18. Dezember
Mittelfeldspieler Bernd Dörfel18.12.1944
Ein Löwengeburtstag
Bernd Dörfel wurde am 18.12.1944 in Hamburg geboren. Gemeinsam mit seinem Bruder Gert stand er ab Einführung der Bundesliga im Sommer 1963 im Profikader des Hamburger SV.
1968 konnte sich Eintracht die Dienste des Mittelfeldspielers sichern, der zu diesem Zeitpunkt schon deutscher Nationalspieler war. Grund für den Wechsel soll der Umstand gewesen sein, dass der HSV eine Geldforderung von Dörfel in Höhe von 200 DM (!) nicht erfüllen wollte.
Bernd Dörfel zählt gemeinsam mit Elfert (bereits 1967 von Bor. M"Gladbach) und Weiss (vom VfB Stuttgart) zu den ersten Fussballspielern von nationaler Klasse, die der BTSV verpflichten konnte. Noch zwei Jahre zuvor wäre kein Fussballspieler, der sein Können bereits nachgewiesen hatte, bereit gewesen, zu der als graue Maus angesehenen Eintracht aus Braunschweig zu wechseln. Die Meisterschaft 1967 sowie die seriöse Vereinsführung bei den Blau-Gelben hatten zu einem Umdenken geführt.
Bernd Dörfel spielte zwei Spielzeiten bei den "Löwen". Die erste Saison 1968/69 verlief für ihn und die ganze Mannschaft sehr erfolgreich. Dörfel kam in allen 34 Spielen zum Einsatz und erzielte dabei 4 Tore. Gemeinsam mit den anderen Mittelfeldakteuren Ulsass und Polyfka sorgte er dafür, dass Eintracht viele Gegner dominierte. Der BTSV schloss die Saison mit einem guten 4. Tabellenplatz ab.
Auch international war es für Dörfel ein sehr erfolgreiches Jahr. Zwischen September 1968 und September 1969 absolvierte er 11 (seiner insgesamt 15) Länderspiele. Darunter waren vier WM-Qualifikationsspiele.
Die folgende Saison 1969/70 verlief für Dörfel weniger erfolgreich. Er stand nur in 17 Begegnungen auf dem Platz und blieb dabei torlos.
Im Sommer 1970 wechselte Bernd Dörfel in die Schweiz zu Servette Genf, wo er bis 1973 am Ball war. Nach einem Kreuzbandriss beendete er bereits als 29jähriger seine Karriere als Fussballspieler – auch deshalb, weil er den Fussball inzwischen als "moderne Sklaverei" ansah.
Bernd Dörfel, der nie verheiratet war, behielt seinen Wohnsitz in der Schweiz. Im Jahr 2003 kehrte er nach Hamburg zurück, um seine Mutter bis zu ihrem Tod zu pflegen. In der örtlichen Presse erregte er noch einmal im Jahr 2008 Aufmerksamkeit, als er sich ein Wohnmobil kaufte, seine Wohnung auflöste und eine Rundreise durch Deutschland und Italien startete, die ihn am Ende wieder in die Schweiz führen sollte.

Chile - Deutschland 2:1 (0:1)18.12.1968
Freundschafts-Länderspiel
Zur Südamerika-Reise der Nationalmannschaft hatte Bundestrainer Helmut Schön vier Spieler der Braunschweiger Eintracht mitgenommen. Im zweiten Spiel dieser Reise am 18.12.1968 kamen alle vier zum Einsatz. Wolter, Ulsass und Gerwien standen in der Startformation, Bernd Dörfel wurde später eingewechselt. Es blieb bis zum heutigen Tag das einzige Länderspiel, in dem vier Spieler von Eintracht das Dress der Nationalmannschaft trugen.
Gegner war die Mannschaft von Chile. Das Spiel fand in Santiago vor 50.000 Zuschauern statt. Es wurde ein Skandal-Spiel!
Schiedsrichter der Begegnung war kurioserweise ein Chilene. Dass dieser ein Länderspiel der eigenen Nationalmannschaft leiten durfte, hatte der DFB auch sich selbst zuzuschreiben. Immerhin hatte man diesem Vorschlag zugestimmt.



Zunächst begann das Spiel normal. Lothar Ulsass schoss das deutsche Team nach acht Minuten in Führung. Danach beeinflusste jedoch der Schiedsrichter den Ablauf des Spiels entscheidend. Etwa 15 ungerechtfertigte Entscheidungen gegen die Deutschen mit einem Platzverweis gegen Netzer führten letztendlich dazu, dass die Chilenen in der 2. Halbzeit ausgleichen und 10 Minuten vor Schluss den Siegtreffer zum 2:1 erzielen konnten. Von einem "Freundschafts"spiel konnte zudem keine Rede sein.