6. März
Borussia Dortmund – Eintracht 5:4 (1:1)06.03.1965
23. Spieltag Bundesliga – 1964/65
Die 18.000 Zuschauer im Stadion 'Rote Erde' am 6.3.1965 wurden Zeugen eines Fußballspiels, das es so nicht jeden Tag zu sehen gab. Es war das Bundesligaspiel zwischen den Schwarz-Gelben von Borussia Dortmund und den Blau-Gelben von Eintracht Braunschweig.
Die im Jahr 1963 eingeführte Fußball-Bundesliga befand sich in ihrer zweiten Spielzeit. Und natürlich waren die Blau-Gelben vor dieser Saison 1964/65 wieder - wie bereits ein Jahr zuvor, als der BTSV am Ende Elfter wurde - als klarer Abstiegskandidat gehandelt worden. Und natürlich widerlegten die 'Löwen' alle sog. Fußballexperten ein zweites Mal, indem sie in der Hinrunde 14:16-Punkte holten (2-Punkte-Wertung) und damit im Tabellenmittelfeld landeten. Allerdings gerieten die Blau-Gelben zu Beginn der Rückrunde in einen Abwärtsstrudel. Sie blieben sieben Begegnungen hintereinander ohne doppelten Punktgewinn (4:10 Punkte) und rutschten auf den 12. Tabellenplatz (unter 16 Teams) ab. Die Mannschaften auf den letzten beiden Tabellenplätzen, den Abstiegsplätzen 15 und 16, hatten nur noch einen bzw. zwei Punkte weniger auf dem Haben-Konto.
Der BvB dagegen hatte die Hoffnung auf den Meistertitel noch nicht aufgegeben. Mit 25:19-Punkten lagen die Borussen nach 22 Spieltagen als Fünfter fünf Punkte hinter dem Tabellenführer Werder Bremen.
Für beide Mannschaften war dieses Samstagsspiel daher von großer Bedeutung.
Es war bereits das dritte Aufeinandertreffen in dieser Saison. Nach dem Hinspiel in Braunschweig, das die Westdeutschen mit 1:0 gewonnen hatten, mussten die beiden Vereine auch im Viertelfinale des DFB-Pokals gegeneinander antreten. Eintracht unterlag trotz Heimspiels mit 0:2. Da diese Begegnung erst am 27.2.1965 stattgefunden hatte, trafen beide Teams nun also innerhalb von 8 Tagen zum zweiten Mal aufeinander.
Die erste Chance des Spiels bot sich den 'Löwen'. Krafczyk, der vor der Saison vom 1.FC Saarbrücken verpflichtet worden war, vergab. Die Dortmunder machten es vier Minuten später besser. 9. Spielminute, Brungs (Bild links) mit einem abgefälschten Schuss, 1:0. Danach übernahm der BvB endgültig das Kommando. In der 11. Minute traf Brungs die Latte. Zwei Minuten danach erzielte Straschitz einen Treffer, aber Abseits. In der 19. Minute schließlich zielte Cyliax zu genau und traf nur den Pfosten. Die Blau-Gelben konnten froh sein, dass sie nur mit einem Tor zurück lagen. Es kam aber noch besser für sie! Zusammenspiel der beiden anderen Neuverpflichtungen Ulsass (von Arminia Hannover) und Maas (ebenfalls vom 1. FC Saarbrücken) in der 30. Minute. Flanke Ulsass, Maas braucht nur noch einzuschieben, 1:1. Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause, nachdem beide Teams je eine weitere gute Gelegenheit ungenutzt ließen. Ein zweifellos glücklicher Halbzeitstand für die Blau-Gelben!
Nach dem Wechsel änderte sich das Spiel, weil die 'Löwen' mutiger wurden. In Minute 52 bediente Krafczyk Ulsass, der der Ball unter die Latte haute. 1:2! Nicht lange! Nur fünf Minuten später gelang Emmerich der Ausgleich. Wer dachte, Eintracht würde nun die Ordnung verlieren, sah sich getäuscht. Im Gegenteil! In der 59. Minute konnte Ulsass gerade noch per Notbremse am Torschuss gehindert werden. Drei Minuten später gelang das den Schwarz-Gelben nicht mehr. Moll (Bild oben rechts) mit Nachschuss im Anschluss an eine Ecke, 2:3. Damit nicht genug! In Minute 67 zeigte der Schiedsrichter nach einem Foul an Krafczyk auf den Punkt. Ulsass trat an und verwandelte sicher zum 2:4. Bereits sein 9. Saisontreffer!
Das sollte doch wohl reichen für den BTSV, oder?
Unverständlicherweise änderten die Blau-Gelben danach die Spielweise und versuchten, das Ergebnis mittels einer verstärkten Abwehr über die Zeit zu bringen. Das ging schief! Bereits nach zwei Minuten traf Konietzka zum 3:4. Als wiederum nur kurze Zeit später der Schiedsrichter Brases regelgerechten Einsatz fälschlicherweise als Foul wertete und Elfmeter verhängte, fürchteten nun auch die bislang optimistischen Fans der 'Löwen' um ihre Mannschaft.



72. Minute, Straschitz vom Punkt, 4:4 (siehe Bild oben). In der 86. Minute dann der K.O. für die Eintracht. Nach einem Freistoß von der Strafraumgrenze reagierte Konietzka am schnellsten und köpfte ein. 5:4! Schlusspfiff!
Während die Fans des BvB vollauf zufrieden nach Hause gingen, raufte sich der Eintracht-Anhang die Haare. Mit 2 Toren Mitte der 2. Halbzeit vorn gelegen - und noch verloren?! 'Löwen'-Trainer Johannsen beklagte ebenfalls, dass seine Mannschaft sich den 2-Tore-Vorsprung nicht mehr hätte nehmen lassen dürfen. Aber auch Dortmund-Coach Eppendorf war nicht zufrieden und beanstandete die löchrige Abwehr und die mangelhafte Chancenverwertung. Für die im Abstiegskampf steckende Eintracht war das 'Jammern auf hohem Niveau'.
Das 5:4 in Dortmund war nicht das einzige torreiche Spiel des 23. Spieltags. Nach 3:1-Führung verlor der Tabellendritte 1. FC Köln sein Heimspiel gegen den Sechsten Eintracht Frankfurt noch mit 3:4 und rutschte dadurch auf Platz 4 ab. Der VfB Stuttgart, vor dem Spieltag noch punktgleich mit Eintracht, besiegte den Siebten Meidericher SV mit 4:2 und verbesserte sich auf Platz 10. Insgesamt fielen in den 8 Spielen 30 Tore. Die wichtigste Partie aus Sicht des BTSV fand aber gar nicht erst statt. Das Keller-Duell des Sechzehnten Hertha BSC gegen den Fünfzehnten Schalke 04 musste wegen kniehohem Schnees im Olympia-Stadion abgesagt werden.
So verursachte ein Blick auf die Tabelle nach diesem Spieltag allen Blau-Gelben nun schon ein flaues Gefühl in der Magengegend. Mit 18:28-Punkten belegte Eintracht nur noch aufgrund des besseren Torverhältnisses gegenüber dem Karlsruher SC Platz 13. Der Fünfzehnte Schalke stand mit 17:27 nach Minuspunkten schon besser da, und auch der Tabellenletzte Hertha lag mit 16:28-Punkten fast auf Augenhöhe.
Sollte die Fachwelt mit ihrer Einschätzung, Eintracht sei ein Abstiegskandidat, etwa doch Recht behalten? Nein! Der BTSV gewann die folgenden vier Spiele (1:0 gegen den 1.FC Nürnberg; 1:0 beim HSV; 2:1 gegen den VfB Stuttgart; 3:0 bei Hertha) und belegte am Saisonende Platz 9 mit 28:32-Punkten.
Zwangsabsteigen musste Hertha BSC, obwohl die Berliner sportlich mit Platz 14 noch den Klassenerhalt geschafft hatten. Die beiden Tabellenletzten, der KSC und Schalke, durften in der Liga bleiben, weil der DFB kurzfristig die Erweiterung der Bundesliga auf 18 Vereine beschlossen hatte. Ob diese Entscheidung auch so gefallen wäre, wenn statt dem FC Schalke 04 Eintracht den letzten Platz belegt hätte... ? Man weiß es nicht!
Der BvB übrigens wurde zwar in der Meisterschaft (hinter Werder Bremen und dem 1.FC Köln) 'nur' Dritter, holte sich dafür aber den DFB-Pokal. Dem 2:0 in Braunschweig folgte im Halbfinale ein 4:2-Heimsieg gegen den 1.FC Nürnberg und im Finale ein 2:0 gegen die zweitklassige Alemannia aus Aachen. Ein Jahr später wurde die Borussia nach einem Sieg im Finale gegen den FC Liverpool (2:1) Europa-Pokalgewinner der Pokalsieger.

Mal was anderes:
Wenn Du Interesse an einer Zusammenfassung der ersten drei Bundesliga-Jahre des BTSV hast, schaust Du dir am besten diese PDF hier an. Der Umfang des Textes beträgt dabei 6 DIN A4-Seiten!

Eintracht - Bayer Leverkusen 5:1 (3:0)06.03.1982
24. Spieltag Bundesliga - 1981/82

Am 6.3.1982 stellte sich die Mannschaft von Bayer Leverkusen zum Punktspiel im Stadion an der Hamburger Straße vor.
Es war schon erstaunlich, wie souverän sich Eintracht aus dem Abstiegskampf in der Bundesliga heraushielt. Immerhin war der BTSV erst im Sommer zuvor wieder aus der 2. Bundesliga aufgestiegen und hatte durch die späten Aufstiegsspiele gegen Kickers Offenbach (0:1/2:0) keine ausreichende Sommerpause gehabt. Mit 22:22-Punkten (2-Punkte-Wertung!) befanden sich die "Löwen" im gesicherten Mittelfeld (9.). Das Saisonziel, der Nicht-Abstieg, war bereits in greifbare Nähe gerückt.
Für die gute Tabellenplatzierung hatte aber ausschließlich die Heimstärke der Blau-Gelben gesorgt. Während auswärts lediglich ein Sieg (2:1 beim BvB) eingefahren werden konnte, lautete die stolze Heimbilanz 20:2-Punkte. Die "Löwen" hatten nun schon neun Heimspiele in Folge gewonnen und dachten nicht daran, gegen die Bayer-Elf (14.) damit aufzuhören.
Lediglich 13.000 Zuschauer wollten die Begegnung des 24. Spieltags sehen. Wer an diesem Samstag zu Hause geblieben war, verpasste etwas.
Bereits zur Pause war das Spiel entschieden. Peter Geyer und Ronnie Worm mit seinen Saisontoren Nr. 11 und 12 hatten ein 3:0 herausgeschossen. Nach dem Wechsel ging es zunächst so weiter: Worm, 65., 4:0. Merkhoffer, 70., 5:0. Erst danach ließ Eintracht locker und gestattete der Werkself noch einen Treffer (83.) zum Endstand von 5:1.
5:1! Der höchste Saisonsieg! Der zehnte Heimerfolg in Reihe! Wahnsinn! Das konnte sich sehen lassen für einen Aufsteiger!
Im nächsten Heimspiel riss die Erfolgsserie der "Löwen". Werder Bremen konnte am 30.März mit einem 1:1 einen Punkt aus der Festung "Eintracht-Stadion" entführen. Neun Tage später gewann der BTSV jedoch bereits wieder ein Heimspiel. Die Nachholbegegnung des 20. Spieltags gegen den VfB Stuttgart endete 2:0 für den BTSV. Eintracht hatte damit alle elf Heimbegegnungen zwischen dem 6. und 24. Spieltag gewonnen.
Ohne in Abstiegsängste geraten zu sein, beendeten die Blau-Gelben die Saison als Tabellenelfter.
Bayer Leverkusen dagegen musste als Sechzehnter die Relegationsspiele gegen den Dritten der (seit dieser Saison nur noch eingleisigen) 2. Bundesliga bestreiten. Gegner war die Mannschaft von Kickers Offenbach. Die Werkself setzte sich durch und blieb in der Bundesliga. Die Kickers scheiterten damit zum zweiten Mal in Folge in der Relegation.

FC Ingolstadt 04 – Eintracht 3:3 (3:0)06.03.2010
27. Spieltag 3. Liga – 2009/10
Zum Punktspiel der 3. Liga musste Eintracht am 6.3.2010 beim FC Ingolstadt 04 antreten.
Es war ein harter Winter! Im Winter 2009/2010 waren aufgrund von Schnee und Eis nun schon mehr als 30 Begegnungen in der 3. Liga abgesagt worden.
Auch der BTSV war von 4 Spielausfällen betroffen. Zwischen dem 30.1. und dem 20.2. lief nichts für die "Löwen". So hatten sie bis zum Ingolstadt-Spiel erst 2 Begegnungen nach der Winterpause bestreiten können, das Nachholspiel gegen Wacker Burghausen (1:0) und die Partie des 26. Spieltags gegen den Tabellenvierten Kickers Offenbach (0:0).
So recht wusste man in Braunschweig also noch nicht, wie die Leistung der Mannschaft im neuen Jahr einzuschätzen war. Was sagte Tabellenplatz 7, den die Blau-Gelben nach 26 Spieltagen belegten, schon aus?! Die Tabelle bot aufgrund der vielen noch offenen Nachholspiele ein gänzlich schiefes Bild. Zumindest schien bereits festzustehen, dass Eintracht sein Saisonziel, deutlich besser als in der Vorsaison abzuschneiden (Platz 13), wohl locker würde erreichen können. Aber reichte das den Fans? Nicht wirklich! Die Mannschaft hatte durch ihre Leistungen in der Hinrunde Appetit auf mehr gemacht. Nach 18 Spieltagen stand der BTSV immerhin noch auf dem 3. Tabellenplatz, dem Relegationsplatz. Erst drei Niederlagen in Folge direkt vor der Winterpause (1:2 bei RW Erfurt; 0:1 beim VfL Osnabrück; 1:2 gegen Bor. Dortmund 2) hatten die Okerstädter etwas zurückfallen lassen. Aber nicht so weit, dass die Fans das Träumen vom Aufstieg schon aufgeben mussten. Immerhin hatte auch Trainer Lieberknecht in der Winterpause erklärt: "Bleiben alle gesund, ist Vieles möglich." Allerdings sollten die "Löwen" in Ingolstadt nun tunlichst nicht verlieren.
Der FC Ingolstadt war vor der Saison von den Trainern zum Aufstiegsfavoriten erklärt worden. Gleich 18 (der 20) Trainer sahen das Team als Aufsteiger Nr.1. Es folgte der VfL Osnabrück mit 15 Nennungen. Eintracht erhielt nur 5.
Die Audi-Städter waren ihrer Favoritenrolle bisher durchaus gerecht geworden. Vor diesem 27. Spieltag belegten sie Rang 3. Der Rückstand zu den beiden ersten der Tabelle (VfL Osnabrück und 1.FC Heidenheim) betrug 5 bzw. 1 Punkt. Ingolstadt war aber -- ebenso wie der BTSV, der sechs Punkte weniger eingefahren hatte, -- gegenüber den führenden Mannschaften mit 2 Spielen im Rückstand. Wenn man so wollte, war Ingolstadt also so etwas wie der heimliche Tabellenführer.
Die Auswärtsfahrt nach Ingolstadt wurde für die Fans der Braunschweiger Eintracht zum Erlebnis – im doppelten Sinne !
Zunächst waren da die Witterungsverhältnisse. Schnee und Glätte überall!
Auf der Autobahn A2 führte das Wetter im Helmstedter Raum in den Morgenstunden zu einer Vollsperrung, die über 5 Stunden anhielt. Diverse blau-gelb gekleidete PKW-Besatzungen und ein 50er Bus der Ultras "Cattiva Brunsviga" wurden das Opfer. Als sich der Stau auflöste, blieb diesen Eintracht-Fans nichts anderes übrig, als den Rückweg nach Braunschweig anzutreten.
Viele Fans, die den Alternativweg über die A395 durch den Harz gewählt hatten, schienen zunächst kaum besser dran zu sein. Zwar war die Strecke nicht gesperrt, dafür machten zwei Schneepflüge, die die gesamte Fahrbahn blockierten, ein schnelles Vorwärtskommen zunächst unmöglich. Aber vielleicht war das alles ja gar nicht so schlimm. Denn immerhin stand noch lange nicht fest, dass das Spiel bei dem Wetter tatsächlich stattfinden würde.
Es fand statt! Und 150 unentwegte Blaugelb-Infizierte hatten es schließlich – mehr oder weniger pünktlich – geschafft, den Gästeblock zu besetzen. Sie sollten es nicht bereuen ...
(Ein netter Erlebnisbericht zu den Unwägbarkeiten dieser Reise findet sich übrigens in Ausgabe 12/2009-10 "1895" des Fan-Projekts.)
Als der Schiedsrichter zur Pause pfiff, glaubte allerdings kaum jemand, der den Löwen im Herzen trägt, noch an einen Punktgewinn von Eintracht. 0:3 lag der BTSV zurück! 0:3! Zwar gab das Ergebnis den Spielverlauf nicht korrekt wieder, aber der SV Ingolstadt hatte nun einmal seine Chancen im Gegensatz zu den Blau-Gelben genutzt. 0:3! Hatte Eintracht einen solch deutlichen Rückstand überhaupt schon einmal seit Einführung der Bundesliga aufgeholt? Niemand, auch nicht den "Alten", fiel ein Beispiel ein.
In der zweiten Halbzeit nahm der Schneefall, der das Spiel von Beginn an begleitete, noch zu. Die "Löwen"-Fans störte es – nach dieser strapaziösen Anreise – nicht. Erst recht nicht mehr ab der 53. Minute, als Henn mit seinem ersten Saisontor das 1:3 gelang. Hoffnung keimte auf und wurde nur drei Minuten später verstärkt. Erneut Henn, 2:3! Beide Treffer fielen nach Freistößen. Nun wurden auch die "Löwen"-Fans endgültig wieder munterer und brüllten die Mannschaft geschlossen nach vorn. Und tatsächlich! Wieder Freistoß Eintracht in der 80. Minute, Kopfball Kumbela, Tor. Domi Kumbela, der erst in der Winterpause erneut vom BTSV verpflichtet worden war, hatte mit seinem ersten Saisontreffer den Ausgleich erzielt. Die Fans flippten aus. Bis zum Schlusspfiff fiel kein weiteres Tor mehr. Endstand 3:3! Die Blau-Gelben hatten es tatsächlich geschafft, einen 3-Tore-Rückstand aufzuholen. Wenn das kein Grund war, nach Spielende gebührend mit dem Team zu feiern! Ein "gefühlter Sieg", wie auch Lieberknecht anschließend äußerte. Nach den Feiern hieß es für die Fans, sich wieder auf die winterlichen Straßen zu begeben. Nach diesem Spiel wurde die Rückfahrt aber deutlich stressfreier als die Hinfahrt.
Die "Löwen" hatten gezeigt, dass mit ihnen im Aufstiegskampf noch zu rechnen ist. Die Tabelle nach 27 Spieltagen ließ Träume durchaus zu:
1. VfL Osnabrück (26 Spiele) 45 Punkte
2. 1.FC Heidenheim (26) 44
3. FC Ingolstadt 04 (24) 41
4. Kickers Offenbach (26) 41
5. Erzgebirge Aue (24) 38
6. SV Sandhausen (25) 37
7. Eintracht (24) 35
Die Aufstiegshoffnungen der "Löwen"-Fans hielten bis zum vorletzten Spieltag an (1:2 in Aue). Ausgerechnet der FC Ingolstadt, gegen den die Blau-Gelben in der Saison vier Punkte geholt hatten (Hinspiel: 2:1), schnappte ihnen den Relegationsplatz weg und sicherte sich in den Entscheidungsspielen gegen Hansa Rostock (neben Osnabrück und Aue) den Aufstieg. Eintracht wurde Vierter.

Eintracht – VfB Stuttgart 1:1 (1:1)06.03.2017
23. Spieltag 2.Bundesliga – 2016/2017
Das TOP-Spiel des 23.Spieltags der Saison 2016/17 in der 2.Bundesliga fand in Braunschweig im Stadion an der Hamburger Straße statt! Der Tabellenvierte Eintracht Braunschweig empfing den Spitzenreiter VfB Stuttgart.
Auch der BTSV hatte die Hoffnung auf den Aufstieg in die Bundesliga noch nicht aufgegeben. Warum auch? Mit 40 Punkten lagen die „Löwen“ nur 1 Pünktchen hinter dem Dritten Union Berlin (41P.) und 2 Punkte hinter dem Zweiten Hannover 96 (42P.) zurück. Der VfB Stuttgart, gemeinsam mit den „Roten“ Absteiger aus der Bundesliga und haushohe Aufstiegsfavoriten, war mit 47 Punkten schon ein wenig entrückt.
Und doch war der eine oder andere in der Löwenstadt ein wenig enttäuscht. Nicht vom Verlauf der Hinrunde, wahrlich nicht, denn da hatten die Blaugelben mit 25 Punkten nach 10 Spielen (!!) die Konkurrenz förmlich deklassiert und waren mit 34 Punkten völlig verdient Herbstmeister geworden. Aber in der Rückrunde lief es nicht so gut, wie es sich viele erhofft hatten. Während der BTSV in der Hinrunde noch mit Abstand die stärkste Heimelf stellte (8 Siege, 1 Remis), holte er nur 1 Pünktchen aus zwei Heimpartien gegen Abstiegskandidaten (1:2 gg St.Pauli; 1:1 gg Erzgeb.Aue; beide Platz 18 vor dem Spiel). Nur gut, dass die „Löwen“ wenigstens ihr letztes Auswärtsspiel in Sandhausen mit 1:0 – nach 2 Punkteteilungen in der Fremde (jeweils 1:1 in Würzburg und in Nürnberg) zuvor – gewonnen hatten, denn so wussten sie seit langer Zeit (2 ½ Monate, 16.SpT) endlich wieder, wie sich ein Sieg anfühlt. Außerdem hatten sie dadurch den Abstand zu den „Roten“ um 2 Punkte verkürzt (2:2 gg Bielefeld).
Dagegen hatte der VfB Stuttgart genau die umgekehrte Entwicklung während der Saison genommen. Die Schwaben waren suboptimal für ihre Verhältnisse in die Spielzeit gestartet, vielleicht auch deshalb, weil ihr Trainer Luhukay Mitte September 2016 hingeschmissen hatte und in Zusammenhang mit seiner Person Unruhe entstanden war. Hannes Wolf hatte übernommen und den VfB trotz Rückschlägen -- wie dem 0:5 in Dresden (9.SpT) und dem 0:3 in Würzburg (17.SpT) -- schließlich auch dorthin geführt, wo er angesichts der Neuzugänge (Terodde/Bochum für 3 Mlln. €; Pavard/Lille für 4 Mlln €; Hosogai/BSC; Zimmer/Kaisersl.) und des gesamten Kaders nach dem eigenen Verständnis hingehörte: auf Platz 1! Zwar hatten die Schwaben die erstmalige Übernahme der Tabellenführung am 15.Spieltag nicht verteidigen können und mussten dem BTSV die Herbstmeisterschaft überlassen, aber nach der Winterpause, in der sie sich noch einmal mit Brekalo (WOB) und Green (Bayern) verstärkt hatten, gaben sie sich keine Blöße bisher. Während Eintracht sein Punktekonto in den 5 Partien gerade einmal um 6 aufbessern konnte und Hannover auf 10 kam, glänzte der VfB mit der Optimalpunktzahl von 15. Zwar mussten sich die Schwaben zur Zeit mit einem Nebenschauplatz beschäftigen, da ihr Spieler Kevin Großkreutz im Vergnügungsviertel eine körperliche Auseinandersetzung hatte und deshalb suspendiert worden war, niemand in der Oker-Metropole dachte aber nur entfernt daran, dass sich der VfB dadurch in seiner Konzentration stören lassen würde.
Da der Fernsehsender „Sport 1“ die Begegnung in Braunschweig live übertragen wollte und sie daher erst am Montag um 20.15 Uhr stattfand, hatten die beiden Kontrahenten die Muße sich anzuschauen, wie die Konkurrenz am Wochenende spielte. Am Freitag besiegte Union die Würzburger Kickers glatt mit 2:0, blieb damit im Aufstiegsrennen aussichtsreich dabei. Nur was machten die „Roten“ am Samstag? Sie verloren beim Vorletzten, dem Karlsruher SC, mit 0:2, worauf ihr Präsident, Alleinherrscher Martin Kind, noch am Wochenende seinen Geschäftsführer Bader und seinen sportlichen Leiter Möckel entließ und stattdessen Held als Sportdirektor installierte. Das brachte die Eintracht-Fans genauso zum Schmunzeln wie die eine Woche zuvor wegen Erfolglosigkeit vorgenommene Entlassung des Wolfsburger Trainers Ismael. Dem Nachbarn VfL aus der VW-Stadt war es wieder einmal nicht gelungen trotz der üppigen finanziellen Unterstützung durch den Autobauer ein schlagkräftiges Team aufzubauen, das den internationalen Ansprüchen von VW genügte. Im Gegenteil! Neutrainer Jonker übernahm eine Mannschaft auf Platz 14 der Tabelle mit lediglich 2 Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz und startete mit einem 1:1 bei Mainz 05, was den VfL eine Position weiter abrutschen ließ. Auf Platz 16 stand übrigens der Dino Hamburger SV.
Man kann davon ausgehen, dass alle blau-gelb Infizierten, die sich am 6.3.2017 auf den Weg in den „Tempel“ machten, den östlichen Nachbarn im Profi-Fußball mit keinem Gedanken bedachten, das Geschehen beim westlichen Nachbarn aber durchaus im Kopf hatten. Denn mit einem „Dreier“ würde man schließlich wieder an 95+1 vorbeiziehen.
Torsten Lieberknecht, der auf Decarli und Schönfeld verletzungsbedingt verzichten musste, bot folgende Elf auf: Fejzic – Ofosu-Ayeh, Correia, Valsvik, Reichel – Zuck, Moll, Boland, Hernández – Abdullahi, Nyman. Der Trainer verzichtete also auf seinen erfolgreichsten Torjäger Kumbela mit 11 Treffern und bot stattdessen „Manni“ Abdullahi auf, der lange mit einer kurz vor Saisonstart erlittenen Verletzung ausgefallen war. Mit Fanliebling Boland stand auch der Siegtorschütze aus der Partie in Sandhausen auf dem Platz.
Aus der Stuttgarter Elf ragte natürlich der Führende in der Torjägerliste Simon Terodde (15 Treffer), der dieses Spiel aber aufgrund eines zuvor erlittenen Nasenbeinbruches mit Maske angehen musste, heraus, aber auch in Christian Gentner, Baumgartl, Brekalo usw. hatten die Schwaben jede Menge Qualität im Team.
Die Sitzplatzinhaber unter den 23.000 Zuschauern hatten kaum ihre Plätze eingenommen, da fiel schon das erste Tor. Reichel wollte mit einem Rückpass Fejzic bedienen, der allerdings zu kurz geriet. Mané gelangte ans Leder, hatte nur noch den Eintracht-Keeper vor sich und ließ sich die Chance nicht entgehen (3.). – 0:1! Jubel in der Nordkurve bei den 2.000 VfB-Fans, traurige Blicke in der Südkurve. Was für ein Bock von Eintrachts Linksverteidiger! Eine „kalte Dusche“ allemal, passend zum regnerischen Wetter.
Logischerweise brauchte der BTSV danach einige Minuten, um sich zu fangen. Auslöser dafür, dass die Blaugelben nun anfingen, selbst Fußball zu spielen, war eine Balleroberung von Boland in der 12.Minute, die sie zu ihrem ersten nennenswerten Angriff nutzten. Zwar hatten die „Löwen“ Glück, dass ein Kopfball Baumgartls aus 5m nach einem Freistoß aus dem Halbfeld sein Ziel knapp verfehlte (15.), aber nach 18 Minuten waren die „Löwen“ zurück im Spiel. Nachdem sie in Minute 25 noch eine Einschussmöglichkeit von Özcan im letzten Moment verhindert hatten, wurden sie langsam, aber stetig das bessere Team.
In Minute 31 pfiff Schiedsrichter Benjamin Brand (Gerolzhofen) Elfmeter für Eintracht. Insua hatte Zuck geschoben und der Schiri hielt dies für strafwürdig. Ein „kann“-Elfmeter! Boland lief an und schoss halbhoch in die linke Ecke. Torwart Langerak war schon da und klärte zur Ecke (32.). Haareraufen in der Südkurve! Zum Ordnen der Frisur hatten die Fans des BTSV dann kaum Zeit, denn der nächste „Aufreger“ ließ nicht lange auf sich warten. Hernández hatte auf Nyman gepasst, der frei vor dem Torwart mit dem Rücken zum Tor wartete. Schnelle Drehung – Schuss – genau auf Mann (34.). ‚Wieder nichts!‘ Als die Ersten sich schon auf den Weg machten, um ohne Drängelei die Biervorräte für Durchgang 2 zu ordern, führte Zuck gerade einen Freistoß aus dem Halbfeld aus (41.). Der sechs Minuten zuvor verwarnte Kaminski, den der BTSV vor der Saison selbst gern verpflichtet hätte, klammerte Valsvik. Schiri Brand pfiff erneut, zeigte auf den Punkt und Kaminski „Gelb-Rot“. Dieses Mal schnappte sich Reichel den Ball, verlud den Torwart und verwandelte rechts oben (42.). Tooor! 1:1! ‚Endlich!‘ Mit einem weiteren Reichel-Schuss aus 16m, der knapp an der langen Ecke vorbeizischte und unhaltbar gewesen wäre (45.), ging die 1.Hälfte zu Ende. Das Finale hatte den Eintracht-Fans Lust auf Mehr gemacht.
Wie nicht anders zu erwarten war, reagierte Trainer Wolf auf den Platzverweis und wechselte mit Pavard und Asano zwei neue Spieler ein. Lieberknecht sah dagegen keinen Grund, etwas zu ändern – wie das Wetter. Es regnete immer noch. Eintracht versuchte gleich, Druck zu machen, musste aber ziemlich schnell feststellen, dass der VfB keineswegs daran dachte, nur das 1:1 zu verteidigen (Fernschuss Asano; 50.). Dennoch dominierten die „Löwen“ immer mehr, was bis zur 75.Minute zwar zu 6 weiteren Ecken, aber nur zu einer richtigen Chance führte. Eine Faustabwehr von Langerak war direkt bei Hernández gelandet, der den Ball volley nahm. Statt in der total freien langen Ecke landete der Schuss jedoch über dem Tor (57.). In der Schlussviertelstunde – Kumbela (für Nyman; 62.) und Khelifi (für Zuck; 73.) waren inzwischen eingewechselt – kamen die Gäste praktisch zu keinen Angriffen mehr, geschweige denn gefährlichen. Der BTSV diktierte das Spiel, schnürte den VfB teilweise in dessen Hälfte ein, aber kam nur selten in Abschlusspositionen. Eine Chance bot sich, als die Schwaben einmal auf dem Weg nach Vorn den Ball verloren, „Manni“ per Kopf außen Kumbela bediente und das Leder flach im Zentrum zurückerhielt. Langerak hatte aber aufgepasst, war aus seinem Tor geeilt und kam gleichzeitig mit Abdullahi an das Spielgerät (77.). So stand es auch 8 Minuten vor Schluss noch 1:1. Es war wie verhext! Die „Löwen“ hatten sich zwar 10 Ecken in Halbzeit 2 erarbeitet, jedoch nur zwei Chancen und kein Tor. Jetzt vielleicht!!? Ofosu-Ayeh hatte einen Alleingang gestartet und schloss diesen mit einem plazierten Schuss ins rechte Eck ab. Der eine oder andere Fan jubelte schon, als der Torwart den Ball im Hechtflug noch erreichte und zur Ecke lenkte (83), einer weiteren. Danach passierte nichts mehr. Auch der (für Abdullahi; 84.) eingewechselte Biada bewirkte nichts mehr. Nach 92 Minuten pfiff Schiri Brand die Partie ab. 1:1.
Unmittelbar nach dem Schlusspfiff wirkten die Eintracht-Spieler nicht zufrieden. Wie auch!? Sie hatten die große Chance, dem Spitzenreiter mit 11:10 Mann in der 2.Halbzeit eine Niederlage beizubringen und sich damit im Aufstiegsrennen in eine bessere Position zu bringen, nicht nutzen können. Aber hatten sie wirklich Grund, sich zu ärgern? Der VfB Stuttgart war ja nicht irgendwer, sondern Spitzenreiter, und diesen hatten sie „im Schwitzkasten“, wie die „Braunschweiger Zeitung“ am 8.März titelte. Eine gute Leistung!
So sahen das auch die meisten ihrer Fans. Diese hätten es zwar gern gesehen, dass „ihre“ Eintracht wieder an den „Roten“ in der Tabelle vorbeigezogen wäre, aber was nicht ist, kann ja noch werden‘. Außerdem konnten sich die Eintracht-Fans in diesem Zusammenhang damit trösten, dass die „Zwoote“ am Spielabend bei Hannover 2 in der Regionalliga-Partie vor über 1.000 Zuschauern mit 3:2 gewonnen hatte. Derby-Sieg! Die Derby-Torschützen hießen Canbaz, Tietz und Dekaj.
[Stand: Mai 2021]