17. Juli
Eintracht – TSV 1860 München 3:1 (3:1)17.07.2011
1. Spieltag 2. Bundesliga – 2011/12
'Die zweite Liga hat ihn wieder, BTSV !
Wir bringen wieder Farbe ins Spiel,
unser Gelb und unser Blau !
Es hallt wieder durch die Stadien,
von der Isar bis zur Spree:
Die Tradition ist wieder da, Eintracht, ole'


Jawoll, Marc Wittfeld, 'alter' Jägi-Junge! Ein schönes Lied hast Du da Ende der letzten Saison komponiert und getextet und damit die Herzen aller Blaugelb-Infizierten berührt.
Und nun war es also soweit: Zum Saisonauftakt der 2. Bundesliga empfing Eintracht am 17.7.2011 die anderen 'Löwen' von 1860 München.



[beide Bilder von B.Grimm]
Nach der Drittliga-Saison der Rekorde 2010/2011 mit dem frühzeitig feststehenden Aufstieg war die Vorfreude auf die neue Saison unter allen Blau-Gelben natürlich riesengroß. Der BTSV war seiner Linie der letzten Jahre treu geblieben und hatte wieder 'nur' junge, erfolgshungrige Spieler verpflichtet, von denen die Mehrzahl im bezahlten Fussball noch unbekannt war (Marcel Correia, Gianluca Korte, Raffael Korte, Pierre Merkel). Mit Oliver Petersch (22 J.) vom Zweitliga-Absteiger RW Oberhausen und Nico Zimmermann (25 J.) vom Drittligisten 1.FC Saarbrücken zählten allerdings auch zwei Akteure zu den 'Neuen', die bereits in höheren Spielklassen durch Leistung auf sich aufmerksam gemacht hatten. Würde die neu hinzugewonnene Qualität mit der bereits vorhandenen zusammen ausreichen, um die Spielklasse zu halten? Der eine oder andere hätte in Anbetracht des Weggangs von Bellarabi (zum Bundesligisten Bayer Leverkusen) gern noch ein, zwei 'Kracher' zusätzlich gesehen, die Mehrzahl der Fans aber stand hinter dem Konzept des Vereins und ging optimistisch in die Saison.
Die freudige Erwartung der Fans auf die neue Spielzeit war durch die Pokal-Auslosung vom 11.6.2011 in der 'Sportschau' noch gesteigert worden. 22 der 32 Paarungen waren bereits ausgelost, aber die Kugel mit Eintrachts Namen war noch nicht dabei gewesen. Dasselbe galt im Topf der potentiellen Gegner auch für Hannover 96 und Bayern München. Sollte etwa ...? Tatsächlich! Die Frauen-Nationalspielerin Celia Okoyino da Mbabi zog als zehntletzte Paarung Eintracht Braunschweig gegen Bayern München !! Die Handys glühten, etliche SMS wurden verschickt. Jeder 'Löwen'-Fan, der die Auslosung live verfolgt hatte, wollte die Neuigkeit seinen Freunden sofort mitteilen. So dauerte es sicherlich kaum mehr als 10 Minuten, bis die blau-gelbe Fangemeinde komplett unterrichtet war.
Der bevorstehende Pokal-Hit hatte die ohnehin große Nachfrage nach Dauerkarten (wegen des damit verbundenen Vorkaufsrechts) noch einmal zusätzlich angekurbelt. So konnte der BTSV am Ende des 8.7.2011, dem vorläufigen Verkaufs-Stopp, einen neuen Vereinsrekord von knapp 13.000 verkauften Dauerkarten vermelden ! Hinter Eintracht Frankfurt und dem FC St. Pauli belegten die Blau-Gelben damit bereits Platz 3 in der 2. Bundesliga.
Natürlich kamen deutlich mehr als diese 13.000 zum Punktspiel gegen 1860. Mehr als 22.000 Zuschauer fanden sich im Eintracht-Stadion ein. Der leichte Regen 1 ½ Stunden vor Anpfiff hatte das Interesse nicht schmälern können.



Bereits in den ersten Spielminuten wurde deutlich, dass in Liga 2 ein anderer, besserer Fussball gespielt wird als in der 3. Liga. Mit Kiraly, Bierowka und Lauth standen aber auch andere 'Kaliber' auf dem Platz als in der Vorsaison. Die Münchner spielten schnell und direkt nach vorn. Die Blau-Gelben schienen zunächst Schwierigkeiten zu haben, sich zu orientieren. Da mit Dogan und Kessel zwei potentielle Stammspieler der Viererkette verletzungsbedingt fehlten, war dieser Umstand nicht unbedingt verwunderlich. Die ersten fünf Minuten gehörten jedenfalls 1860. Das änderte sich mit dem ersten vorzeigbaren Angriff des BTSV! Neu-'Löwe' Zimmermann trat einen Freistoß von der linken Seite, Kruppke stieg hoch und ... Toooor! 1:0 bereits mit der ersten Chance nach sechs Minuten! Jubel auf den Rängen!
In der Folgezeit zogen die Münchner zwar weiter ihr Kombinationsspiel auf, Eintracht stellte sich jedoch immer besser darauf ein und bekam das Spiel langsam in den Griff. Nach 20 Minuten hatte sich am Spielstand nichts geändert. In der 22. Minute gab es eine der zahlreichen Standardsituationen für die Münchner. Petkovic faustete den Ball weg, wurde dabei von zwei 60er Angreifern behindert und zu Fall gebracht. Zudem flog der Ball durch die Behinderung nicht weit genug aus der Gefahrenzone und kam prompt zurück. Am Aufstehen gehindert musste Eintrachts Torwart mit ansehen, wie der Ball ins Tor trudelte. Freistoß für Eintracht, dachten alle in der Südkurve, vor deren Augen sich die Szene abgespielt hatte. Nicht so der Schiedsrichter! Er ließ die Szene laufen und erkannte den Ausgleich an. 1:1 ! Es war nicht zu fassen! Knapp in der 2. Liga angekommen, wurde Eintracht schon verpfiffen. Apropos Pfeiffen. Der Schiri bekam deutlich zu hören, was die Fans von seiner Entscheidung hielten.
Die nächsten 10 Minuten tat sich nichts Spielentscheidendes. Aber dann ...!
In der 35. Minute bekam Zimmermann den Ball auf der linken Seite nahe des 16ers. Er zog noch an einem Gegenspieler vorbei und dann von der Strafraumgrenze ab. Am 60-Torwart vorbei schlug das Leder im rechten Dreieck ein. Tooor! 2:1! Wahnsinn! Was für ein Einstand des Ex-Saarbrückners! Beste Stimmung bei den Fans!
Beste Stimmung? Das ging noch besser! Nur fünf Minuten später verlor ein Abwehrspieler der Münchner den Ball auf der rechten Seite an Kruppke, der noch ein paar Meter lief und dann flach zur Mitte passte. Dort war Kumbela mitgelaufen und hatte nur noch Kiraly vor sich. Kein Hindernis! Eintrachts Torschützenkönig der 3. Liga aus der vergangenen Saison schob locker ein. 3:1 ! Nun rockte der Tempel wirklich!
Mit 3:1 ging es in die Pause. Kurz nach dem Wechsel wurde Kumbela im Strafraum der Gäste zu Fall gebracht. Elfmeter! Kruppke lief an und schoß ... über das Tor.
Das wäre es doch gewesen! So mussten die Fans noch ein wenig länger um den Sieg bangen. Außer einem Lattenschuss für die Münchner, die sich nach 58 Minuten durch eine Gelb-Rote Karte selbst dezimiert hatten, gab es für Eintracht aber nur noch wenige gefährliche Situationen zu überstehen. Als dann die genaue Zuschauerzahl mit 22.100 und 67 angegeben wurde, war klar, dass an diesem Tag der Geist der erfolgreichen Zeit über dem Eintracht-Stadion wehte und nichts mehr anbrennen würde. So setzte eine Viertelstunde vor Schluss dann auch bereits der Sprechchor ein: 'Gegen Braunschweig kann man `mal verlieren'. Es stimmte ja auch! Bei einer 'Löwen'-Elf in dieser Verfassung zu verlieren, war keine Schande.
Kurz Zeit später war in der Südkurve ein weiterer Sprechchor zu hören. 'Spitzenreiter, Spitzenreiter', riefen die Fans. Stimmte das denn? Und wirklich! Nur St. Pauli hatte ebenfalls (bereits am Samstag) mit zwei Toren Differenz gewonnen (2:0 gegen Ingolstadt), lag aber wegen der weniger geschossenen Tore hinter den Blau-Gelben in der Tabelle.
Da sich am Spielstand bis zum Ende nichts mehr änderte, hatte der BTSV mit dem 3:1-Sieg tatsächlich die Tabellenspitze in der 2. Bundesliga erklommen. Dafür lohnte sich doch nach dem Schlusspfiff ein Tänzchen der Spieler vor den Fans. Seit der Vorsaison 2010/11 immer wieder gern gesehen!
An Eintrachts Tabellenführung änderte auch das Montagsspiel (Fort. Düsseldorf – VfL Bochum = 2:0) nichts mehr. Der Kicker vom 18.7. titelte: 'Erster – Eintrachts Raketenstart'. So durfte es ruhig weitergehen !