21. Dezember
Mittelstürmer Günter Keute21.12.1955
Ein Löwengeburtstag
Günter Keute wurde am 21.12.1955 in Arnsberg-Voßwinkel geboren.
Im Sommer 1980 wechselte er von Husten 09 zu Eintracht. Er zählte damit zu den zahlreichen neuen Spielern, die Trainer Maslo geholt hatte, um Eintracht nach dem (zweiten) Abstieg wieder zurück in die Bundesliga zu führen. Keute wurde in dieser Saison 1980/81 in 32 (von 42 möglichen) Punktspielen eingesetzt und erzielte dabei 7 Tore. Auch in den Aufstiegsspielen gegen Kickers Offenbach (0:1 und 2:0) stand er auf dem Platz und durfte mit seinen Mannschaftskameraden den direkten Wiederaufstieg feiern.
Keute blieb drei weitere Jahre bei den 'Löwen'. Auch in der Bundesliga kam er regelmäßig zum Einsatz (1981/82: 21; 1982/83: 26; 1983/84: 27 Einsätze) und erzielte dabei 14 Tore. Seine persönlich erfolgreichste Saison absolvierte er 1982/83 mit sieben Treffern. U.a. erzielte er das goldene Tor am 4. Spieltag zum Auswärtssieg bei Eintracht Frankfurt, traf am 8. Spieltag zum Endstand von 1:1 bei Bayern München und steuerte zwei Treffer zum 3:1-Sieg am 11. Spieltag gegen Werder Bremen bei.
Günter Keute war kein Mann der filigranen Technik oder des überragenden Abschlusses. Trotzdem war er sehr beliebt. Er tat genau das, was die Eintracht-Fans von einem ihrer Spieler erwarten: Er kämpfte immer bis zum Umfallen! (Zitat Trainer Maslo: 'Der Günter kämpft wie kein anderer.')
... und dabei kassierte er keine einzige gelbe oder rote Karte !!

Eintracht – TSG Hoffenheim 1:0 (1:0)21.12.2013
17. Spieltag Bundesliga – 2013/14
Eine Premiere stand an! Am 17.Spieltag der Bundesliga-Saison 2013/14 empfing Eintracht das Team von der TSG 1899 Hoffenheim. Gegen diese Mannschaft hatten die „Löwen“ niemals zuvor ein Punktspiel bestritten.
Nach dem 12.Spieltag hatte alles wieder so gut ausgesehen für den BTSV! Zugegeben, nach dem Aufstieg im Sommer 2013 hatte es eine Weile gedauert, bis die Blau-Gelben richtig in der Bundesliga angekommen waren. Aber insbesondere die Siege beim VfL Wolfsburg (8.SpT, 2:0) und gegen Bayer Leverkusen (11.SpT, 1:0) hatten der Mannschaft gezeigt, dass sie mithalten kann. Und dann errang das Team bei den ungeliebten 95+1 - Kickern aus der Landeshauptstadt mit dem 0:0 auch noch einen Achtungserfolg und gab dadurch die „Rote Laterne“ des Tabellenletzten erstmalig seit dem 2.Spieltag wieder ab. ‚Vielleicht war das Saisonziel, der Klassenerhalt, doch zu erreichen.‘, dachten sich die Fans.
Leider gingen die folgenden vier Partien allesamt verloren. Besonders die Heimniederlagen gegen den SC Freiburg (13.SpT, 0:1) und gegen Mitaufsteiger Hertha BSC (15.SpT, 0:2) taten richtig weh, weil man sich gegen diese Teams etwas ausgerechnet hatte. Auch die Höhe der Niederlage beim FC Augsburg (16.SpT, 1:4) war so nicht zu erwarten gewesen, während das zwei Spieltage zuvor erlittene 0:2 bei den souverän in Richtung Meisterschaft marschierenden Bayern eher als selbstverständlich angesehen wurde.
Eintracht war also erneut Tabellenletzter, und das bereits wieder seit dem 13.Spieltag. Da die anderen Abstiegskandidaten diese Phase der Saison jedoch ebenfalls nicht zu großen Punktgewinnen nutzen konnten, besaßen die Okerstädter immer noch Tuchfühlung zum Relegationsplatz 16. Nach dem 16.Spieltag sah die Tabelle am unteren Ende wie folgt aus:
15.) Eintracht Frankfurt 14 Punkte, 16.) SC Freiburg 11 Punkte,
17.) 1.FC Nürnberg 10 Punkte, 18.) Eintracht 8 Punkte.
Was den „Löwen“ – neben dem geringen Abstand zu den anderen unten plazierten Mannschaften – zusätzlich Mut machen sollte, war der Umstand, dass die Teams aus Frankfurt, Freiburg und Nürnberg alle noch keinen Heimsieg erringen konnten, alle aber zu Hause antreten mussten. Der 1.FC Nürnberg war zudem (bei 10! Unentschieden und 6 Niederlagen) bisher gänzlich ohne „Dreier“ geblieben.
Die Chancen standen also nicht schlecht, dass der BTSV im Falle eines Sieges wieder voller Hoffnung in die Winterpause gehen konnte. Unbesiegbar schien die TSG zudem nun wirklich nicht zu sein.
Die TSG war in Hoffenheim zu Hause, einem Ortsteil von Sinsheim mit etwa 3.000 Einwohnern. In diesem Verein hatte auch Dietmar Hopp, der milliardenschwere Besitzer der Software-Firma SAP, in früheren Zeiten Sport getrieben. Der Verein pendelte bis zur Saison 1990 immer zwischen Kreisliga und Bezirksliga. Höherklassig hatte die Fussballmannschaft niemals gekickt, was auch die Erklärung dafür war, dass der BTSV nie zuvor auf diesen Verein traf. Nachdem die TSG 1989 wieder einmal in die Kreisliga abgestiegen war, machte Hopp seinen Plan wahr, den Verein zu sponsern, zu pushen und zur Werbebühne für seinen Betrieb zu machen. Er lockte begabte(re) Fussballer zum Verein und investierte in den Folgejahren massiv in die Infrastruktur durch Bau einer (Anfang 2009 eröffneten) Fussballarena (in Sinsheim) und eines erstklassigen Trainingsgeländes. Dem direkten Wiederaufstieg in die Bezirksliga folgte ein paar Jahre später den Sprung in die Landesliga und im Sommer 2000 der Aufstieg in die Oberliga, der damals vierthöchsten Spielklasse. Danach ging alles dank weiterhin fließender Hopp-Millionen ganz schnell: 2001 Aufstieg in die Regionalliga Süd, nach 6 Spielzeiten (mit den Plazierungen 13, 5, 5, 7, 4 und 2) im Jahr 2007 Aufstieg in die 2. Bundesliga und bereits nach nur einer Saison 2008 der Einzug in die Bundesliga mit Ralf Rangnick als Trainer, dessen Liebe zu Kunstprodukten im Fussball später durch sein Engagement bei RB Leipzig erneut deutlich wurde.
Natürlich wurde Hopp mit seinem Verein von allen Fussball-Traditionalisten angefeindet. Nach Bayer Leverkusen und dem VfL Wolfsburg war die TSG Hoffenheim, die das Gründungsjahr 1899 im Jahr 2008 mit in den Vereinsnamen aufnahm, um so etwas wie Tradition zu heucheln, der dritte Verein, der nur ein Marketing-Instrument eines Großunternehmens darstellte. Wieviele Kunstprodukte sollten noch folgen und den eigentlichen Fussballclubs die Plätze in den höheren Ligen wegnehmen? Man musste sich wehren! Viele Fanszenen taten das mit Transparenten und Sprechchören. Hopp selbst zeigte sich recht dünnhäutig und rief, wann immer möglich, nach dem „Rechtsstaat“. Fast komische Züge nahm die Sache im Herbst 2008 an, als tatsächlich der Fan eines Vereins, der ein Bild Hopps hochhielt, das diesen im Zentrum eines Fadenkreuzes zeigte, von Dietmar Hopp angezeigt wurde und der DFB für diese Reaktion großes Verständnis äußerte. Warum eigentlich? Aufruf zur Gewalt? Hopp befand und befindet sich nun einmal `mitten im Fadenkreuz der Kritik`. Und als ‚Person des öffentlichen Lebens‘ muss er solche hinnehmen. Das wird sich auch durch einen unternehmerfreundlichen DFB nicht ändern! Die Staatsanwaltschaft Mannheim musste sich schließlich mit Hopps Anzeige doch nicht beschäftigen, da der Unternehmer sie nach der Entschuldigung des betreffenden Fans zurückzog.
Dass jedoch Hopps Mitarbeiter Probleme mit dem Einhalten von Rechtsvorschriften haben, wurde im Heimspiel der TSG gegen den BvB vom 13.8.2011 deutlich, als der Gästefanblock mit ohrenschädlichen Pfeifftönen beschallt wurde. Es soll nicht das einzige Spiel gewesen sein, in dem Hoppenheims Mitarbeiter auf diese Art Schmährufe gegen ihren Chef unterdrücken wollten. Bereits in der Vorsaison soll das für diesen Zweck notwendige Gerät bei 4 Partien aufgebaut gewesen sein.
Die Mannschaft der TSG ließ sich aber von den Anfeindungen nicht beeindrucken und spielte auch in der Bundesliga eine ordentliche Rolle. Die Hinrunde nach dem Aufstieg dominierte man sogar und führte die Tabelle mit 35 Punkten vor dem punktgleichen FC Bayern München an. Am Saisonende war man Siebter. Auch die folgenden drei Spielzeiten beendete man jeweils als Tabellenelfter zufriedenstellend. Erst in der Saison 2012/13 geriet das Konstrukt der TSG in sportliche Nöte und stand trotz zweier Trainerwechsel -- Babbel und Kurz wurden entlassen -- vor dem letzten Spieltag als zweiter Absteiger so gut wie fest. Immerhin musste Hoffenheim das letzte Spiel bei den schon als Vizemeister (hinter Bayern München) feststehenden Dortmunder Borussen antreten, die sich natürlich keine Wettbewerbsverzerrung vorwerfen lassen wollten. So führte der BvB gegen das Team von Trainer Gisdol, der in Hoffenheim zwischenzeitlich zum Cheftrainer befördert worden war, durch ein frühes Tor von Lewandowski auch 15 Minuten vor Schluss noch mit 1:0. Die TSG versuchte alles, dennoch sah es nicht nach einem Ausgleich aus. Im Gegenteil! Nur ihrem Torwart hatte es Hoffenheim zu verdanken, dass es „nur“ 1:0 für den BvB stand. In der 77.Minute dann beging BvB-Innenverteidiger Hummels ein Foul an Volland, das der Schiedsrichter Dr. Jochen Drees mit Elfmeter ahndete. Ein Elfmeter, den man geben kann! Salihovic trat an und verwandelte - 1:1! Das Unentschieden reichte der TSG aber noch nicht, um in der Tabelle zu klettern. Ein zweites Tor musste her! Nun trat BvB-Keeper Weidenfeller auf den Plan! Bei einem Hoffenheimer Angriff über die linke Seite in der 82.Minute brachte der Torhüter den ballführenden Spieler Schipplock im Strafraum zu Fall. Der Schiedsrichter zeigte Weidenfeller „Rot“ und entschied zu Recht wiederum auf Elfmeter. Hoffenheims Salihovic verwandelte erneut. Bei diesem Spielstand blieb es. Gisdols Mannen hatten 2:1 gewonnen. Der Relegationsplatz 16 war der Lohn, dafür musste Fortuna Düsseldorf direkt absteigen (nach einem 0:3 bei Hannover 96). In den Relegationsspielen nun setzte sich die TSG, denen ihr Trainer neues Leben eingehaucht hatte, souverän gegen den 1.FC Kaiserslautern ( mit 3:1 und 2:1) durch und schaffte so doch noch den Klassenerhalt.
In der laufenden Runde hatte die TSG 1899 Hoffenheim wieder weniger Probleme. Mit 18 Punkten belegte der Verein den 12.Rang, hatte mit 36 die drittmeisten Treffer erzielt und zudem mit drei Partien ohne Niederlage (4:4 gg Werder Bremen, 2:1 bei Eintracht Frankfurt, 2:2 gg Borussia Dortmund) eine kleine Serie gestartet. Da sich die Mannschaft auswärts (mit 3 Siegen, 1 Unentschieden und 3 Niederlagen) sowieso recht wohl fühlte, traten Hopps Mannen als Favorit in der Löwenstadt an. Der Umstand, dass Hoffenheim (gemeinsam mit Werder) mit 37 Gegentoren die meisten in der Liga kassiert hatte (BTSV: 32), änderte hieran nichts, weil Eintracht mit gerade einmal 9 mit Abstand die wenigsten Treffer gelungen waren.
21.600 Zuschauer hatten sich an diesem Samstag im Eintracht-Stadion eingefunden. Unter ihnen befanden sich auch ca. 600 Anhänger der TSG. Keine besonders stolze Anzahl, die den Gästeblock zum Bersten brachte, aber immerhin noch deutlich mehr, als den VfL Wolfsburg zu seinem Spiel am 15.Spieltag beim SC Freiburg begleitet hatten. Dort waren es handgezählte 173 VfL-Fans gewesen.
21.000 im Stadionrund hofften also drei Tage vor Heiligabend (21.12.2013) auf ein vorzeitiges Geschenk des BTSV in Gestalt von 3 Punkten. Diejenigen unter ihnen, die die Blau-Gelben auch bei ihren Auswärtsspielen begleiteten, mussten unwillkürlich an den Auftritt der „Löwen“ bei Borussia Mönchengladbach am 6.Spieltag denken, als die Borussen-Fans gesungen hatten „Lieber Braunschweig als die TSG!“ Tja, nach Sympathie ging es nun einmal nicht, sonst wäre die Ausgangssituation wohl eher umgekehrt gewesen!
Eintracht musste in der Partie auf Bellarabi, Reichel, Caligiuri und Correia verzichten. Dafür stand erstmalig in der Bundesliga der Ur-Braunschweiger Pfitzner in der Startelf. „Eisen-Ermin“ Bicakcic spielte nach seinem in der Begegnung gegen Hertha BSC erlittenen Nasenbeinbruch mit einer Maske. Zu diesem Zeitpunkt ahnte er wohl selbst noch nicht, dass er zur Folgesaison zur TSG wechseln würde. Neben ihm sollten innen Dogan und außen Kessel und Perthel die Hoffenheimer Offensive besetzt mit Volland, Firmino, Johnson und Schipplock in Schach halten.
Dass sich die „Löwen“ für die Begegnung Einiges vorgenommen hatten, wurde bereits kurz nach dem Anpfiff durch Schiedsrichter Winkmann (Kerken) deutlich. Eintracht war „griffig“! Bereits in der 6.Minute beging Boland sein 2.Foul. Das Spiel selbst nahm nach 10 Minuten richtig Fahrt auf. 11.Minute – 2 Ecken für den BTSV in Folge. 13.Minute – Doppelchance durch Elabellaoui und Ademi. Bereits in der 14. Minute schien sich Eintracht für seine Anstrengungen zu belohnen. Neuzugang Torsten Oehrl, der (auch) verletzungsbedingt erst zum dritten Mal in der Startelf stand und zuvor in Augsburg – so ziemlich als einziger – eine ordentliche Leistung abgeliefert hatte, traf ins gegnerische Netz. Doch was war das? Der Schiedsrichter gab den Treffer nicht, weil sein Linienrichter ihm Abseits signalisiert hatte. Eine krasse Fehlentscheidung! Fast direkt vor dem Linienrichter hatte der Hoffenheimer Spieler Johnson klar näher zum Tor gestanden. Hier passte das Sprichwort ‚Er sah den Wald vor lauter Bäumen nicht!` so richtig! Es half nichts! Die Blau-Gelben spielten weiter mutig nach vorn und hatten bereits zwei Minuten später die nächste Gelegenheit. Ademi tauchte schräg rechts frei vor dem TSG-Keeper auf, schloss auch ordentlich ab, aber Grahl hielt. Eine starke Parade! So langsam rauften sich die „Löwen“-Fans die Haare. Wie lange sollte das noch so weitergehen? Ähnliches ging offensichtlich auch dem Gästestürmer Schipplock durch den Kopf, denn er setzte mit einem üblen Foul, seinem zweiten, an Theuerkauf nahe der Mittellinie ein Zeichen (17.). Nach einer kurzen Pause konnte „Theuer“ weitermachen. In Minute 22 folgte bereits die nächste aufregende Aktion. Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld wollte Bicakcic zum Ball hochgehen, wurde aber unfair daran gehindert. Offensichtlich zu wenig unfair für einen Elfmeter, denn die Pfeiffe vom Schiri blieb stumm! Außer einer Ecke sprang nichts dabei heraus. Dass Schipplock nicht nur foulen konnte, bewies er nahezu fast im Gegenzug. Er spielte den erst kurz zuvor eingewechselten Salihovic geschickt frei, so dass dieser allein vor Davari auftauchte und zum Abschluss kam (23.). Außenpfosten! Durchschnaufen! Zwei Minuten danach vereitelte Dogan die nächste vielversprechende Aktion der Gäste durch Festhalten von Volland. Wie zuvor bereits Boland und Schipplock kam auch er ohne Gelbe Karte davon. Herr Winkmann aus Kerken wollte offenbar ohne „Karton“ auskommen. In Minute 28 gab es im Strafraum der Hoffenheimer die nächste aufregende Aktion. Bei einem Freistoß nach Foul an Ademi aus dem Halbfeld wurde Bicakcic erneut unfair am Kopfball gehindert. Schipplock zog ihn runter. Dieses Mal entschied der Schiedsrichter sofort auf Elfmeter. Eine richtige Entscheidung … wäre es gewesen, wenn Ermin nicht im Abseits gestanden hätte. Aber da stand er nun einmal, wie die Fernsehkameras bewiesen. Glück für Eintracht! Oehrl ließ sich die Chance nicht entgehen und netzte links ein (29.). Tooor ! Eintracht Eins, Hoffenheim Null!
Zwei Minuten nach der Führung hatten die Fans schon wieder den Torschrei auf den Lippen, aber die Blau-Gelben konnten einen vielversprechenden Angriff nicht gewinnbringend abschließen. Danach wurde das Spiel hitziger:
-- „Gelb“ für Perthel nach Foul an Holland (35.)!
-- Schipplock fordert nach einem normalen Kopfballduell mit Dogan Elfmeter (36.).
-- Schiri Winkmann „vermittelt“ zwischen den Trainern Lieberknecht und Gisdol, die verbal aneinander geraten waren (39.).
-- Foul Schipplock an Kessel (41.)!
Nun kehrte wieder Ruhe ein. Außer einem weiteren Foul von Schipplock an Kessel (45.) passierte nicht mehr viel in Halbzeit 1. Nach 47 Minuten ertönte der Pausenpfiff.
Mit einer verdienten Führung gingen die „Löwen“ in die Kabine. Sie hatten nicht nur kämpferisch, sondern auch spielerisch überzeugt. Die Zuschauer waren sich einig, die beste Halbzeit von Eintracht in der Bundesliga gesehen zu haben. Bis auf das kleine Häuflein der Anhänger von Dietmar Hopps Club hofften sie, dass es so weitergeht.
Ihr Team enttäuschte sie nicht! Die 2. Halbzeit war nicht einmal zwei Minuten alt, als sich Ademi eine Riesenchance bot. Allein Grahl war wieder im Wege und hielt glänzend. Kurz darauf kam erneut Hektik auf. Nachdem Pfitzner ein Foul an Rudy begangen hatte (48.), wurde er selbst kurz darauf von Schipplock unfair gestoppt (50.). Dieser provozierte ihn zudem mit Gesten, er solle doch aufstehen. Das hätte er nicht tun sollen! Es vergingen kaum mehr als sechzig Sekunden, bis „Pfitze“ die Gelegenheit zur Revanche bekam. Und er nutzte sie gegenüber dem Spieler, den mittlerweile auch die „Löwen“-Fans zum Feind erkoren hatten. Mit einem üblen Foul auf das Schienbein streckte Pfitzner Schipplock nieder. Mit der Gelben Karte war er noch gut bedient.
In der Folgezeit wogte das Spiel hin und her. Beide Mannschaften kamen nun zu Chancen. Zunächst war es erneut Ademi, der knapp das TSG-Gehäuse verfehlte (53.). Auf der Gegenseite erging es Schipplock, der kurz darauf auch noch „Gelb“ sah, nicht besser (57.). In der 60.Minute schließlich klärte Eintrachts Nummer 10 Boland einen Kopfball von Vestergaard auf der Linie. Die TSG übernahm nun mehr und mehr die Spielkontrolle, wurde dabei aber zunächst kaum noch gefährlich. Im Gegenteil, die einzigen Chancen in dieser Phase des Spiels besaß Eintracht. Erst strich ein Kopfball des vier Minuten zuvor für Ademi eingewechselten Kumbela am gegnerischen Tor vorbei (73.), dann wurde ein Schuss Theuerkaufs noch zur Ecke geblockt (79.).
In der 81.Minute ereignete sich schließlich doch noch etwas, das allen blau-gelb Infizierten eine nervenaufreibende Schlussphase bescheren sollte. Nach der 6.Ecke für die „Löwen“ konterte die TSG blitzschnell. Allein Perthel konnte noch eingreifen und brachte den ballführenden Hoffenheimer regelwidrig zu Fall. Zu Recht sah er von Schiedsrichter Winkmann das zweite Mal „Gelb“ und anschließend „Rot“. Armer Timo Perthel! Erst zwei Spiele zuvor (gegen Hertha) war er auch mit Gelb-Rot vom Platz geflogen!
Unterstützt durch die numerische Überlegenheit warfen die Gäste nun alles nach vorn. Von der 86. bis zur 92. Minute taumelten die Blau-Gelben von einer Verlegenheit in die nächste. Erst klärte Eintrachts Keeper Davari vor dem eingewechselten Modeste. Dann hatten die „Löwen“ Glück, als der Schiri einen Schubser von Boland an einem TSG-Angreifer nicht mit Elfmeter ahndete. Es folgten eine Großchance für Modeste und ein Kopfball von Salihovic – beide drüber! Nach den Ecken 7 und 8 für Hoffenheim und einem Kopfball von Vestergaard rechts vorbei war kollektives Durchatmen angesagt. Die letzten zwei der insgesamt vier Minuten Nachspielzeit hielten die Eintracht-Spieler den Gegner vom eigenen Tor fern. Endlich der Schlusspfiff!
1:0 -- Sieg!
Große Freude bei den „Löwen“-Fans! Und ein leichtes Schmunzeln! Drei Siege hatte der BTSV in der Bundesliga bisher errungen! Gegen VW Wolfsburg, Bayer Leverkusen und SAP Hoffenheim, somit exakt gegen die drei „Clubs“, die als Marketing-Instrument eines Großunternehmens dienen. Und gegen welchen „Verein“ hatte Eintracht zuletzt in der 2.Liga gewonnen? – Richtig, gegen Audi Ingolstadt! Die „Löwen“ aus Braunschweig wissen halt, was sich gehört!
Die „Rote Laterne“ des Tabellenletzten wurden die Blau-Gelben durch ihre „Bärenstarke Leistung“ („Neue Braunschweiger“ vom 22.12.) allerdings nicht los. Die direkte Konkurrenz hatte auch gepunktet. Der SC Freiburg hatte mit dem 2:1 gegen Hannover 96 erstmals in dieser Saison ein Heimspiel gewonnen und sowohl der 1.FC Nürnberg (0:0 gegen Schalke 04) als auch Eintracht Frankfurt (1:1 gegen FC Augsburg) konnten sich über Teilerfolge freuen. Mit 11 Punkten besaßen die „Löwen“ nun aber ebenso viele Punkte wie die Nürnberger. Freiburg als 16. kam auf 14 Punkte und Frankfurt auf 15. Davor, schau an, mischte nun auch der HSV im Abstiegskampf mit. Nach einer 2:3 Heimniederlage gegen Mainz 05 waren die Hamburger mit 16 Punkten auf Platz 14 der Tabelle abgesackt.
Auch wenn Eintrachts Sieg keine Verbesserung in der Tabelle einbrachte, so gingen die „Löwen“-Fans doch bestens gelaunt und voller Hoffnung in die Weihnachtspause. Da waren zum Einen die Interviews mit Boland („Die Fans waren wieder Weltklasse. Das treibt uns so sehr an.“) und Pfitzner („Es ist super, wenn so viele Deinen Namen rufen. Die Fans sind Klasse!“), die ihnen zeigten, dass in der heutigen Zeit der Legionäre zumindest in Braunschweig einigen Spielern noch andere Dinge als nur das Geld wichtig sind. Und zum anderen konnte man auch eine andere Tabelle erstellen, die wesentlich erfreulicher für den BTSV aussah. Nahm man nur die Spieltage 8 bis 17 zum Maßstab, also den Zeitraum, im dem sich die „Löwen“ an das höhere Niveau der Liga angepasst hatten, dann sah die untere Hälfte der Tabelle folgendermaßen aus:
10.) HSV 11P; 11.) SC Freiburg 11P; 12.) Eintracht 10P; 13.) VfB Stuttgart 9P; 14.) TSG H 9P;
15.) Werder Bremen 9P; 16.) Eintr.Frankfurt 7P; 17.) Hannover 96 6P; 18.) 1.FC Nürnberg 6P.
Na also, diese Zahlen hochgerechnet auf die 2.Saisonhälfte würden Eintracht zum Klassenerhalt führen und ganz anderen Mannschaften den Abstieg bescheren.
Apropos Hannover! Auf den Trainer seiner Mannschaft Slomka nach der Niederlage gegen Freiburg angesprochen, erklärte Hörgeräte-Mogul und 96-Präsident Kind kurz vor Weihnachten, dass dieser zu 60 Prozent wegen Erfolglosigkeit entlassen würde. Nach Weihnachten wurden 100 % draus! Tschüss!
[Stand: Januar 2016]