4. Oktober
Defensivspieler Bernd Gorski04.10.1959
Ein Löwengeburtstag
Bernd Gorski wurde am 4.10.1959 in Hamburg geboren.
In seiner Kindheit trat er zunächst für den VfL Lohbrügge und später für Vorwärts Billstedt gegen den Ball, bevor er in die A-Jugend des FC St. Pauli wechselte. Dort wurde er auch zum Jugend-Nationalspieler. Insgesamt absolvierte er 12 Jugend-Länderspiele (1977/78), denen sich später noch 4 Länderspiele in der deutschen U21-Nationalelf anschlossen (1979/80). Zu diesem Zeitpunkt hatte er jedoch bereits wieder den Verein gewechselt.
Der damalige HSV-Manager Günther Netzer war auf Gorski aufmerksam geworden und hatte ihn im Sommer 1978 in den Profikader des großen HSV geholt. Unter Trainer Zebec kam er in der Spielzeit 1978/79 zwar nicht zum Einsatz, konnte sich am Saisonende jedoch Deutscher Meister nennen. Auch die Folgesaison lief für den Abwehrspieler kaum besser an. Nachdem er lediglich zu einem Bundesliga-Einsatz für wenige Minuten gekommen war, entschloss er sich zu einem Wechsel während der Saison und nahm das Angebot des Zweitligisten Hannover 96 an.
Bei den „Roten“ wurde er sofort Stammspieler und absolvierte für sie in der Saison 1979/80 noch 25 Punktspiele (0 Tore). Die 96er verfehlten den Bundesliga-Aufstieg als Tabellen-Dritter der 2.Bundesliga Nord in dieser Spielzeit nur knapp.
Bernd Gorski blieb danach noch vier Jahre bei den Hannoveranern. Er spielte für 96 regelmäßig im Mittelfeld und stand in weiteren 143 Punktspielen (36/35/37/35) der – zunächst noch zweigeteilten, ab 1981/82 nur noch eingleisigen – 2. Bundesliga auf dem Platz. Er erzielte dabei 15 Treffer (5/4/4/2).
Im Sommer 1984 wechselte Gorski für 280.000 DM zum BTSV.
Die „Löwen“ spielten seit 1981 wieder in der obersten Spielklasse. Dennoch war die Stimmung getrübt. Präsident und Mäzen Günter Mast hatte dem Verein einen strikten Sparkurs verordnet, der den meisten Spielern Einheitsverträge mit einem Grundgehalt von 70.000 DM jährlich und einer Punktprämie von 700 DM bescherte. Das Gehalt von Leistungsträgern war nur um 20.000 bzw. 30.000 DM höher, sofern sie nicht extern finanziert wurden (Franke!). So ließen sich kaum Neuverpflichtungen realisieren. Außer Gorski kamen daher (zunächst) nur Spieler ohne Profierfahrung zur Eintracht. Trainer Ristic bezeichnete sein Team in Anbetracht der Abgänge von Hollmann, Studzizba, Geyer, Keute und Zavisic demzufolge auch als Abstiegskandidat Nummer 1. Er behielt Recht. Trotz personeller Nachbesserungen (Bergs, Hintermaier, Sackewitz) stiegen die Blau-Gelben als Tabellenletzter sang- und klanglos aus der Bundesliga ab.
Gorski war während der Saison 1984/85 in 33 (von 34) Begegnungen im Mittelfeld zum Einsatz gekommen und hatte dabei 5x ins gegnerische Tor getroffen. Seine Treffer Nummer 2 und 3 -- am 5. Spieltag gegen Eintracht Frankfurt (5:0) und am 7. Spieltag gegen den HSV (3:1) – trugen zu den ersten beiden Saisonsiegen des BTSV mit bei. Danach traf Gorski erst wieder zum Ende der Saison. Sein Treffer am 29. Spieltag zum 1:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern war insofern bedeutsam, weil er die Grundlage für den 2:1-Sieg schuf, mit dem die „Löwen“ die letzte Chance auf den Klassenerhalt wahrten. Vergeblich, wie wir inzwischen wissen!
Unter dem neuen Trainer Kremers, der die Mannschaft im Sommer 1985 übernommen hatte, zählte Gorski ebenfalls zum Stammpersonal. Allerdings kam er nun in der Abwehr zum Einsatz. Diese Spielposition sollte der gebürtige Hamburger bis zum Ende seiner Karriere beibehalten.
Die Spielzeit 1985/86 beendeten die „Löwen“ auf Tabellenplatz 12. Die 18 Zweitliga-Trainer, die Eintracht vor der Saison in einer Umfrage den direkten Wiederaufstieg zugetraut hatten, lagen falsch. Bernd Gorski stand in 31 (von 38) Begegnungen auf dem Platz und erzielte dabei ein Tor (am 19.SpT beim 3:0 gegen den MSV).
In der Folgesaison 1986/87 absolvierte Gorski 32 Punktspiele für die Blaugelben und traf wiederum einmal ins Schwarze (am 35. SpT beim 3:0 gegen Hessen Kassel). Am Saisonende war Eintracht Tabellensiebzehnter unter 20 Teams und stieg mit einem positiven Torverhältnis (52:47) ab. Die 0:1-Niederlage am letzten Spieltag bei Gorskis altem Verein, dem FC St. Pauli, hatte die Entscheidung gebracht. Der BTSV war erstmalig drittklassig!
Bernd Gorskis Zeit bei den „Löwen“ schien wahrlich unter keinem guten Stern zu stehen. In drei Spielzeiten zwei Abstiege – das braucht keiner! Trotzdem blieb Gorski an der Oker, nur hieß es statt Bundesliga nun Oberliga!
Endlich stellte sich der Erfolg ein! Unter Trainer Reinders, der den Abstiegstrainer Roggensack abgelöst hatte, siegten die Blaugelben in der Oberligasaison 1987/88 25x und gingen (bei 7 Unentschieden) nur 2x als Verlierer vom Platz. Sie wurden damit souverän Oberliga-Meister und behaupteten sich auch in der Aufstiegsrunde. Gorski hatte mit seinen Leistungen in 32 (von 34) Oberliga- und 8 Spielen in der Aufstiegsrunde erheblich zum Wiederaufstieg in die 2. Bundesliga beigetragen. Seine hierbei erzielten drei Treffer waren allesamt aber nicht wirklich wichtig, da er nur in Oberliga-Spielen getroffen hatte, in denen Eintracht zu Kantersiegen kam (5.SpT: 6:1 beim FC Mahndorf; 10.Spt: 7:0 gg Altona 93 und 20.Spt: 5:1 gg Olympia Wilhelmshaven).
Die weiteren drei Spielzeiten, in denen der kämpferische Defensivspieler für Eintracht gegen den Ball trat, verliefen weniger dramatisch ohne Auf- oder Abstieg.
In der Saison 1988/89 belegten die „Löwen“ einen ordentlichen 9. Tabellenrang in der 2. Bundesliga. Gorski stand in 30 (von 38) Punktspielen auf dem Platz. In der Folgesaison 1989/90 war es sogar eine Partie mehr. In dieser Spielzeit, die mit Platz 7 abgeschlossen wurde, hatte es zwischenzeitlich sogar den Anschein gehabt, als ob die Blau-Gelben wieder höhere Ziele angreifen könnten. Nach einem Start mit 19:7 und 23:9 Punkten ging es jedoch nur noch bergab. Immerhin erreichte das Team das Pokal-Halbfinale (0:2 bei Werder Bremen). In der Spielzeit 1990/91 schließlich langte es für Eintracht am Ende nur zu einem enttäuschenden 13. Tabellenplatz, obwohl der Sturm mit Belanow, Aden und Buchheister hochkarätig besetzt und die Abwehr mit Dirk Schuster, einem DDR-Auswahlspieler, verstärkt worden war. Gorski blieb auch unter seinen beiden letzten BTSV-Trainern Streich und Fuchs Stammspieler und kam auf 32 Punktspieleinsätze.
In jeder dieser drei Spielzeiten hatte Gorski einen Treffer erzielt. Er blieb seiner Linie treu, seit 1985 nur noch in Spielen zu treffen, in denen Eintracht hoch gewann: am 14.5.89 beim 4:0 gegen Union Solingen, am 4.11.89 beim 5:0 gegen Darmstadt 98 und am 25.8.90 beim 5:0 gegen Preußen Münster.
Bernd Gorski wäre im Sommer 1991 gern weiter bei Eintracht geblieben, erhielt jedoch kein „entsprechendes“ Angebot. So verließ er mit 11 anderen Spielern den Verein und übernahm den drittklassigen TuS Paderborn-Neuhaus (nun: SC Paderborn) als Spielertrainer. Später wurde er Trainer beim FC Stukenbrock.
Gorski absolvierte für die „Löwen“ 33 Bundesligaspiele (5 Tore), 156 Zweitligaspiele (5 Tore) und 32+8 Oberligaspiele (3 Tore). Insgesamt kommt er damit auf 16 Erstliga- und 324 Zweitligaeinsätze (20 Tore). Er zählt damit zu den TOP 50 der Rekordspieler in der 2. Bundesliga
Hauptberuflich ist Bernd Gorski heute Werbefachmann. Er ist verheiratet mit der Tochter seines ehemaligen Trainers Roggensack. Dem Fussball ist er mit seiner nebenberuflichen Trainer-Tätigkeit treu geblieben. Zuletzt trainierte er den SV Ubbedissen, auf dessen Homepage er auch heute noch zu sehen ist (www.sv-ubbedissen.de).
Bernd Gorski, dem auch eine Seite im Buch „Was geht, Eintracht Braunschweig?“ (S.79) gewidmet ist, zählt zu den Spielern, die einer Einladung zu „Thilos Talk“ gern gefolgt sind. Am 5.5.2012 erschien er – gemeinsam mit drei anderen ehemaligen blaugelben „Größen“ -- im Eintracht-Tennisheim, um mit „Löwen“-Fans über die „alten Zeiten“ zu plaudern und Fragen zu beantworten.
Die Besonderheit des gebürtigen Hamburgers besteht sicherlich darin, dass er zweimal von einem Verein zu einem anderen (von St.Pauli zum HSV und von 96 zum BTSV) wechselte, die – vorsichtig ausgedrückt – nicht gerade befreundet sind. Gorski selbst sagte dazu im Mai 2012, die besondere „Konkurrenz“ der „Löwen“ zu den „Roten“ sei ihm gar nicht so bewusst gewesen. Zudem sei er in Braunschweig normal aufgenommen worden.
Bernd Gorski sagte noch etwas. In dem Interview im o.a. Buch erklärt er: „Eine Mannschaft braucht einfach Zeit zu wachsen …“ Man hat beim BTSV offensichtlich gut zugehört, wie der Werdegang der Blau-Gelben unter Trainer Lieberknecht bis heute zeigt. [Stand: Dezember 2012]

Interview mit Bernd Gorski vom 02.02.2013
(vor der Partie SC Paderborn – Eintracht = 1:2)


RBG: Bernd, Du bist nach Deiner Karriere in der Stadt „hängengeblieben“, in der Du Deine Trainer-Laufbahn als Spielertrainer gestartet hast. Wie kam es dazu?
Bernd Gorski: Durch persönliche Kontakte. Meine Frau kommt aus dem Bielefelder Raum und ihr Cousin war damals bei Paderborn-Schloss Neuhaus tätig. Dadurch kam der Kontakt zustande. Und so bin ich jetzt seit 24 Jahren in Paderborn.
RBG: Bist Du durch Deinen Wohnsitz SC Paderborn-Fan oder Arminia Bielefeld-Fan geworden? Oder fährst Du jetzt immer zum BvB?
Bernd Gorski: Nein, Nein und nochmals Nein. Ich bin gar kein Fussball-Fan mehr und besuche nur noch Amateurspiele. Beim SC Paderborn bin ich jetzt das erste Mal seit 24 Jahren im Stadion. Das neue Stadion kenne ich bisher nur vom Vorbeifahren. Arminia Bielefeld? -- Uhh, da brauchen wir gar nicht drüber zu reden. Und Dortmund? – Ich bin „leider“ Bayern München-Fan.
RBG: Nun aber zu Deiner Eintracht-Zeit: Die Frage, die man einfach stellen muss: Vom FC St.Pauli bist Du zum HSV gewechselt und dann von Hannover zur Eintracht! Haben Dir die sog. „Feindschaften“ der Vereine nichts ausgemacht?
Bernd Gorski: Das war mir damals gar nicht so bekannt. Von St. Pauli zu Hannover, das ging ja noch. Aber von Hannover nach Braunschweig? Die extreme Konkurrenz habe ich erst später mitbekommen: Als der Wechsel damals feststand, war 96 noch 2. Liga und Braunschweig Bundesliga. Da war der Kontakt gar nicht so nah, weil die Liga beide Clubs trennte. Als dann allerdings beide in der 2. Liga spielten -- joh, da ging´s richtig rund!
RBG: Hattest Du bei Eintracht das Gefühl, dass die Fans Probleme mit Dir hatten wegen Deiner roten Vergangenheit?
Bernd Gorski: Nein, gar nicht. Die Braunschweiger Fans haben mich, glaube ich, ziemlich schnell akzeptiert, und – das sage ich jetzt nicht nur so, wir stehen hier gerade vor der Paderborn-Arena – die Braunschweiger Zeit war meine schönste Fussballzeit. Das weiß jeder, der mich kennt.
RBG: Du kamst im Sommer 1984 zu den „Löwen“ in die Bundesliga, als Präsident Mast gerade kräftig den Rotstift angesetzt hatte. Wie war denn da die Stimmung in der Mannschaft?
Bernd Gorski: Ja, traurig!. Ich kam nach Braunschweig, um Bundesliga zu spielen. Paul Breitner war damals Manager, allerdings nur für vier Wochen. Nach diesen vier Wochen sagte er zu mir: „Bernd, es tut mir leid, aber der Herr Mast zieht das Geld zurück, und wir bekommen keine schlagkräftige Mannschaft zusammen.“ Damals war ich schon sehr, sehr traurig. Mein Lebenstraum war natürlich, sechs, sieben, acht Jahre Bundesliga spielen zu dürfen. Aber im Nachhinein sage ich: Das macht gar nichts, die Zeit war einfach toll!
RBG: Die nächste Frage, die wir hatten, nämlich wie Du die Bundesliga-Saison 84/85, die mit dem Abstieg endete, erlebt hat, hast Du praktisch schon beantwortet. Es war also eine traurige Zeit!?
Bernd Gorski: Das war traurig in dem Jahr, auf jeden Fall!
RBG: Gab es für uns Fans besonders interessante Gegebenheiten, an die Du dich aus dieser Spielzeit erinnerst?
Bernd Gorski: Da muss ich nachdenken. Gut, das Bundesliga-Jahr war, auch abgesehen vom Abstieg, wirklich sehr gemischt. Ich denke schon, dass wir als nicht-schlagkräftige Mannschaft damals noch ´was ganz Tolles hinbekommen haben. Eine ganz tolle Sache war: Wir verlieren gegen Borussia Mönchengladbach mit 10:0, und eine Woche später schlagen wir den HSV mit 3:1. Daran konnte man schon sehen -- Kuriositätenkabinett!
RBG: Nach einer eher enttäuschenden Saison 85/86 in der 2. Bundesliga verlief die nächste Spielzeit dann katastrophal. Am Ende stieg der BTSV in die Regionalliga ab. Wie hast Du diese Spielzeit erlebt? Wie konnte es überhaupt zu dem Abstieg kommen?
Bernd Gorski: Ja, das war traurig, weil die Qualität auf jeden Fall für die 2. Liga ausreichte. Wir hatten damals aber ein Riesenproblem im vorderen Bereich. Bis auf Bernd Buchheister gab es keinen adäquaten Stürmer. Defensiv standen wir sehr gut. Nicht nur wegen meiner Person, sondern wir waren defensiv einfach sehr gut. Aber auch in dieser Spielzeit lief es für uns wieder kurios! Wir sind mit einem positiven Torverhältnis abgestiegen. Das gab es damals, glaube ich, in der Bundesliga noch nie. Und symptomatisch dann am Ende natürlich St. Pauli, letztes Spiel, 0:1.
RBG: Dann kam die Saison 87/88 mit Spielertrainer Reinders. Wie hat sich denn der Uwe bei der Mannschaft eingeführt?
Bernd Gorski: Ja, ziemlich locker. Aber knallhart konnte der Herr Reinders, Uwe natürlich auch sein.
Die Konstellation war damals die, dass keiner so richtig wusste, wie es weiter geht. Harald Tenzer hatte es hinbekommen, dass die Mannschaft komplett zusammen geblieben ist. Und das war ein ganz großes Risiko. Es hieß damals wirklich: Entweder steigen wir direkt auf in die 2.Liga, oder der Club bekommt große Probleme.
RBG: Sonst wären die Lichter ausgegangen!?
Bernd Gorski: Garantiert!
Im Nachhinein muss man natürlich aber auch sagen: Das Jahr in der 3. Liga war doch ein Traum, weil wir da durchmarschiert sind. Und am Schluss dann natürlich die wahnsinnige Aufstiegsrunde mit dem letzten Spiel in Wolfsburg.
RBG: Richtig! Dazu komme ich auch noch gleich, aber zuvor:
Ich kann mich in dieser Saison an ein Heimspiel am 10. Spieltag gegen Altona 93 erinnern. Es ist ja bekannt, dass der Uwe über die Motivation kam. Der Schiri pfiff beschissen und Uwe hat sich da permanent als Spieler aufgeregt. Obwohl es da schon 2:0 stand, hat er den „Buche“ so heiß gemacht, dass der kurz vor der Pause „Rot“ sah. In der 2. Hälfte legte Deine Mannschaft noch fünf Tore nach. Eins davon hast Du geschossen. Kannst Du Dich noch daran erinnern? Wenn nicht, dann sag einfach „Nein“.
Bernd Gorski: Doch, doch, inzwischen schon, wir hatten ja am Telefon vorher darüber gesprochen. Das war natürlich das ganz, ganz große Plus vom Uwe. Er konnte wahnsinnig gut motivieren. Natürlich ging es manchmal ein bisschen zu weit. Aber gut, wir Braunschweiger Jungs waren schon ´mal rustikal, zu Hause sowieso. Von daher passte das schon.
RBG: Das entscheidende Spiel hast Du schon angesprochen, das Spiel in der Aufstiegsrunde beim VfL Wolfsburg. Ihr spieltet dort auch gegen alte Mannschaftskameraden.
Bernd Gorski: Ja sicher! Heiner Pahl, Michael Geiger und der Plagge noch. Die Konstellation in der Aufstiegsrunde war Wahnsinn. Das weiß ich noch ziemlich genau, weil es wirklich ein tolles Highlight war. Drei Mannschaften waren vorn: Duisburg, Hertha und Wir. Wir mussten gewinnen, Duisburg war spielfrei. Duisburg war Tabellenführer und wurde dann zum Schluss Dritter, weil wir gewinnen konnten. Zur Pause stand es, meine ich, 2:0, und in der 70., 75. machte Wolfsburg das 2:1. Danach begann natürlich das ganz große Zittern. War aber wirklich toll, das Spiel in Wolfsburg so zu gewinnen.
RBG: Während die nächste Saison 88/89 recht ordentlich verlief mit Platz 9 als Aufsteiger, sah es in der Spielzeit 89/90 zu Anfang so aus, als ob Eintracht wieder in die erste Liga aufsteigen könnte. Es ging gleich los mit Siegen 1:0 gegen die „Roten“ aus Hannover und einem 5:1 auf Schalke. Kannst Du Dich erinnern?
Bernd Gorski: Natürlich, das war ein Saisonauftakt nach Maß ! Und dann auf Schalke zu gewinnen, und noch dazu so kurios. Ich weiß gar nicht, machte der Bernd Buchheister vier Tore? Ja, einer geht noch …, wie es so schön heißt. Das war eine tolle Sache.
Ich weiß noch ziemlich genau, dass die Hinrunde wahnsinnig gut verlief. In der Rückrunde sind wir körperlich eingebrochen, warum auch immer. Keine Ahnung warum, es war aber so!
RBG: Es geht da ja das Gerücht, dass da in einem Trainingslager etwas falsch gearbeitet wurde. Aber genug davon.
In Deiner letzten Spielzeit kam die „Prominenz“ zu Eintracht. Mit Streich wurde der Rekordtorschütze der DDR Euer Trainer. Er blieb es nicht lange. Warum?
Bernd Gorski: Ich kann mich noch an das Spiel gegen Hannover 96 erinnern, nach dem er dann entlassen wurde. Da waren die Plakate natürlich auch nicht so ganz menschlich, muss man fairerweise sagen. Ich kann nur sagen: Achim Streich war für mich menschlich wirklich ein ganz, ganz toller Trainer, aber als Trainer für den Westen vielleicht ein bisschen zu weich.
RBG: Streich brachte seiner Zeit Dirk Schuster mit, einen jungen Nationalspieler der DDR, der dann auch deutscher Nationalspieler wurde. Wie hast Du ihn erlebt?
Bernd Gorski: Das war ein ganz netter Kerl. Wir waren auch privat ein bisschen zusammen. Ich habe versucht, ihn hier auf seinem Weg im Westen ein wenig zu begleiten. Der Dirk war ein richtig netter Junge.
RBG: Und dann kam auch noch Europas Fussballer des Jahres 1986 zu Euch. Du weißt, wen ich meine?
Bernd Gorski: Ja, sicher! Igor [Belanow]. Das war sogar noch ganz witzig, weil ich mir als Spielführer mit ihm das Zimmer teilen musste. Ich spreche leider kein Russisch, er konnte nur wenig Deutsch. Aber auch da muss ich sagen: Ein ganz feiner Mann!
RBG: Er hatte wahrscheinlich nur Probleme in der Liebe!?
Bernd Gorski: Wir kennen die Schlagzeilen alle. Ja, wird wohl so gewesen sein.
RBG: Nun noch zu Deinen Toren im Eintracht-Trikot. Wirklich wichtige Tore hast Du eigentlich für die Löwen nie erzielt. Meist trafst Du nur bei klaren Siegen. Zufall?
Bernd Gorski: Nein, ganz normal. Tore schießen war noch nie meine große Stärke. Eines möchte ich aber feststellen: Gerade im Bundesliga-Abstiegsjahr habe ich fünf Tore machen können. Aber da unsere Siege nicht so ganz reichhaltig gesäht waren, hat es wohl nicht gereicht.
RBG: Zu Eintrachts aktueller Situation muss ich Dich natürlich auch befragen..
Zur Zeit führt Eintracht die Tabelle in Liga 2 an. In welcher Liga spielen die Löwen an Deinem nächsten Geburtstag im Oktober?
Bernd Gorski: Das kann nur die Bundesliga sein. Man kennt die Sprüche: ‚Wenn sie es jetzt nicht schaffen, wann dann‘. Aber das Jahr wird verdammt schwer werden.
RBG: Ich tippe für das Spiel heute beim SC Paderborn ein 1:1. Und Du?
Bernd Gorski: 6:1
RBG: Für den Gast?
Bernd Gorski: Ja, ja, sicher!
[Anmerkung: Endergebnis: 2:1. Wenn Eintracht nicht vier 100%ige Chancen vergeben hätte, wäre der Tipp von Bernd eingetroffen.]
RBG: Zum Schluss ein anderes Thema, das Dir auch am Herzen liegt::
Gelegentlich bzw. schon häufiger wird von ehemaligen Eintracht-Spielern beklagt, der Verein würde sich nicht genug um die „Ehemaligen“ kümmern. Kannst Du das bestätigen?
Bernd Gorski: Ja. Wenn es für den Verein aber nicht wichtig ist, dann soll es eben so sein.
Ich kann nur sagen: Das was die Eintracht-Fans auf die Beine gestellt haben, jetzt nach 23, 24 Jahren Kontakt zu mir aufzunehmen, ist Wahnsinn! Ich freue mich, dabei sein zu dürfen. Ich bin nach wie vor Braunschweiger mit Herz – auch wenn das heute nicht mehr so wichtig ist, weil es Sentimentalitäten nun einmal kaum noch im Fussball gibt.
RBG: Wir freuen uns auch, dass Du wieder einmal dabei bist. Welche Aktionen würdest Du Dir vom Verein wünschen? Einladungen zu offiziellen Anlässen für die Ehemaligen!?
Bernd Gorski: Ja. Das wäre schön.
Das 100 jährige Bestehen ist ja leider schon gelaufen. Und da keiner wusste, wo Bernd Gorski wohnt, … Schnee von gestern! Schade, aber macht wirklich nichts.
RBG: Vielleicht eine Einladung zum Aufstieg in die 1. Bundesliga. Das wäre doch etwas! --
Hast Du noch irgendetwas auf dem Herzen, was Du uns Fans von Eintracht, die wir hier mit etwa 5.000 in Paderborn erscheinen, mitteilen möchtest?
Bernd Gorski: Ich kann nur sagen: Macht genau so weiter! Ich bin jetzt einschließlich meiner aktiven Laufbahn 30 Jahre lang Braunschweiger, auch wenn ich seit 24 Jahren im Exil lebe. Es ist Wahnsinn mit Euch. Wenn ich das noch sagen darf. Damals 3. Liga, durchschnittlich 20.000 Zuschauer, das wird es nie wieder geben in Deutschland. Das sagt alles!
RBG: Danke, Bernd, für das Gespräch!

Innenverteidiger Valentin Nastase04.10.1974
Ein Löwengeburtstag
Valentin Nastase wurde am 4.10.1974 in Rumänien geboren. Bis 2002 spielte er in seinem Heimatland Fussball (Dinamo Bukarest). Anschließend wechselte der Innenverteidiger nach Italien, wo er für den US Palermo, FC Bologna, FC Genua und Ascoli Calcio antrat. 2007 ging er nach Rumänien zurück, jedoch nur für kurze Zeit.
Eintracht-Trainer Benno Möhlmann, der drauf und dran war, das Minimalziel für die Saison 2007/2008, die Qualifikation für die (eingleisige) 3. Liga, zu verfehlen, suchte in der Winterpause dringend nach Verstärkungen. Nach Kruppke und Kumbela verpflichtete er schließlich auch Nastase (für 1 ½ Jahre) für die Eintracht.
Die Eintracht-Fans konnten sich bereits bei Nastases ersten Punktspielauftritt beim SV Babelsberg davon überzeugen, dass er eine echte Verstärkung für die Blau-Gelben darstellte. Auch wenn er gelegentlich langsam wirkte und in der Spieleröffnung Schwächen zeigte, so war ihm doch der abgezockte Italien-Profi in jedem Zweikampf, jeder Aktion anzusehen.
Er gab der Abwehr die lange vermisste Sicherheit und war darüber hinaus torgefährlich. In Babelsberg erzielte er das 1:0 und trug dadurch auch als Torschütze zum wichtigen 2:1-Auswärtssieg bei. Im nächsten Spiel gegen Rot-Weiss Erfurt, das die "Löwen" ebenfalls gewannen (3:2), traf er bereits wieder, dieses Mal per Elfmeter zum 2:1. Es war kein Zufall, dass Nastase die Elfmeter schoss. Trainer und Mannschaft hatten schnell erkannt, dass da nun einer in ihren Reihen stand, der sich nicht aus der Ruhe bringen lässt. Nastases dritter Treffer entsprang dann ebenfalls einem Elfmeter, erzielt am 32. Spieltag beim 3:3 gegen den SC Verl. Existenzwichtig für den Verein waren die beiden letzten Saisontore des Rumänen: Am vorletzten Spieltag erzielte er beim Tabellenführer Rot-Weiss Ahlen aus dem Spiel heraus das "goldene" Tor zum 1:0-Sieg und hielt dadurch die Hoffnung auf den für die Qualifikation notwendigen 10. Tabellenplatz am Leben. Am letzten Spieltag schließlich erzielte er per Elfmeter die Führung beim 2:0-Sieg gegen Borussia Dortmund Amateure, der letztendlich ausreichte, um in der nächsten Saison in der 3. Liga spielen zu dürfen.
Während Nastase in der Rückrunde dieser Regionalligasaison in 14 von 16 Spielen auf dem Platz stand, kam der Mann mit der Rückennummer 33 in der gesamten Drittliga-Saison 2008/2009 nur in 11 Spielen zum Einsatz. Die ersten fünf Spiele stand er noch in der Startaufstellung, danach plante Trainer Lieberknecht meist ohne ihn.
Im letzten Heimspiel der Saison beim 3:3 gegen den SV Sandhausen durfte Nastase dann noch einmal auflaufen. Er verabschiedete sich von den Fans in der für ihn typischen Weise: Es gab in diesem Spiel zwei Elfmeter für Eintracht. Beide Male schnappte sich Nastase den Ball. Beide Male hieß es anschließend "Tooor für Braunschweig" (1:0, 3:3).
Nastase verließ Eintracht nach der Saison und kehrte nach Rumänien zurück.

Borussia M´gladbach - Eintracht 0:0 (0:0)04.10.1975
10. Spieltag Bundesliga - 1975/76
Am 10. Spieltag der Saison 1975/76 war Eintracht zu Gast bei dem amtierenden Deutschen Meister Borussia Mönchengladbach. Das Spiel fand am Samstag, den 4.10.1975 am Bökelberg vor 26.500 Zuschauern statt.
Es war zugleich das Spitzenspiel dieses Spieltags. Der Tabellendritte empfing den Tabellenführer. Tatsächlich hatten es die Blau-Gelben in ihrer zweiten Saison nach dem Wiederaufstieg geschafft, sich in der Spitzengruppe der Bundesliga festzusetzen. Am 7. Spieltag hatten sie ungeschlagen erstmalig die Tabellenführung übernommen. Zwar verloren sie diese am folgenden Spieltag wieder durch eine Niederlage bei Schalke 04, kehrten am 9. Spieltag jedoch durch einen 5:1-Sieg gegen Kickers Offenbach auf die Spitzenposition zurück. Die "Löwen" wiesen ein Punkteverhältnis von 13:5 auf, während Bayern München und die Borussia auf 12:6 Punkte kamen (2-Punkte-Regel!).
Ein wenig Sorgen bereitete allen Einträchtlern die Torhütersituation. Der Stammtorhüter Bernd Franke hatte sich in der ersten Halbzeit im Spiel bei Schalke 04 verletzt, musste ausgewechselt werden und fiel aufgrund einer notwendigen Operation länger aus. Bereits in der zweiten Halbzeit bei Schalke hatte sich gezeigt, wie wichtig der "Adler", wie man Franke nannte, für die Mannschaft war. Zur Pause stand es 1:1, am Ende hatte die Eintracht 1:5 verloren. Die Verletzung hatte auf die Spieler wie ein Schock gewirkt. In Braunschweig war man dennoch nicht in Panik verfallen, sondern sprach dem 19jährigen Ersatztorwart Uwe Hain das Vertrauen aus. Diese Maßnahme schien zu fruchten, wie das folgende Spiel gegen die Offenbacher zeigte. Aber man wusste ja nie ...
Hain schien alle Zweifler mit einem Schlag widerlegen zu wollen. Er hechtete und faustete und vereitelte alle Chancen der Gladbacher Stürmer souverän. Kurz vor der Halbzeit erlitt er jedoch bei einem Zusammenprall eine stark blutende Kopfplatzwunde, die Trainer Zebec zur Auswechslung zwang. Wieder war ein Torhüter verletzt! Nun musste der ebenfalls 19jährige Amateur Vofrei, eigentlich 4. Torhüter bei der Eintracht, zwischen die Pfosten. Die Einschläge im Braunschweiger Tor schienen vorprogrammiert zu sein.
Irrtum! Der junge Vofrei, der die Gladbacher Stürmer vorher nur aus dem Fernsehen kannte, zeigte keine Nervosität und ließ bis zum Schluss kein Tor zu. Nach dem Abpfiff fielen ihm seine Mannschaftskameraden um den Hals und beglückwünschten ihn. Vofrei selbst wird das Spiel wohl auch nie vergessen haben. Es blieb das einzige Punktspiel, dass Vofrei für die erste Mannschaft von Eintracht bestritten hat.
Eintracht hatte durch dieses Unentschieden den Vorsprung auf die Gladbacher gewahrt und war sogar Tabellenführer geblieben, da die Bayern beim 1. FC Kaiserslautern 2:1 verloren hatten.
Zwar konnten die Blau-Gelben dieses hohe Niveau nicht die ganze Saison über halten. Am Ende stand jedoch ein ausgezeichneter 5. Tabellenplatz. Und die Tatsache, dass man gegen den alten und neuen Meister Borussia Mönchengladbach in beiden Spielen nicht verloren hatte.

Mittelfeldspieler Damir Vrancic04.10.1985
Ein Löwengeburtstag
Damir Vrancic wurde am 4.10.1985 in Slavonski Brod in Bosnien-Herzegowina geboren. Seine Familie flüchtete 1994 wegen des Bürgerkriegs aus ihrem Heimatland und ließ sich in Deutschland nieder.
Seine Fussballkarriere in Deutschland startete Vrancic beim VfR Kesselstadt. Als B-Jugendlicher kickte er für Eintracht Frankfurt. Von dort wechselte er im Jahr 2002 zum FSV Mainz 05 und spielte dort zunächst zwei Jahre in der A-Jugend. Im Herrenbereich angekommen, absolvierte er in der Spielzeit 2004/05 14 Punktspiele (1 Tor) in der Regionalliga Süd für die U23, die zweite Mannschaft der 05er. Für die Saison 2005/06 wurde er vom Mainzer Trainer Klopp ins Profiteam aufgenommen, kam dort aber wegen einer langwierigen Knöchelverletzung zu keinem Spiel. Besser liefen die beiden folgenden Spielzeiten. In der Saison 2006/07 stand Vrancic immerhin in 6 Bundesliga-Spielen auf dem Platz (0 Tore). Aus dieser Zeit besitzt er noch Trikots von Gegenspielern wie Ibisevic (heute VfB Stuttgart) und Marin, wie er in einem Interview in Braunschweig selbst verriet. Es folgten in der Saison 2007/08 17 Einsätze (2 Tore) in der 2. Bundesliga für die Mainzer. Im Sommer 2008 wechselte der Mittelfeldspieler seinem Trainer hinterher zu Borussia Dortmund. Mit der 2.Mannschaft des BvB schaffte er gleich 2009 den Aufstieg in die 3.Liga.
BvB-Trainer Jürgen Klopp hatte dem Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht, mit dem er bei Mainz 05 noch zusammengespielt und bei Auswärtsspielen ein Zimmer geteilt hatte, bereits 2008 den Tipp gegeben, sich Vrancic einmal genauer anzusehen. Dieser Hinweis führte schließlich am 18.5.2009 zum Vertragsabschluss beim BTSV. Der kahlköpfige Mittelfeldspieler unterschrieb einen 2-Jahres-Vertrag (bis 30.6.2011) und erhielt die Rückennummer 6.
Die Zeit in Braunschweig begann für Damir eher unglücklich. Gleich zu Beginn der Drittliga-Saison 2009/10 zog er sich eine Zehenverletzung zu. Es folgten Probleme mit der Achillessehne und eine Bänderdehnung. So stand Eintrachts neuer Mittelfeld“regisseur“ bis zum 30.Spieltag nur 3x in der Startelf. Insgesamt kam er auf 19 Einsätze (8x eingewechselt) und erzielte dabei einen Treffer. Den Fans gab er bei seinen Auftritten selten das Gefühl, die erhoffte Verstärkung im kreativen Bereich werden zu können. Irgendwie wirkte er im Denken und Handeln auf dem Rasen zu langsam. -- Ein Eindruck, der sich in den Folgejahren als falsch erweisen sollte!
Nach Tabellenplatz 4 in der Abschlusstabelle mussten die „Löwen“ auch in der Spielzeit 2010/11 in der 3. Liga antreten. Vrancic hatte die komplette Vorbereitung bestreiten können und präsentierte sich ganz anders. „Löwen“-Bändiger Lieberknecht honorierte es und setzte ihn – immer im Mittelfeld – in 30 Begegnungen ein. Es wären vermutlich noch mehr Einsätze gewesen, wenn sich Damir nicht nach dem 8.Spieltag eine Adduktorenzerrung zugezogen hätte, die ihn einige Spiele kostete. Aber auch so war es eine tolle Saison für „Vrana“, wie er von seinen Mitspielern genannt wird. Eintracht beendete die Spielzeit als souveräner Meister der 3.Liga und schaffte damit den Aufstieg. Vrancic hatte beim entscheidenden Spiel (am 32.Spieltag; 1:0) bei der SpVgg Unterhaching auf dem Platz gestanden und zudem in der Saison seine ersten Tore für die Blau-Gelben erzielt – 6 an der Zahl. Sein Vertrag war vom BTSV schon am 31.3.2011 um zwei Jahre verlängert worden (bis 30.6.2013). Die Sportzeitschrift „Kicker“ empfand Damirs Leistungen als überdurchschnittlich und stufte ihn in der „Rangliste des Deutschen Fussballs“ für die 3.Liga auf der Position „Mittelfeld defensiv“ sowohl am Jahresende 2010 als auch am Saisonende daher in die Rubrik „Blickfeld“ ein.
Auch in der Zweitliga-Saison 2011/12 zählte „Vrana“, den man meistens mit dem Fahrrad zum Training fahren sieht, zur Stammformation. Er stand in 30 Begegnungen (5x eingewechselt) auf dem Platz und trug mit seinen Leistungen sowie seinen 3 Toren dazu bei, dass Eintracht die Klasse als Tabellenachter ohne Mühe halten konnte. Im „Kicker“ landete er in der „Rangliste“ auf seiner Position wieder zweimal im „Blickfeld“, dieses Mal jedoch schon für die 2.Bundesliga. Aber nicht nur dem „Kicker“ waren die Leistungen des 1,84m großen Mittelfeldspielers aufgefallen, sondern auch dem Trainer der Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina. Vrancic wurde nach dem Ende der Punktspiele eingeladen und bestritt im Juni 2012 seine ersten beiden Länderspiele gegen Irland (0:1) und Mexiko (1:2).
Die Spielzeit 2012/2013 in der 2.Bundesliga begann für Eintracht sensationell. Die Mannschaft startete mit 5 Siegen in die Saison und blieb auch danach lange ungeschlagen (bis zum 15.Spieltag). Auch Vrancic konnte sich nicht beklagen -- allerdings nur in Bezug auf seine internationale Karriere. Im September reiste er wieder zu seiner Nationalmannschaft (Spiele am 7. und 11.9.). Bei Eintracht dagegen lief es für ihn nicht so gut. Aufgrund der Tatsache, dass durch die Verpflichtung von Kratz ein weiterer Konkurrent (neben Pfitzner und Theuerkauf) um einen Mittelfeldplatz aufgetaucht war, kam er zunächst meist nur als Einwechselspieler zum Zuge. Das änderte sich erst wieder im Laufe der Rückrunde. Nach dem letzten Abpfiff standen für ihn 23 Einsätze, davon 10x eingewechselt, und ein Tor zu Buche. Dass Damir diese Saison dennoch sehr positiv in Erinnerung behalten wird, liegt einerseits am Aufstieg der Eintracht in die Bundesliga, aber vor allem andererseits an diesem einzigen Saisontor, das ihm gelungen war. Am 31.Spieltag hatten die „Löwen“ bereits die Chance, den Bundesligaaufstieg perfekt zu machen, mussten hierzu aber beim FC Ingolstadt gewinnen. Lange stand es 0:0, bis in die Nachspielzeit hinein, bis zum letzten Freistoß für die Blau-Gelben in Strafraumnähe. Vrancic lief an und zirkelte den Ball hoch in Eck. Aufstieg! Die Szenen danach wird Damir wohl nie vergessen. Die Fans des BTSV auch nicht!
Kuriosum am Rande: „Vrana“ war mit diesem Tor seinem Trend treu geblieben, vorwiegend auswärts für die „Löwen“ zu treffen. Von seinen 11 Punktspieltoren (bis Ende der Saison 2013/14) erzielte er nur eins zu Hause, beim 4:0 am letzten Spieltag der Saison 2010/11 gegen den FC Heidenheim.
Vrancic, der in seiner Freizeit gern ein Buch zur Hand nimmt, verlängerte seinen Vertrag beim BTSV am 17.5.2013 um ein weiteres Jahr. Das Angebot aus Bielefeld, zur dortigen Arminia zu wechseln, schlug er aus. In der Rangliste des „Kicker“ für die Rückrunde landete er dieses Mal in der Rubrik „Herausragend“ an 5.Position.
In der Bundesliga-Saison 2013/14, an deren Ende Eintracht als Tabellenletzter wieder absteigen musste, absolvierte Damir „lediglich“ 14 Spiele, davon 9 von Anfang an. Zwischenzeitlich stellte er sich sogar für die U23 zur Verfügung, um Spielpraxis zu sammeln. Dennoch kann der Haarlose für sich in Anspruch nehmen, in den wichtigsten Partien auf dem Platz gestanden zu haben. Bei beiden „Derbys“ gegen 95+1 (0:0/3:0) stand er in der Startelf, ebenso bei den Siegen gegen Bayer Leverkusen (11.SpT,1:0) und Mainz 05 (27.SpT,3:1).
Nachdem sein Vertrag am 2.6.2014 um 2 Jahre (bis 30.6.2016) verlängert worden ist, kickt Damir Vrancic inzwischen wieder für die Blau-Gelben in der 2.Bundesliga.
Wenn es nach ihm geht, sollen seinen 116 Punktspieleinsätzen (49x 3.Liga/7 Tore; 53x 2.Bundesliga/4 Tore; 14x Bundesliga/0 Tore) für die „Löwen“ noch zahlreiche folgen.
Übrigens: Sein Bruder Mario ist auch Fussball-Profi. – Beim SC Paderborn! Letztes Jahr noch 2.Bundesliga, nun Bundesliga! So schnell kann `s gehen! Wir wissen, wovon wir reden!
Wer mehr über Vrancic wissen möchte, kann in den „Eintracht aktuell“–Heften des 35.Jahrgangs Nr.5 (Vorstellung), 36.Jg./Nr.17 und des 38.Jg./Nr.2 („Face[book]-Reporter fragen“) nachlesen. [Stand: Januar 2015]

VfL Wolfsburg – Eintracht 4:1 (1:0)04.10.1992
17. Spieltag 2. Bundesliga – 1992/93
Am 4.10.1992 machte sich Eintracht mit seinen Fans auf die knapp 30 km lange Reise nach Wolfsburg, um dort gegen den VfL sein Punktspiel in der 2. Bundesliga zu bestreiten.
Besonders oft war es noch nicht zu Punktspielen zwischen Eintracht und dem kleinen Nachbarn aus der VW-Stadt gekommen. Meist spielte der BTSV eine oder sogar zwei Klassen höher als der VfL Wolfsburg. Lediglich in der Regionalliga-Saison 1973/74 und in der Oberliga-Saison 1987/88 war man aufeinander getroffen. Obwohl Eintracht in diesen Begegnungen immer haushoher Favorit war, hatten sich die Werksstädter stets achtbar geschlagen. In der Saison 1973/74 gewannen die Wolfsburger in ihrem Stadion gegen die Blau-Gelben mit 2:0. Es war eine von nur zwei Saisonniederlagen der 'Löwen' (Heimspiel: 4:2 für Eintracht). Dasselbe Ergebnis gelang dem VfL in der Spielzeit 1987/88 (Heimspiel: 1:1). Auch hier verlor der BTSV nur noch eine weitere Begegnung. Seiner Favoritenrolle gerecht wurde Eintracht dann aber in der sich anschließenden Aufstiegsrunde. Mit 4:2 zu Hause und 2:1 in Wolfsburg behielt Eintracht in beiden Partien die Oberhand und verabschiedete sich Richtung 2. Bundesliga.
Diese Spielklasse hatten nun auch die Wolfsburger erreicht. In ihrer Aufstiegsgruppe konnten sie sich im Juni gegen den FC Berlin, Union Berlin und den FSV Zwickau durchsetzen.
So kam es nach etwas mehr als vier Jahren wieder zum Duell der beiden Nachbarstädte. Derby? Nein, Derby konnte man die Begegnung nicht nennen! Für Eintracht-Fans gibt es nur ein Derby, das gegen 95+1!
Der Spielplan der 2. Bundesliga für die Saison 1992/93 sah vor, dass die Blau-Gelben erst spät auf die Grün-Weißen trafen. Bereits 16 Spieltage waren gespielt, als die erste Auseinandersetzung anstand. Zu diesem Zeitpunkt ließ sich bereits absehen, dass eine neue Epoche angebrochen war. Mit der klaren Vormachtstellung des BTSV war es offensichtlich vorbei, wie sich auch an der Tabelle ablesen ließ. Obwohl die Wolfsburger 'nur' Aufsteiger waren, waren sie besser plaziert als die Eintracht.
In Braunschweig herrschte Unruhe! Man war mit den Leistungen der Mannschaft nicht zufrieden. Als Ursache des Übels hatte man den Trainer ausgemacht. Werner Fuchs waren als Ersatz für die abgewanderten Belanow (zurück in die Ukraine), Holze (zum VfL Wolfsburg) und Strogies immerhin sechs Spieler aus anderen Vereinen sowie zwei Akteure aus den eigenen Amateuren zur Verfügung gestellt worden. Das sollte doch eigentlich genügen, um die Zielsetzung des Vereins zu erfüllen und einen gesicherten Mittelfeldplatz zu erreichen. Immerhin hatte auch die Sportzeitschrift 'Kicker' vor der Saison einen Platz zwischen 5 und 12 für die 'Löwen' vorausgesagt. Leider war die Realität eine andere. Bis zum 12. Spieltag war es den Blau-Gelben, bei denen sich von den Neuzugängen lediglich Butrej (vom 1.FC Nürnberg) als echte Verstärkung erwiesen hatte, noch gelungen, den Ansprüchen in der Okerstadt einigermaßen gerecht zu werden (12:12 Punkte). Vier Niederlagen in Folge ließen Eintracht danach aber auf den 19. Tabellenplatz, einen Abstiegsplatz, abrutschen. Die Kritik am Trainer wurde immer lauter, zumal auch eine weitere Neuverpflichtung (Spielmacher Heskamp vom VfL Osnabrück) keine sofortige Besserung bewirkte. Die Presse, auch die überörtliche, hatte den Trainer zum Dauerthema erkoren. 'Schonfrist für Fuchs' (Kicker vom 24.9.), 'Galgenfrist für Trainer Fuchs' (Kicker vom 28.9.) und 'Schonzeit für Fuchs' (Kicker vom 1.10.) – so lauteten einige Schlagzeilen. Keine guten Voraussetzungen für Trainer und Team für das Auswärtsspiel beim VfL.
In Wolfsburg dagegen hatte ein Umdenken stattgefunden. Nach der Vereinigung Deutschlands im Oktober 1990 lag die Werksstadt plötzlich mitten in der Republik. Für VW boten sich ungeahnte Möglichkeiten. Auch eine deutliche Aufwertung des Standortes lag nunmehr im ureigensten Interesse des Werkes. Hierzu zählte natürlich als Werbeträger auch der örtliche Fussballverein. VW, das in den 80er Jahren immer wichtiger für den VfL geworden war und schon in diesen Jahren gern Eintracht-Profis zum VfL gelotst hatte, war bereit, mehr, deutlich mehr zu investieren. So war es auch kein Zufall, dass 'Löwen'-Spielmacher Stefan Holze nach drei Jahren bei der Eintracht zu einem Zeitpunkt beim VfL unterschrieb, als noch nicht klar war, ob der Aufstieg in Wolfsburg gelingt. Neben Holze zählten Ballwanz und Dammeier, beide vom Hamburger SV, zu den namhaftesten Verpflichtungen.
Ebenso wie Eintracht konnte auch der VfL mit dem Saisonverlauf nicht vollends zufrieden sein. Als 17. (14:18 Punkte) in einer Liga mit 24 Mannschaften belegten die Grün-Weißen – bei sieben Absteigern am Saisonende – aber immer noch den ersten Nicht-Abstiegsplatz vor dem Nachbarschaftsduell.
9.000 Zuschauer, davon viele aus Braunschweig, wollten dieses Sonntagsspiel sehen, das kurioserweise exakt zwei Jahre nach der für VW so wegweisenden Vereinigung Deutschlands stattfand.
Sie sahen ein typisches Abstiegsduell. Beide Mannschaften waren nervös. Nicht durchdachte Spielzüge dominierten, sondern der Kampf. Strafraumszenen waren selten. Gerade bei diesen unterschieden sich beide Mannschaften jedoch grundlegend. Während die 'Löwen' ihre Gelegenheiten vergaben, gelang den Grün-Weißen eine fast 100%ige Chancenverwertung. Am Ende hieß es 1:4 aus Sicht der Eintracht. Reich (20. und 78. Minute), Frackiewicz (48.) und Dermech (81.) trafen für den VfL. Holger Aden erzielte drei Minuten vor dem Abpfiff den Ehrentreffer. Nach dem 2:0 kurz nach der Pause war das Spiel praktisch entschieden.
Während sich der VfL mit 16:18 Punkten auf Platz 12 der Tabelle verbesserte, rutschte der BTSV mit 12:22 Punkten auf Platz 21 ab. Ein neuer Tiefpunkt!
Nach der Begegnung drehte sich wieder alles um Trainer Fuchs. Zunächst hieß es wieder 'Tenzer gewährt eine Galgenfrist' (Kicker 12.10.), dann wurde Fuchs aber doch am 14. Oktober entlassen. Beim nächsten Spiel am 17.10.1992 (4:4 gegen den Chemnitzer FC) saß schon Nachfolger Maslo, der bereits von 1979 bis 1983 als 'Löwen'-Bändiger tätig war, auf der Bank. Ihm gelangen bis zum Ende der Halbserie 7:5-Punkte.
Die Eintracht-Fans hofften auf ein 'Happy-End' am Saisonende. – Vergebens!