28. November
Eintracht - Erzgebirge Aue 3:0 (3:0)28.11.2009
18. Spieltag 3. Liga - 2009/10
Zum letzten Heimspiel der Hinrunde hatte Eintracht am 28.11.2009 die Mannschaft von Erzgebirge Aue zu Gast. Eintracht lag in der Drittliga-Saison 2009/2010 "auf Kurs". Die Saisonvorgabe, einen einstelligen Tabellenplatz zu erreichen, hatte die Mannschaft bisher erfüllt. Die Blau-Gelben waren mit 27 Punkten aus 17 Spielen Tabellensechster und seit 8 Spielen ungeschlagen. Der Tabellenführer Kickers Offenbach lag nur 5 Punkte voraus.
Aber auch die Männer aus dem Erzgebirge waren mit dem Verlauf der Saison sehr zufrieden. Sie lagen mit einem Punkt mehr als die "Löwen" auf dem 4. Tabellenplatz und schielten in Richtung Aufstieg. Kein Wunder also, dass 400 Aue-Fans die Reise nach Braunschweig mitmachten.
Insgesamt passierten 13.500 Fussball-Interessierte die Tore zum Eintracht-Stadion. Sofern ihr Herz für den BTSV schlug, hofften sie, dass Eintracht mit einem Sieg an Aue in der Tabelle vorbeizieht. Außerdem waren sie gespannt, ob der "King" Kingsley Onuegbu, der seine sämtlichen 7 Saisontore in den letzten 6 Spielen erzielt hatte, erneut treffen würde.
Eintracht dominierte die Begegnung von Beginn an. So dauerte es auch nur bis zur 15. Minute, bis die Blau-Gelben eine ihrer zahlreichen Chancen zur 1:0-Führung verwerteten. Auf Vorlage von Onuegbu traf Boland. Danach war der "King" selbst an der Reihe. Mit seinen Tore 8 und 9 schraubte er die Führung auf 3:0.
3:0 bereits nach einer halben Stunde! Die "Löwen"-Fans, die nach vielen, vielen Heimspielen mit knappem Spielausgang erstmalig im letzten Heimspiel wieder einen entspannten Nachmittag (beim 6:0 gegen den SV Sandhausen) verbringen durften, wurden schon wieder verwöhnt!
Eintracht gab auch nach den Toren weiter den Ton an, ohne ein weiteres Mal zu treffen. So ging es mit einem 3-Tore-Vorsprung in die Pause.
In der zweiten Halbzeit passierte nicht mehr viel auf dem Rasen. Eintracht schaltete zwei Gänge zurück, und Aue besaß nicht die Mittel, um die "Löwen" noch einmal in Gefahr zu bringen. So spielten sich die sehenswerten Aktionen mehr auf den Rängen ab: Minutenlang rollte die "La Ola"-Welle durch das Stadion. Am Spielstand änderte sich nichts mehr.
Eintracht gewann hochverdient und ungefährdet mit 3:0 und verbesserte sich damit auf den 3. Tabellenplatz, punktgleich mit dem Tabellenzweiten FC Ingolstadt. Ganz nebenbei war der BTSV mit 7 Heimsiegen, einem Unentschieden und nur einer Niederlage (nach dem VfL Osnabrück) zum zweitstärksten Heim-Team geworden. Die Blau-Gelben schienen bei der Vergabe der Aufstiegsplätze zur 2. Bundesliga ein gewichtiges Wort mitreden zu wollen. Entsprechend zufrieden gingen die Fans an diesem Samstag nach Hause.



[Bild von B.Grimm]
Der "Kicker" am darauffolgenden Montag (30.11.) belohnte die beiden neuen Tore vom "King" mit einer erneuten Berufung in die "Elf des Tages" in der 3. Liga. Es war bereits seine vierte Nominierung.
Leider ging die Erfolgsserie der "Löwen" nicht weiter. Sie verloren die verbleibenden 3 Spiele bis zur Winterpause (1:2 bei RW Erfurt; 0:1 beim VfL Osnabrück und 1:2 gegen Bor. Dortmund2) und rutschten in der Tabelle ab. Ihren Fans, die schon vom Aufstieg geträumt hatten, war das Weihnachtsfest dadurch ein wenig verdorben.
Vielleicht hat sich der eine oder andere aber auch mit dem am 11.12.2009 im City-Point (u.a. von Bernd Franke, Dietmar Erler und Fernseh-Kommentator Töpperwien) vorgestellten neuen Eintracht-Buch "Ein roter Löwe auf der Brust" als Weihnachtsgeschenk getröstet / trösten lassen...
Die "Löwen" starteten nach der Winterpause in den letzten 10 Saisonspielen noch eine furiose Aufholjagd (mit 6 Siegen, 3 Unentschieden und 1 Niederlage). Ein guter 4. Tabellenplatz war am Ende der Lohn. Erzgebirge Aue stieg in die 2. Bundesliga auf.

Eintracht – FC St.Pauli 1:0 (1:0)28.11.2012
16. Spieltag 2. Bundesliga – 2012/13
Nun war es also doch passiert! Eintracht hatte sein erstes Punktspiel der Saison 2012/2013 in der 2. Bundesliga verloren. Bis zum 15. Spieltag hatte es gedauert, bis sich die Blau-Gelben das erste Mal einem Konkurrenten geschlagen geben mussten. Energie Cottbus hatte die „Löwen“ zu Hause mit 3:1 besiegt (24.11.2012). Schiedsrichter Manuel Gräfe (Berlin) hatte sich dabei wahrlich nicht als Freund des BTSV erwiesen. Löwenbändiger Lieberknecht war noch Tage später mächtig sauer auf den „Unparteiischen“.
Viel Zeit zum Ärgern blieb der blaugelben Gemeinde allerdings nicht, denn die Folgewoche hatte es in sich!
Bereits zwei Tage nach dem Cottbus-Spiel, am 26.11.2012, fand die Jahreshauptversammlung des BTSV statt. Dort teilte das Präsidium seinen Mitgliedern mit, dass die Eintracht GmbH und CoKG aA im abgelaufenen Geschäftsjahr einen Gewinn von 1,7 Millionen Euro erwirtschaftet hatte. Für alle, bei denen die Erinnerung an die Zeiten um 2007 noch frisch war, eine wahrlich erfreuliche Mitteilung! Überhaupt war es eine sehr harmonische Veranstaltung. Trotz der ersten Saison-Niederlage war Eintracht (mit 34 Punkten) souveräner Tabellenführer in der 2. Bundesliga geblieben. Die härtesten Konkurrenten Hertha BSC, der 1.FC Kaiserslautern und Energie Cottbus lagen 2, 3 bzw. 6 Punkte zurück. Wer wollte da meckern?
Weitere zwei Tage später, am Mittwoch, den 28.11.2012 fand schon das Heimspiel gegen den FC St.Pauli statt. Abgerundet werden sollte die „englische Woche“ schließlich mit dem Auswärtsspiel beim FSV Frankfurt am Sonntag (2.12.2012).
Ereignisreiche und vielleicht auch schon zukunftsweisende Tage!
Die ganze Konzentration galt zunächst den Braun-Weißen aus dem Hamburger Vergnügungsviertel. Natürlich wollten die „Löwen“ mit einem Sieg direkt wieder in die Erfolgsspur zurückfinden. Ob St.Pauli dafür allerdings der geeignete Gegner sein würde, blieb abzuwarten. Einerseits waren die Duelle mit den Hansestädtern im Stadion an der Hamburger Straße meist eine enge Angelegenheit gewesen, andererseits war St.Pauli diese Saison jedoch unerwartet schwach gestartet und hatte bereits den Trainer getauscht. Michael Frontzeck war für André Schubert gekommen und hatte in seinen ersten sechs Spielen gleich einmal 11 Punkte geholt. Dennoch belegte der Vorjahres-Vierte aus Hamburg (mit 18 P.) nur Rang 12.
Schon verrückt! Noch zwei Jahre zuvor hatte der FC St.Pauli in der Bundesliga gespielt und Eintracht in der 3.Liga gekickt. Und nun …?!
Alle Beteiligten wussten im Voraus, dass es kein normales Fussballspiel werden würde. Die organisierten Fan-Szenen bundesweit hatten einen Stimmungsboykott für die nächsten drei Spieltage in den beiden Bundesligen beschlossen. Mit diesem Boykott protestierten sie gegen den Entwurf eines neuen Sicherheitskonzeptes der DFL mit dem Namen „sicheres Stadionerlebnis“, das der Willkür gegen bzw. der Gängelung und Kriminalisierung von Fans noch breitere Möglichkeiten einräumte (u.a. Ganzkörperkontrollen, Beschränkung der Auswärtskarten-Kontingente) und dem die Vereine in der Vollversammlung am 12.12.2012 zustimmen sollten. Passend zum Datum wollten die Fans die ersten 12 Minuten und 12 Sekunden schweigen.
Lieberknecht musste in diesem 50. Zweitliga-Punktspiel seit dem Aufstieg 2011 auf die verletzten Dogan, Correia und Kratz und den gesperrten (gelb/rote Karte in Cottbus) Theuerkauf verzichten und daher die Defensivabteilung umbauen. In der Viererkette standen nun Kessel, Bicakcic, Reichel und Bohl, davor agierten Pfitzner und Boland zentral. Aber auch St.Pauli war gehandicapt. Für den wegen der 5. gelben Karte gesperrten Torjäger Ginczek lief Ebbers auf.
Obwohl die Begegnung zur Fan-unfreundlichen Zeit um 17:30 Uhr stattfand, war das Stadionrund prall gefüllt. 21.400 Zuschauer bedeuteten „Ausverkauft“. Dennoch herrschte nach Anpfiff von Schiedsrichter Zwayer (Berlin) eine unheimliche Stille. Weder die Südkurve mit den Eintracht-Anhängern noch die Nordkurve mit den ca. 1.700 St.Pauli-Fans stimmte Gesänge an. Der Fan-Boykott wurde konsequent befolgt. So war auch bei der ersten Chance des BTSV, die Kruppke in der 9.Minute nach Vorarbeit von Kumbela ungenutzt ließ, nicht mehr als ein Raunen zu vernehmen. Aber dann! Nach 12 Minuten wurden die Sekunden runtergezählt und die Anfeuerungen setzten ein. Fast wären die Gesänge den „Löwen“-Fans im Hals stecken geblieben, aber Davari konnte einen Kopfball des St.Paulianers Schindler gerade noch entschärfen. Dass er die folgende Ecke der Hamburger unterlief … Schwamm drüber, da folgenlos!
Danach übernahmen die Blau-Gelben unter lautstarker Unterstützung ihrer Fans das Kommando auf dem Rasen. 14.Minute, Boland-Schuss - gehalten. 16.Minute, sehenswerte Kombination über Kumbela, Kruppke und GL Korte – geblockt, aber Ecke! Diese Ecke legte Kruppke ab auf Kumbela, der mit einem flachen Außenrist-Schuss ins rechte Torwarteck Gäste-Keeper Tschauner keine Chance ließ. Toooooor! 1:0! Kumbela! Bereits sein 8. Saisontreffer, mit dem er Mannschaftskapitän Kruppke (7 Tore) nun überflügelte. Kumbela machte als Torjubel den Roboter.
Bereits fünf Minuten nach der Führung folgte die nächste Schlüsselszene des Spiels. Der Hamburger Bartels foulte Kessel von der Seite kommend mit gestrecktem Bein und offener Sohle (22.). Schiri Zwayer zog sofort „Rot“ und schickte den Spieler vom Feld. Da die Begegnung bis zu diesem Zeitpunkt sehr fair verlaufen war, wäre auch „Gelb“ noch vertretbar gewesen, wie Eintracht-Manager Arnold in der Halbzeit in einem Interview feststellte.
Gegen die dezimierten Gäste kontrollierte Eintracht nun die Begegnung und machte das Spiel breit. Einziges Manko: Trotz eines Eckenplus von 7:2 zur Pause hatten sich die Blau-Gelben keine weitere Torchance erspielt. Von St.Pauli war sowieso nichts zu sehen gewesen. Das änderten die Fans der Hamburger in der Halbzeit. Sie veranstalteten eine „Pyro-Show“. Nett anzuschauen!
In der 2. Halbzeit standen die „Löwen“ etwas tiefer gestaffelt, agierten aber weiter souverän. Gefahr vor dem Eintracht-Tor? Fehlanzeige! Aber auch vor dem Tor der Braun-Weißen tat sich wenig. So plätscherte das Spiel dahin, bis der drei Minuten zuvor eingewechselte Ademi fast das zweite Tor erzielte. Gute Aktion, aber leider drüber (71.). Direkt im Gegenzug lag der Ball im Netz des BTSV (72.). Da Davari jedoch im 5m-Raum angesprungen worden war, fand der Treffer zu Recht keine Anerkennung. In der letzten Viertelstunde wurden die Blau-Gelben dann immer nervöser. Sichtbares Zeichen dieser Nervosität: Kessel holte sich innerhalb von 80sec 2x „Gelb“ ab und musste vom Platz (81.). Die Hansestädter konnten diese Phase allerdings nicht nutzen. Außer einer Abseitsposition (79.) und einer Schuss-Chance (87.) spielten sich keine kritischen Situationen in der Eintracht-Hälfte ab. Im Gegenteil! In den letzten Minuten bis zum Abpfiff nach 94 Minuten hätten die „Löwen“-Spieler mindestens einen weiteren Treffer nachlegen müssen. Drei 100%ige Konter-Chancen blieben aber ungenutzt.
Egal! Abpfiff! 1:0 gewonnen! Sieg! – Das allein zählt!
Wie in der Vorsaison und im letzten Aufeinandertreffen davor in der Aufstiegs-Saison 2004/05 wieder ein 1:0-Sieg gegen den FC St.Pauli.
Eintracht hatte damit allen Unkenrufern gezeigt, dass die Mannschaft durch die erste Saison-Niederlage nicht aus dem Rhythmus zu bringen war. Sie hatte die Tabellenführung in der 2. Bundesliga nicht nur verteidigt, sondern seine Aufstiegshoffnungen in Anbetracht der anderen Ergebnisse sogar vergrößert. Der 1.FC Kaiserslautern war bereits am Tag zuvor (Di) nicht über ein 1:1 gegen den Vorletzten Jahn Regensburg hinausgekommen, und Energie Cottbus hatte tatsächlich beim Tabellenletzten SV Sandhausen mit 1:3 verloren.
Vor dem Spiel der Hertha aus Berlin, das erst am Tag darauf stattfand (Do), hatte die Tabelle also folgendes Aussehen:
1.) Eintracht 37 Punkte
2.) Hertha BSC Berlin 32 Punkte
3.) 1.FC Kaiserslautern 32 Punkte
4.) Energie Cottbus 28 Punkte
5.) 1860 München 24 Punkte
5 Punkte Vorsprung vor dem Dritten und 9 vor dem Vierten! – Wer da in der Okerstadt noch nicht vom Aufstieg in die Bundesliga träumte, verdiente die Ausbürgerung!
Als Torsten Lieberknecht am Donnerstagabend mit seiner Frau im Restaurant beim Essen saß, zeigte ihm sein Handy eine SMS an. In dieser stand, dass Hertha zu Hause gegen den 1.FC Köln 1:1 gespielt habe. Eintracht hatte sich damit vorzeitig die Herbstmeisterschaft in der 2. Bundesliga gesichert! [Stand: November 2014]