22. November
Hamburger SV – Eintracht 0:022.11.1974
14. Spieltag Bundesliga – 1974/75
Am 22.11.1974 stand für den BTSV die Auswärtsbegegnung beim Hamburger SV an.
Wer hätte das vor der Saison gedacht? Aufsteiger Eintracht spielte munter um die Tabellenspitze der Fussball-Bundesliga mit! Nicht Abstiegskampf war angesagt, sondern der Kampf um die Internationalen Startplätze!
Von den ersten 13 Spielen waren die "Löwen" 8x als Sieger vom Platz gegangen, hatten 2x Unentschieden gespielt und lediglich 3 Spiele verloren (1.FC Kaiserslautern 0:2, bei Kickers Offenbach 1:2 und gegen den 1.FC Köln 1:4). Highlight war dabei der begeisternde 3:1-Heimsieg gegen den Deutschen Meister Bayern München am 7. Spieltag.
Zum erfolgreichen Abschneiden der Blau-Gelben hatten mehrere Umstände beigetragen:
-- die Aufstiegsmannschaft, die bereits ohne Verstärkungen das Potential zum Klassenerhalt mitbrachte
-- die Verpflichtung von Trainer Branco Zebec, der den Spielern innerhalb von kurzer Zeit eine neue Spielphilosophie beibrachte und aus den kampf- und laufstarken "Löwen" ein auch spielerisch starkes Team formte
-- Neuverpflichtungen, die praktisch ohne Eingewöhnungszeit zu Verstärkungen wurden (Wolfgang Frank, Karl-Heinz Handschuh, Aleksandar Ristic)
Der Saisonverlauf führte dazu, dass die Verantwortlichen des BTSV das Saisonziel schon vor dem Spiel beim HSV korrigierten. Aus der ursprünglichen Zielsetzung, die Klasse zu halten, wurde die Teilnahme am UEFA-Cup.
Mit ihren 18:8-Punkten (2-Punkte-Wertung) belegten die Okerstädter vor diesem 14.Spieltag Platz 2 hinter den Kickers aus Offenbach (19:7). Dahinter folgten punktgleich mit jeweils 17:9-Punkten der Hamburger SV, Hertha BSC und der MSV Duisburg.
Die Begegnung im Volksparkstadion war also ein echtes Spitzenspiel. 42.000 Zuschauer, darunter etliche aus der Harz- und Heide-Region, gaben dem Spiel einen entsprechenden Rahmen.
Beide Mannschaften zeigten sehr guten Bundesliga-Fussball. Die "Löwen" waren taktisch hervorragend eingestellt und standen in der Abwehr ausgezeichnet. Dennoch kam der mit viel Tempo spielende HSV zu Chancen. Aber Eintracht hatte ja noch seinen Torwart. Bernd Franke hielt an diesem Freitagabend einfach alles – und damit das 0:0 für die Blau-Gelben fest.



Hochzufrieden machten sich die Eintracht-Fans auf die Heimreise.
Mit dem torlosen Remis hatte der BTSV seinen 2. Tabellenplatz verteidigt. Das zweite Spitzenspiel des Spieltags Kickers Offenbach gegen MSV Duisburg war ebenfalls Unentschieden ausgegangen (3:3).
Der "Kicker" titelte am folgenden Montag "Teufelskerl Franke". In seiner Berichterstattung stellte die Sportzeitschrift fest: "Der Norden ist wieder wer. Das norddeutsche Gipfeltreffen braucht sich vor dem Süd-Derby Bayern München gegen Eintracht Frankfurt und dem West-Duell Schalke gegen Bor. M"Gladbach nicht zu verstecken." Noch sechs Monate zuvor (20.5.1974) hatte es dort angesichts des sicheren Abstiegs von 96 und dem vermeintlichen Scheitern von Eintracht in der Aufstiegsrunde gehießen: "Der Norden in der Talsohle!" So änderten sich die Zeiten! Und Eintracht hatte tatkräftig dazu beigetragen!
Eine Woche später (2.12.1974) reihte der "Kicker" den BTSV dann sogar in den Kreis der 6, 7 Mannschaften ein, die seiner Meinung nach Deutscher Meister werden konnten.
Dieser Einschätzung wurden die "Löwen" zwar nicht gerecht. Auch verfehlten sie das neu gesetzte Saisonziel, die Teilnahme am UEFA-Cup. Mit der Endplazierung von Platz 9 und dem Mitspielen um die internationalen Startplätze bis in den April hinein konnte der BTSV als Aufsteiger aber dennoch auf eine sehr erfolgreiche Saison zurückblicken.
Der HSV belegte am Saisonende Platz 4.