7. Dezember
Eintracht - VfL Osnabrück 2:1 (1:1)07.12.1985
20. Spieltag 2. Bundesliga - 1985/86
Im Punktspiel der 2. Bundesliga hatte Eintracht am ersten Spieltag der Rückrunde den VfL Osnabrück im Stadion an der Hamburger Straße zu Gast.
Viel Grund zur Freude hatten die "Löwen"-Fans in dieser Saison 1985/86 wahrlich nicht. Eintracht war im Sommer (zum dritten Mal) aus der Bundesliga abgestiegen und von seinem Saisonziel, dem direkten Wiederaufstieg, bereits zur Saisonhälfte meilenweit entfernt. Nach einem eigentlich ansprechenden Saisonbeginn mit 9:5-Punkten (2-Punkte-Wertung) bei nur einer Niederlage folgten sieben Spiele ohne Sieg. Den Tiefpunkt stellte dabei die 1:7-Schlappe bei Arminia Bielefeld am 10. Spieltag dar -- die höchste Zweitliga-Niederlage bis zum 3.5.2006 (0:7 beim KSC)! Zum Ende der Hinrunde belegte der BTSV mit 17:21-Punkten einen enttäuschenden 13. Tabellenplatz.
Der VfL Osnabrück dagegen konnte als Aufsteiger mit den erspielten 19:19-Punkten und Tabellenplatz 11 durchaus zufrieden sein und rechnete sich auch an diesem 7.12.1985 etwas aus. Immerhin hatte man den hochgehandelten Blau-Gelben bereits im Hinspiel einen Punkt abgenommen und dabei einen 1:3-Rückstand nach 70 Minuten aufgeholt (Endstand 3:3).
In den Reihen des VfL standen an diesem 20. Spieltag zwei spätere Eintracht-Spieler: Stefan Holze (Saison 1989/90 bis 1991/92) und Ulf Metschies (Saison 1991/92 bis 1992/93). Beide sollten eine besondere Rolle in der Begegnung spielen.
Nur noch etwa 5.000 Zuschauer wollten dieses letzte Heimspiel vor der Winterpause sehen. Sie sahen eine schwerfällig wirkende Eintracht-Mannschaft, die sich über eine Punkteteilung nicht hätte beschweren dürfen. Libero Hintermaier wirkte zu langsam und der Neuzugang im Sturm Ringov lieferte eine enttäuschende Leistung ab. Dennoch gelang nach dem frühen Gegentor von Holze (12.) durch Treffer von Plagge (15.) und Buchheister (76. Minute) ein 2:1-Sieg.
So weit, so gut !
Viel spektakulärer als das Spiel selbst waren jedoch die Vorgänge, die in der 87. Spielminute ihren Anfang nahmen. Tripbacher hatte den Osnabrücker Metschies übel gefoult. Es kam zu einer Rudelbildung, und nach deren Auflösung konnte Eintrachts Mittelfeldspieler froh sein, nur die gelbe Karte gesehen zu haben. Nach Spielende setzten sich die Auseinandersetzungen um das Foul fort und gipfelten schließlich darin, dass der Osnabrücker Trainer Rolf Grünther Tripbacher im Kabinengang mit einem Faustschlag zu Boden streckte. Vor Zeugen! Tripbacher stellte Strafantrag und gab zusätzlich an, bereits auf dem Platz einen Kopfstoß von Grünther erhalten zu haben.
Der Osnabrücker Trainer wurde daraufhin vom DFB für 3 Monate gesperrt. Besonders erfolgreich verlief Grünthers Trainerkarriere, die erst 1984 begonnen hatte, insgesamt nicht. Bereits 1991 verschwand er für immer von der Bildfläche.
Der Niederschlag eines Blau-Gelben war irgendwie bezeichnend für diese Katastrophensaison des BTSV. Zwei Tage später ging es mit der Unruhe schon weiter. Auf der Jahreshauptversammlung scheiterte die Wiederwahl von Präsident Mast mit 126:131 Stimmen. Das 90jährige Vereinsbestehen, das nur weitere sechs Tage danach stattfand, wurde vom Verein mehr oder weniger ignoriert. Große Feier? Fehlanzeige! Erst im März 1986 wurde mit Klaus Leiste ein neuer Präsident gewählt. In demselben Monat erfolgte die Entlassung von Eintrachts Trainer Willibert Kremer wegen Erfolglosigkeit. Am Saisonende fanden sich die "Löwen" schließlich mit 36:40 Punkten auf einem enttäuschenden 12. Tabellenplatz wieder.
"Abhaken", dachten sich die Eintracht-Fans, "schlimmer kann es nicht kommen." Es konnte! Nur eine Saison später stiegen die Blau-Gelben erstmalig in die Drittklassigkeit ab.