1. Dezember
Eintracht – 1.FC Nürnberg 1:0 (1:0)01.12.2014
15. Spieltag 2. Bundesliga – 2014/2015
Nürnberg, Nürnberg? – Da war doch ´was!
Wer tatsächlich nachdenken musste, was ‚mit Nürnberg war‘ und wem sich nicht sofort bei dem Namen dieser Stadt der Magen zusammenzog, der KONNTE eigentlich kein wirklicher Eintracht-Fan sein!
In der vorangegangenen Bundesliga-Saison 2013/14 standen sich am 22.Spieltag der !.FC Nürnberg und Eintracht Braunschweig im Punktspiel gegenüber. Eintracht war nach dem Heimsieg gegen den HSV (4:2) gerade im Aufwind und führte in Nürnberg bereits mit 1:0, hatte nach einem Platzverweis einen Mann mehr auf dem Rasen und bekam sogar noch einen Elfmeter zugesprochen. Und was geschah? Elfmeter verschossen, kurz nach der Pause zwei Gegentore in kürzester Zeit kassiert, einen weiteren „Elfer“ nicht verwandelt und das Spiel mit 1:2 verloren. Und am Saisonende nach nur einjähriger Zugehörigkeit zur Belétage des Deutschen Fussballs wieder abgestiegen. – Für viele Eintracht-Fans war Nürnberg DAS richtungsweisende Spiel!
Allerdings hatte es auch der 1.FC Nürnberg nicht geschafft, die Klasse zu halten, und musste in der Saison 2014/15 wie der BTSV in der 2.Bundesliga antreten. Für den „Club“ war es bereits der (nach 1969, 1979, 1984, 1994, 1999, 2003 und 2008) 8.Bundesligaabstieg. Und nun kam es spät in der Hinrunde am 15.Spieltag in Braunschweig zum ersten Wiedersehen der beiden Vereine.
Eintracht schien den Abstieg besser verkraftet zu haben als der FCN. Nach einem durchwachsenen Start mit 11 Punkten nach 10 Partien hatten die „Löwen“ die letzten 4 Begegnungen alle gewonnen, davon 3x auswärts (bei 1860 München, Erzgebirge Aue und FSV Frankfurt), und damit den Abstand auf Platz 2 der Tabelle auf 2 Punkte reduziert. Kein Wunder also, dass die Jahreshauptversammlung des BTSV am 25.11. sehr harmonisch verlief. Eintracht war im Aufwind, wie auch die Überschrift in der Sportzeitschrift „Kicker“ wiederspiegelte: „Ein Aufschwung in allen Bereichen“.
Zum „Club“ titelte das Magazin auf derselben Seite „Sylvestr allein auf weiter Flur“ und wies damit auf die Offensivprobleme der Franken hin. Aber nicht nur dort stimmte es beim 1.FCN nicht. Nur 14 Punkte nach 13 Spieltagen (2 Punkte vor Platz 17) waren den Verantwortlichen Grund genug, um Trainer Ismael zu entlassen (10.11.), der erst vor der Saison von der U23 des VfL Wolfsburg verpflichtet worden war. Der Schweizer René Weiler übernahm (12.11.). Immerhin gelang es ihm in seinem ersten Spiel, sein neues Team zu einem 2:1-Sieg gegen den Tabellenersten FC Ingolstadt zu führen. Aber für die Ansprüche der Franken, die vor der Saison bei den Trainern der Zweitligisten als TOP-Favorit für den Aufstieg galten, durfte das nur der Anfang einer Serie sein. Platz 11 mit 17 Punkte, damit 6 weniger als der BTSV, entsprachen nicht den Zielen, die man angesichts der vielen hochkarätigen Neuverpflichtungen, u.a. Füllkrug (von Werder), Schöpf (Bayern U23), Sylvestr (Aue), in Nürnberg verfolgte.
Das Absteigerduell ließ sich der Sportkanal „Sport 1“ natürlich nicht entgehen und zeigte die Partie „live“ im TV. Für die „Löwen“ war es das erste „live“-Spiel der Saison. Da die Direktübertragungen aus der 2. Bundesliga immer montags stattfinden, waren die anderen 8 Partien am 1.12.2017, dem Spieltag, schon ausgetragen. Der Blick auf die Resultate löste Freude in Braunschweig aus. Zwar hatte Tabellenführer FC Ingolstadt sein Spiel (3:0 gg VfL Bochum) gewonnen, aber von den Verfolgern Fortuna Düsseldorf (0:2 beim VfR Aalen), Darmstadt 98 (0:0 gg KSC), 1.FC Heidenheim (0:0 bei Greuther Fürth, RB Leipzig (0:0 beim SV Sandhausen) und Karlsruher SC hatte keine Mannschaft voll gepunktet. Das bedeutete, dass Eintracht im Falle eines Sieges von Platz 7 auf Platz 2 springen würde.
Gründe für den Besuch der Partie gab es also genug. Außer der Hoffnung auf ein -- zumindest teilweises – Überwinden des Nürnberg-Traumas und der Chance auf Platz 2 trug sicherlich für einige „Löwen“-Getreue auch das ausführliche Interview im „Kicker“ vom Tage mit Trainer Torsten Lieberknecht zur Vorfreude bei. Eintrachts Trainer hatte dort zu Recht für den BTSV festgestellt, dass „gemessen an unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten wir im Norden der erfolgreichste Verein sind“.
21.315 Zuschauer (Heimbereich ausverkauft) wollten sehen, ob der Erfolgsweg des Deutschen Meisters von 1967 weiterging.
In Eintrachts Startelf Gikiewicz – Sauer, Correia, Reichel, Hedenstad – R.Korte, Theuerkauf, Boland, Zuck – Nielsen, Ryu fiel ein Name besonders auf: Sauer! Maximilian Sauer war eigentlich für Eintrachts U23 eingeplant, von Lieberknecht erst am Mittwoch vor dem Spiel zum Training der Profis geholt worden und sollte nun gleich den Gelbgesperrten (5 Gelbe Karten) Kessel als Rechtsverteidiger vertreten. Sein erster Zweitligaeinsatz!
Beim 1.FC Nürnberg bildeten Füllkrug und Sylvestr den Angriff. Im Tor stand Rakovsky. Torwart Raphael Schäfer, den Trainer Weiler zum Profiaufgebot zurückgeholt hatte, saß auf der Bank. Den Eintracht-Fans, die schlechte Erinnerungen an Schäfer hatten, war es recht.
Nach dem Anpfiff von Schiedsrichter Winkmann (Kerken) wurde schnell deutlich, dass sich beide Teams viel vorgenommen hatten. Die „Löwen“ griffen den ballführenden Gegner früh an und versuchten, schnell nach vorn zu spielen. Aber auch der „Club“ stellte sich nicht hinten rein, sondern spielte mit. So entwickelte sich ein interessantes, ordentliches Zweitligaspiel, dem bis zur 20.Spielminute nur die gefährlichen Szenen vor den Toren fehlten. Das änderte sich kurz danach. Obwohl die Nürnberger ihr Spiel umgestellt hatten, etwas tiefer standen und Eintrachts Spielaufbau nur mit 2 Spielern in der Hälfte der Blau-Gelben störten, waren sie es, die zu ersten nennenswerten Chancen kamen. 21.min Schuss von Polak, zur Ecke abgefälscht; 29.min Gikiewicz fängt gefährliche Hereingabe ab; 31.min wieder „Giki“ mit leichten Schwierigkeiten bei einem sog. Flatterball.
Erst danach wurden die „Löwen“ gefährlich. Den Anfang machte Ryu, der aber bei seiner Doppelchance aus spitzem Winkel Rakovsky auf dem Posten sah (33.). Nur 1 Minute später startete Eintracht einen Schnellangriff über Nielsen, der den Ball genau auf den Kopf des völlig frei stehenden Zuck flankte. Den Kopfball klärte Rakovsky zur Ecke (34.). ‚Schade! Dieser sehenswerte, toll vorgetragene Angriff wäre ein Tor wert gewesen!‘, dachten viele „Löwen“-Fans. Aber die Mannen in Blaugelb spielten nun zielstrebiger. ‚Da ging ´was!‘ Richtig! In Minute 38 spielte Hedenstad auf Zuck, der auf der linken Seite fast bis zur Grundlinie lief und den Ball zurück auf Nielsen legte. Dessen plazierter Schuss in die lange Ecke schlug unhaltbar für den Torwart im Nürnberger Tor ein. Tooooor! 1:0! Schon Nielsens 7.Saisontor! Jubel!
In den verbleibenden Minuten der 1.Halbzeit tat sich auf dem Rasen außer einem harmlosen Korte-Schuss nach der 4.Ecke für die Blau-Gelben nicht mehr viel. Für die Ränge galt das allerdings nicht. Die Südkurve stimmte den in der Aufstiegssaison 2012/13 kreierten und oft gesungenen Gesang „Traum von Liga 1“ an und beendete ihn erst nach fünf Minuten. Ja, träumen durfte man schon wieder ´mal! Pause!
Die 2.Hälfte begann mit einer Chance für Ryu, der seinen Gegenspieler austanzte, aber verzog (46.). Danach versuchte der FCN, Druck aufzubauen, und störte nun früher. Fast wäre er früh dafür belohnt worden. Nach 50 Minuten bekamen die Gäste einen Freistoß 22m zentral vor dem Eintracht-Tor zugesprochen, den Füllkrug ausführte. Der Schuss ging ganz knapp über die Latte und fiel auf das Tornetz. So blieb es bei der knappen Führung der „Löwen“.
Diese geriet auch lange Zeit danach nicht in Gefahr, obwohl der 1.FC Nürnberg zweifelfrei das aktivere Team stellte. Die Blau-Gelben, die sich immer weiter zurückzogen, verteidigten einfach clever und hätten die Führung sogar ausbauen können. Zweimal war es wiederum Ryu, der gute Chancen nicht nutzte. Bei der ersten kam er etwas seitlich versetzt frei vor dem Keeper an den Ball, schoss diesen aber an (60.). Im zweiten Fall zog er nicht rechtzeitig ab und ermöglichte einem Gegner daher, ihn mit grenzwertigen Mitteln am erfolgreichen Abschluss zu hindern (70.). Kurz darauf war für ihn Schluss. Bakenga kam auf den Platz (71.).
In der 74.Spielminute stockte den Eintracht-Fans dann aber doch der Atem. Eine unübersichtliche Situation im 16er der Blau-Gelben endete mit einem Kopfball, den Gikiewicz festhielt. „…Kämpfen bis zum Ende…!“ Die Eintracht-Fans wussten, wie sie die Mannschaft jetzt anfeuern mussten. Außerdem beruhigte der eigene Gesang die Nerven. Es war auch zu ärgerlich, dass die „Löwen“ die Kontermöglichkeiten nicht nutzten, sondern meistens schon früh verspielten.
In der 81.Minute gab es die Möglichkeit, sich abzulenken. Mark Pfitzner, der waschechte Braunschweiger Junge, wurde für Korte eingewechselt. „Pfitze, Pfitze!“, schallte es durch das Stadionrund. Irgendwie erhöhte allein seine Anwesenheit auf dem Platz die Zuversicht der „Löwen“-Fans auf einen Sieg.
Eintracht stand auch weiterhin tief in der eigenen Hälfte und ließ den Gegner kommen. Immer wieder rannten die Franken an, kamen aber außer einer Halbchance (87.) zu keinen gefährlichen Aktionen mehr. Die letzten beiden Minuten der regulären Spielzeit nutzten die Blau-Gelben dann dazu, das Spielfeld rund um die Eckfahne des FCN besser kennenzulernen. Es folgte noch eine 3minütige Nachspielzeit, die Trainer Lieberknecht mit dem dritten Wechsel (Kruppke für Nielsen) verkürzte. Schließlich war es vollbracht. Schiri Winkmann pfiff die Partie ab.
Sieg! Der BTSV hatte das Spiel mit 1:0 gewonnen, Revanche für das 1:2 aus der letzten Saison genommen und Platz 2 in der Tabelle erobert. Zudem war es der 5.Sieg in Folge!
In der anschließenden Pressekonferenz sprach Gäste-Trainer Weiler von einem „nicht unverdienten Sieg“ der Blau-Gelben. Sein Team sei die 2.Hälfte zwar besser gewesen, habe sich aber keine Chancen erspielt. „Löwen“-Bändiger Lieberknecht sah die Leistung seiner Mannschaft in Halbzeit 2 kritisch, lobte aber die Art, wie der Vorsprung verteidigt wurde.
Die Fans dagegen waren rundum zufrieden. Mit diesem Ergebnis ließ sich doch gut einschlafen. Eine nicht näher bezifferte Anzahl von ihnen verschob das Zubettgehen allerdings um das eine oder andere „Wolters“ nach hinten. Anfeuern macht durstig!
Egal, wann die Nachtruhe nun eintrat, der Blick auf die Tabelle am nächsten Tag wird jedem blaugelb Infizierten – ob müde oder nicht -- gut gefallen haben:
1.) FC Ingolstadt 30P. 2.) Eintracht 26P.
3.) Darmstadt 98 25P 4.) Fort. Düsseldorf 25P.
5.) 1.FC Kaisersltn. 25P. 6.) 1.FC Heidenheim 24P.
7.) RB Leipzig 24P. 8.) Karlsruher SC 24P.
Während die Fans also ihr Dasein als Anhänger des Clubs von der Oker richtig genossen, wird ein Spieler desselben Vereins den Tag wohl mit gemischten Gefühlen begonnen haben. Am Tag nach dem Spiel musste sich nämlich der dauerverletzte Torsten Oehrl einer weiteren Operation (rechter Fuß) unterziehen. Der im Sommer 2013 zum BTSV zurückgeholte Offensivspieler, der bereits in der Bundesliga-Saison häufig verletzt war und in der aktuellen Spielzeit überhaupt noch nicht auf dem Platz stand, würde den Blau-Gelben also weiter längere Zeit fehlen. Traurig für den Spieler und ärgerlich für den Verein zugleich! Eine Alternative weniger!
Im Abwehrbereich besaß Eintracht nun aber eine Alternative mehr, denn Sauer hatte als Rechtsverteidiger ein gutes Spiel gemacht. Angesichts von noch anstehenden 4 Punktspielen innerhalb von 18 Tagen bis zur Winterpause war das eine gute Neuigkeit.
´Mal sehen, was noch ging In Karlsruhe, gegen Union und Düsseldorf und in Heidenheim…!

[Stand: November 2018]