28. März
HSV Amat. - Eintracht 2:0 [n. Wertung]28.03.1997
18. Spieltag Regionalliga Nord - 1996/97
Am 28.3.1997 musste Eintracht seine Nachholbegegnung des 18. Spieltages bei den Amateuren des Hamburger SV bestreiten. Das Spiel hatte ursprünglich bereits Ende November stattfinden sollen. Nun fand es in der entscheidenden Phase der Saison statt.
Eintracht hatte sich nach einem verschlafenen Saisonstart bis auf den zweiten Platz der Tabelle vorgearbeitet. Nach 26 Begegnungen konnten die Blau-Gelben 62 Punkte vorweisen. Hierbei wurden 20 Siege errungen. Der Tabellenerste Hannover 96, der im Sommer zuvor erst aus der 2. Bundesliga abgestiegen war, stand mit 71 Punkten noch deutlich besser da. Allerdings hatten die "Roten" bereits ein Spiel mehr bestritten. Zudem erreichten sie am Vorabend des Spiels der "Löwen" gegen den VfL Herzlake nur ein 3:3. Der BTSV hatte damit – praktisch erstmalig in der Saison – die Möglichkeit, sich bis auf 4 Punkte an die 96er heranzuarbeiten. Siege in den beiden ausstehenden Nachholbegegnungen vorausgesetzt, würde der Kampf um den Platz, der zur Teilnahme an den Aufstiegsspielen berechtigte, noch einmal richtig spannend werden.
Rund 500 Braunschweiger Fans wollten sich die Begegnung gegen den Tabellenfünften am Karfreitag nicht entgehen lassen.
Eintracht war der Wille zum Sieg nicht abzusprechen. Die Mannschaft spielte jedoch zu ideenlos, um sich zwingende Chancen zu erarbeiten. So ging es mit einem 0:0 in die Kabine. Kurz nach dem Wechsel gelang den Hamburgern mit einem ihrer Konter das Führungstor. Das Anrennen der Blau-Gelben wurde dadurch nicht planvoller. Am Spielstand von 1:0 änderte sich daher bis zur 86. Minute nichts. Dann dezimierten sich die "Löwen" durch eine Gelb-Rote Karte gegen Marco Dehne auch noch selbst.
Kurz danach ging Eintrachts Torwart "Matze" Hain bei einer Ecke mit in den gegnerischen Strafraum, um den Ausgleich zu erzwingen. Die Ecke wurde geklärt, die Hamburger spielten schnell nach vorn und schossen aus 30 Metern auf das leere Eintracht-Tor. Nun geschah es: Ein Eintracht-Fan rannte auf den Platz, um zu verhindern, dass der Ball die Torlinie überquert. Der Schiedsrichter unterbrach das Spiel sofort. Zwar ließ der Fan den Ball dann doch ins Tor passieren, das Spiel war jedoch bereits unterbrochen. Der Schiedsrichter beabsichtigte zunächst die Fortsetzung mit einem Schiedsrichterball auf der Torlinie. Als dann 50 bis 100 weitere Fans den Platz stürmten und hierdurch Tumulte ausgelöst wurden, sah er sich hierzu nicht mehr in der Lage und brach das Spiel drei Minuten vor dem regulären Ende ab.
Anschließend begann die Diskussion, wie das Spiel zu werten sei. Eintrachts Präsident Helmut Dohr wies zu Recht darauf hin, dass das Regelwerk (§14 der Spielordnung des NFV) vorsah, dass eine vom Schiedsrichter abgebrochene Begegnung nue anzusetzen ist, wenn kein Verschulden einer Mannschaft vorliegt. Er machte weiter darauf aufmerksam, dass Eintracht für seine Fans nicht verantwortlich gemacht werden kann, da der gastgebende Verein für die Sicherheit des Spiels und der Beteiligten zu sorgen hat. Der HSV hatte mit der Ansetzung der Begegnung an der Hagenbeckstraße in der Tat fahrlässig gehandelt, indem dort kaum ein Mindestmaß an Sicherheit zu gewährleisten war. Es gab nur wenige Barrieren. Da der (personell zu gering besetzte) Sicherheitsdienst nicht einschritt, standen Eintracht-Fans direkt an der Seitenlinie und neben dem Tor. Jeder Zeit hätten BTSV-Fans den Rasen betreten können, ohne daran gehindert zu werden.
Trotz der berechtigten Einwände der Eintracht-Verantwortlichen wurde das Spiel vom Sportgericht des NFV mit 2:0 für die Hamburger gewertet. Eine zunächst zusätzlich gegen Eintracht verhängte Geldstrafe wurde später aufgehoben.
Da die "Löwen" drei Tage später auch das zweite Nachholspiel nicht gewinnen konnten (gegen VfL Osnabrück 1:1), war die Meisterschaftsfrage in der Regionalliga Nord frühzeitig geklärt. Nach 34 Spieltagen hatte Hannover 96 (bei 83 Punkten) schließlich 5 Punkte Vorsprung vor Eintracht. Genutzt hat es den "Roten" nichts. Sie scheiterten in den Aufstiegsspielen an Energie Cottbus.
In deren Reihen spielte damals übrigens der ehemalige Spieler und spätere Co-Trainer der Eintracht Willi Kronhardt.

Eintracht – Dynamo Dresden 2:1 (1:1)28.03.2013
27. Spieltag 2. Bundesliga – 2012/13
Am 27.Spieltag der Saison 2012/2013 in der 2. Bundesliga hatte Eintracht Heimrecht und erwartete die Mannschaft von Dynamo Dresden.
Die beiden Teams waren im Sommer 2011 gemeinsam aus der 3.Liga aufgestiegen. In der Zweitliga-Saison 2011/12 hatten beide das Saisonziel, den Klassenerhalt, souverän erreicht. Beide belegten vordere Mittelfeldplätze – Eintracht wurde 8., Dynamo 9., beide fuhren 45 Punkte ein. In der aktuellen Saison lief es für die Konkurrenten jedoch völlig unterschiedlich. Während Dynamo nach 26 Partien mit 24 Punkten auf Tabellenplatz 16, dem Relegationsplatz, um den Klassenerhalt bangte, besaßen die „Löwen“ auf Tabellenplatz 2 eine sehr, sehr realistische Chance auf den Bundesliga-Aufstieg.
Man muss sich das einmal vorstellen: Bei 8 noch ausstehenden Begegnungen besaß Eintracht auf den Tabellenfünften (Union Berlin; punktgleich dahinter 1860 München und Energie Cottbus) einen Vorsprung von 17 Punkten! 17 satte Punkte! Oder in Zahlen 55 zu 38 Punkten! Okay, was interessiert der 5.Platz, wenn es um den Aufstieg geht? Stimmt - Nichts! Aber der Vorsprung auf den 3.Platz (Relegationsplatz) und den 4.Platz war ebenfalls beträchtlich. Der Vierte der Tabelle, der 1.FC Köln (Bundesliga-Absteiger), lag schon 12 Punkte zurück (43P.) und der Dritte, der 1.FC Kaiserslautern (ebenfalls Bundesliga-Absteiger), immerhin noch 11 (44P.), also ebenfalls 2stellig. Das hieß, Eintracht musste 4x in Folge verlieren und die „Roten Teufel“ zugleich 4x in Folge gewinnen, um einen Positionswechsel überhaupt erst möglich zu machen. Und wer glaubte schon an so ´was? Eintracht-Fans jedenfalls nicht!
Zuversichtlich sah der „Löwen“-Anhang der Begegnung, die am 28.3.2013, dem Gründonnerstag vor Ostern, stattfinden sollte, entgegen. Daran änderte auch weder die Tatsache etwas, dass den Blau-Gelben in den 3 Heimspielen im neuen Jahr noch kein Heimsieg gelungen war (1:1-Unentschieden gegen VfR Aalen und Kaiserslautern; 1:2-Niederlage gegen 1860 München), noch der Umstand, dass Dynamo dem Tabellenführer Hertha BSC Berlin (56P.) als einziges Team nach dem 2.Spieltag eine Niederlage beibringen konnte (1:0 am 24,SpT). Auch Eintracht-Trainer Lieberknecht war optimistisch. Die schlechten Trainingsbedingungen, die infolge des erneuten Wintereinbruchs mit Schneefall eingetreten waren, beeinflussten ihn nicht. „Nur die Punkte sind wichtig, nicht die Spielweise“, sagte er in der Pressekonferenz vor dem Spiel.
Die Flutlicht-Partie (Anpfiff 20.30 Uhr) war mit 21.175 Zuschauern ausverkauft. Auch Dynamo hatte – wie üblich – eine Menge Fans (im vierstelligen Bereich) mitgebracht. Sie froren, ebenso wie die Eintracht-Fans, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt herum dem Anpfiff entgegen.
Die Sachsen traten in den ersten Minuten kein bisschen wie eine Mannschaft auf, die im Abstiegskampf steckte. Kaum zu glauben, dass das Team unter seinem neuen Trainer Peter Pacult, der den glücklosen Loose kurz vor der Winterpause abgelöst hatte, in den letzten 7 Partien nur 8 Punkte geholt hatte. Dynamo war klar besser … und belohnte sich früh! 8.Minute, Ouali, Schuss hoch ins kurze Eck, Tor, 0:1! Ausgerechnet Ouali, vor dessen Schnelligkeit Lieberknecht zuvor noch gewarnt hatte! Lange Gesichter bei den Fans in der Südkurve. Aber nur kurz, dann „Werdet zur Legende, kämpfen bis zum Ende, für…!“
Auch nach der Führung blieb Dresden zunächst dominant. Das änderte sich erst nach ca. einer Viertelstunde. Eintracht bekam mehr Spielanteile, agierte jedoch abgesehen von einem nicht anerkannten (hauchdünnen) Abseitstor von Kumbela (18.) nicht zwingend genug. In der 31.Minute fuhren die „Löwen“ dann aber einen guten Konter, der zur 2.Ecke führte. Vrancic brachte den Ball herein zu Boland, dessen Torschuss von einem Abwehrspieler geblockt wurde. Der Ball prallte zu „Eisen-Ermin“ Bicakcic, der aus 7m abzog. Tor! 1:1! Nun waren die Fans in der Südkurve wieder obenauf. Nach dem üblichen Torjubel war das wenig mitfühlende „Wir steigen auf und Ihr steigt ab“ zu hören, bevor der „Traum von Liga 1“ besungen wurde.
Die Blau-Gelben waren jetzt endgültig im Spiel angekommen und verdienten sich das Unentschieden. Bis zur Pause kamen sie jedoch zu keiner gefährlichen Aktion mehr. Ganz anders Dynamo! Kurz vor dem Halbzeitpfiff mussten 1x Davari und 1x Bicakcic hellwach sein, um die erneute Führung der Gäste zu verhindern. Ouali war wieder beteiligt. Pause! 1:1 – ein gerechtes Resultat!
Für die 2.Halbzeit brachte Eintracht-Trainer Lieberknecht Orhan Ademi für Gianluca Korte. Mit diesem Wechsel wurden die Angriffe der „Löwen“ sofort zwingender. Bereits in der 47.Minute kam Ademi zu seiner ersten Chance. Da der Winkel etwas spitz wurde, konnte Dresdens Keeper Benjamin Kirsten, der Sohn von Bayer Leverkusens ehemaligen Torjäger Ulf Kirsten (181 Bundesligatore), den Ball halten. Sechs Minuten später war aber auch er machtlos. Nach einem Doppelpass zwischen Ademi und Kumbela setzte der kongolesische Torjäger des BTSV zu einer Art Seitfallzieher an. Hoch senkte sich der Ball ins Netz. Tooooor! „Ein Blick, ein Heber, ein Traumtor“, schrieb die „Braunschweiger Zeitung“ später. 2:1! Spiel gedreht! Bereits Kumbelas 17. Saisontreffer, mit dem er die Torjägerliste souverän anführte!
Da nach dem Wechsel nur die Blau-Gelben etwas für das Spiel getan hatten, führten sie verdient. Die Stimmung in der Südkurve, in der die „Löwen“-Fans stehen, war nun natürlich ausgelassen und laut, sehr laut. Sie veranlasste den Sprecher des Bezahlsenders „Sky“ in der Live-Reportage nach ca. 1 Stunde zu folgender Aussage: „Wer den Braunschweiger Fussball verstehen will, der muss eine solche Partie hier ´mal erleben. Was hier schon Stunden vor einem Spiel auch in der Stadt los ist! Eine Region im Aufbruch! Und was mussten die Braunschweiger zuletzt für Hiebe einstecken gegenüber Wolfsburg oder Hannover!“
Nach dem Führungstreffer der Gastgeber zeigte Dynamo wieder mehr Initiative, gestaltete die Begegnung offener und kam zu kleineren Gelegenheiten. Die nächste große Chance hatten jedoch erneut die „Löwen“. In Minute 64 steuerte Ademi unbedrängt allein auf den Gäste-Keeper zu und … scheiterte! Das wäre die Entscheidung gewesen! So mussten die Eintracht-Anhänger noch eine knappe halbe Stunde um den Sieg bangen. Richtig gefährlich wurde es aber nur noch zweimal um die 75. Minute herum. Wieder war jeweils Ouali beteiligt. Erst flog ein Schuss von ihm aus 18m über das Tor, dann brachte er den Ball vom Flügel flach in den 5m Raum der Blau-Gelben. Unberührt von Freund und Feind sauste das Leder hindurch. Gegen Ende des Spiels fehlten Dynamo dann trotz weiterer Bemühungen die Mittel, die Blau-Gelben erneut in Gefahr zu bringen. Nach 92 Minuten und 24 Sekunden war es schließlich so weit. Schiedsrichter Kircher (Rothenburg) pfiff die Begegnung ab.
2:1 ! Sieg ! Der erste Heimsieg im Kalenderjahr!
In der Pressekonferenz nach dem Spiel sprach Lieberknecht von einem „nicht unverdienten“ Sieg und hob zu Recht hervor, dass Dresden besser gespielt habe, als es der Tabellenplatz aussage. Abschließend wünschte er allen ein „Frohes Osterfest“.
Das hatten die Eintracht-Fans! Sie genossen am Abend den Blick auf die Tabelle. Weil die Konkurrenz um den Aufstieg erst am Samstag bzw. am Sonntag antreten musste, war der BTSV dank der 3 Ostereier wieder – wie zuvor schon vom 2. bis zum 22.Spieltag – Tabellenführer! Mit 58 Punkten aus 27 Spielen, damit einem Schnitt von 2,15 Punkten! Sofern die Fans die Berichterstattung der Freitagsspiele auf dem Sportsender „Sport 1“ verfolgten, stimmten sie voller Überzeugung außerdem dem Reporter-Kommentar zu: „Das war es jetzt wirklich“ mit dem Aufstieg. Keiner zweifelte mehr!
Hertha BSC Berlin siegte am Samstag erwartungsgemäß gegen den Fünfzehnten VfL Bochum mit 2:0 und eroberte so die Tabellenführung zurück. Auch der 1.FC Köln gewann. Am Sonntag schlugen die Geisböcke den Letzten Jahn Regensburg mit 2:1. Blieben noch die „Roten Teufel“. Zur Freude der „Löwen“-Fans kam der 1.FC Kaiserslautern über ein 1:1 beim Vorletzten SV Sandhausen nicht hinaus. Eintrachts Vorsprung auf den Tabellendritten, jetzt den 1.FC Köln, betrug nun 12 Punkte. Und das bei nur noch 7 zu absolvierenden Spielen …!
Natürlich schaffte der BTSV den Aufstieg. Durch ein 1:0 am 31.Spieltag beim FC Ingolstadt wurde er vorzeitig sichergestellt. Eintracht kehrte seit 1985 erstmalig wieder in die Bundesliga zurück!
Einen weiteren Heimsieg in der Saison schafften die „Löwen“ allerdings nicht mehr. Es folgten drei weitere Unentschieden, so dass die Bilanz mit 1 Sieg, 5 Remis und 1 Niederlage nach der Winterpause eher mau ausfiel. Egal, Hauptsache Aufstieg!
Auch für Dynamo Dresden gab es ein Happy-End. Als 16. der Tabelle gelang den Sachsen in der Relegation gegen den VfL Osnabrück (2:0/0:1) der Klassenerhalt.
In den Tagen nach dem Dresden-Spiel wurde das Hochgefühl der blau-gelben Gemeinde übrigens durch zwei Nachrichten getrübt. Mit Heinz Patzig (28.3.2013) und Hennes Jäcker (7.4.2013) verstarben gleich zwei Einträchtler, die das Vereinsgeschehen lange Zeit mitgeprägt hatten: Patzig als ehemaliger Spieler und langjähriger, immer loyaler Co-Trainer und Jäcker als Torwart der ersten Bundesligajahre und späterer Vereinspräsident.
[Stand: Juni 2015]