19. Dezember
Abwehrspieler Ken Reichel19.12.1986
Ein Löwengeburtstag
Ken Reichel wurde am 19.12.1986 in Berlin geboren. Bis zu seinem 18.Lebensjahr wohnte er in Berlin-Neukölln.
Mit Vereinsfussball begann Ken extrem früh. Schon 1988 schloss er sich den „Minis“ der SV Rudow an. Später wechselte er zu Tasmania-Gropiusstadt, dem Nachfolgeverein von Tasmania Berlin. Dieser Verein genießt den Ruf, seinen Jugendlichen neben Hertha BSC und TeBe die beste Ausbildung von allen Berliner Vereinen angedeihen zu lassen. Ab der C-Jugend hatte er dort auch seinen Vater als Trainer. Während der Saison 2004/05 nahm Ken das Angebot des HSV an, in dessen 2. Mannschaft zu spielen und zog in die Hansestadt. Bis zur Spielzeit 2006/07 absolvierte er dort 35 Punktspiel-Einsätze (2 Tore), wobei er erst in seinem letzten Jahr (mit 23 Spielen/2 Toren) richtig durchstartete.
In dieser Zeit muss er auch Benno Möhlmann aufgefallen sein, den der BTSV für die Saison 2007/08 als Trainer in der Hoffnung verpflichtet hatte, dass er den durch den Zweitliga-Abstieg und die Umstände drumherum ramponierten Ruf des Vereins wieder aufpolieren würde. Eintracht konnte den Linksfuß von einem Wechsel überzeugen und ließ ihn am 7.6.2007 einen 2-Jahres-Vertrag (bis 30.6.2009) unterschreiben. Reichel war da bereits der zehnte Neuzugang der Blau-Gelben. Zuvor hatten unter anderem schon Matthias Henn und Deniz Dogan unterschrieben.
Die Regionalliga-Saison 2007/08 verlief für den Abwehrspieler, der die Rückennummer 19 erhalten hatte und gleich in den fünfköpfigen Mannschaftsrat gewählt wurde, eher enttäuschend. Zwar war er in der Vorbereitung sowohl beim Sieg im Sparkassen-Supercup gegen Hannover 96 (1:0) als auch beim 7:0 gegen den griechischen Erstligisten PAOK Saloniki dabei und schoss hier sogar das 1:0, in der Liga kam er jedoch nur auf 7 Einsätze (2x eingewechselt, 0 Tore). Eine ziemlich früh erlittene Wadenverletzung, Verunsicherung, eigene Fehler sowie weitere kleinere Blessuren waren die Ursachen.
Auch bedingt durch den Trainerwechsel von Möhlmann zu Lieberknecht kam Reichel in der Folgesaison 2008/09, in der die „Löwen“ dank ihres Endspurts zum Ende der vergangenen Saison und der gütigen Mithilfe des VfB Lübecks nun doch in der neu geschaffenen 3.Liga antreten durften, zu mehr Einsätzen. Von den ersten 16 Punktspielen versäumte er lediglich eins wegen einer Gelb-Sperre und war auch danach noch als Linksverteidiger gefragt. Allerdings nur bis zur zweiten Partie nach der Winterpause. Dort erlitt er einen Innenbandriss, der ihn fast die gesamte Restrunde kostete. Am Ende standen für den 1,86m großen Abwehrspieler, der im Kindesalter Roberto Carlos zum Vorbild hatte, 19 Einsätze (immer Startelf; 0 Tore) in der Statistik. Die Verantwortlichen von Eintracht hatte Reichel dabei überzeugt. Sie verlängerten seinen Vertrag kurz vor Saisonende (am 14.5.2009) um 2 Jahre.
Auch in der Saison 2009/10 war für Eintracht wieder 3. Liga angesagt -- und für Reichel erst einmal meist die Ersatzbank. Die Blau-Gelben hatten Norman Theuerkauf für die Position des linken Verteidigers verpflichtet und der „Neue“ genoss erst einmal einen Bonus. Im Laufe der Rückrunde setzte sich aber „ChicKen“, wie ihn seine Mannschaftskameraden (nach einer Idee von Tim Danneberg in Hinblick auf Oliver Pochers Broiler „Ken Chicken“) nannten, mehr und mehr durch. So kam er am Ende immerhin noch auf 26 Einsätze (10x eingewechselt; 0 Tore).
Da die „Löwen“ den Aufstieg in die 2.Bundesliga als Vierter knapp verpasst hatten, hieß es für sie und Reichel im Sommer 2010 zum dritten Mal -- 3.Liga! Was zu dem Zeitpunkt noch keiner wusste: Die Spielzeit 2010/11 sollte bis zum heutigen Tag Eintracht letzte in der Drittklassigkeit bleiben. Die „Löwen“ wurden als einziger der drei Aufstiegsfavoriten (Kickers Offenbach, SV Sandhausen und der BTSV mit je 12 Trainer-Nennungen) ihrer Favoritenrolle gerecht und stellten bereits sechs Spieltage vor Saisonende den Aufstieg sicher! Ken hatte sich mittlerweile auf der Position des Linksverteidigers endgültig durchgesetzt und stand in 35 der 38 Punktspiele auf dem Platz, immer in der Startelf. Am 25.Spieltag gelang ihm dann auch sein erster Punktspieltreffer für die Blau-Gelben. Beim 2:0-Heimspielsieg gegen Jahn Regensburg erzielte er die Führung. Vier Tage nach dem Aufstieg durch das 1:0 bei der SpVgg Unterhaching (14.4.2011) verlängerte „ChicKen“ seinen auslaufenden Vertrag beim BTSV um weitere zwei Jahre. Die Verantwortlichen von Eintracht wussten, was sie an ihrem Linksverteidiger hatten! Während Reichel in der „Rangliste des Deutschen Fussballs“ für die 3.Liga der Sportzeitschrift „Kicker“ auf seiner Position (Außenbahn defensiv) bei Saisonhalbzeit noch im „Blickfeld“ aufgeführt wurde, belegte er am Saisonende in der Rubrik „Herausragend“ Platz 1. Besser ging nicht!
In der Zweitliga-Saison 2011/12 erreichten die Blau-Gelben mit Platz 8 am Saisonende alle ihre Ziele. Auch Eintrachts Nummer 19 konnte sehr zufrieden sein. Zum einen stand er in 33 Begegnungen in der Startelf (0 Tore). Lediglich eine „Gelb“-Sperre (nach 5 Gelben Karten) direkt nach der Winterpause am 20.Spieltag verhinderte eine komplette Saison. Zum anderen hielt der „Kicker“ seine Leistungen erneut für erwähnenswert. In der „Rangliste“ für die 2.Bundesliga tauchte er sowohl bei Halbzeit als auch am Ende im „Blickfeld“ auf.
Wenn die Saison 2011/12 in der 2.Bundesliga vom BTSV und seinen Fans schon als „erfolgreich“ bezeichnet wurde, fällt es schwer, für die Spielzeit 2012/13 überhaupt ein geeignetes Adjektiv zu finden. Denn Eintracht schaffte im Sommer 2013 sensationell den Auuuufstiiiieg in die 1.Bundesliga als Zweiter der Abschlusstabelle (hinter Hertha BSC). Ken Reichel trug erheblich zum Erfolg mit bei. Vollkommen zu Recht stufte der „Kicker“ seine Leistungen auf der defensiven Außenbahn zur Winterpause als „Herausragend“ an zweiter Stelle ein. Bis zur 10.Minute des 25. Spieltags, an dem Eintracht (2.) den direkten Verfolger 1.FC Kaiserslautern (3.) empfing, hatte der „Löwen“-Linksverteidiger keine Punktspielminute versäumt (0 Tore). Dann „erwischte“ es ihn bei einem Pressschlag – Innenbandriss, Auswechslung, Saisonende! Zu den Aufstiegsfeiern war „ChikKen“, der seinen Vertrag beim BTSV bereits am 27.2.2013, also wenige Tage vor seiner Verletzung, um 3 Jahre (bis 30.6.2016) verlängert hatte, wieder fit.
Absolut fit ging Reichel auch in Eintrachts erste Bundesliga-Saison seit 28 Jahren. Ken begann die Spielzeit 2013/14 natürlich erneut als Stammspieler. Als einziger „Löwen“-Kicker hatte er nach 10 Spieltagen noch keine Minute versäumt. Auch beim ersten Saisonsieg am 8.Spieltag beim VfL Wolfsburg (2:0) stand er auf dem Platz. Wie schnell Reichel die linke Außenbahn tatsächlich rauf und runter rannte, wurde am 10.Spieltag beim unglücklichen 2:3 gegen Schalke 04 deutlich. Mit 35,53 km/h erreichte er die höchste gemessene Geschwindigkeit aller Bundesliga-Profis in der Hinrunde (vor Aubameyang, BvB, mit 35,11 und Sam, S04, mit 35,04 km/h). Am Spieltag darauf (1:0 gg Bayer Leverkusen) war es dann mit dem Sprinten aber erst einmal vorbei. Erneut hatte es ihn am Knie erwischt, wieder am Innenband. Zwangspause! Anfang Dezember folgte noch ein Eingriff am Meniskus. Zur Rückrunde meldete sich Reichel gesund zurück und fehlte anschließend bis zum Saisonende lediglich in einer Partie (26.SpT), wiederum aufgrund von Kniebeschwerden. Bei den Siegen gegen den HSV (4:2 am 21.SpT), gegen Mainz 05 (3:1 am 27.SpT) und Hannover 96 (3:0 am 29.SpT) wirkte er aber mit. Dazwischen war ihm sein bis heute einziger Bundesligatreffer gelungen. Beim 1:1 am 28.Spieltag bei Bayer Leverkusen netzte er mit einem fulminaten Schuss von der linken Seite zur Führung für die Blau-Gelben ein. Am Saisonende war Eintracht zwar – erwartungsgemäß – wieder aus der Bundesliga abgestiegen, Reichel durfte sich aber „Bundesligaspieler“ nennen (27 Spiele, immer Startelf/1Tor). Ob er das erwartet hatte, als er im Sommer 2007 zum BTSV kam??
Wieder zurück in der 2.Bundesliga, brachte „ChicKen“ weiterhin seine Leistung. Bis zur Winterpause der Zweitligasaison 2014/15 stand er in allen 19 Punktspielen auf dem Rasen und erzielte dabei, schau an, drei Treffer. Torgefährlich wird er jetzt auch noch!
Bleibt er verletzungsfrei, was ihm alle „Löwen“-Fans wünschen, ist also zu erwarten, dass Ken seinen 7 Regionalligaeinsätzen (0 Tore), den 80 Spielen in der 3.Liga (1 Tor), den 77 Zweitliga-Einsätzen (3 Tore) und den 27 Bundesligaspielen (1 Tor) nicht nur weitere Punktspiele, sondern auch weitere Tore folgen lassen wird.
Bei 191 Punktspielen und 5 Toren muss noch lange nicht Schluss sein, ChicKen !!
Wer mehr über Ken Reichel wissen möchte, sollte auch in den „Eintracht aktuell“–Heften des 33.Jahrgangs Nr.9 (Interview), des 34.Jg./Nr.6 (Interview), des 36Jg./Nr.5 (VorstellungsInterview), des 37.Jg./Nr.8 („Face[book]-Reporter fragen“) und des 38.Jg./Nr.6 („Dribbling“) nachlesen.
[Stand: Januar 2015]