5. Oktober
Eintracht - FC Schalke 04 4:3 (2:1)05.10.1963
6. Spieltag Bundesliga - 1963/64
Am 5.10.1963 war es soweit. Der Revier-Club Schalke 04 kam zum Punktspiel nach Braunschweig! Die Vorfreude auf diesen 6. Spieltag der neu gegründeten Fußball-Bundesliga war riesengroß. Kein Wunder also, dass das Flutlichtspiel am diesem Samstagabend mit 32.000 Zuschauern ausverkauft war. Es sollte ein großer Fußball-Abend für alle werden, deren Herz an Blau-Gelb hing.
Zwischen der 20. und 30. Minute fielen drei Tore. Erst traf Eintracht zum 1:0 und 2:0 (Tore: Hosung, 21., siehe Bild; Wuttich, 26.), bevor die 'Knappen' auf 2:1 verkürzen konnten (Gerhardt, 28.). Mit diesem Ergebnis ging es zugleich in die Pause. In der 55. Minute fiel das 3:1 (Brase). Die Schalker gaben sich jedoch nicht geschlagen und verkürzten nur zwei Minuten später (Koslowski). Als die 'Löwen' in der 68. Minute zum dritten Mal einen 2-Tore-Vorsprung herausschossen (erneut Wuttich), dachten alle, die Entscheidung sei gefallen. Wiederum dauerte es aber nur fünf Minuten, bis die Männer aus Gelsenkirchen den erneuten Anschluss schafften (Berz). Das Spiel blieb spannend bis zum Schluss. Ein weiteres Tor fiel jedoch nicht mehr.
Eintracht hatte 4:3 gewonnen. Es war der erste Sieg gegen Schalke überhaupt.
Die Blau-Gelben hatten mit diesem Sieg den 5. Tabellenplatz mit 8:4 Punkten (2-Punkte-Regel!) erobert. Vor ihnen lagen nur der 1.FC Köln, der Hamburger SV, Schalke 04 und der 1.FC Nürnberg. Für eine Mannschaft, die zu Beginn der Bundesliga von allen Experten als heißer Abstiegskandidat gehandelt wurde, nicht schlecht! Wirklich nicht!
Mit dem Abstiegskampf hatten die 'Löwen' in der Saison nichts zu tun. Sie belegten am Ende Tabellenplatz 11.

Eintracht - Bayern München 3:1 (2:0)05.10.1974
7. Spieltag Bundesliga - 1974/75
Löwen-Herz, was willst Du mehr ! Viel besser als in diesem Oktober 1974 konnte die Stimmung der Eintracht-Fans nun wirklich nicht sein !
Der BTSV hatte das Missgeschick des Abstiegs aus der Bundesliga mit dem Wiederaufstieg umgehend korrigiert. Deutschland war im Sommer im eigenen Land Fussball-Weltmeister geworden. Und die "Roten" aus "West-Peine" hatten ihren Platz in der Belle-Etage des Deutschen Fussballs räumen müssen und spielten nun wieder zweitklassig.
Zudem waren die Blau-Gelben unter dem neuen Trainer Branco Zebec deutlich besser in die Saison 1974/75 gestartet, als man es von einem Aufsteiger erwarten konnte. Von den ersten sechs Begegnungen wurden vier gewonnen: gegen TeBe Berlin zum Saisonauftakt 5:0, gegen den MSV Duisburg 4:1, bei RW Essen 2:1 und gegen den VfL Bochum 2:0. Nur am Betzenberg hatte man am 2. Spieltag eine 0:2-Niederlage hinnehmen müssen. 15 Tore hatten die "Löwen" schon erzielt und sich mit 9:3-Punkten (2-Punkte-Wertung!) Platz 3 der Tabelle erobert. Allein der Namensvetter aus Frankfurt (Tabellenzweiter) war mit 17 Treffern noch torhungriger gewesen.
So war es wenig verwunderlich, dass die Fans nach den Negativ-Erlebnissen Bundesligaskandal (1971) und Abstieg (1973) wieder Appetit auf die Kicker in den blau-gelben Trikots bekommen hatten und in Scharen ins Stadion an der Hamburger Straße strömten. Bereits zum Saisonauftakt gegen den Mitaufsteiger aus Berlin hatten über 19.000 Zuschauer die Stadiontore passiert. Die 20.000er-Grenze wurde dann gegen die Duisburger (24.500) und die Bochumer (21.500) deutlich übertroffen.
Diese Zahlen waren aber nichts gegen den Andrang, der sich bereits Wochen vor dem 7.Spieltag abzeichnete, der am 5.10.1974 stattfand.
Der amtierende deutsche Meister, die Bayern aus München hatten ihr Kommen angesagt. Bereits Tage vor dem Spiel waren alle 36.500 Karten restlos vergriffen.
Die Bayern selbst waren mit gemischten Gefühlen nach Braunschweig angereist. Zwar hatten sie sich den Meistertitel der letzten Saison souverän bereits am 33. Spieltag gesichert, auch waren sie mit 6:2-Punkten aus den ersten 4 Spielen zufriedenstellend in die Saison gestartet, aber bereits der Saisonauftakt mit der 0:6-Klatsche bei Kickers Offenbach hatte zu denken gegeben. Die Niederlagen am 5. und 6. Spieltag beim in der Vorsaison knapp dem Abstieg entronnenen Wuppertaler SV (1:3) und zu Hause gegen Schalke 04 (0:2) hatten die Unsicherheit noch vergrößert. Was würde sie bei dem Aufsteiger erwarten, der offensichtlich so gut drauf war?
Nichts Gutes!
Das Star-Ensemble um die Weltmeister Sepp Maier, Franz Beckenbauer, Schwarzenbeck, Uli Hoeneß, Gerd Müller hatte an diesem Tag nicht den Hauch einer Chance.
Angetrieben vom fantastischen Publikum gingen die "Löwen" bereits früh durch ein Tor des vor der Saison verpflichteten Alexander Ristic, der später die Trainerlaufbahn einschlug und auch bei Eintracht Trainer wurde, in Führung (7.Minute; Torjubel auf dem folgenden Bild).



Kurz vor der Pause traf "Bubi" Bründl per Elfmeter zum 2:0 für die Eintracht (41.) und damit zum Pausenstand (s. folgendes Bild).



Mag sein, dass sich die Münchner für die 2. Halbzeit eine Menge vorgenommen hatten, nach 2 Minuten hatten sich diese Vorsätze jedoch bereits wieder erledigt. Bernd Gersdorff wurde auf der rechten Seite geschickt, sah Sepp Maier zu weit vor dem Tor stehen und überlupfte ihn aus größerer Entfernung (s. Bild unten). Tooor! 3:0! Wahnsinn!



Für Gersdorff war dieser Treffer eine besondere Genugtuung. Immerhin hatte er selbst im Zeitraum vom Sommer bis zum Winter 1973 bei den Bayern gespielt, bevor er zu den Blau-Gelben zurückwechselte. Nahezu unverhohlen und schon fast spöttisch war ihm in dieser Zeit in Münchner Kreisen die Fähigkeit, gut und erfolgreich Fussball spielen zu können, abgesprochen worden. Mit seinem Treffer zum 3:0 (und den anderen 14, die er in dieser Saison außerdem erzielte,) hatte er die richtige Antwort gegeben. Wie sehr ihn die Münchner Kritik geärgert hatte, wurde bereits vor dem Pausenpfiff deutlich, als er den Elfmeter unbedingt schießen wollte, obwohl er selbst gefoult worden war, und hieran von seinen Mannschaftskameraden nur schwer gehindert werden konnte.
Eintracht beherrschte das Spiel auch nach dem dritten Treffer souverän, traf trotz weiterer Gelegenheiten selbst aber nicht mehr ins Tor. Das gelang dafür den Bayern kurz vor Schluss. In der 84. Minute verkürzte Hoeneß zum Endstand von 3:1. -- In Anbetracht des Spielverlaufs ein für die Bayern schmeichelhaftes Ergebnis!
Bundestrainer Helmut Schön, der im Stadion gewesen war, sprach danach von einem der besten Spiele, die er in dieser Saison gesehen hatte, und attestierte Eintracht eine in Abwehr und Angriff überzeugende Leistung. Udo Lattek, der Trainer der Bayern, ging sogar noch weiter, indem er sagte, dass Braunschweig schon in dieser Saison Deutscher Meister werden kann. Diese Aussage nahm der "Kicker" am darauffolgenden Montag zum Anlass, um in fett und rot zu titeln: "Braunschweig kann Meister werden!" Die "Löwen"-Fans werden es gern gelesen haben!
Mit dem Sieg verbesserte sich der BTSV auf den 2. Tabellenplatz, punktgleich mit der Frankfurter Eintracht (1.), Borussia Mönchengladbach (3.) und dem Hamburger SV (4.). Bis zum 15. Spieltag hielten sich die Blau-Gelben in der Spitzengruppe (20:10 Punkte). Erst danach fielen sie zurück und beendeten die Saison als Tabellenneunter mit 36:32 Punkten. Für einen Aufsteiger ein wahrlich respektables Ergebnis.
Die Bayern wurden am Saisonende hinter Eintracht Tabellenzehnter. Die Maßnahmen, die sie nach der Niederlage in Braunschweig ergriffen hatten (Streichung von trainingsfreien Tagen und Autogrammstunden), brachten nicht den erwünschten Erfolg.
Auf Spiele gegen Eintracht freuten sich die Bayern auch in den nächsten Jahren nicht besonders. In den sechs Begegnungen in den Spielzeiten 1974/75, 1975/76 und 1976/77 gelang ihnen nur ein einziger Sieg.

VfL Wolfsburg – Eintracht 0:2 (0:1)05.10.2013
8. Spieltag Bundesliga – 2013/14
Nun also Wolfsburg!
Am 8.Spieltag der Bundesligasaison 2013/14 stand für Eintracht das Auswärtsspiel in der Volkswagenstadt auf dem Spielplan. Es sollte eine Premiere werden. Eintracht gegen den VfL – das hatte es in der 1. Bundesliga zuvor noch nie gegeben. Der BTSV war letztmalig 1985 aus der deutschen Eliteklasse abgestiegen und damit zu einem Zeitpunkt, als noch nicht einmal die „Oberen“ des VW Werks von einer Erstliga-Zugehörigkeit des VfL träumten. Erst 12 Jahre später, also 1997 gelang dem Werksclub unter Trainer Reimann der Aufstieg in die Bundesliga.
Das anstehende Nachbarschaftsduell löste in Braunschweig unterschiedliche Gefühle aus.
Da gab es zum einen die älteren und alten „Löwen“-Fans. Sie hatten noch die Zeit erlebt, als man sich beim Aufschlagen der „Braunschweiger Zeitung“ am Montagmorgen fast genauso über einen Sieg des VfL Wolfsburg freute hat wie über einen Erfolg von Leu Braunschweig. Beide Vereine kickten zeitweise und zeitgleich in der zweithöchsten deutschen Spielklasse. Der VfL war für Eintracht so etwas … ja, wie der kleine Bruder, den man unterstützt und über dessen Erfolge man sich freut. Dann war dieser kleine Bruder aber plötzlich auf unseriöse Art zu jeder Menge Geld gekommen und vergaß seine Herkunft. Konsequenz der Eintracht-Fans: Der nun zur Betriebssportgruppe VW mutierte Wolfsburger Verein wurde fortan ignoriert, einfach nicht mehr wahrgenommen. Man hegte keinen Hass oder Groll, es gab den VfL einfach nicht mehr.
Ganz anders die jungen und jüngeren „Löwen“-Fans. Sie kannten den VfL nur als den Bundesligaverein, in den das VW Werk Jahr für Jahr etliche Millionen an DM bzw. Euro pumpte. Hiermit sollten Erfolge produziert werden, die dem Anspruch des multinationalen Konzerns VW gerecht wurden. Abgesehen von der Deutschen Meisterschaft im Sommer 2009 gelang dies aber nur zu selten. Was dazu führte, dass Jahr für Jahr jede Menge Trainer und Spieler sich die Klinke in die Hand gaben. Alle kamen nur für besonders gutes Geld …oder auch nicht, wie der litauische Fussballspieler Valdas Ivanauskas (Stürmer), der im Sommer 1997 (vom HSV kommend) mit der Aussage abwinkte, in einer Stadt wie Wolfsburg könne man doch nicht leben. Aber dafür kamen immerhin solche „Lichtgestalten“ wie der 33jährige Stefan Effenberg …Was die Macher des VfL und seine Anhänger jedoch immer störte, war der aus ihrer Sicht unzureichende Fan-Zuspruch. Da gab es den Nachbarverein Eintracht Braunschweig, der zwar zwei Klassen tiefer spielte, aber dennoch eine Fan-Unterstützung erfuhr, von der man in Wolfsburg nur träumte. Auch die Verteilung von Freikarten für die Spiele des VfL bewirkte keine Besserung. Das konnte doch nicht sein! Niemand der Grün-Weißen wollte sich mit der Tatsache abfinden, dass man sich Tradition nun ´mal nicht kaufen kann, sondern sie über viele Jahre wachsen muss. Und dass der Fan des BTSV nun einmal ein besonders treues, stures Exemplar „Fan“ ist. Die Folge war, dass einige VfL-Fans immer wieder den selten harmonischen Dialog mit Eintracht-Fans suchten, anstatt sich nur am Bundesliga-Fussball in ihrer Stadt zu erfreuen und Braunschweig Braunschweig sein zu lassen. Kein Wunder also, dass die jüngeren „Löwen“-Fans den Fans des reichen VfL, die ihnen nicht einmal ihre Fan-Szene gönnten, nicht freundlich gegenüberstanden. Kein Wunder auch, dass sie den 2:1-Sieg des BTSV gegen den VfL im Rahmen der Saisonvorbereitung beim NordCup in Hamburg am 14.Juli (Spiele über 2x30min) mit besonderer Genugtuung zur Kenntnis nahmen.
So unterschiedlich die Gefühle der Eintracht-Fans gegenüber dem VfL Wolfsburg auch waren, in einem Punkt waren sich alle einig: Das Spiel beim VfL war kein „Derby“, sondern ein Nachbarschaftsduell. „Derby“ gab es nur eins, das gegen die „Roten“!
In einem weiteren Punkt gab es auch keine zwei Meinungen: Wenn ich jemand zum Aufstieg gratulieren will, dann mache ich das aus ehrlichen Motiven ohne Häme oder gar nicht. Die Glückwünsch-Anzeige, die der VfL Wolfsburg Ende April im Sonderteil der „Braunschweiger Zeitung“ zum Bundesligaaufstieg von Eintracht (Seite 12) schalten ließ, war einfach nur peinlich!!! Von „Derbyzeit! serienmässig“ zu schreiben, kann man aus Sicht des VfL verstehen. Aber den Glückwünschen den runden Aufdruck „Eintracht Braunschweig vs. VfL Wolfsburg 08.05.1993 0:1“ beizufügen, zeugte weder von sportlichem Fair-Play noch von gesundem Selbstbewusstsein. Kasperle-Theater!
Nach dem ersten Punktgewinn von Eintracht am 5. Spieltag gegen den 1.FC Nürnberg (1:1) hatten sich die Hoffnungen der Fans auf schnelle weitere Erfolgserlebnisse nicht erfüllt. Im Gegenteil! Die beiden Niederlagen bei Borussia Mönchengladbach mit 1:4 und gegen den VfB Stuttgart zu Hause mit 0:4 waren schon heftig gewesen. Die Tatsache, dass die Blau-Gelben in beiden Spielen wieder durch zweifelhafte Schiedsrichterentscheidungen benachteiligt worden waren (Elfmeter zum 1:3 in Gladbach, Foul des Torschützen beim 0:1 gegen den VfB), vermochte nicht darüber hinwegzutäuschen, dass das Team immer noch nicht richtig in der Bundesliga angekommen war. Selbst Trainer Lieberknecht war nach dem Stuttgart-Spiel „ratlos“. Die Medien interpretierten seine diesbezügliche Aussage gleich einmal fix als bevorstehenden Rücktritt. Es wurde sogar kolportiert, dass er sich bereits von seiner Mannschaft verabschiedet hatte. Alles Blödsinn! Lieberknecht dementierte („Ich bin der Letzte, dem nichts mehr einfällt.“) und die Fan-Szene der „Löwen“ zeigte mit einer eindrucksvollen etwa 500 Mann starken Demonstration pro Trainer beim Nachmittagstraining am 2. Oktober, bei dem Lieberknecht ein Trikot mit der Nummer 12 mit Unterschriften etlicher Fans überreicht wurde, wie man in der Okerstadt mit solchen Situationen umzugehen pflegt. Unterstützung von der allerfeinsten Sorte! „Einmal Löwe, Immer Löwe!“
Mit nur einem Punkt aus 7 Spielen war Eintracht selbstredend (bereits seit dem 3. Spieltag) das Schlusslicht in der Tabelle. Der BTSV war erst das sechste Team in 51 Jahren Bundesliga, das zu diesem Saison-Zeitpunkt so wenig Punkte geholt hatte. Zudem hatten erst vier Mannschaften seit 1963 weniger Tore in der Bundesliga erzielt als die „Löwen“ zur Zeit (3 Tore). Schließlich war Eintracht in allen bisherigen Spielen in Rückstand geraten. Ja, es sprach nicht sehr viel für erfolgreiche Auftritte der „Löwen“ mit seinem Trainer in der Bundesliga. Die Sportzeitschrift „Kicker“ titelte daher in seiner Ausgabe vom 3. Oktober auch „Der zerrissene Held“ und schrieb weiter: „Torsten Lieberknecht hängt sehr an Eintracht Braunschweig. Aber sein Weg funktioniert in der Bundesliga nicht….“
Andererseits war der Rückstand des BTSV in der Tabelle noch recht überschaubar. Vorletzter war der SC Freiburg mit 3 Punkten. Davor lagen der HSV und der 1.FC Nürnberg mit je 5 Punkten. Ebenso wie Eintracht hatten auch Freiburg und Nürnberg noch kein Spiel gewonnen. Mit einem oder mehreren Punkten aus Wolfsburg wären die Blau-Grelben also wieder „gut im Geschäft“.
Wie hoch die Wahrscheinlichkeit für einen Erfolg des BTSV allerdings von Experten eingeschätzt wurde, gaben die Wettquoten wieder. Obwohl die Wolfsburger mit 9 Punkten nur Tabellenelfter waren, bot „Tipico“ gerade einmal das 1,3fache für einen Sieg des VfL. Ein Unentschieden war dem Wettanbieter schon das 5,5fache wert, und für einen Braunschweiger Sieg gab es gar das 11fache des Einsatzes!
Den „Löwen“-Fans waren solche Einschätzungen egal. Sie hatten bereits im Rahmen des dreistufigen Vorverkaufs vom 10. bis 12. September (Mitglieder, Dauerkarteninhaber, Internet-Bestandskunden) das volle Auswärtskarten-Kontingent ausgeschöpft. Dass der VfL meinte, für die Partie einen TOP-Spiel-Zuschlag erheben zu müssen, … Man hatte es hingenommen und dachte sich sein Teil!
Am 5.10.2013, dem Tag des Spiels machten sich die Eintracht-Anhänger per PKW, Bus, Zug, Fahrrad und sogar per Schiff auf den Weg. 300 Fans schipperten auf dem Mittellandkanal nach Wolfsburg. Wie sich später im Stadion herausstellen sollte, war es etwa 10.000 Blau-Gelb Infizierten gelungen, an Karten zu kommen: Damit also ca. 7.000 mehr, als das Karten-Kontingent hergab!
In der „Volkswagen-Arena“, die mit 30.000 Zuschauern natürlich ausverkauft war, wurde die Eintracht zunächst erst einmal mit folgendem Schriftzug begrüßt:
„Wir begrüßen die Fußballvorstadt der Region zum Schnupperkurs Bundesliga“
Neben einer aufwendigen Choreografie wurde kurz vor Anpfiff von den Fans des VfL, die zum Abschlusstraining am Tag zuvor mit etwa 250 Personen erschienen waren, ein weiterer Schriftzug hochgehalten. Darauf war zu lesen:
„Bringt Stolz über Verein und Stadt, zeigt dass ihr es verstanden habt“
Trauten die Grün-Weißen etwa ihrer eigenen Mannschaft nicht so recht über den Weg???
Eintracht trat mit Davari im Tor an. Die von Lieberknecht propagierte und zu Saisonbeginn auch praktizierte Torhüter-Rotation hatte sich durch den Muskelbündelriss von Petkovic erst einmal erledigt. In der Abwehr vertraute der Trainer auf die eingespielte Formation Reichel, Dogan, Bicakcic und Elabdellaoui. Im Mittelfeld sollten die beiden Neuzugänge Caligiuri und Perthel gemeinsam mit Theuerkauf für Impulse sorgen, während Boland, Bellarabi und Ademi vorn wirbeln sollten. Der VfL hatte neben den Schweizer Nationalspielern Torwart Benaglio und Rodrigues u.a. seine brasilianische Fraktion Naldo, Diego und Luiz Gustavo (vor der Saison für 20 Mln. Euro von Bayern verpflichtet) aufgeboten.
Die Blau-Gelben spielten in der 1. Halbzeit in Richtung eigene Fans. Während die beiden Fan-Lager nach dem Anpfiff von Schiedsrichter Winkmann mächtig Gas gaben, tat sich auf dem Rasen zunächst wenig. Die Grün-Weißen versuchten das Spiel zu machen, aber Eintracht spielte mit. Immer wenn sich die Gelegenheit ergab, wurde der Ball von den „Löwen“ schnell nach vorn getragen. Der letzte Pass kam jedoch nicht an. Noch nicht! Ab der 20. Minute schien der VfL seiner Favoritenstellung gerecht zu werden. Innerhalb von fünf Minuten ergaben sich drei Chancen (2x Olic und Kopfball Naldo). Ein Tor fiel jedoch nicht, auch weil Davari aufpasste. Das war es dann aber schon mit der Wolfsburger Herrlichkeit. Eintracht fing an, nun auch bereits im Mittelfeld die Bälle zu erobern und hielt die Werkself so vom eigenen Tor fern.
In der 31. Minute belohnte sich der BTSV für sein engagiertes Spiel. Theuerkauf hatte den Ball ins Mittelfeld auf Ademi gespielt, der den Ball sofort vertikal nach vorn weiterleitete. Boland war dort gestartet, stand nicht im Abseits und strebte nun mutterseelenallein auf Benaglio zu. Kurz bevor der Wolfsburger Torwart eingreifen konnte, legte „Bole“ den Ball nach rechts zum mitgelaufenen Bellarabi ab. Der brauchte das Leder nur noch ins leere Tor zu schieben. Tooooooor! 0:1! Eintracht führte! Zum ersten Mal in der Saison! Der Gäste-Block rockte!
Die Führung gab den Blau-Gelben auf dem Rasen mehr Sicherheit, während das Spiel des VfL noch ungenauer wurde. Von seinen Anhängern war nach dem Rückstand auch zunächst nichts mehr zu hören. Die Eintracht-Fans sangen dagegen „Und das soll Euer Derby sein?“ In der 44. Spielminute erspielte sich die Werkself dann aber doch wieder eine Gelegenheit. Olic erkannte zu spät, dass er aus 9m freie Bahn gehabt hätte und vergab. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte hatte Mirko Boland schließlich seinen zweiten großen Auftritt. Die „Löwen“-Fans trauten ihren Augen kaum, als sie sahen, wie „Bole“ seinen Gegenspieler mit mehreren Übersteigern narrte. Träsch ließ sich nicht lange bitten und foulte. Halbzeit! Was störte es die Eintracht-Fans, dass man in der VW-Arena nur mit Karte bezahlen kann?! Die Führung war Futter genug!
In der 2. Halbzeit versuchte der VfL Druck aufzubauen, war in seinen Aktionen aber ungefährlicher als in Halbzeit 1. Meist versuchten es die Grün-Weißen mit Flanken von außen in den Strafraum, die aber nur selten Gefahr brachten. So ließen sich die Wolfsburger Chancen und Halb-Chancen an einer Hand abzählen. Eintracht war bei den sich ergebenden Kontern deutlich zwingender. Ademi (57.) und Bellarabi (59.) hätten schon früh für eine Vorentscheidung sorgen können. Taten sie aber nicht! So stand es nach 70 Minuten, als der VfL seinen 3. Wechsel vornahm und Lieberknecht als Ersten Ademi herausnahm und dafür den grippegeschwächten Kumbela brachte, immer noch 0:1. Auch danach tat sich nicht viel. Die Eintracht-Akteure kämpften unermüdlich und warfen sich in alle Schüsse, während man beim VfL nur Diego ansehen konnte, dass er die Niederlage nicht hinnehmen wollte. Mit eigensinnigem Spiel durch die Mitte half er seiner Elf aber nicht wirklich. So hatte die knappe Führung der „Löwen“ auch noch nach 85 Minuten Bestand. Trotzdem, die vielen Bälle am und im Eintracht-Strafraum taten den Nerven der Fans nicht gerade gut.
Die 86.Spielminute! Marco Caligiuri fängt den Ball ab, spielt auf Bellarabi, der zurück zu Caligiuri, der wiederum per Hacke zurück auf Bellarabi. Caligiuri läuft außen allein und erhält den Ball von Bellarabi erneut zurück. In der Mitte läuft … nein, nicht Bellarabi, sondern Kumbela mit und erhält den Ball frei vor Benaglio. Körpertäuschung, Schuss, 0:2!
Nullzuzwei! Waaaahnsinn!
Während sich die Eintracht-Fans umarmten, leerten sich andere Teile der Arena blitzschnell. Während der VfL noch zu seiner 7. Ecke kam, sangen die Eintracht-Fans schon „Oh, wie ist das schön!“ Während der Schiedsrichter die Partie beim Stand von 0:2 beendete, pfiffen die VfL-Fans ihr Team aus und die Eintracht-Fans feierten.
Sie feierten noch lange! Mit der Mannschaft und Trainer Lieberknecht, der die „Welle“ machte.
Nach 28 Jahren wieder Bundesliga und nun der erste Sieg! Nach genau 10.353 Tagen!
Es war gleichzeitig der erste Punktspiel-Sieg des BTSV nach dem Sieg beim FC Ingolstadt, mit dem der Bundesligaaufstieg perfekt gemacht wurde. Man mochte es als „Löwen“-Fan kaum glauben. Aber seit dem 26.4.2013 hatte Eintracht tatsächlich kein Pflichtspiel mehr gewonnen. 161 Tage ohne Sieg! Und warum hatte man dann fast die ganze Zeit über gute Laune gehabt? Tja, solche Dinge machen wohl den Eintracht-Fan aus!
Die Tabelle am Samstagabend bot ein ungewohntes Bild. Auf dem 18. Platz stand nun der SC Freiburg mit 3 Punkten.Der BTSV hatte mit 4 Punkten nur noch einen Punkt Rückstand auf Platz 15. Okay, die Breisgauer hatten ihr Spiel am Sonntag ebenso noch vor sich wie der 1.FCN seine Begegnung gegen den HSV, aber der Zwischenstand sah aus Sicht von Eintracht schon ´mal gut aus.
Am Sonntag spielte der SC Freiburg gegen Eintracht Frankfurt 1:1 und der HSV gewann in Nürnberg mit 5:0. Eintracht war punktgleich mit Freiburg wieder Tabellenletzter. Der FCN hatte als 16. mit 5 Zählern einen Punkt Vorsprung. Während Nürnberg und Freiburg aber weiter sieglos waren, hatte Eintracht seinen ersten Sieg errungen. Es geht doch!
Außerdem… wie sagte doch der Sport1-Fernsehreporter bei der Zusammenfassung des Spiels: „Sie haben nur ein Spiel gewonnen, aber dieser Sieg bleibt, egal wie die Saison endet.“ Stimmt!
Die Lokalpresse befasste sich natürlich noch mehrere Tage ausführlich mit dem Nachbarschaftsduell. Die „Löwen“-Fans genossen jede Zeile. Besonders ein Artikel in der „neuen braunschweiger“ vom 6.Oktober hatte es ihnen angetan. In Anspielung auf den ersten von den Wolfsburg-Fans präsentierten Schriftzug lautete die Überschrift:
„Hochmut kommt vor dem Pardauz: … Dieser Schnupperkurs hat uns Spaß gemacht“
Alle Kursteilnehmer aus der Okerstadt freuten sich auf die Fortsetzung!
[Stand: März 2014]