3. Juni
Eintracht - 1. FC Nürnberg 4:1 (2:0)03.06.1967
34. Spieltag Bundesliga - 1966/67
Es sollte der ultimative Tag für jeden Eintracht-Fan werden -- und es wurde der ultimative Tag !
Am 3.6.1967 fand der letzte Spieltag der Bundesliga-Saison 1966/67 statt. Eintracht stand als Deutscher Fussballmeister dem Grunde nach schon fest.
Die Grundlage für den Erfolg hatten die 'Löwen' selbst gelegt, indem sie nach einer Schwächeperiode mit nur einem Punkt aus den Spielen des 29., 30. und 31. Spieltages das vorletzte Heimspiel (gegen Borussia Mönchengladbach) nach einem Rückstand in den letzten Minuten noch gewinnen konnten und im Auswärtsspiel des 33. Spieltages (bei Rot-Weiss Essen) ein Unentschieden erreichten.
Sie besaßen daher vor dem ärgsten Verfolger, dem Namensvetter aus Frankfurt, einen Vorsprung von 2 Punkten und das bessere Torverhältnis. Berücksichtigen muss man dabei, dass in dieser Saison 2 Punkte für einen Sieg vergeben wurden und das Torverhältnis nicht durch Subtraktion, sondern durch Division (der Gegentore durch die Anzahl der erzielten Tore) ermittelt wurde.
Da Eintracht bei 26 Gegentoren mit Abstand die beste Abwehr stellte, besaßen sie beim Torverhältnis einen deutlichen Vorteil. Selbst bei einer 0:3 - Heimniederlage hätten die Frankfurter ihr Spiel (beim Tabellendritten 1860 München) 8:0 gewinnen müssen, um bei Punktegleichheit über das bessere Torverhältnis zu verfügen. Und das war einfach unrealistisch.
Ganz Braunschweig befand sich daher seit Tagen in Feierstimmung. Die Geschäfte der Innenstadt bekannten (blau-gelbe) Farbe und hatten ihre Schaufenster im Sinne der Eintracht geschmückt. Bereits am Vormittag des geschichtsträchtigen Samstags waren überall in der Stadt Personen zu sehen, denen unschwer anzusehen war, welchem Ereignis sie entgegenfieberten.
Ab 13.00 Uhr begann sich das Stadion an der Hamburger Straße zu füllen. Selbstverständlich war es mit 37.000 Zuschauern ausverkauft.
Vor dem Spiel spielten sich die auf den Rängen in dieser Saison schon häufiger gesehenen, nicht ungefährlichen Szenen ab: Die Pappeln der Nordkurve wurden von meist jugendlichen Fans erklommen und bevölkert. Von Zeit zu Zeit 'kippten' infolge von Drängeleien und in Ermangelung von 'Wellenbrechern' auf der Gegengerade ganze Reihen von Zuschauern nach vorn um.
Zu Spielbeginn war das Stadion ganz in blau-gelb getaucht – Fahnen über Fahnen!



Eintracht spielte zunächst wieder in Richtung Nordkurve und zeigte von Beginn an, dass man nicht bereit war, sich auf den Rechenschieber zu verlassen. Das überlegene Spiel der Blau-Gelben wurde nach einer halben Stunde durch einen Doppelschlag von Ulsass (mit Foulelfmeter) und Saborowski in zählbare Erfolge umgewandelt. Mit 2:0 ging es auch in die Pause. In der zweiten Halbzeit wirkte der 'Club' frischer und kam dank des besseren Spiels auch zum Anschlusstreffer (durch Strehl). Eintracht beschränkte sich auf das Verwalten des Ergebnisses und kam am Ende noch zu einem weiteren Doppelschlag durch Tore von erneut Ulsass und Moll.
Bereits nach dem Tor zum 4:1 strömten Hunderte von Fans auf den Platz. Nach dem Schlusspfiff gab es dann kein Halten mehr. Tausende stürmten den grünen Rasen und feierten die Mannschaft. Bald darauf überreichte der DFB-Präsident dem Mannschaftskapitän Achim Bäse dann auch die Meister-Schale. Nun war es offiziell:

'Eintracht Braunschweig ist Deutscher Fussballmeister 1967!'



Die Fans feierten die Meisterschaft im Stadion mit Freibier. Die extra hergestellten sog. Meister-Bierdosen der Dortmunder Unions-Brauerei, auf denen ein Bild der Meistermannschaft zu sehen war, lagen bald zu Tausenden im Stadiongelände herum. Heute sind sie als wertvolle Fan-Artikel sehr begehrt.



In den Abendstunden fuhr die Meister-Mannschaft in offenen Fahrzeugen mit blau-gelb lackierten Motorhauben die Strecke vom Eintracht-Stadion bis zum Altstadt-Markt, wo der Empfang der Stadt geplant war. Bereits auf der Strecke bildeten Tausende ein Spalier. Am Altstadtmarkt warteten etwa 20.000 Menschen, um die Mannschaft zu sehen. Für die Spieler und Verantwortlichen der Eintracht fand die offizielle Vereins-Feier anschließend in der Stadthalle statt. Aber eigentlich gab es an diesem Abend und dieser Nacht in Braunschweig, Wolfenbüttel, Gifhorn, Peine, Salzgitter, Wolfsburg, Helmstedt oder Goslar keine Lokalität, in der die Meisterschaft der Eintracht nicht gefeiert wurde.
Wie hoch die Fans der Eintracht die Meisterschaft auch heute noch einschätzen, wird in dem Fangesang deutlich, der bei fast jedem Spiel der Mannschaft zu hören ist:

'Deutscher Meister, Deutscher Meister,
in den Farben gelb und blau,
neunzehnhundertsiebenundsechzig,
das war unser BTSV!'