10. Februar
Eintracht – Rot-Weiß Oberhausen 3:1 (1:0)10.02.1973
21. Spieltag Bundesliga – 1972/73
Am 21.Spieltag der Bundesliga-Saison 1972/73 empfing Eintracht im Stadion an der Hamburger Straße das Team von Rot-Weiß Oberhausen.
In Braunschweig sehnten sich die Fußball-Fans zurück in die Zeit vor sechs Jahren. Da war der eigene Verein auf dem Weg zur Meisterschaft, und in fast jedem Spiel konnte man die bissigen Zweikämpfe von Walter Schmidt, die unwiderstehlichen Flankenläufe eines Erich Maas und die Dribblings von Lothar Ulsass bejubeln. Und, vor allen Dingen, war der Fußball noch „sauber“ – konnte man sich zumindest einbilden. Und nun? Bundesliga-Skandal 1971! Der BTSV war zwar „nur“ insofern verwickelt, als er eine zusätzliche Siegprämie ausgehandelt und teilweise für eine Partie entgegengenommen hatte, die er sowieso gewinnen wollte, aber der Fußball hatte seine Unschuld damit verloren. Gähnende Leere auf den Tribünen im Eintracht-Stadion waren die Folge, und – was viel schlimmer war -- Ulsass war im Zuge des Skandals gesperrt worden und hatte inzwischen Deutschland in Richtung Österreich verlassen, um nie wieder zurückzukehren. Das Idol, dem jeder in den 50er-Jahren geborene fußballbegeisterte Junge nachzueifern suchte, war für immer weg. Zusätzlich hatten sich die meisten Meister-Spieler wie zum Beispiel die beiden O.g. (außerdem: Wolter, Meyer, Dulz, Saborowski, dazu der verstorbene Moll) verabschiedet. Das wäre alles nicht so schlimm gewesen, denn neue „Helden“ waren verpflichtet worden (Franke, Gersdorff), aber zusätzlich steckte die Eintracht im Abstiegskampf. Und zwar richtig!
Das Weihnachtsfest 1972 war aus „Löwen“-Sicht schon richtig traurig verlaufen. Vom 13. bis 17.Spieltag konnte der BTSV nur 2:8-Punkte (2-Punkte-Wertung) einfahren. Unentschieden gegen den HSV (1:1; 14.SpT) und den 1.FC Kaiserslautern (0:0; 16.SpT) standen gleich drei Niederlagen gegen den MSV Duisburg (2:3; 13.SpT), Hannover 96 (1:2; 15.SpT) und Fortuna Düsseldorf (0:2; 17.SpT) gegenüber. Bei 3 dieser 5 Partien waren die Blaugelben überdies von den Schiedsrichtern spielentscheidend benachteiligt worden. In Zusammenhang mit den 10:14-Punkten vom Saisonstart ergab das Rang 16 der Tabelle mit 12:22-Punkten. Nur der HSV mit 9:25 und RW Oberhausen mit 10:24-Punkten verhinderten, dass der BTSV auf einem der beiden Abstiegsplätzen stand. Allerdings schöpfte nun auch RWO, der Gast am 10.02.1973 in der Löwenstadt, frischen Mut, da der DFB den Abzug von 5 Punkten wegen der Verwicklung in den Bundesliga-Skandal gegen den Club kurz vor Weihnachten aufgehoben hatte.
Wenigstens waren die Blaugelben in die Rückrunde nicht so katastrophal in die Rückrunde gestartet wie in die Hinrunde. Während der Saisonstart mit 0:6-Punkten gründlich verpatzt wurde, holte Eintracht gegen dieselben Gegner immerhin 2 Punkte, obwohl dieses Mal zwei Auswärtspartien zu absolvieren waren. Sowohl beim VfL Bochum als auch gegen Kickers Offenbach gelang ein 2:2. Dass beim deutschen Meister und aktuellen Tabellenführer Bayern München am 20.Spieltag kein Punktgewinn möglich sein würde (0:3), war zu erwarten gewesen.
Mit 14:26-Punkten rangierte der BTSV weiterhin auf dem 16.Tabellenplatz. Allerdings war der HSV mit jetzt 13:27-Punkten gefährlich nah herangerückt Dafür hatte RWO seine neu gewonnene Zuversicht nicht in Punkte umwandeln können, obwohl die Westdeutschen teilweise gute Leistungen abgeliefert hatten, zumindest im Sturm. Mit 3:5 bei den Bayern, 2:2 gegen den 1.FC Köln und 2:3 gegen Werder war es RWO nur gelungen, ein Pünktchen der Plus-Seite ihres Punktekontos hinzuzufügen.
Logisch, dass die meisten unter den 8.000 Zuschauern an diesem Samstag wünschten, dass sich daran nichts ändert.
Trainer Knefler schickte folgende Elf auf den Platz, um den ersten Sieg der Rückrunde einzufahren: Franke – Grzyb, Häbermann, Kaack, Merkhoffer - Hellfritz, Haun, Gersdorff – Konschal, Bründl, Erler. Bründl durfte also wieder in der Sturmmitte spielen, nachdem er gegen Bochum und Offenbach getroffen hatte.
Er bedankte sich auf seine Weise. In der 19.Minute erzielte er für das spielbestimmende Braunschweiger Team das 1:0. Auch danach dominierte in einem wahrlich nicht hochklassigen Spiel der BTSV, schaffte es aber nicht, bis zur Pause ein zweites Tor nachzulegen. Zu Beginn der 2.Halbzeit hatten die Gäste, die sich insgesamt wie ein Absteiger präsentierten, ihre stärkste Phase. Sie versuchten, Druck aufzubauen und den Ausgleich zu erzielen. Diese Bemühungen endeten jäh mit dem 2:0 in der 74.Minute, das Gersdorff mit einem schönen Fallrückzieher, dem Höhepunkt der Partie, erzielte. Danach ergab sich RWO in sein Schicksal und kassierte noch ein drittes Tor durch Merkhoffer (81.). Ein Oberhausener Spieler wollte die Niederlage jedoch nicht wahrhaben: Rainer Hollmann, der schon das ganze Spiel über als Gegenspieler von Gersdorff positiv aus der Gäste-Elf herausgeragt hatte, gelang in der 84.Spielminute noch der Anschlusstreffer zum 3:1. Mehr konnte aber auch er, der nach der Saison zu den Blaugelben wechseln und ein wahrer „Löwe“ werden sollte (1973- 84 BTSV), nicht ausrichten. Es blieb beim 3:1.
Sieg! Eintracht hatte gewonnen und sich damit auf den 14.Tabellenplatz verbessert. Der Sechzehnte Hertha BSC war allerdings mit einem Spiel in Rückstand. Auf Platz 15, punktgleich mit dem BTSV, lag jetzt übrigens der Club aus Hannover.
Zufrieden gingen die Braunschweiger Fans nach Hause. Sie ahnten nicht, dass sie die Begegnung der beiden Absteiger dieser Saison gesehen hatten.
[Stand: Dezember 2021]