29. Oktober
Eintracht - Hannover 96 2:0 (0:0)29.10.2003
2. Runde DFB-Pokal - 2003/04

'Am Neun-und-zwan-zig-sten Ok-tober Zweitausend-drei
Pokalspiel hier in Braunschweig, wir warn dabei!
Ne Bun-des-ligamannschaft gegen Dritte Liga,
doch am Ende blieb der Bessere wieder mal der Sieger!'
Derbysieger Zweitausend-drei ?'


So beginnt der Refrain eines Songs, den die Gruppe 'Freigänger' nach dem Spiel aufgenommen hat. Fortsetzung folgt!
Am 29.10.2003 war es also wieder soweit: Eintracht und Hannover 96 standen sich in einem Pflichtspiel gegenüber.
Das letzte offizielle Aufeinandertreffen lag 6 ½ Jahre zurück und hatte der Regionalliga Nord stattgefunden. In der Zwischenzeit waren die 'Roten' zweimal aufgestiegen und spielten in der ersten Bundesliga. Eintracht dagegen kickte nach einem einjährigen Gastspiel in der 2. Bundesliga wieder drittklassig in der – seit der Saison 2000/2001 nur noch zweigeteilten -- Regionalliga.
Die Begegnung nun fand im DFB-Pokal statt. In der ersten Runde hatte Eintracht den Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern mit einer sehr guten Leistung 4:1 besiegt und sich damit die weitere Teilnahme am Wettbewerb gesichert. Dem glücklichen Händchen von Miss Reykjavik, die im Rahmen des Länderspiels Island gegen Deutschland am 6.9.2003 die Auslosung für die zweite Pokalrunde vornahm, war es zu verdanken, dass es zu einem neuen Lokalderby kam.
Natürlich war die Vorfreude in Braunschweig groß. Innerhalb kürzester Zeit war das Spiel ausverkauft. 'Wir hätten auch 50.000 Karten verkaufen können', sagte Eintracht-Manager Wolfgang Loos. Kein Wunder, dass in den Wochen vor dem Spiel der Internet- und Schwarzmarkthandel blühte.
Wie die 96er das Spiel einschätzten, wurde an den Aussagen von Präsident Kind und Trainer Rangnick deutlich. Kind erklärte: 'Braunschweig ist ein Drittligist und da ist bei aller Rivalität ein Sieg Pflicht.' Rangnick stellte fest: 'Wir kommen weiter. Wir sind so gut besetzt, dass wir das Spiel gewinnen.'


Am Spieltag, dem Mittwoch, war von morgens an in Braunschweig zu spüren, das ein besonderes Ereignis für Eintracht bevorstand. Bereits im Berufsverkehr hatten viele Wagen im Inneren blau-gelbe Schals sichtbar plaziert. Auch Schals mit Aufschriften wie 'Scheiss 96', die die Wertschätzung des Gegners dokumentierten, waren darunter. Gespannte Erwartung!
Pünktlich zum Spielbeginn war das Stadion an der Hamburger Straße prall gefüllt. 23.000 Zuschauer, darunter mehr als 4.000 aus Hannover, und etwa 1.000 Polizisten sahen dem Spiel mit unterschiedlichsten Erwartungen entgegen. Da etliche 'Rote' ihre Blöcke um 19 Uhr noch nicht erreicht hatten, wurde das Spiel mit einer Verspätung von 10 Minuten angepfiffen. Dennoch verpassten nicht wenige 96er die ersten Minuten.
Beim Einlauf der Mannschaft sowie nach der Halbzeitpause präsentierten die 'Löwen'-Fans aufwendig gestaltete Choreografien ('Der Tag X', 'Ein Kind hält Euch zum Narren', Blockfahnen). Der Fan-Zusammenschluss 'Johannsens Erben' hatte sie in wochenlanger Arbeit vorbereitet und fertig gestellt!
Hannover 96 kam besser ins Spiel. In den ersten 15 Minuten mussten die Eintracht-Fans befürchten, dass ihre Mannschaft in Rückstand gerät. Insbesondere über die rechte Abwehrseite machte der 96-Stürmer Idrissou immer wieder Druck. Mit etwas Glück und einigen guten Paraden des jungen Torhüters Torsten Stuckmann, der ausgerechnet in diesem wichtigen Pokalspiel seinen ersten Pflichteinsatz für Eintracht absolvierte, wurde das Unentschieden gehalten. Der Rest der 1. Halbzeit verlief ausgeglichen. Mit 0:0 ging es in die Pause.
In der zweiten Halbzeit spielte Eintracht in Richtung Südkurve, in Richtung eigene Fans. Das Spiel war gerade erst wieder angepfiffen, da führten die Blau-Gelben schon 1:0. Rische hatte einen Pass aus der eigenen Hälfte blitzschnell nach rechts zu Thomas weitergeleitet. Der Texaner hatte freie Bahn, lief noch ein paar Schritte und schoss flach am 96-Torhüter vorbei ins lange Eck. Ohrenbetäubender Jubel!
96 versuchte, mit wütenden Angriffen zum Ausgleich zu kommen. Eintracht hielt mit Kampf dagegen und war gleichwertig. Chancen ergaben sich nun auf beiden Seiten. Keiner der beiden Mannschaften gelang es jedoch, den Ball über die Linie zu befördern. So stand es kurz vor Schluss noch 1:0, als Sümmnich mit dem Ball am Fuß in den gegnerischen Strafraum eindrang und von einem Gegenspieler von den Beinen geholt wurde. Elfmeter! Jürgen Rische lief an und traf sicher zum 2:0. Wieder hatte es flach rechts neben dem Torhüter eingeschlagen.
Das Spiel war entschieden, kurz danach ertönte der Schlusspfiff. Die Fans tobten vor Freude!
Eintracht hatten in diesem Pokalwettbewerb den zweiten Bundesligisten eliminiert, und zwar nicht irgendeinen ...
Die 96-Fans waren enttäuscht und brachten das noch im Stadion deutlich gegenüber ihrer Mannschaft zum Ausdruck. Sämtliche Beschwichtigungsversuche scheiterten. Zum Training am darauffolgenden Tag wurden die Spieler mit einem Transparent 'Schämt euch' empfangen.
Den Eintracht-Fans war es egal. Ihre Mannschaft hatte das Derby gewonnen. Wie viel der Sieg ihnen wert war und ist, dokumentiert sich unter anderem darin, dass so mancher von ihnen eine extra hergestellte Tasse mit der Aufschrift 'Derbysieger 2003' (oder: Eintracht-Wappen 2 – 96-Wappen 0) gekauft und noch immer bei sich zu Hause im Schrank stehen hat. Auch Fan-Schals, die auf dieses Ereignis Bezug nehmen, sind nach wie vor gelegentlich zu sehen.

Womit der Refrain des Songs der 'Freigänger' noch zu vervollständigen wäre:
'Derbysieger Zweitausend-drei,
Hannover 0, Braunschweig 2.
Derbysieger Zweitausend-drei -
******** 0, Eintracht 2!'


Dieses Spiel ist bis heute das letzte Derby in einem Pflichtspiel geblieben. Es bleibt abzuwarten, wann das nächste stattfinden kann. Wie es ausgehen wird, glauben zumindest die 'Freigänger' zu wissen:
'Wir freun uns auf ein Wiedersehn,
dann geben wir Euch den Rest.
In fröhlicher Erwartung
auf das nächste Fussballfest!'


Eintracht schied im DFB-Pokal in der nächsten Runde (Achtelfinale) mit 0:5 gegen den Zweitligisten Alemannia Aachen aus.