12. Mai
Eintracht - Wattenscheid 09 2:3 (2:0)12.05.1974
2. Spieltag Aufstiegsrunde zur Bundesliga - 1974
Am 12.5.1974 stellte sich die Mannschaft von Wattenscheid 09 im Stadion an der Hamburger Straße vor.
Nun hatte sie also bereits begonnen, die Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Die Kantersiege, die der BTSV auf dem Weg zur Meisterschaft in der Regionalliga Nord errungen hatte (11:2, 10:0, 9:1, 8:1, 7:1 usw.), zählten nichts mehr. Die Blau-Gelben mussten ebenso bei Null anfangen wie ihre vier Konkurrenten um den Bundesliga-Aufstieg.
Als Nordmeister spielte Eintracht in der Aufstiegsgruppe 1. Gegner waren der Meister der Regionalliga West, der Süd-Zweite, der Zweite aus dem Südwesten sowie der Zweite aus Berlin.
Während der Berliner Vize-Meister mit Wacker 04 Berlin bereits früh feststand, musste der BTSV bis zum letzten Spieltag der übrigen Regionalligen warten, bis er auch seine anderen Gegner kannte. Im Südwesten sah es kurz vor Saisonende noch so aus, als ob die "Löwen" auf Borussia Neunkirchen treffen würden. Am letzten Spieltag patzte Tabellenführer 1. FC Saarbrücken jedoch im Heimspiel gegen den Tabellendreizehnten VfB Theley (0:1) und rutschte auf den 2. Platz ab. Im Westen führte Wattenscheid 09 die Tabelle mit einem Punkt vor Rot-Weiß Oberhausen an, verlor aber sein letztes Spiel beim 1. FC Mülheim (0:2). Da auch RWO bei Schwarz-Weiß Essen unterlag (1:2), änderte sich am Tabellenbild nichts. Wollten etwa beide Teams nicht gegen die Blau-Gelben antreten, die von vielen als Aufstiegsfavorit gehandelt wurden? Im Süden schließlich schaffte der 1. FC Nürnberg den für das Erreichen des 2. Platzes erforderlichen Punkt durch sein Ausgleichstor in der 85. Minute gegen den Tabellenfünften SpVgg Bayreuth (1:1) und verwies 1860 München damit auf den 3. Platz.
Gegen den 1.FC Nürnberg hatte Eintracht auch sein erstes Aufstiegsspiel zu bestreiten gehabt. Trotz Unterstützung von etwa 5.000 Blau-Gelb-Infizierter, wovon 4.000 in vier von Jägermeister-Boss Günter Mast gesponserten Zügen in die Frankenstadt reisten, unterlagen die "Löwen" dort am 9. Mai vor etwa 60.000 Zuschauern nicht einmal unverdient mit 0:1. Ärgerlich war nur, dass der Schiedsrichter ein Tor der Blau-Gelben in der 89. Minute wegen eines angeblichen Fouls nicht anerkannt hatte. Trainer Knefler kommentierte die Situation nach dem Spiel so: "Dass ein Tor aberkannt wird, weil (der Nürnberger Spieler) Nüssing einen Krampf bekommt, ist schon erstaunlich." Verdient oder nicht – es wäre der Ausgleich gewesen!
So stand der BTSV im zweiten Spiel der Aufstiegsrunde gegen den Westmeister, der am ersten Spieltag spielfrei hatte, schon unter Druck.
30.000 Zuschauer passierten am diesem Sonntag die Stadiontore und wollten den ersten doppelten Punktgewinn bejubeln.
Das Spiel begann für die "Löwen-Fans" wie erhofft. Eintracht spielte wie in besten Bundesligatagen, setzte den Gegner sofort unter Druck und ging in der 15. Minute durch Konschal verdient mit 1:0 in Führung. Auch danach blieben die Blau-Gelben hochüberlegen, erzielten 9:1-Ecken und einen Pfostenschuss (Bründl). Dennoch sah es lange so aus, als ob die Wattenscheider, die dem Spiel des Nordmeisters außer teilweise übertriebener Härte nichts entgegenzusetzen hatten, nur mit einem knappen Rückstand in die Pause gehen können. Glücklicherweise traf Gersdorff unmittelbar vor dem Pausenpfiff ins gegnerische Netz. Tooor! 2:0! Das muss es nun doch gewesen sein! Die Pausenbratwurst schmeckte vorzüglich.
Nach dem Wechsel zunächst dasselbe Bild. Der BTSV stellte weiterhin die bessere Mannschaft und drängte auf die endgültige Entscheidung. Der Anschlusstreffer für Wattenscheid in der 57. Minute kam daher völlig überraschend. Nur noch 2:1! Eintracht zeigte sich aber zunächst unbeeindruckt und griff weiter beherzt an. Ein dritter Treffer wollte den "Löwen", denen man nun mehr und mehr den Kräfteverschleiß anmerkte, jedoch nicht gelingen. Die Bochumer Vorstädter konnten sich auf ihren Torwart Koitka verlassen (siehe Bild) und konterten geschickt. So kam, was kommen musste: 2:2 in der 68. Minute durch ein Kontertor. Doch damit nicht genug! In der 76. Minute senkte sich ein als Flanke gedachter Schuss eines Wattenscheider Spielers über den verdutzten Franke hinweg zum 2:3 ins Netz. Dabei blieb es bis zum Schluss.
2:3 ! Niederlage !



Eintracht hatte dem hohen körperlichen Einsatz am Ende Tribut zollen müssen. Wattenscheid profitierte davon, dass es drei Tage zuvor kein schweres Spiel bestreiten musste und – hatte einfach Glück gehabt.
Durch die Niederlage rutschte der BTSV mit 0:4-Punkten auf den letzten Tabellenplatz. Tabellenführer nach zwei Spieltagen war überraschenderweise Wacker 04 Berlin, das zunächst beim 1.FC Saarbrücken mit 1:0 gewonnen und anschließend den 1.FC Nürnberg zu Hause mit 5:0 geschlagen hatte.
Wenn es etwas Gutes aus Braunschweiger Sicht an diesem Tag (außer dem seit dem Wochenende bereits vorzeitig feststehenden Abstieg von Hannover 96 aus der Bundesliga) festzustellen gab, war das sicherlich der Sieg der Berliner gegen den FCN. So bestand – zumindest theoretisch – wieder die Möglichkeit, mit den Nürnbergern durch einen Heimsieg im direkten Vergleich nach Punkten gleichzuziehen. Wer weiss, wozu es gut war ...
Dem zweiten norddeutschen Vertreter an den Aufstiegsspielen, dem FC St.Pauli, ging es in seiner Aufstiegsgruppe 2 nicht besser als dem BTSV. Auch die Paulianer belegten nach Niederlagen (gegen den FC Augsburg und bei RW Oberhausen) den letzten Tabellenplatz. Diesen behielten sie bis zum Ende.
Eintracht dagegen schaffte in einem Herzschlagfinale den von den Experten nicht mehr erwarteten ("Kicker" 13.5.1974: "Hat Eintracht schon verspielt?" und "Kicker" 20.5.1974 "Der Norden in der Talsohle") sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga.