17. Dezember
1.FC Nürnberg – Eintracht 0:4 (0:2)17.12.1966
17. Spieltag Bundesliga -- 1966/67
Im letzten Spiel der Hinrunde der Bundesliga-Saison 1966/67 musste Eintracht beim 1.FC Nürnberg antreten.
Das Wetter wurde langsam schlechter. Die Vorboten des Winters hatten am vergangenen 16.Spieltag zu den ersten Spielausfällen geführt. In Köln, Meiderich, Dortmund und Kaiserslautern waren die Begegnungen abgesagt worden. In Braunschweig dagegen war gespielt worden. Man hätte es besser gelassen! Das unglückliche 0:0 gegen den Tabellenzwölften Rot-Weiß Essen hätte man sich und seinen Fans damit erspart. Nicht nur ein Punkt war futsch (2-Punkte-Wertung), sondern auch die Tabellenführung, die der BTSV seit dem 6.Spieltag meist innehatte. Nutznießer war der HSV, der nach seinem 3:1 gegen die Münchner Bayern nun auf 21:11 Punkte kam. Es folgte Eintracht mit 20:12, aber auch nur, weil der Namensvetter aus Frankfurt (19:11) wegen des ausgefallenen Spiels in Dortmund nicht hatte punkten können.
Auch das Spiel des FCN in Köln war dem Wetter zum Opfer gefallen. Die Nürnberger hatten daher tatenlos zusehen müssen, wie sie mit ihren 14:16 Punkten vom 11. auf den 13. Tabellenplatz abgerutscht waren. Der neue Trainer Vineze, der erst kurz zuvor Csaknady abgelöst hatte, wollte daher das letzte Spiel des Jahres nutzen, um das Punktekonto seiner Mannschaft und damit gleichzeitig den Abstand zu den Abstiegsplätzen zu erhöhen. Trotz einer eher durchwachsenen Heimbilanz (von 3 Siegen, 2 Unentschieden und 2 Niederlagen) standen die Vorzeichen nicht ungünstig, denn die Braunschweiger hatten (nach zuvor zwei Siegen) von ihren letzten fünf Auswärtsspielen keins mehr gewonnen. Drei Niederlagen beim HSV (9.SpT: 0:1), Bayern (11.SpT: 0:2) und 96 (13.SpT 2:4) und zwei magere 0:0 in Schalke (7.SpT) und Gladbach (15.SpT) waren nun wirklich nicht zum Fürchten. Dachte man in Nürnberg …
Nur etwa 15.000 Zuschauer wollten die Samstagsbegegnung sehen.
Eintracht begann, wie so häufig in den Auswärtsbegegnungen, eher defensiv und überließ dem FC die Spielgestaltung. Die Nürnberger waren daher optisch überlegen, aber vor dem Tor des BTSV nicht wirklich gefährlich. Ganz im Gegensatz zu den Kontern der Blau-Gelben! 36. Spielminute: 0:1 durch Hans-Georg Dulz nach Vorarbeit von Lothar Ulsass und Jürgen Moll ! – Pause!
Zum selben Zeitpunkt lag die Frankfurter Eintracht zu Hause gegen 1860 mit 0:2 zurück, und im Spiel von Fortuna Düsseldorf gegen den HSV hieß es 1:1. Sollte es etwa doch noch mit der Herbstmeisterschaft für die „Löwen“ klappen? Das bessere Torverhältnis hatten sie jedenfalls.
Die zweite Halbzeit bot zunächst dasselbe Bild. Eintracht verließ sich weiter auf seine Abwehr und konterte nach Möglichkeit. So auch wieder in der 64. Minute: Flanke Ulsass auf den Kopf des 1,67m großen Wolfgang Grzyb, Tor! 0:2!
Das Spiel war damit entschieden, aber noch nicht zu Ende. Angesichts des bevorstehenden Sieges gaben die Blau-Gelben ihre Defensivhaltung auf und agierten offensiv. Auch mit dieser Spielweise hatten sie Erfolg:
0:3 in der 70. Minute durch Ulsass mit einer Direktabnahme nach abgewehrtem Freistoß
0:4 in der 88. Minute durch Gerhard Saborowski nach einem Torwartfehler.
Kurz danach musste „Löwen“-Keeper Horst Wolter erstmals ernsthaft eingreifen. Hinter sich greifen musste er aber nicht.
Schlusspfiff ! Nürnberg 0, Braunschweig 4 !
Eintracht hatte wieder ein Auswärtsspiel gewonnen.
Gut, spielerischen Glanz hatten die Blau-Gelben nicht versprüht, aber clever gespielt und gnadenlos zugeschlagen. Außerdem war deutlich geworden, dass der BTSV mit seinen immer ´mal wieder offensiven Verteidigern einfach eine modernere Art von Fussball spielte als die Franken.
Und die Höhe des Siegs war besonders. Auch wenn das Endergebnis letztendlich zu hoch ausfiel, es war nun einmal der höchste Auswärtssieg der Eintracht seit Einführung der Bundesliga! Bisher galten das 4:1 beim KSC (Saison 65/66) und die beiden 3:0-Erfolge bei Schalke und bei Hertha (beide 64/65) als Rekord. – Das war nun Geschichte!
Und der Sieg kam auch genau zum richtigen Zeitpunkt. Sowohl der HSV (2:2) als auch der Namensvetter aus Frankfurt (3:3) hatten Unentschieden gespielt. Eintracht übernahm damit wieder die Tabellenführung (22:12) vor dem HSV (22:12) und den Frankfurtern (20:12) und war
H e r b s t m e i s t e r !!!
Wahnsinn ! Die Jungs aus der Okerstadt, aus dem „Zonenrandgebiet“ (=grenznah zur damals bestehenden DDR) waren Herbstmeister! Die Jungs, die in den ersten Spielzeiten immer als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt wurden, hatten an diesem 17.12.1966 Historisches vollbracht, alle sog. „großen“ Vereine aus Köln, Hamburg, München usw. hinter sich gelassen und die Herbstmeisterschaft errungen! Jeder, der es mit den „Löwen“ hielt, jubelte. Bisher war immerhin jeder Herbstmeister zum Ende der Saison auch Deutscher Meister geworden.
Erstmals sprachen nun auch die Eintracht-Spieler offen über das große Ziel:
Die Deutsche Meisterschaft!
[Stand: Januar 2014]

Eintracht – Union Berlin 4:3 (2:2)17.12.2012
19. Spieltag 2. Bundesliga – 2012/13
Was für eine Hinrunde in dieser Zweitligasaison 2012/2013! Was für emotionale Höhepunkte!
Immer wenn die Eintracht-Fans nach Spielen ihrer „Löwen“ glaubten, das gerade Erlebte lässt sich nicht mehr toppen, setzten die Spieler in Blau-Gelb auf dem Rasen noch einen drauf!
Auf das 1:0 zum Saisonauftakt gegen den großen 1.FC Köln folgte am 4. Spieltag das souveräne 3:0 beim VfR Aalen mit dem Sprechgesang „Wir holen 102 Punkte“. Zwei Spieltage später gelang der Mannschaft mit dem 1:1 bei 1860 München völlig verdient der erste Punktgewinn bei den anderen „Löwen“ nach 6 vergeblichen Anläufen (seit 1968) und damit der erste Punktgewinn in der Allianz-Arena überhaupt. Damit nicht genug! Wiederum nur zwei Spieltage danach trotzten die Blau-Gelben dem noch ungeschlagenen Aufstiegskandidaten 1. FC Kaiserslautern auf dem Betzenberg durch das unwiderstehliche Solo von Ademi mit dem 1:1 einen Punkt ab und blieben selbst weiter unbesiegt. Das nächste Highlight am 11. Spieltag. Mit Hertha BSC Berlin reiste Aufstiegsfavorit Nummer 1 an und musste sich beim immer noch an der Tabellenspitze thronenden BTSV mit einem 1:1 zufrieden geben. Es folgte der 14. Spieltag mit dem 3:0 gegen den zuvor auswärts noch unbesiegten Geheimfavoriten Ingolstadt 09. Die „Löwen“ blieben dadurch weiter unbesiegt und vergrößerten ihren Vorsprung auf den Tabellenzweiten auf 5 Punkte. Und das war es immer noch nicht. Am 18. Spieltag stand die Reise zum Rückspiel beim 1.FC Köln an, bei dem man in 22 Anläufen (Punktspiele! 20x Bundesliga, 2x 2.Bundesliga) gerade zweimal einen Teilerfolg erringen konnte und sonst immer als Verlierer vom Platz gegangen war. Eintrachts 1:0-Führung hatte der FC durch Tore in der 47. und – kurz vor Schluss -- 88. Minute gedreht, bevor Bikacic in der Nachspielzeit der Ausgleich gelang. Kollektives Durchdrehen im Fan-Block, Jubel ohne Ende!
Kaum zu glauben und nahezu unmöglich, dass dieses Erlebnis noch einmal übertroffen werden sollte. Aber dann reiste am 19.Spieltag die Mannschaft von Union Berlin zum letzten Spiel vor der Winterpause an …
Nach der überragenden Hinrunde mit 12 Siegen, 5 Unentschieden und nur einer Niederlage (1:3 am 15.SpT bei Energie Cottbus) führte der BTSV die Tabelle der 2. Bundesliga vor diesem 19. Spieltag souverän an und war der Bundesliga so nah wie noch nie seit dem (letzten) Abstieg im Sommer 1985. Der Vorsprung der Blau-Gelben auf Platz 2 betrug 2 Punkte, auf Platz 3, den Relegationsplatz, bereits 9 und auf Platz 4 sogar 12 Punkte.
Da der Privatsender „Sport 1“ (früher: DSF) die Eintracht-Begegnung gegen die Unioner zum Live-Spiel am Montagabend erkoren hatte, mussten alle anderen Teams bereits vorher antreten. Voller Genuss hatte der blau-gelbe Anhang in sich aufgesogen, dass weder der Tabellenvierte Energie Cottbus (0:3 bei Erzgebirge Aue) noch der Tabellendritte 1.FC Kaiserslautern (0:1 gegen Aufsteiger VfR Aalen) punkten konnte. Zwar hatte der Zweite Hertha BSC Berlin sein Spiel gewonnen und die „Löwen“ damit erstmalig seit dem 12.08.2012 von der Tabellenspitze verdrängt, aber wen störte das schon ernsthaft? Erstens konnte man das mit einem Sieg korrigieren und zweitens reichte auch der zweite Tabellenplatz am Saisonende zum direkten Aufstieg in die „Beletage“ des Deutschen Fussballs aus.




[alle vier Bilder von B.Grimm]

21.200 Zuschauer, unter ihnen auch eine vierstellige Anzahl von Union-Anhängern, sahen dem Spiel in froher Erwartung entgegen.
Natürlich gab es unter den Eintracht-Fans auch wieder einige Skeptiker, die warnend den Finger erhoben. Sie konnten dieses Mal allerdings auch mit einigen Fakten aufwarten. Union hatte aus den letzten sieben Partien 15 Punkte (4 Siege, 3 Unentschieden) geholt und sich damit auf den 5. Platz in der Tabelle vorgearbeitet. Sie lagen bereits „in Schlagdistanz“ zum Tabellendritten. Zudem war den Köpenickern in ihren letzten drei Auftritten in Braunschweig jeweils ein Sieg gelungen. Auch für Eintrachts letzte Heimniederlage in einem Punktspiel zeichneten sie verantwortlich (4.11.2011: 1:2). Und dann gab es da noch die „Aversion“ der Blaugelben gegen das letzte Heimspiel vor der Winterpause. In den letzten 10 Jahren gelang in diesen Spielen gerade 2x ein Sieg (bei immerhin 6 Niederlagen). Dazu passte, dass Trainer Lieberknecht noch kurzfristig – neben Dogan -- auf Kruppke und Theuerkauf (wegen „Magen/Darm“) verzichten musste. Es gab schon einmal bessere Ausgangssituationen! Vorsicht war also in der Tat geboten.
Bereits die 4. Spielminute schien den Pessimisten Recht zu geben. Bei der ersten Ecke für Berlin war Davari raus, aber nicht an den Ball gekommen und der Unioner Nemec hatte ins Tor geköpft. 0:1! Dass Union in dieser Saison nach einer Führung bisher kein Spiel verloren hatte, wollte niemand aus Eintrachts Fankurve hören, die Skeptiker erzählten es dennoch.
Die „Löwen“-Spieler auf dem Rasen ließen sich vom Rückstand scheinbar nicht beirren und versuchten, Druck zu machen. Dass ihnen bald danach schon der Ausgleich gelang, lag aber weniger am eigenen Spiel als an einem eklatanten Fehler von Union. Deren Stürmer Terodde wollte in der 10. Minute von jenseits der Mittellinie den Ball weit zum eigenen Torwart zurückspielen, schoss aber nicht hart genug. Domi Kumbela kam an den Ball, umspielte noch den Berliner Torwart und schoss von rechtsaußen zum Ausgleich ein. 1:1! Bereits Kumbas 10. Saisontor! Jubel bei den Eintracht-Fans. Die Skeptiker hielten die Klappe.
Die nächsten 10 Minuten spielten beide Mannschaften weiter zielstrebig nach vorn. Die sich ergebenden Chancen blieben jedoch ungenutzt. Danach plätscherte das Spiel vor sich hin. Ein Tor lag nicht in der Luft -- bis nach einem Klärungsversuch von Bicakcic gegen Terodde wiederum Nemec an den Ball kam. Schlenzer aus 17, 18 Metern hoch in das Tor! 1:2! Davari, der an der 5m-Linie stand, konnte nur hinterherschauen. Mist!
Wer erwartet hatte, Eintracht würde nun bis zur Pause in einen Schockzustand verfallen, sah sich getäuscht. Nun fighteten die Spieler erst recht. Sie erspielten sich Möglichkeiten und nahmen dabei in Kauf, dass Union mehr Räume bekam. Aus einem der gefährlichen Angriffe der Berliner entwickelte sich dann auch der erneute Ausgleich der „Löwen“. Konter in der 42. Minute über Pfitzner, Bohl und Ademi. Der dringt in den Strafraum ein und … wird gefoult. Ähnliche Situation wie im letzten Spiel beim FC Köln, identische Entscheidung des Schiedsrichters – Elfmeter! Aber wer sollte nun schießen? Den Elfer in Köln hatte „Pfitze“ vergeben. Kruppke fehlte, und auch „Kumbas“ letzter Elfmeterschuss war nicht erfolgreich gewesen. Egal, Kumbela schnappte sich den Ball und schoss wuchtig links halbhoch ein. Toooor! Der erneute Ausgleich! 2:2! Kumbas 11. Treffer, mit dem er die Führung in der Torjägerliste der 2. Bundesliga übernahm.
Kurz danach war Pause. Durchschnaufen!
Die 2. Halbzeit war nicht einmal 60 Sekunden alt, da konnte sich der BTSV bereits beim Fussball-Gott bedanken. (Zweifelhafter) Freistoß für Berlin rechts am Strafraum, ein Unioner kommt im 5er an den Ball und köpft … Davari direkt ans Bein. Von da prallt der Ball zur Ecke, die nichts einbrachte. Puuh!
Kurz danach bekam auch Eintracht endlich seine erste Ecke. Verdaddelt! Dem standen 10 Minuten nach dem Wechsel bereits 5 Ecken und eine Gelbe Karte für Union gegenüber. Das Ergebnis war aber noch dasselbe. Noch! 56. Minute, „Löwen“-Angriff über den Chinesen Zhang und Boland. Steilpass in den Strafraum, wo Kumbela gestartet war und den Ball knapp vor dem 5er erreichte. Schuss mit rechts ins linke Eck! Tooooooor! 3:2! Spiel gedreht! Und das vor der Südkurve! Jubel! Eintrachts Torjäger hatte zum 12. Mal zugeschlagen.
In der Folgezeit verdienten sich die „Löwen“ die Führung nachträglich mehr und mehr. Sie dominierten das Spiel und erspielten sich weitere Chancen (Kumbela 2x, Bohl, Pfitzner). Von Union kam nur noch wenig. Pfitzner war nun im zentralen Mittelfeld sehr präsent und auch „Ersatzspieler“ Kessel wurde rechts immer stärker. Er war auch Ausgangspunkt des nächsten Tores. Nach einem Foul an ihm an der Außenlinie trat Mirko Boland in Minute 75 den Ball mit links in den Strafraum. Ein Berliner kam mit der Fußspitze dran, veränderte die Flugbahn des Balles aber nur wenig. Der entschließt sich, an den linken Pfosten und von dort ins Tor zu springen.



4:2! 4:2! 4:2! Was kann es Schöneres geben, als Fan des BTSV zu sein?
Boland spielte wieder Baby, indem er die Hose bis zu den Achseln hochzog, und hüpfte danach Lieberknecht in die Arme. So will man das sehen als „Löwen“-Fan!
Bis zur 90. Minute tat sich anschließend recht wenig. Aber dann! Offensichtlich hatten die Blau-Gelben die Begegnung schon als gewonnen abgehakt, als Reichel unglücklich klärte bzw. einem Unioner vorlegte und dieser Davari aus spitzem Winkel exakt nach 90:00 Minuten tunnelte. 4.3, überflüssig! Nun galt es also noch, die Nachspielzeit von zwei Minuten zu überstehen.
Nach kurzen Herzrhythmus-Störungen und exakt 93:04 Spielminuten war es geschafft. Eintracht hatte sein Spiel gegen Union Berlin mit 4:3 gewonnen.
Der BTSV hatte damit 44 Punkte erspielt und die Tabellenführung zurückerobert. Hertha lag mit 42 Punkten auf Platz 2 vor dem 1.FC Kaiserslautern mit 32 Punkten. Auf Platz 4 folgte Energie Cottbus mit 29 Punkten.



44 Punkte nach 19 Spielen! 12 Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, der immerhin noch zu Entscheidungsspielen gegen den Drittletzten der Bundesliga führen würde! 15 Punkte Vorsprung auf Platz 4! – Da musste doch einfach ´was in Sachen 1. Bundesliga gehen, auch wenn sich die Vereinsführung (vernünftigerweise) noch mit Aussagen zurückhielt.
Jedenfalls stand für die „Löwen“-Fans eine Sache fest. Das schönste Weihnachtsgeschenk hatten sie bereits eine Woche vor Heiligabend erhalten.
Angeblich soll auf verschiedenen Weihnachtsbäumen anstelle des Sterns an der Spitze die ausgeschnittene und mit Silberpapier veredelte Zweiligatabelle gesichtet worden sein.
[Stand: Januar 2013]