28. September
Eintracht – Glentoran Belfast 6:1 (3:1)28.09.1971
1. Runde UEFA-Cup – 1971/72
Zum Rückspiel der ersten Runde im UEFA-Cup begrüßte Eintracht am 28.9.1971 die nordirische Mannschaft von Glentoran Belfast.
Der UEFA-Cup wurde in der Saison 1971/72 zum ersten Mal ausgespielt. Er löste den Messe-Pokal ab. Die Verantwortlichen der UEFA hatten mit ihm – neben dem Europokal der Landesmeister und dem Europapokal der Pokalsieger – einen dritten internationalen Wettbewerb geschaffen, der allen Vereinen offenstand, sofern sie die sportliche Qualifikation erbrachten. Eintracht hatte sich für seine Premiere mit einem vierten Platz in der abgelaufenen Bundesliga-Saison 1970/71 qualifiziert.
Die aktuelle Bundesliga-Saison dagegen lief für die Blau-Gelben nicht sonderlich erfolgreich. Der Bundesliga-Skandal mit seinen Sperren für Ulsass und Lorenz wirkte sich aus. Nach acht Spielen belegte der BTSV mit 7:9-Punkten (2-Punkte-Wertung) einen hinteren Mittelfeldplatz und hatte zudem einen beträchtlichen Zuschauerschwund zu beklagen. Gerade einmal etwas mehr als 7.000 Zuschauer waren zum letzten Heimspiel gegen den Namensvetter aus Frankfurt (2:0) erschienen.
Zumindest das Weiterkommen im UEFA-Cup schien gesichert. Das Hinspiel in Belfast am 14.9.1971 hatten die "Löwen" durch ein Tor von Bründl (33. Minute) mit 1:0 gewonnen.
Die Verhältnisse rund um das Spiel in Nordirland waren erschreckend gewesen. Es herrschte Bürgerkrieg. Panzer, Militär und Stacheldraht beherrschten das Bild in Belfast. Eintracht hatte sich nach anfänglichem Zögern unter Zurückstellung der Bedenken zur Reise entschlossen. Glücklicherweise passierte nichts.
12.000 Zuschauer passierten die Stadiontore an der Hamburger Straße, um Eintrachts Einzug in die zweite Runde zu bejubeln. Sie wurden nicht enttäuscht. Und sahen ein denkwürdiges Spiel eines Mannes!
Nach 22 Minuten war die Begegnung praktisch schon entschieden. Das Ergebnis lautete zu diesem Zeitpunkt 3:1. Und immer war es derselbe Spieler gewesen, der für die Blau-Gelben getroffen hatte. Bründl, Bründl und abermals Bründl (2., 7. FE, 22.)! Der zwischenzeitliche Ausgleich (4.) interessierte niemand mehr.
Nach dem Wechsel ging das muntere Toreschiessen weiter. Gerwien traf zum 4:1 (55.). Nachdem Glentoran sich durch einen Platzverweis selbst dezimiert hatte (70.), war wieder der "Mann des Tages" dran. 5:1 Bründl (82.), 6:1 Bründl (88.).
6:1 hieß es auch am Ende.
"Bubi" Bründl allein hatte 5 Treffer erzielt und kam mit seinem 1:0 aus dem Hinspiel bereits auf 6 Tore. Wahnsinn!
Eintracht hatte mit diesem Sieg die zweite Runde im UEFA-Cup locker erreicht. Nun hieß es, die anderen Ergebnisse zu studieren und auf das Losglück zu vertrauen.
Für den HSV war das schon nicht mehr interessant. Gegen den FC St. Johnstone waren die Hamburger ausgeschieden (2:1/0:3). Die anderen deutschen Vertreter dagegen hatten sich durchgesetzt: Hertha BSC Berlin gegen Elfsborg Boras (3:1/4:1) und der 1.FC Köln gegen AS St. Etienne (2:1/1:1). Auch Real Madrid war noch im Lostopf (2:1/2:1 gegen FC Basel).
Dem BTSV wurde schließlich der starke spanische Vertreter Atletico Bilbao zugelost. Aber auch in diesem Duell setzten sich die Blau-Gelben durch (2:1/2:2) und zogen als einziger deutscher Vertreter in die 3. Runde ein. Dort war gegen die ungarische Mannschaft Ferencvaros Budapest Schluss. Nach einem 1:1 zu Hause unterlagen die "Löwen" in Budapest mit 2:5.
Den UEFA-Cup gewann schließlich die Mannschaft von Tottenham Hotspur.
Torschützenkönig im UEFA-Cup-Wettbewerb wurde ... na, wer schon? Genau! "Bubi" Bründl, der seinen sechs Toren aus der ersten Runde vier weitere folgen ließ und mit 10 Treffern bester Schütze war.

Eintracht – Dynamo Kiew 0:028.09.1977
1. Runde UEFA-Cup – 1977/78
UEFA-Cup-Zeit in Braunschweig ! Im Rückspiel der ersten Runde hatte Eintracht am 28.9.1977 die Mannschaft von Dynamo Kiew zu Gast.
Der BTSV war wieder wer im deutschen Spitzenfussball !
Nach dem Abstieg aus der Bundesliga 1973 war es für die 'Löwen' kontinuierlich bergauf gegangen: 1974 der sofortige Wiederaufstieg, 1975 ein ungefährdeter Mittelfeldplatz (9. 36:32 Punkte), 1976 bereits ein UEFA-Cup-Platz (5. 39:29 Punkte) und 1977 fast die zweite deutsche Meisterschaft (3. 43:25 Punkte). Und nun noch die Verpflichtung von Paul Breitner von Real Madrid für die Rekord-Ablösesumme von 1,6 Millionen DM!
Kein Wunder also, dass die blau-gelbe Fangemeinde an die Saison 1977/78 die größten Hoffnungen knüpfte. 4.000 Fans beim ersten Training und 5.500 verkaufte Dauerkarten dokumentierten die Erwartungshaltung.
In den bisher absolvierten Punktspielen der Bundesliga hinkten die Okerstädter den Erwartungen allerdings etwas hinterher. Nach neun Spieltagen rangierten sie zwar mit 12:6-Punkten (2-Punkte-Wertung) im Vorderfeld der Tabelle, hatten aber bereits drei Niederlagen hinnehmen müssen, wobei das 0:6 beim 1. FC Köln eher einer Klatsche gleichkam. Aber die spielerische Klasse würde sicherlich noch kommen, hofften die Fans.
Immerhin hatten die 'Löwen' ihr vorhandenes Potential bereits gezeigt, als sie im Hinspiel bei Dynamo Kiew vor 95.000 Zuschauern ein 1:1 erreichten (Torschütze: Frank). Dynamo Kiew war schließlich nicht irgendwer! Die Mannschaft war identisch mit dem sowjetischen Nationalteam und besaß so herausragende Akteure wie den Weltstar Oleg Blochin in ihren Reihen. Noch im Vorjahr hatten die Ukrainer Bayern München im Viertelfinale des Europapokals der Landesmeister ausgeschaltet und dabei ihr Heimspiel in Kiew mit 2:0 gewonnen. Überhaupt war es dem BTSV als erstes deutsches Team gelungen, in Kiew zu punkten. Der VfB Stuttgart, Eintracht Frankfurt, Borussia M'Gladbach und Bayern München hatten das zuvor vergeblich versucht.
Trotz der guten Ausgangsposition mit dem auswärts erreichten 1:1 ging Eintracht also nicht als Favorit in das Rückspiel gegen die Weltklasse-Mannschaft aus Kiew. Zwar würde dem BTSV auch ein 0:0 reichen, aber Dynamo war alles zuzutrauen und noch lange nicht besiegt!
Trainer Branco Zebec hatte die Blau-Gelben auf seine besondere Art auf das Spiel vorbereitet. Er schrieb die taktische Aufstellung von Dynamo mit Filzschreiber auf die ockergelbe Kabinentür (der Umkleidekabine 7 unter der Gegengerade).
Das Stadion an der Hamburger Straße platzte mit offiziellen 35.000 Zuschauern aus allen Nähten. Es war brechend voll an diesem Mittwochabend. Die Fans auf den Stehplätzen hatten das Gefühl, als ob deutlich mehr Karten verkauft worden waren, so eng stand man beieinander.
Die 'Löwen' machten von Beginn an Betrieb vor dem Tor von Dynamo. Popivoda und Breitner trafen den Pfosten. Ein Treffer wollte jedoch nicht fallen. Torlos ging es in die Pause.
Nach dem Wechsel zunächst dasselbe Bild. Die Blau-Gelben bemühten sich weiter um das erlösende Tor. Nachdem Popivoda nach einem Zweikampf im Strafraum zu Boden gegangen war, glaubten alle an den Elfmeterpfiff. Doch der Schiedsrichter bewertete die Szene anders und ließ weiterspielen. Jetzt kochte die Stimmung, die schon zuvor gut gewesen war, hoch. Unermüdlich feuerten die Fans die Mannschaft an, die nun aber von Minute zu Minute mehr unter Druck geriet. Eintracht schien dem hohen Tempo der ersten Halbzeit Tribut zollen zu müssen, und Dynamo begann sich Chancen zu erspielen und wurde immer stärker. Die 'Löwen'-Fans aber auch!
Es muss so um die 60./65. Spielminute gewesen sein, als die Fans begannen 'Durchhalten, durchhalten' zu rufen. Bald riefen Zehntausende 'Durchhalten, durchhalten' – und hörten nicht mehr auf damit. Es war Wahnsinn! Die 'Löwen' auf dem Rasen ließen nicht nach und warfen sich in jeden Schuss von Dynamo und die 'Löwen' auf den Rängen ließen nicht nach und brüllten, was das Zeug hielt. 'Durchhalten, durchhalten'!
Die Spieler hielten durch. Schlusspfiff! Ende! Endstand 0:0! Jaaaa! Jubel!
Dank des auswärts erzielten Treffers hatte Eintracht Dynamo Kiew ausgeschaltet und die zweite Runde erreicht.
Schade, dass nur die Zuschauer im Stadion dieses Spektakel live erleben durften. Das deutsche Fernsehen übertrug die Begegnung lediglich zeitversetzt.
Für die zweite Runde des UEFA-Cups wurde dem BTSV ein ungleich leichterer Gegner zugelost: die norwegische Mannschaft von Kristiansand. Nach einem 0:1 in Norwegen gewannen die 'Löwen' das Rückspiel mit 4:1 und zogen in die dritte Runde ein. Dort wartete der PSV Eindhoven – und erwies sich als zu stark. Nach einem 0:2 auswärts verloren die Blau-Gelben auch ihr Heimspiel mit 1:2 und schieden aus.
Zu diesem Zeitpunkt (7.12.1977) war der BTSV in der Meisterschaft schon hoffnungslos zurückgefallen. Mit 17:17-Punkten rangierten die 'Löwen' im Mittelfeld der Tabelle. Es passte einfach nicht in dieser Mannschaft. Am Ende belegten die Blau-Gelben Platz 13 der Tabelle mit 32:36-Punkten – und Breitner verschwand wieder aus Braunschweig.
Bezogen auf die hohen Erwartungen war es letztendlich eine Saison zum Vergessen.
Das Spiel gegen Dynamo Kiew allerdings blieb allen, die das Glück hatten, an diesem Abend im Stadion gewesen zu sein, für immer unauslöschlich in Erinnerung.