicht entgehen lassen. Eintrachts Keeper sah unglücklich aus. 2:2! Danach war sofort Schluss!
„Nur“ 2:2 nach 2:0-Führung! Natürlich waren die Eintracht-Fans und auch Trainer Lieberknecht sauer auf den Schiedsrichter, weil er die Ecke noch ausführen ließ. Lieberknecht stellte Ittrich noch auf dem Platz zur Rede. Bei der anschließenden Pressekonferenz hatte er sich dann aber bereits wieder so weit beruhigt, dass er zwar seine Unzufriedenheit mit dem Unentschieden zum Ausdruck brachte, aber insgesamt von einem sehenswerten Fussballspiel sprach. Sein Team habe die Partie über sehr lange Zeit dominiert und erst mit dem Anschlusstreffer aus der Hand gegeben. Freiburgs Trainer Streich gab ihm insofern Recht, indem er Eintracht als „hungrig, ballsicher und zweikampfstark“ charakterisierte und 60 Minuten lang als das bessere Team gesehen hatte.
Für den SC Freiburg war der gewonnene Punkt wertvoll. Vier Spiele vor Schluss betrug der Vorsprung auf den Tabellendritten aus Nürnberg nun schon 7 Punkte. Der direkte Wiederaufstieg des SC war zum Greifen nah…! Und er sollte auch nicht mehr in Gefahr geraten. Mit am Ende 72 Punkten wurde Freiburg souverän Zweitligameister und reparierte den Abstieg aus der Vorsaison umgehend.
Und mit diesem Team hatte Eintracht in beiden Duellen auf Augenhöhe agiert! Respekt!
Der BTSV schloss die Saison schließlich als Tabellenachter ab und verfehlte das ausgegebene Saisonziel „TOP 5“ um 5 Punkte. Allerdings hatten Eintrachts Verantwortliche bei der Formulierung des Ziels auch nicht wissen können, dass ihr Torjäger Emil Berggreen den Verein in der Winterpause in Richtung Mainz 05 (für ca. 2,5 Mlln. Euro) verlassen würde.
[Stand: Juni 2017]