13. Oktober
Eintracht - TSV 1860 München 2:0 (0:0)13.10.2006
7. Spieltag 2. Bundesliga - 2006/07
Zum Punktspiel der 2. Bundesliga reiste am 13.10.2006 die Mannschaft des TSV 1860 München nach Braunschweig an.
Eintracht war mit großen Hoffnungen in die Saison 2006/2007 gestartet. Nachdem der Klassenerhalt in der Vorsaison im ersten Jahr nach dem Aufstieg 2005 relativ souverän, wenn auch erst am vorletzten Spieltag (mit einem 3:0-Heimsieg gegen SpVgg Unterhaching) geschafft worden war, wollte man sich nun endgültig in der 2. Bundesliga etablieren und einen gesicherten Mittelfeldplatz (Platz 9-11) belegen. Die Verantwortlichen um Manager Wolfgang Loos und Trainer Michael Krüger glaubten, mit den sechs Neuverpflichtungen die richtigen Spieler geholt zu haben, um dieses Ziel erreichen zu können. Gegen einen etwas größeren finanziellen Spielraum bei der Zusammenstellung des Kaders hätten Manager und Trainer aber sicherlich nichts einzuwenden gehabt.
Mit Mittelfeldspieler Dennis Weiland (von Mainz 05) und Stürmer Samuel Koejoe (vom SC Freiburg) waren bundesligaerfahrene Akteure geholt worden. Koejoe hatte seine Treffsicherheit gerade in der Vorsaison gegen Eintracht unter Beweis gestellt, indem er im DFB-Pokal zweimal gegen die "Löwen" traf (Endstand 1:4) und auch das Punktspiel in Freiburg mit seinem goldenen Tor für den SC entschied. Als Ersatz für den zu Borussia Dortmund abgewanderten Martin Amedick hatte Eintracht für die Abwehr Markus Husterer (von Bayern München Amat.) und Francis Banecki (von Werder Bremen Amat.) verpflichtet. Vervollständigt wurde die Liste der neuen Spieler durch die Offensivkräfte Bekim Kastrati (von Bor. M"Gladbach Amat.) und Tobias Schweinsteiger (vom VfB Lübeck), dem Bruder des Nationalspielers Bastian Schweinsteiger. Verlassen hatten die "Löwen" neben Amedick lediglich Caruso und Dustin Heun. Von der Stammbesetzung waren außer Amedick alle Spieler bei der Eintracht geblieben. Man glaubte sich also gut aufgestellt.
Die Realität war eine andere!
In den ersten beiden Saisonspielen blieben die Blau-Gelben zwar ungeschlagen (0:0 gegen den SC Paderborn vor 21.500 Zuschauern und 0:0 beim Aufsteiger Carl Zeiss Jena), konnten spielerisch aber nicht überzeugen. Das änderte sich auch in den folgenden drei Begegnungen nicht. Im Gegenteil! Bei der 0:2-Heimniederlage gegen Aufsteiger TuS Koblenz boten die "Löwen" eine ganz schwache Leistung. Viel besser traten sie auch danach im Pokal beim Regionalligisten VfL Osnabrück (1:3) und im Punktspiel beim 1. FC Köln (1:4) nicht auf. Nach vier Spieltagen stand Eintracht bereits auf einem Abstiegsplatz. Als dann noch das nächste Heimspiel gegen den späteren Aufsteiger Karlsruher SC nach einer spielerisch überzeugenden Leistung nicht gewonnen werden konnte, sondern unglücklich nur 2:2 ausging, wussten auch die letzten Fans, dass dem BTSV eine ganz schwere Saison bevorstand.
Nicht nur der Punktestand war alarmierend. Die als mutmaßliche Verstärkungen verpflichteten Weiland und Koejoe hatten maßlos enttäuscht. Zudem waren die Leistungsträger Daniel Graf und Patrick Bick mit Verletzungen ausgefallen und würden kurzfristig nicht wieder zur Verfügung stehen. Die Nervosität rund um den Verein nahm zu. Der Ton wurde rauher. Während man Trainer Krüger im Allgemeinen als einen ruhigen Menschen kannte, konnte man ihn auf dem Trainingsplatz nun das eine oder andere Mal Spieler anschreien hören.
Es half alles nichts! Auch das folgende Punktspiel bei Aufsteiger Rot-Weiß Essen ging verloren (0:2). Stürmer Kastrati, der gegen den KSC seinen ersten Treffer erzielt und von dem sich Trainer Krüger nun viel erhofft hatte, musste bereits nach fünf Minuten mit einem Kreuzbandriss ausgewechselt werden. Danach lief offensiv gar nichts mehr.
Drei Tage später wurden Krüger (wegen Erfolglosigkeit) und Manager Loos (wegen Fehlern bei den Neuverpflichtungen und "einem gestörten Verhältnis zu einem Teil des Präsidiums und der Sponsoren") entlassen. Die Fans diskutierten diese Maßnahme heftig und überaus kontrovers. Ein Teil hätte sich gewünscht, dass die Vereinsführung mehr Geduld gezeigt hätte.
Dem zum Interims-Trainer ernannten bisherigen Co-Trainer Kronhardt blieben 9 Tage Zeit, die inzwischen auf den letzten Tabellenplatz abgerutschten "Löwen" auf das Spiel gegen die 60er vorzubereiten.
1860 München dagegen konnte mit dem Saisonbeginn sehr zufrieden sein. Nach 6 Spieltagen belegte der TSV mit 12 Punkten punktgleich mit dem Tabellendritten, dem 1. FC Köln, Platz 4 und hatte erst 2 Gegentore hinnehmen müssen.



[Bild von B.Grimm]
19.200 Zuschauer wollten an diesem Freitag, den Dreizehnten sehen, ob dem BTSV der Befreiungsschlag gelingt.
Eintracht begann engagiert, konnte sich jedoch im Spiel nach Vorn nur selten durchsetzen. Einzig Schweinsteiger, den Kronhardt neben Rische im Sturm aufgeboten hatte, schaffte es hin und wieder, für Gefahr zu sorgen. In der 25. Minute legte er den Ball am Gäste-Keeper Hofmann vorbei und prallte anschließend mit diesem zusammen. Hofmann sah Gelb und musste mit einer Gehirnerschütterung ausgewechselt werden. Die größte Chance des ersten Durchgangs dann 10 Minuten vor dem Halbzeitpfiff: Schweinsteiger lief frei auf den Ersatzkeeper der 60er zu und schoss über das Tor. Von den Münchner Löwen war an diesem Abend wenig zu sehen. Sie boten insgesamt eine schwache Leistung und strahlten keinerlei Torgefahr aus. So blieb es bis zum Seitenwechsel beim 0:0.
In der Pause musste Kronhardt auswechseln. Lars Fuchs und Siegert hatten sich Verletzungen zugezogen, die sie zur Aufgabe zwangen. Schon wieder Verletzte! Hatte sich denn alles gegen den BTSV verschworen? Hauswald und Tauer kamen.
In Halbzeit 2 spielten die Blau-Gelben in Richtung Südkurve, in Richtung eigene Fans und erhöhten den Druck. Dem Team war anzusehen, dass es den Sieg unbedingt wollte. Erstes Ergebnis war die gelb-rote Karte gegen den 60er-Spieler Berhalter, die er nach einem Foul an Schweinsteiger erhielt (54. Minute). Aber auch gegen 10 Mann wurde es für die Blau-Gelben zunächst nicht leichter. Sie gaben jedoch nicht auf und wurden schließlich 10 Minuten vor dem Ende belohnt: Flanke Kosta Rodrigues, Kopfball-Aufsetzer Tobias Schweinsteiger – Tooor! 1:0! Auf den Rängen machte sich Erleichterung breit. Endlich!
Die Münchner hatten nichts mehr zuzusetzen. Der Sieg geriet daher nicht in Gefahr. Eintracht setzte sogar noch einen drauf: 90. Minute, Querpass Kosta Rodrigues, Schuss Tobias Schweinsteiger – 2:0!
Schlusspfiff! Der erste Saisonsieg! 3 Punkte!
An allen wichtigen Szenen war Tobias Schweinsteiger beteiligt. Ausgerechnet Schweinsteiger, der seit seiner Kindheit bekennender 1860-Fan ist und dessen Start in Braunschweig so unglücklich verlaufen war (unverschuldeter Autounfall mit tödlichem Ausgang für einen Beteiligten)!
Durch den Sieg kletterten die "Löwen" auf Tabellenplatz 16. Mit nun 6 Punkten waren sie punktgleich mit dem Vierzehnten. Die Fans durften wieder hoffen.
Niemand konnte sich zu diesem Zeitpunkt vorstellen, dass das eigentliche Chaos dem BTSV noch bevorstand:

17.10. Verpflichtung des Serben Vasic als neuem Trainer;
25.10. Bezeichnung der Mannschaft als "Pygmäentruppe" durch sportlichen Leiter Dr. Dockter;
2.11. Entlassung Co-Trainer Kronhardt;
10.11. Rücktritt des Fan-Beauftragten Scholz, anschließende Anzeige des Fan-Projekts wegen Veruntreuung von Geldern;
13.11. Entlassung Trainer Vasic nach 6 Niederlagen durch die "Task-Force";
15.11. Verpflichtung von Willi Reimann als Trainer und Aschenbrenner als Sportdirektor;
Winterpause: Verpflichtung von 11 neuen Spielern, die zum großen Teil in der Regionalliga nicht spielberechtigt waren, aus Geldmitteln der "Task-Force" und Abgabe/Aussortierung von 5 Spielern (Kuru, Tauer, Hauswald, Weiland, Koejoe);
20.3. Rücktritt von Reimann als Trainer, Co-Trainer Demuth übernimmt;
22.4. Vorzeitiger, auch rechnerisch feststehender Abstieg nach 30 Spieltagen.

Durch diese Entwicklung hatte sich Eintracht Braunschweig den in den vergangenen Jahren erarbeiteten guten Ruf ruiniert. Erst unter Trainer Lieberknecht besserte sich das Ansehen des Vereins (ab Sommer 2008) in Fachkreisen wieder.