16. September
Stürmer Frank Türr16.09.1970
Ein Löwengeburtstag
Frank Türr wurde am 16.9.1970 in Nürnberg geboren.
Seit 1984 kickte er für den 1.FCN. In der U15 wurde er Nationalspieler und absolvierte danach Länderspiele hoch bis zur U18 des DFB. Sein Bundesliga-Debüt gab er – als Vertragsamateur -- am 3. Spieltag der Saison 1988/89. In dieser Spielzeit kam er in sieben weiteren Begegnungen zum Einsatz und erzielte dabei ein Tor (am 32. Spieltag gegen Hannover 96). Danach erhielt er einen Profivertrag. Während die Spielzeit 1989/90 für den jungen Stürmer mit 26 Einsätzen und 6 Toren recht erfolgreich verlief, kam er ein Jahr später nur noch in 20 Bundesliga-Begegnungen zum Einsatz und erzielte lediglich 2 Treffer.
Mit Beginn der Saison 1991/92 wechselte er (für eine Ablösesumme von 780.000 DM) zum Erstligisten VfL Bochum. Dort konnte Türr die Erwartungen mit 2 Toren bei 17 Einsätzen nicht erfüllen. Da er aus Sicht der Bochumer Verantwortlichen auch in der Hinserie 1992/93 nicht die erhoffte Durchschlagskraft besaß (0 Tore bei 5 Einsätzen), sah sich der im Abstiegskampf steckende VfL in der Winterpause nach einem neuen Stürmer um und wurde beim Zweitligisten Eintracht Braunschweig fündig.
Bei den "Löwen" hatte sich Holger Aden im Sturm durch Treffsicherheit unentbehrlich gemacht. Allein in der Hinserie der laufenden Saison hatte er 19 Tore erzielt und führte damit die Torjägerliste in der 2. Bundesliga deutlich an. Der "Kicker" stufte ihn daher in der "Rangliste des Deutschen Fussballs" auch zu Recht mit "hervorragend" ein. Aden besaß in seinem Vertrag mit dem BTSV eine Ausstiegsklausel, die es ihm ermöglichte, zu einem Erstligisten zu wechseln. Die Bochumer schlugen zu und holten Aden für eine Ablösesumme von 800.000 DM zum VfL.
Eintracht konnte dagegen nichts unternehmen und musste sich stattdessen selbst auf Stürmersuche begeben. Der BTSV, der sich ebenfalls mitten im Abstiegskampf befand, glaubte schließlich, in Frank Türr den entsprechenden Ersatz gefunden zu haben. Nachdem eine zunächst geplante Ausleihe scheiterte, verpflichteten die Blau-Gelben den Franken Mitte Januar 1993 fest und zahlten dem VfL dafür die Ablösesumme von 300.000/350.000 DM. Türr traf damit sogar rechtzeitig zum Winter-Trainingslager der Blau-Gelben bei seiner neuen Mannschaft ein. Der blau-gelbe Anhang hoffte, mit ihm die notwendigen Punkte für den Klassenerhalt zu holen.
Die Hoffnung erfüllte sich nicht. Für viele ältere Eintracht-Fans ist Frank Türr auch heute noch der personifizierte Abstieg der "Löwen" aus der 2.Bundesliga in der Saison 1992/93.
Der Franke wurde nach der Winterpause von Trainer Maslo – natürlich – sofort (ab dem 26.Spieltag) und regelmäßig eingesetzt. Seine Leistungen blieben allerdings deutlich hinter den Erwartungen zurück. Mag sein, dass der 22jährige im Rahmen seiner Möglichkeiten alles abrief – es war zu wenig. Die "Kicker"-Noten (entsprechend den Schulnoten von 1-6) in den ersten 12 Einsätzen mit 4, 5, 3, 5, 3, 4, 3, 4, 3, 4, 4, 4 sprachen eine deutliche Sprache. Kein Ausreißer nach oben und, was viel schlimmer war, kein geschossenes Tor! Gerade in den Duellen bei den jeweiligen Tabellenletzten am 35. Spieltag (Fort.Düsseldorf) und 37. Spieltag (VfB Oldenburg) hätte Türr mit den Chancen, die er hatte, den BTSV auf die Siegerstraße bringen können. Er traf nicht und Eintracht verlor beide Partien.
Am 38.Spieltag aber kam Hoffnung auf. Türr traf im Heimspiel gegen die Stuttgarter Kickers, sicherte damit den 1:0-Sieg und spielte auch sonst sehr ordentlich (Note 3). Dieselbe Leistung konnte er auch im folgenden Spiel abrufen, allerdings ohne zu treffen. Danach fiel er jedoch wieder ins Mittelmaß zurück. Am 42. Spieltag schließlich hatte auch Eintrachts Coach ein Einsehen und setzte Türr gar nicht erst ein. In der Folgezeit bestritt der Stürmer kein volles Spiel mehr – entweder er wurde eingewechselt (43.SpT) oder während des Spiels ausgewechselt (44.+45.SpT). Ein weiteres Tor gelang ihm bei diesen Einsätzen nicht.
Am 46. und gleichzeitig letzten Spieltag stand der BTSV auf dem 18. Tabellenplatz (unter 24 Mannschaften) und damit auf dem ersten von sieben Abstiegsplätzen. Vor ihm stand punktgleich der FC St.Pauli auf Platz 17. Lediglich ein Tor waren die Hamburger besser in der Tordifferenz. Während Eintracht den bereits aufgestiegenen MSV Duisburg empfing, hatten die St.Paulianer Hannover 96 zu Gast. Es ging um alles!
Eintracht begann mit Türr im Sturm und versuchte Druck aufzubauen. Besonders geschickt stellten sich die Blau-Gelben dabei jedoch nicht an, so dass der eher lustlos wirkende MSV keine Mühe hatte, mit einem 0:0 in die Pause zu gehen. Da es auf St.Pauli zum selben Zeitpunkt auch torlos 0:0 stand, war noch alles offen. Dann die 52. Minute! Die "Löwen" spielten nun Richtung Nordkurve. Auf der linken Seite setzte sich ein Blau-Gelber durch und schlug den Ball nach innen. Weder der Torwart noch ein anderer Spieler der "Zebras" erreichte den Ball. Stattdessen landete das Leder bei dem in Höhe des hinteren Pfostens an der 5-Meter-Linie lauernden Türr. Dieser hatte nun die völlig leere rechte Hälfte des gegnerischen Kastens vor sich und musste nur noch einschieben. Er schoss rechts vorbei. Haareraufen!
Danach kam, was kommen musste. Aus Hamburg wurde die 1:0-Führung von St.Pauli aus Minute 72 gemeldet. Türr stand zu diesem Zeitpunkt in Braunschweig schon nicht mehr auf dem Platz, sondern war ausgewechselt worden. Die Blau-Gelben kassierten in der Folgezeit noch zwei Konter (82.+87.) zum 0:2 und trafen selbst einmal zum Endstand von 1:2, während es in Hamburg beim 1:0 blieb. Eintracht war abgestiegen.
Türr verabschiedete sich nach der Saison wieder von der Eintracht. In der Statistik des BTSV stehen für ihn 20 Spiele mit einem Tor und einer "Kicker"-Durchschnittsnote von 3,79. Man hatte sich ganz andere Zahlen erhofft ...
Dass Frank Türr durchaus kein schlechter Stürmer war, bewies er im weiteren Verlauf seiner Karriere. Nach Franken zurückgekehrt, kümmerte er sich zunächst vordringlich um seine Ausbildung im Polizeidienst und kickte in der Saison 1993/94 für die SpVgg Bayreuth in der Bayernliga. Im Sommer 1994 wechselte er zur SpVgg Fürth in die Regionalliga und blieb diesem Verein, der später zur SpVgg Greuther Fürth wurde, bis zum Karriereende im Sommer 2002 treu. Für den Verein traf er in 99 Regionalligaspielen 60x und in 129 Zweitligaspielen 26x. In der Aufstiegssaison der Fürther 1996/97 wurde Türr Torschützenkönig mit 25 Treffern.