14. Mai
Eintracht – Tasmania Berlin = 3:1 (1:0)14.05.1966
32. Spieltag Bundesliga 1965/1966
Wer im Vorfeld des 32.Spieltags der Saison 1965/66 die Frage gestellt hätte, ob Eintracht schon einmal in der noch jungen Bundesliga mit solch einer deutlichen Favoritenrolle in ein Punktspiel gegangen war, würde ohne langes Nachdenken regelmäßig ein „Nein“ zur Antwort erhalten haben. Es war schon ein besonderes Gefühl für die Fans der Blaugelben gegen Ende dieser dritten Spielzeit von Deutschlands – vor der Saison auf 18 Vereine aufgestockten – Eliteliga, aber natürlich kein schlechtes.
Mit Tasmania Berlin reiste der abgeschlagene Tabellenletzte, der schon am 28.Spieltag rechnerisch abgestiegen war, nach Braunschweig an. 6:56 Punkte (2-Punkte-Wertung) und ein Torverhältnis von 12:100 sagten genug über die fehlende Erstliga-Tauglichkeit der Berliner aus. Und über die Fehlerhaftigkeit der Entscheidung des DFB, anstelle der verbannten Hertha Tasmania ohne sportliche Qualifikation in die Bundesliga zu hieven! Der Sieg gleich am 1.Spieltag gegen den KSC vor 81.500 Zuschauern blieb bis zum Spiel in der Löwenstadt der einzige der Tasmanen. Dazu kamen Unentschieden zuhause gegen Kaiserslautern, Gladbach und Bremen sowie ein Auswärtspunkt am Betzenberg. Dem gegenüber standen u.a. ein 2:7 beim 1.FC Nürnberg, ein 0:6 gegen den 1.FC Köln und ein 0:9 gegen den Meidericher SV. Eintracht wiederum hatte sich im Nachholspiel des 15.Spieltags ausgerechnet am Sylvestertag in Berlin mit einem 2:0-Sieg gütlich getan.
Logischerweise erwarteten die Fans von ihren Kickern in den Blau und Gelb auch einen Sieg im Rückspiel. Für Eintracht selbst ging es um nichts mehr, denn mit 29:33 Punkten war man jenseits von Gut und Böse. Man kann aber davon ausgehen, dass sich Johannsen und Gefolge keine Blöße geben wollte. So schickte Eintrachts Trainer denn auch fast nur Stammspieler auf den Platz. In der Elf an diesem 14.5.66 Wolter – Brase, Simon – Schmidt, Kaack, Bäse – Gerwien, Ulsaß, Moll, Krafczyk, Maas war auch nur Wolfgang Simon „neu“ (3.Ss-Einsatz).
Vor gerade einmal 6.000 Zuschauern nahm das Spiel zunächst seinen erwarteten Verlauf. Der BTSV machte das Spiel und ging in der 27.Minute durch ein Abstaubertor von Jürgen Moll in Führung. Doch anstatt normal weiterzuspielen und weiterhin Druck zu machen, passten sich die Blaugelben immer mehr der Spielweise von Tasmania an. Die Löwen waren schon noch besser, aber zu wirklich zwingenden Aktionen kam es kaum noch; und wenn doch einmal, wurden sie vergeben. So blieb es bis zum Pausenpfiff beim 1:0. Nach dem Wechsel dasselbe Bild: Eintracht kontrollierte die Begegnung, aber der Wille, unbedingt ein zweites Tor zu schießen, war nicht erkennbar.
Warum auch? Hinten drohte keine Gefahr, da auch Berlins Spielmacher (und früher in Italien für Inter Mailand spielende deutsche Nationalspieler) Szymaniak von Walter Schmidt aus der Partie genommen wurde. ‚Man‘ würde das Spiel schon nach Hause schaukeln. – So kamen die Gedanken der Spieler den 6.000 Unentwegten vor! Murren machte sich breit!
Als dann das eigentlich Unmögliche geschah und Tasmania durch Klaus Konietzka das 1:1 erzielte (55.), gab es für die Zuschauer kein Halten mehr. Ein Pfeiffkonzert setzte ein, gefolgt von Anfeuerungen für den Underdog. Für jede gelungene Aktion der Berliner gab es jetzt Beifall. Und wenn Braunschweiger Fans etwas machen, so machen sie es richtig. Heimspiel-Atmosphäre für Tasmania! – Was Szymaniak später zu der Aussage veranlasste: „Wenn wir zuhause auch einmal so angefeuert würden wie hier, wäre ich schon zufrieden.“
Das Spiel des Gastes blieb allerdings zu limitiert, um mehr als dieses eine Tor zu erzielen. Eintracht dagegen riss sich noch einmal zusammen und kam spät durch Treffer von Krafczyk (85.) und Maas (88.) zu einem vom Ergebnis her standesgemäßen 3:1-Sieg. Zu wenig für die Zuschauer: Mit gellenden Pfiffen wurde die Mannschaft entlassen.
[Stand: März 2021]

Eintracht – 1. FC Heidenheim 4:0 (3:0)14.05.2011
38. Spieltag 3. Liga – 2010/11
Saison-Finale!
Noch einmal Drittliga-Fussball in Braunschweig – das aber zum aller-aller-allerletzten Mal !
Zum Abschluss der Saison 2010/2011 empfing der Meister der 3. Liga und Zweitliga-Aufsteiger Eintracht Braunschweig am 14.5.2011 die Mannschaft des 1. FC Heidenheim.



[alle Bilder von B.Grimm]

Eintracht hatte es geschafft! Nach 1988, 2002 und 2005 war dem BTSV ein viertes Mal der Aufstieg in die 2. Bundesliga gelungen.
Während die Fans bei allen vorangegangenen Aufstiegen regelmäßig bis zur letzten Saison-Sekunde zittern mussten, war die abgelaufene Spielzeit auch für Herzpatienten geruhsam und entspannend verlaufen. Bereits früh hatten sich die 'Löwen' in einer zunächst extrem stark punktenden, fünf Mannschaften umfassenden Spitzengruppe (5. wies nach 11 SpT 21 Punkte auf) festgesetzt und in der Folgezeit einen Konkurrenten nach dem anderen hinter sich gelassen. Am letzten Spieltag der Hinrunde gelang erstmals nach dem 2. Spieltag wieder der Sprung auf Platz 1 der Tabelle. Der Tabellenvierte lag zu diesem Zeitpunkt bereits 10 Punkte zurück. Dieses Mal behaupteten die Blau-Gelben die Tabellenführung – und wie! In den ersten 8 Spieltagen der Rückrunde gingen sie 7x als Sieger vom Platz und spielten 1x Unentschieden. Fünf Spieltage später war es dann so weit. Durch ein 1:0 am 32. Spieltag bei der SpVgg Unterhaching stand Eintracht bereits 6 Spieltage vor Schluss als erster Aufsteiger fest, da der Vorsprung auf Relegationsplatz 3 auf 20 (!) Punkte angewachsen war.



Auch danach ließ sich die Mannschaft nicht hängen. Trotz diverser feuchtfröhlicher Feiern blieb sie in den folgenden fünf Punktspielen unbesiegt (2 Siege, 3 Unentschieden). Die Drittliga-Meisterschaft machte sie ebenfalls vorzeitig mit einem 2:1-Sieg gegen den VfB Stuttgart 2 am 30. April (36. Spieltag) perfekt. Drei Tage später gewann sie zudem noch den NFV-Pokal durch einen 2:1-Erfolg im Finale bei Kickers Emden. Kuriosum am Rande: Sowohl den Siegtreffer gegen den 'kleinen' VFB in der 93. Minute als auch beide Treffer in Emden erzielte Stürmer Calamita, dessen Vertrag vom BTSV aus sportlichen Gründen nicht verlängert wurde.



Mit dem 1. FC Heidenheim hatte Eintracht den Tabellenachten zu Gast. Mit 51 Punkten wies der Aufsteiger aus der Vorsaison 31 Punkte weniger als die Blau-Gelben auf. Mit dem Abstieg hatten die Heidenheimer aber ebenso wenig zu tun wie mit dem noch spannenden Kampf um Platz 3. Ein angenehmer Gegner zum Saisonende also, hofften die Fans.



Natürlich war der 'Tempel' an der Hamburger Straße mit 22.100 Zuschauern an diesem Samstag ausverkauft. Schon zwei Stunden vor Spielbeginn (13.30 Uhr) begann das musikalische Rahmenprogramm. Höhepunkt war sicherlich der Auftritt von Marc Wittfeld vom Fan-Club 'Jägi-Jungs' mit seinem selbstkomponierten Aufstiegssong, den er kurz nach dem Unterhaching-Spiel bei youtube ins Netz gestellt hatte und der sich großer Beliebtheit bei den Fans erfreute.



Die Heidenheimer erfüllten die Hoffnungen der Fans und waren kein Spielverderber. Bereits zur Halbzeit war das Spiel für die Blau-Gelben, denen man die 3-tägige Mannschaftsfahrt zu Beginn der Woche nach Mallorca nicht anmerkte, entschieden. Kumbela per Kopf (10.Minute), Vrancic auf Pass von Kruppke (28.) und Theuerkauf mit einer 'missglückten' Flanke (44.) hatten ein beruhigendes 3:0 herausgeschossen. Für Kumbela war es der 19 Saisontreffer. Er zog damit mit dem Führenden der Torjägerliste Mayer aus Heidenheim gleich, der verletzungsbedingt aussetzen musste. In Halbzeit 2 ließ Theuerkauf mit einem verwandelten Freistoß noch das 4:0 folgen (54.) – das war ´s!
Zwar wäre auch ein 7:1 oder 8:2 möglich gewesen, den Fans war es jedoch egal. Sie stürmten – nicht zum ersten Mal in dieser Spielzeit – den Rasen.
Einige Minuten später (15:27 Uhr) bekam Mannschaftskapitän Kruppke dann die Meisterschale der 3. Liga von einem DFB-Vertreter überreicht und reckte sie in die Höhe [siehe Bild unten; alle fünf Bilder von B.Grimm]. Jubel brandete auf! Kurz danach wurde auch der NFV-Pokal gemeinsam mit der Schale in den Himmel gestreckt. Es folgte eine gemeinsame Gesangsstunde von Mannschaft und Fans...
Die Mannschaft feierte am Abend mit ca. 1.000 geladenen Gästen des BTSV in der VW-Halle weiter. Die größte Feier hatte die Okerstadt aber noch vor sich.



Am folgenden (Sonn-)Tag machten sich morgens Eintracht-Spieler und Verantwortliche in einem Autokorso in mehr als 20 nagelneuen offenen Cabriolets auf den Weg zum 'Schloss'. Begleitet wurden sie von etwa 2.000 Fans. So mancher davon bekam von einem Spieler dann schon einmal ein Exemplar der eigentlich erst am folgenden Tag erhältlichen 'Wolters'-Dose mit der Aufschrift 'Aufstieg 2011 – Nie mehr 3. Liga' geschenkt. Prost!
In der Stadtmitte angekommen, trug sich die Mannschaft zunächst im Rathaus ins 'Goldene Buch' der Stadt ein. Diese Ehre war zuvor nur der Meister-Mannschaft von 1967 zuteil geworden. Anschließend begab sich das Team auf den 'Schloss'-Balkon und wurde von 17.000 wartenden Fans begeistert empfangen. Die große Feier, zu der auch Edel-Fan Ex-Fernsehkommentator Rolf Töpperwien erschienen war, konnte seinen Lauf nehmen ... und zog sich bis in den späteren Nachmittag hin. Mannschaft und Fans hatten sich das verdient!
Eine phantastische Saison für die 'Löwen' war damit zu Ende gegangen.
Eintracht war nicht nur aufgestiegen, sondern hatte auch jede Menge Rekorde für die (seit drei Spielzeiten bestehende) 3. Liga aufgestellt:
-- 331.978 Zuschauer (bisher: 08/09 F.Düsseldorf 282.632). Schnitt: 17.443
-- 85 Punkte (bisher: 08/09 Un.Berlin 78)
-- 81 Tore (bisher: 08/09 FC Ingolstadt 72)
-- 22 Gegentore (bisher: Un.Berlin 23)
-- 26 Siege (bisher: 08/09 Un.Berlin 22)
-- 49 Punkte zuhause (bisher: 09/10 VfL Osnabr. + Erzgeb. Aue 48)
-- Aufstieg bereits am 32. Spieltag ...
Zusätzlich stellten die Blau-Gelben mit Kumbela einen der beiden Torschützenkönige.
Schließlich stufte die Sportzeitschrift 'Kicker' die Leistungen von gleich 11 blau-gelben Spielern in der Rangliste des Deutschen Fussballs der 3. Liga als überdurchschnittlich ein. Mit 'Herausragend' wurden auf ihren Positionen Petkovic (2. Platz), Dogan (1.), Henn (3.), Reichel (1.), Bellarabi (2.) und Kruppke (2.) bewertet. Im 'Blickfeld' landeten Kessel, Boland, Theuerkauf, Vrancic und Kumbela.
Neben Eintracht schafften Hansa Rostock (78 Punkte) und Dynamo Dresden (65 Punkte) den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Dynamo setzte sich in den Relegationsspielen gegen den Sechzehnten der 2.Liga Karlsruher SC durch (1:1/3:1n.V.).