7. Januar
Werder Bremen – Eintracht 2:3 (1:2)07.01.1967
18. Spieltag Bundesliga -- 1966/67
Nun war es also tatsächlich geschehen! Der Club, den die sog. Fussball-Experten zumindest in den ersten beiden Spielzeiten ab Einführung der Bundesliga 1963 als heißen Abstiegskandidaten handelten, hatte die Frechheit besessen, in der Saison 1966/67 die Herbstmeisterschaft zu erringen!
Eintracht Braunschweig war am 17.12.1966 Herbstmeister in der Fussball-Bundesliga geworden!
Am 16.Spieltag hatte es noch danach ausgesehen, als ob den „Löwen“ nun langsam die Puste ausgehen würde. Im Stadion an der Hamburger Straße hatte es für sie nur zu einem 0:0 gegen den Aufsteiger Rot-Weiß Essen gelangt. Da der HSV zeitgleich die Bayern aus München mit 3:1 bezwungen hatte, waren die Elbestädter in der Tabelle vorbei gezogen. Auch der Namensvetter aus Frankfurt stand nun nach Minuspunkten besser da. Deren Spiel bei Borussia Dortmund war jedoch (neben drei anderen Partien) witterungsbedingt abgesagt worden. Am 17. Spieltag überraschten die Blau-Gelben die Fussballwelt dann jedoch mit einem deutlichen 4:0-Auswärtssieg beim 1. FC Nürnberg. Der Hamburger SV kam dagegen nur zu einem Unentschieden (2:2 bei Fortuna Düsseldorf). Genau so erging es den Frankfurtern in ihrem Heimspiel (3:3 gegen 1860 München). Die Folge: Der BTSV führte mit 22:12-Punkten (2-Punkte-Regelung) und einem Torverhältnis von 26:12 wieder die Tabelle an vor dem punktgleichen HSV und den Frankfurtern, die auf 20:12 Punkte kamen. Beide Verfolger hatten das schlechtere Torverhältnis, und es war ausgeschlossen, dass die Frankfurter Eintracht dies in ihrem Nachholspiel noch ändern konnten. Beim Torverhältnis war in den ersten Bundesligajahren nicht die Tordifferenz maßgebend, sondern der Quotient nach Division. Und da war Eintrachts Wert wegen der wenigen Gegentore mit über 2,1 einfach unschlagbar.
Bisher war der Herbstmeister der Bundesliga am Ende der Saison stets auch Deutscher Meister geworden. Das galt gleichermaßen für den 1.FC Köln 1964, Werder Bremen 1965 und 1860 München 1966. Die Fans der Blau-Gelben fanden diese Tatsche natürlich gut, den Offiziellen des BTSV war die damit verbundene Erwartungshaltung überhaupt nicht recht. Und so nutzte Eintracht die Weihnachtspause – eine Winterpause gab es noch nicht – zu einer Pressekonferenz, in der Trainer Johannsen u.a. erklärte: „Wir sind noch keine Meistermannschaft. Unser Spiel ruht auf zu wenig Schultern. Das ist keine Tiefstapelei.“
Ob Johannsen nun Recht behalten würde, musste die Rückrunde zeigen. Die ersten drei Spiele waren diesbezüglich gleich der richtige Gradmesser. Denn mit Werder Bremen, 1860 München und dem 1.FC Köln waren die ersten Gegner der Rückrunde zugleich die bisherigen Meister.
Los ging es für die „Löwen“ am Samstag, den 7.1.1967, im Weser-Stadion. Zwar bot Werder in dieser Spielzeit eher nur mittelmäßige Leistungen, an die letzten Auftritte in Bremen erinnerten sich die Blau-Gelben jedoch nur ungern zurück. Mit 1:5 und 0:4 war Eintracht in den letzten beiden Spielen doch sehr deutlich unter die Räder geraten. Aber diese Saison war sowieso alles anders und so reisten zahlreiche Fans mit der Mannschaft nach Bremen.
Insgesamt wollten etwas mehr als 20.000 Zuschauer diese Begegnung auf hartgefrorenem Boden sehen.
Sie sahen in der ersten Halbzeit ein relativ ausgeglichenes Spiel. Die Mittelfeldreihen neutralisierten sich gegenseitig. Allerdings besaßen die Blau-Gelben mit Erich Maas einen Stürmer, der mit seinem Gegenspieler Piontek machte, was er wollte. Auch Eintrachts anderer Außenstürmer Wolfgang Grzyb, der für den etatmäßigen Rechtsaußen Gerwien auf dem Platz stand, spielte stark. Dafür hatte Walter Schmidt in der Verteidigung mit Gegenspieler Ferner mehr zu tun, als ihm lieb war. Entscheidend war in dieser Spielhälfte die Effizienz. Und da lag der BTSV vorn. In der 11. Minute schlug Grzyb einen weiten Diagonalpass auf Maas, den dieser aus 30 Metern volley nahm und den zu weit vor seinem Tor stehenden Bernard damit überwand. 0:1! Kurz danach hatten die Fans erneut den Torschrei auf den Lippen. Gerhard Saborowski traf jedoch nur die Latte. Die nicht genutzten Chancen bis zur 20. Minute rächten sich für die Blau-Gelben kurz danach. Nach einer Ecke klärte Achim Bäse unglücklich zum Gegner und Zebrowski konnte einnetzen (22.). 1:1! Der Ärger des blau-gelben Anhangs währte aber nicht lange, denn 14 Minuten später gab es wieder Grund zum Jubeln. Peter Kaack fing einen Angriff von Werder früh ab und spielte schnell auf den Liebling der Fans Lothar Ulsass, der frei vor dem Tor keine Mühe hatte. 1:2! Halbzeit!
In der 2. Halbzeit hatten die Bremer mehr vom Spiel und belohnten sich in der 73. Minute für ihren Einsatz. Lorenz, der später (Sommer 1969 bis Ende 1971) selbst für Eintracht spielte, traf per Kopf nach einem Freistoß und Vorarbeit von Ferner zum erneuten Ausgleich. 2:2! Wer dachte, Eintracht sei nun auch mit dem Unentschieden zufrieden, sah sich getäuscht. Eintracht wollte den Sieg unbedingt und …schaffte ihn. Wieder war Ulsass der Torschütze. Nach einem Freistoß schoss er auf das Tor, Keeper Bernard rutschte bei der Rettungsaktion weg, und der Ball landete im Netz (81.). Das 2:3 war gleichzeitig der Endstand. Jubel bei den Fans!
Eintracht war mit einem Erfolg in die Rückrunde gestartet. Werder-Trainer Brocker erkannte den verdienten Sieg der „Löwen“ an. Allerdings wandte er ein, dass bei vertauschten Torhütern seine Mannschaft gewonnen hätte.
Als die Endergebnisse von den anderen Plätzen bekannt wurden, stieg die Stimmung aller Blaugelben weiter an. Zwar hatte Eintracht Frankfurt nach Rückstand noch 2:1 gegen Bayern München gewonnen, dafür aber musste der HSV eine 0:1-Niederlage bei Hannover 96 einstecken. Schau an, manchmal sind die „Roten“ tatsächlich zu etwas nütze! Ein weiteres Ergebnis löste Erstaunen aus: Borussia Mönchengladbach hatte Schalke 04 zu Hause mit 11:0 besiegt. 11:0! Das erste zweistellige Resultat in der Bundesligageschichte!
Aufgrund der Ergebnisse des 18. Spieltags führte Eintracht die Tabelle nun mit zwei Punkten Vorsprung an. Der Meistertitel war ein Stück näher gerückt. [Stand: Dezember 2013]