11. Februar
Eintracht - Eintracht Frankfurt 3:0 (1:0)11.02.1967
21. Spieltag Bundesliga - 1966/67
Am 11.2.1967 trafen im Stadion an der Hamburger Straße – nicht zum ersten Mal in dieser Saison – der Tabellenerste und der Tabellenzweite der Bundesliga aufeinander: Eintracht empfing als Tabellenführer am 21. Spieltag der Saison 1966/67 den punktgleichen Namensvetter aus Frankfurt. Die Frankfurter hatten sich diesen Tabellenplatz durch Siege in den letzten 3 Spielen verdient.
An diesem Samstag gab es für sie jedoch nichts zu holen. Die Löwen mit einem gut aufgelegten und auch zu schlecht bewachten Lothar Ulsass beherrschten den Gast nach Belieben, was auch darauf zurückzuführen war, dass Grabowski bei Walter Schmidt an der Leine lag.


Die 37000 Braunschweiger Zuschauer sahen einen auch in dieser Höhe verdienten 3:0 – Sieg durch Tore von Moll, Grzyb und Maas, der den Frankfurter Trainer Schwartz zu der Aussage veranlasste "Wir könnten morgen und übermorgen noch mal spielen, wir würden wieder verlieren".
Eintracht wurde bekanntermaßen am Ende der Saison Deutscher Fussballmeister. Die Frankfurter belegten mit 4 Punkten Rückstand (bei der damals noch gültigen 2-Punkte-Regel) den vierten Platz. Wie wäre der Kampf um die Meisterschaft wohl ausgegangen, wenn Eintracht nicht beide Spiele (Hinspiel: 1:0 Auswärtssieg) gegen den Namensvetter gewonnen hätte?

SV Wehen Wiesbaden -- Eintracht 0:2 (0:0)11.02.2011
24. Spieltag 3. Liga – 2010/11
Voller Selbstbewusstsein und Zuversicht trat die Mannschaft von Eintracht am 11.2.2011 die etwa 350 Kilometer lange Reise zum Auswärtsspiel der 3. Liga beim SV Wehen Wiesbaden an.
Natürlich reiste sie nicht allein. Über 600 'Löwen'-Fans hatten an diesem Freitag dasselbe Reiseziel – die 'Brita-Arena' in Wiesbaden. Auch sie waren zuversichtlich – und hatten allen Grund dazu.
Eintracht war Spitzenreiter in der 3. Liga. Die Tabelle bot vor diesem 24. Spieltag folgendes Bild:
1. Eintracht (23 Spiele) 52 Punkte +43 Tore
2. Hansa Rostock (22 Spiele) 50 Punkte +27 Tore
3. Kickers Offenbach (21 Spiele) 40 Punkte +12 Tore
4. SV Wehen Wiesbaden (23 Spiele) 40 Punkte +10 Tore
5. Rot-Weiß Erfurt (22 Spiele) 37 Punkte +10 Tore
Der Vorsprung der 'Löwen' auf den vierten Tabellenplatz betrug nun schon 12 Punkte bei noch auszutragenden 15 Partien. Dass der BTSV also mindestens Platz 3, den Relegationsplatz, würde erreichen können, war sehr wahrscheinlich. Damit jedoch wollte sich der blau-Gelbe Anhang inzwischen schon nicht mehr zufrieden geben. Mindestens Platz 2, ein direkter Aufstiegsplatz, sollte es sein. Immerhin lag auch Kickers Offenbach bereits 6 Punkte zurück, selbst wenn sie die beiden Nachholbegegnungen gewinnen sollten.
Wie Eintracht aus der Winterpause gekommen war, machte ebenfalls Mut. Vier Punkte aus zwei Auswärtsspielen (1:1 bei Dynamo; 2:0 beim SV Sandhausen) sowie ein Heimsieg (2:0 gegen Bayern 2) konnten sich sehen lassen.
Das galt gleichermaßen aber auch für den SV Wehen Wiesbaden, der in der Winterpause mit den Verpflichtungen von Brosinski (vorher 10 Bundesliga-Spiele beim 1.FC Köln und in der Saison 11/12 Doppel-Torschütze für den MSV Duisburg beim 3:0 gegen den BTSV am 18.11.2011), Kioyo (65 Bundesliga-Spiele für 1860 und Energie Cottbus und etliche Zweitliga-Spiele für Greuther Fürth, FC Köln, Essen und Augsburg) und Masmanides (46 Bundesliga-Spiele für Bielefeld und 56 Zweitliga-Spiele für den KSC und den FC Nürnberg) personell noch einmal kräftig nachgerüstet hatte. Acht Punkte aus vier Spielen hatten die Hessen in den letzten Wochen geholt und dabei u.a. beim Nachbarn aus Offenbach ein 0:0 erreicht.
Der SV Wehen Wiesbaden war also keinesfalls zu unterschätzen, zumal es ihnen als einziges Team gelungen war, in Braunschweig zu punkten. 2:1 hatten sie bei den 'Löwen' gewonnen. Zwar war es der Schiedsrichter gewesen, der diesen Ausgang erst mit einer katastrophalen Leistung ermöglicht hatte, dennoch konnte die Leistung des SV in der Okerstadt vollauf überzeugen.
5.000 Zuschauer hatten sich im Stadionrund eingefunden. Sie lasen zunächst im Stadionmagazin 'Heimspiel kompakt: Punktsieger' des SVWW ein Loblied auf den BTSV. Dort hieß es:
'Werdet zur Legende ... kämpfen bis zum Ende ... so geht die Aufstiegshymne der Braunschweiger Eintracht, die Spieler und Trainer vor der Saison eingespielt haben. Und es läuft wie am Schnürchen: Beste Heimmannschaft, bestes Auswärts-Team, die gefährlichste Offensive (54 Tore), die wenigsten Gegentore (11) und bereits 12 Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz 3. Noch Fragen?'
Die einzige Frage, die die 'Löwen'-Fans bewegte, war, ob die Blau-Gelben ihren Lauf auch beim starken Tabellenvierten würden fortsetzen können. Immerhin hatte die spielerische Leistung im neuen Jahr trotz guter Punktausbeute noch nicht wieder das hohe Niveau der Hinrunde erreicht. Viele Fans wären daher auch mit einem Unentschieden zufrieden gewesen. Wären!
Die Stadionbesucher und die zahlreichen Zuschauer an den heimischen PCs (Hessen 3 übertrug erstmals ein Spiel live im Internet) sahen das erhoffte Spitzenspiel, das durchaus Zweitliga-Ansprüchen genügte. Beide Mannschaften schenkten sich nichts. Wehen kam häufig über den schnellen Brosinski und suchte meist den bulligen Stürmer Kioyo. Doch Eintrachts Innenverteidigung passte auf. Meist war es Dogan, der gegen Kioyo zum Kopfball musste. Zum Teil fand er sich danach am Boden wieder, hatte das Kopfball-Duell zuvor jedoch gewonnen. Nicht umsonst war er in der 'Rangliste des Deutschen Fussballs' der Sportzeitschrift 'Kicker' für die 3. Liga als bester Innenverteidiger der Hinserie 2010/11 eingestuft worden. Aber auch die Innenverteidigung der Hessen funktionierte. Lanzaat und Schönheim ließen Eintrachts Offensiv-Power mit Bellarabi, Boland, Kruppke und Kumbela nicht wie gewohnt zur Geltung kommen. So ging es – trotz eines leichten Plus an Chancen für den BTSV -- mit einem insgesamt gerechten 0:0 in die Pause.
Eintrachts Anhang dagegen hatte sich bereits mehr als ein Unentschieden verdient. Die 'Löwen'-Fans waren deutlich lauter gewesen als der Rest des Stadions. Aber das kennt man ja.
In der 2. Spielhälfte änderte sich zunächst einmal nichts – bis zur 59. Minute. Dann bekam Reichel auf der linken Seite den Ball, lief bis zur Grundlinie, setzte sich dort im Zweikampf durch und flankte flach in die Mitte. An 2, 3 Spielern ging der Ball vorbei -- bis zu Kumbela, der nur noch den Fuß hinzuhalten brauchte. Tooor! Sein 13. Saison-Treffer! Eintracht führte 1:0!
Rock ´n Roll im Gäste-Block! Nun war richtig Party angesagt. Na gut, Wehen gab sich durchaus noch nicht geschlagen und kämpfte weiter, aber so richtig gefährlich wurden sie nicht mehr. Zwei Halb-Chancen zwischen der 65. und 70. Minute – mehr brachten die Hessen nicht mehr zustande. Ihr Anhang war ohnehin sprachlos geworden und nur noch die Jungs und Mädels mit den blau-gelben Schals waren zu hören. Und das deutlich! Support Nonstop! Gesänge und Sprechchöre wie 'Auswärtssieg, Auswärtssieg', 'Spitzenreiter, hey', 'Hey, Eintracht Braunschweig', 'Hier regiert der BTSV', 'Schala Lalalalala Eintracht Braunschweig', 'Deutscher Meister in den Farben Gelb und Blau', 'Auf geht's, Eintracht, kämpfen und siegen' und 'Steht auf, wenn ihr den Aufstieg wollt' wechselten sich ab. Auch der immer wieder gern gehörte Klassiker 'Ohne Eintracht wär' hier gar nichts los' durfte nicht fehlen. So ging das Spiel mit einem 1:0 in seine letzten Minuten, nachdem Boland (per Kopfball) in der 78. Minute und Kruppke mit einer Riesenchnce in der 82. Minute die vorzeitige Entscheidung verpasst hatten. Die 'Löwen'-Fans starteten in der 87. Minute noch ein weiteres Mal den TOP-Hit der Saison
'Werdet zur Legende, kämpfen bis zum Ende, für die 2. Liga, BTSV!'
und hielten diesen Gesang einige Minuten durch...
Wehen griff an, die Fans sangen. Eintracht wehrte ab, die Fans sangen.
Eintracht griff an, die Fans sangen. Wehen wehrte ab, die Fans sangen.
Eintracht wechselte Bohl ein, die Fans sangen.
Eintracht klärte nach außen zu Bellarabi, die Fans sangen. Bellarabi setzte sich gegen einen Gegenspieler durch, die Fans sangen. Bellarabi schickte Bohl in die Gasse, die Fans sangen.
Bohl schoss mit dem rechten Außenrist, die Fans sangen.
Der Ball ging ins Tor, die Fans – jubelten!
Tor durch Steffen Bohl in der 90. Minute!



Ausgerechnet der 75 Sekunden zuvor eingewechselte Steffen Bohl, den Eintracht erst im Winter vom SV Wehen verpflichtet hatte, weil er dort keine Chancen mehr für sich sah! Und die Vorarbeit kam natürlich von Eintrachts U20-Nationalspieler Karim Bellarabi. Schade dass dieser sich in der Winterpause entschieden hatte, in der nächsten Saison beim Erstligisten Bayer Leverkusen zu spielen! Aber wer konnte es ihm verdenken?!
Mit dem 2:0 war die Begegnung natürlich endgültig entschieden. Noch etwas 'Oh, wie ist das schön ...' singen, dann pfiff der Schiedsrichter auch schon ab.
Nun konnte die Feier mit der Mannschaft losgehen. Doch was war das? Alle Eintracht-Spieler tanzten im Gleichschritt, als ob sie eine bestimmte Musik hören würden. Ein Sieges-Tanz vor den Eintracht-Fans! Geil!



[beide Bilder von B.Grimm]


Später stellte sich heraus, dass Benjamin Fuchs diesen Tanz ('Electric Slide') von den in Nürnberg stationierten US-Soldaten mitgebracht und erst vor wenigen Tagen mit der Mannschaft einstudiert hatte. Eine gute Idee!
Nach dem Spiel sagte Wehens Trainer Lettieri: 'Die Qualität der einzelnen Spieler hat heute entschieden, spielerisch waren wir gleichwertig'. Und ergänzte 'Was allein Boland und Kruppke unterwegs sind, dafür brauche ich drei Leute'. 'Löwen'-Bändiger Lieberknecht dagegen sprach von 'einem gelungenen Abend, aber auch von einem harten Brett für uns'.
Ein gelungener Abend war es für die Fans der Blau-Gelben auf jeden Fall. Die Rückfahrt durch die Kasseler Berge verging nun ähnlich schnell wie eine unterhaltsame Achterbahnfahrt bei einem 'Rummel'-Besuch.
Eintrachts gute Leistung wurde im 'Kicker' des folgenden Montags dadurch belohnt, indem mit Bellarabi (bereits zum 3. Mal) und Vrancic (zum 4. Mal) gleich zwei Blau-Gelbe in der 'Elf des Tages' der 3. Liga standen.
An der Tabellenkonstellation änderte sich für den BTSV zunächst nichts, da die Verfolger Hansa Rostock (2:0 gegen Werder 2), Kickers Offenbach (2:0 bei Jahn Regensburg) und RW Erfurt (4:0 gegen Unterhaching) alle gewonnen hatten.
Aber da gab es ja dann noch die Nachholspiele der anderen am folgenden Dienstag (15.2.) und Mittwoch (16.2.):
1.FC Saarbrücken – Kickers Offenbach = 2:0
VfR Aalen – Hansa Rostock = 1:1
RW Erfurt – VfB Stuttgart 2 = 1:2
Nun waren die 'Löwen' auch der 'echte' Tabellenführer. Der Mindest-Vorsprung auf Platz 3 betrug nun schon 9 Punkte, der auf Platz 4 gar 15 Punkte.
Walk on, Eintracht, walk on !