10. April
Stürmer Jaro Deppe10.04.1948
Ein Löwengeburtstag
Jaro Deppe wurde am 10.4.1948 geboren. Er kam im Jahr der Meisterschaft 1967 vom SV Süd zur zweiten Mannschaft von Eintracht. Ab 1969 war er nur noch bei der ersten Mannschaft im Einsatz.
Der Stürmer, der auch in die Jugend-Nationalmannschaft berufen wurde, galt als eines der größten Braunschweiger Talente seit mehr als 20 Jahren. Dennoch kam er bei den "Löwen" im Zeitraum von 1967 bis 1976 nur auf 59 Bundesligaspiele (17 Tore) und 20 Einsätze in der Regionalliga (11 Tore) bzw. Aufstiegsrunde. Der Grund für die wenigen Einsätze bestand in einer Pechsträhne, die 1971 begann und letztendlich auch für das frühe Karriereende mit 28 Jahren sorgte. Mehrere Mundraum-Operationen verhinderten, dass Deppe in den Spielzeiten 1971/72 und 1972/73 auf mehr als 10 Einsätze kam. Als er sich 1973/74 wieder in die Mannschaft gespielt hatte, verletzte er sich gleich im ersten Spiel der Aufstiegsrunde schwer. Danach wurde er in keinem Punktspiel der Blau-Gelben mehr eingesetzt.
So waren die Spielzeiten 1970/71 und 1973/74 die erfolgreichsten Jahre für Deppe. In der Saison 1970/71 trug er mit 11 Toren (in 32 Einsätzen) neben Ulsass, der 18 Treffer erzielte, erheblich dazu bei, dass Eintracht am Saisonende auf dem 4. Tabellenplatz landete und sich damit für den UEFA-Cup qualifizierte. In der Saison 1973/74 half er durch wiederum 11 Tore (in 19 Einsätzen) mit, dass die "Löwen" den Betriebsunfall Abstieg sofort wieder korrigieren konnten.
Bei den Fans war Jaro Deppe wegen seiner geradlinigen und kämpferischen Art, Fussball zu spielen, immer beliebt.

SpVgg Unterhaching - Eintracht 0:1 (0:1)10.04.2011
32. Spieltag 3. Liga - 2010/11
Am 10.4.2011 musste Eintracht im Auswärtsspiel bei der SpVgg Unterhaching antreten. Es war der 32. Spieltag der 3. Liga in der Saison 2010/2011.
Der Aufstieg des BTSV nach Liga 2 stand dem Grunde nach bereits seit längerer Zeit fest. Zu groß war der Vorsprung des Tabellenführers aus Braunschweig auf den dritten, den Relegationsplatz, als dass noch irgendjemand Zweifel am Aufstieg gehabt hätte. Lediglich der Zeitpunkt, an dem die Blau-Gelben den Aufstieg endgültig klar machen würden, war noch offen.
Nach dem 29.Spieltag, an dem die "Löwen" den Tabellenzweiten Hansa Rostock mit 2:1 besiegt hatten, betrug der Abstand zu Platz 3 schon 18 Punkte. Nach dem Sieg bei der TuS Koblenz (2:0) am Spieltag darauf waren es sogar 20. Bei noch 24 zu vergebenden Punkten in den ausstehenden 8 Begegnungen hofften die Fans nun bereits im Heimspiel gegen Werder 2 auf den entscheidenden "Dreier". Doch die Mannschaft von der Weser, Vorletzter in der Tabelle (19.), hatte etwas dagegen und siegte im Eintracht-Stadion mit 2:1. Da die Verfolger von Eintracht und Hansa ihre Spiele gewinnen konnten (Kickers Offenbach mit 1:0 gegen Unterhaching und RW Erfurt mit 3:1 in Dresden), war der Vorsprung auf Platz 3 und 4 auf 17 bzw. 18 Punkte "geschmolzen". In Anbetracht der Tatsache, dass die Verfolger am darauffolgenden Spieltag lösbare Aufgaben vor sich hatten, war nun auch nicht damit zu rechnen, dass ein Sieg beim Tabellenzehnten in Unterhaching den Aufstieg klarmachen könnte. Das Interesse der "Löwen"-Fans, die 600 km lange Reise in den Vorort von München mitzumachen, hielt sich daher auch in Grenzen, wenn man einmal von der Ultra-Gruppierung "Cattiva Brunsviga" und den zahlreichen anderen "Alles-Fahrern" absieht. Die große Menge der Fans freute sich bereits auf das folgende, vermeintlich entscheidende Heimspiel gegen den SV Babelsberg,
Während Eintrachts Spiel im Generali-Sportpark erst am Sonntag stattfinden sollte, mussten die Konkurrenten um die Spitzenplätze bereits am Sonnabend antreten. Und diese Ergebnisse aus den Samstagsspielen hatten es in sich und lösten in der Region zwischen Harz und Heide Euphorie und Reisevorbereitungen aus. Zwar hatte der Tabellenzweite Hansa Rostock seine Partie (mit 1:0 gegen Dynamo Dresden) gewonnen, doch wen juckte das?! Offenbach hatte beim Tabellen-Dreizehnten SV Babelsberg ebenso verloren (0:2) wie auch die Erfurter ihr Heimspiel gegen den Tabellen-Zwölften 1.FC Saarbrücken (1:2). Wenn man sich zusätzlich auch noch Eintrachts überragendes Torverhältnis anschaute (+52), dann reichte den "Löwen" nun sogar ein Unentschieden in Unterhaching zum Aufstieg. Etliche Fans planten daher um. Das Grillen oder der Besuch bei den Freunden musste ausfallen. Eintracht rief – und das im 600 km entfernten München!
So machten sich knapp 1.500 blau-gelb Infizierte auf die Reise, um die "Löwen" zum Aufstieg zu brüllen. Ein "besonderer" Fan reiste ebenfalls mit an. Rolf Töpperwien, langjähriger Fernseh-Fussballreporter und bekennender Eintracht-Anhänger, war zwar gerade erst in Ruhestand getreten, hatte seinem Lieblingsverein jedoch versprochen: "Wenn meine Eintracht eine realistische Aufstiegschance hat, kommentiere ich das Spiel, in dem sie es packen können." Er hielt sich an sein Versprechen und kommentierte die Begegnung live auf dem Webradio von newsclick.de (Braunschweiger Zeitung). Seinem Sohn, der ihn bei der Abfahrt murrend daran erinnert hatte, er habe doch versprochen, nicht mehr zu arbeiten, entgegnete er: "Ich gehe nicht arbeiten, ich gehe zu Eintracht Braunschweig!"
Einer allerdings konnte die Reise nach München nicht mitmachen. Mirko Boland, der zuvor in allen 31 Saisonspielen zum Einsatz kam, musste mit einem hartnäckigen Magen-Virus zu Hause in Braunschweig bleiben.
Dafür stand Eintrachts U19-Nationalspieler wieder zur Verfügung. Karim Bellarabi, der im Spiel gegen Werder 2 aus disziplinarischen Gründen (mehrmaliges Zuspätkommen) intern für eine Partie gesperrt worden war, "sollte den Sportpark erstürmen", wie die Braunschweiger Zeitung am 9.4. titelte. Für ihn wurde es ein ganz besonderes Spiel. Und das nicht nur, weil er am 8.4. 21 Jahre alt geworden war.
3.100 Zuschauer hatten sich zum Anpfiff um 14 Uhr im Generali-Sportpark eingefunden. Die Sonne schien! Ein Teil der blau-gelb Gewandeten hatte sich bereits vorher im Biergarten "eingestimmt". Alles war perfekt! Die Stimmung im Eintracht-Block war prächtig. Nun musste nur noch die Mannschaft mitziehen.
Sie tat ihrem Anhang den Gefallen. Der Sekundenzeiger hatte nach dem Anpfiff nicht einmal sechs volle Umdrehungen geschafft, als Bellarabi Mitte der gegnerischen Hälfte den Ball eroberte, noch ein paar Meter lief und dann von der Strafraumgrenze abzog. Hoch rechts schlug der Ball im Kasten der Gastgeber ein. Toor! Toooooooor! Jubel und Durchdrehen bei den Eintracht-Fans im Stadion. Jubel aber auch im entfernten Braunschweig in den zahlreichen Kneipen und Bars, in denen sich die Zuhausegebliebenen versammelt hatten, um am Laptop, Handy oder Radio mitzufiebern.
1:0 für den BTSV – das wär´s doch! Allerdings dauerte das Spiel noch 84 Minuten, da konnte noch viel passieren...
Zumindest wurde viel gesungen: "Werdet zur Legende, kämpfen bis zum Ende, für die Zweite Liga – BTSV!"
Um es kurz zu machen: Die "Löwen" vergaben ihre teilweise guten Chancen zum 2:0 und mussten daher zum Ende hin noch zittern. Aber auch die Spielgemeinschaft schaffte es nicht mehr, am Spielstand etwas zu ändern. So blieb es beim 0:1. Schlusspfiff! Auufstiiiieg !!!
Mehrere Dinge geschahen gleichzeitig: Trainer Lieberknecht sank auf die Knie! Die Mannschaft feierte am Mittelkreis! Kollektiver Jubel und Feuerwerk im Gästeblock, wo die ersten Fans begannen, den Zaun zu übersteigen.
Kurz darauf hatten die Ordner ein Einsehen und öffneten die Tore. Die Eintracht-Fans strömten auf den Rasen und die gemeinsame Feier von Fans, Spielern und Trainer hatte begonnen. Wer dabei war, wird sie garantiert nicht vergessen! Spieler und Fans standen am Spielfeldrand dicht beisammen und hüpften gemeinsam zu all den Braunschweiger Fan-Gesängen. Selten waren Fans ihrer Mannschaft im Zeitpunkt des Aufstiegs so nah gewesen. Geil! Lieberknecht sagte: "Ihr könnt stolz auf Euch sein. Lasst die Sau raus! Ihr habt es Euch verdient."
Das taten die Fans dann auch! Auch die in der Okerstadt. Kurz nach dem Abpfiff setzte in Braunschweigs Innenstadt ein Hupkonzert ein und etliche PKWs mit blau-gelben Fahnen fuhren kreuz und quer durch die City. Vor dem "Schloss" fand eine Spontan-Party mit 500 Eintracht-Anhängern statt. Braunschweig machte seinem Ruf, eine fussballverrückte Stadt zu sein, wieder einmal alle Ehre.
In Münchens Vorstadt hatte sich die Mannschaft derweil in die Kabine zurückgezogen und feierte dort weiter, immer noch begleitet von der einen oder anderen Fernseh-Kamera. Kumbela brüllte in die Mikros "Der Aufstieg ist nur für Euch, die Fans. Nur für Euch!" und nahm anschließend wieder am beschwingten Treiben teil. Das endete damit, dass die gesamte Mannschaft den Mode-"Hit" "Schatzi, schenk´mir ein Foto" schmetterte. Schön? Zumindest laut!



Der Tag des Aufstiegs endete für das Team in einem Münchner Brauhaus, wo die Feier bis in den Morgen weiterging. Danach hieß es auch bald "Abfahrt". Braunschweig wartete. Und wie! Als der Eintracht-Bus am Montag kurz vor 17 Uhr den Tempel erreichte, warteten dort schon 1.500 Fans, um der Mannschaft einen begeisternden Empfang zu bereiten [siehe Bild; von B.Grimm]. Die Feier und die Gesänge gingen weiter. Auch hier zeigte die Mannschaft, dass sie konditionell voll auf der Höhe ist.
Eintracht Braunschweig hatte den Aufstieg bereits am 32. von 38 Spieltagen geschafft. Rekord in der – noch nicht lange existierenden – 3. Liga! In der Saison 2008/09 hatte es 35 Spieltage gedauert, bis Union aufgestiegen war, und ein Jahr später stand der erste Aufsteiger (Erzgebirge Aue) erst am vorletzten Spieltag fest.
Auch bei den anderen Zahlen setzten die "Löwen" an diesem Spieltag Bestmarken:
73 Punkte – Rekord (bisher 70 von Union)
70 Tore erzielt – Rekord (bisher 59 von Ingolstadt 09/10)
17 Gegentore bekommen – Rekord (bisher 18 von Union).
Eintracht und seine Fans hatten sich den Aufstieg redlich verdient.
Das sah auch die Tagespresse so. Der (Berliner) Tagespiegel setzte noch einen drauf. Dort hieß es: "Eintracht Braunschweig gehört in die 2. Liga, mindestens. ... Eintracht ist das Gegenstück zum kommerzialisierten Eventfußball in Wolfsburg und das emotionale Herz Niedersachsens."
Sorry, Hanoi, aber so ist es !