17. Mai
Eintracht – Karlsruher SC 0:2 (0:1)17.05.2015
33. Spieltag 2. Bundesliga – 2014/2015
Am 33. und gleichzeitig vorletzten Spieltag der Zweitliga-Saison 2014/15 erwartete der Fünfte den Vierten der Tabelle. Eintracht empfing den KSC.
Es hätte so schön aussehen können für die „Löwen“ von der Oker. Sie hätten nur die beiden Rückrundenspiele gegen den jeweiligen Tabellenletzten gewinnen müssen. Das war doch nun wirklich nicht zuviel verlangt von einem Bundesliga-Absteiger, oder? Dann wäre die 1:3-Niederlage beim Mitabsteiger 1.FC Nürnberg am letzten (32.) Spieltag auch verkraftbar gewesen. Aber nein, die Kicker des BTSV mussten ja sowohl ihr Heimspiel am 24.Spieltag gegen das Schlusslicht der 2.Bundesliga, den FC St.Pauli, mit 0:2 als auch am 29.Spieltag beim neuen Letzten, dem VfR Aalen, mit 1:2 verlieren. Statt einer Punktzahl von 56, die sie punktgleich mit dem Tabellenzweiten Darmstadt 98 auf Platz 3 geführt hätte, wiesen sie nun nur 50 Punkte und damit einen Rückstand auf Platz 3 (1.FC Kaiserslautern) von 4 Zählern auf. Sie besaßen damit lediglich noch Außenseiterchancen auf die Relegation (Platz 3), konnten aber immerhin den Karlsruher SC (52 Punkte) im Falle eines Heimsiegs hinter sich lassen und die Saison wenigstens als Vierter abschließen.
„Nur“, „wenigstens“, „nicht zuviel verlangt“? Dachte man tatsächlich so in Braunschweig? Mag sein, dass der eine oder andere „Fan“ der Braunschweiger Eintracht tatsächlich diese Anspruchshaltung entwickelt hatte, aber die große Mehrheit sah die Entwicklung ihres Vereins doch realistisch und war – angesichts der vorgenommenen Investitionen in „Steine“ und des Aderlasses von „Beinen“ nach dem Abstieg – mit dem Saisonverlauf sehr zufrieden. Immerhin kickte man vier Jahre zuvor noch in Liga 3. Aber schade war es trotzdem …!
Die Hoffnungen der KSC-Fans auf den Aufstieg ihres Teams dagegen waren so unrealistisch nicht. Zumindest der 3.Platz schien erreichbar. Der 1.FC Kaiserslautern war nur 2 Zähler voraus und musste zeitgleich bei Erzgebirge Aue antreten, das wiederum jeden Punkt für den Klassenerhalt benötigte. Die „Veilchen“ hatten bereits am 30.Spieltag beim unglücklichen 2:4 in Braunschweig bewiesen, dass sie sich noch lange nicht aufgegeben hatten, und waren danach mit zwei Siegen regelrecht durchgestartet. Der erste Sieg war ausgerechnet mit 3:1 gegen den KSC gelungen, bevor ein 2:1 bei Union Berlin folgte. Warum also nicht noch ein Sieg gegen einen weiteren Aufstiegsanwärter?
Darin lag natürlich auch die – zugegebenermaßen – klitzekleine Chance des BTSV. Den KSC schlagen und auf Aue hoffen …! Vielleicht ging dann noch ´was! Immerhin hatten die Betze-Buben die letzten beiden Partien verloren.
Allerdings – der Karlsruher SC hatte mehr Punkte als die „Löwen“ und wollte erst einmal besiegt werden. Die Badener, die eine wesentlich bessere Position im Kampf um die Aufstiegsplätze durch die 0:1-Heimniederlage gegen den jetzigen Zweiten der Tabelle Darmstadt 98 im letzten Montagsspiel der Saison (32.SpT) verspielt hatten, wollten ebenfalls ihre letzte Chance nutzen. Ihr Trainer Kauczinski sagte dann auch „Wir haben nichts mehr zu verlieren.“
Doch! Platz 4 nämlich! Den wollte nun der BTSV! Marc Pfitzner bekräftigte dies mit den Worten: „Wir geben nicht auf!“ Sein Trainer Torsten Lieberknecht, der just in der Woche vor dem Spiel (13.5.2015) mit 2.557 Tagen zu Eintrachts Rekordtrainer geworden war und damit Hellmuth Johannsen ablöste, setzte mit der Aussage „Wir werden noch ´mal beißen!“ noch einen drauf.
22.335 Zuschauer fanden sich in gespannter Erwartung am Sonntag, den 17.5.2015 im Stadion an der Hamburger Straße ein. Der Gästeblock war prall gefüllt, bis auf wenige Restkarten war der „Tempel voll“.
Bevor das Geschehen auf dem Platz die volle Aufmerksamkeit erforderte, konnten noch die Fussballereignisse der Woche diskutiert werden. Bayern München war im Halbfinale der ChampionsLeague am FC Barcelona (3:2/0:3) gescheitert. Das erfreute die Mehrheit der Eintracht-Fans, denn der sog. „Stern des Südens“ aus dem Freistaat war im Braunschweiger Land nicht sonderlich beliebt. Was jedoch ärgerlich war, hatte sich erst einen Tag zuvor zugetragen. Am Samstag verlor der Tabellenfünfte der Bundesliga, der FC Augsburg, sein letztes Heimspiel der Saison gegen den Sechzehnten, die „Roten“ aus West-Peine, mit 1:2. Die Landeshauptstädter kletterten dadurch (erster Sieg nach 16 sieglosen Spielen) auf Platz 15. Ein „Derby“ in der nächsten Saison war damit unwahrscheinlich geworden. Wenigstens hatte der „große“ HSV seine Partie beim Letzten VfB Stuttgart mit 1:2 verloren und war damit auf den vorletzten Tabellenplatz abgerutscht. Nord-Duelle mit dem Dino wären ja auch nicht schlecht…!
Vor dem Anpfiff galt es dann noch, die Spieler zu beklatschen, die den BTSV nach der Saison verlassen würden. Mit Torwart Petkovic, Henn, Kessel, Rafael Korte, Ryu (Leihe beendet), Theuerkauf und Washausen verließen gleich 7 Spieler (teilweise von sich aus) die „Löwen“, um woanders ihre Karriere fortzusetzen. Das wollten Deniz Dogan und Dennis Kruppke nicht. Sie beendeten zwar ihre Spielerlaufbahn, blieben aber in anderer Funktion beim Verein.
Pünktlich um 15.30 Uhr schließlich pfiff Dr. Felix Brych, der 13 Tage später das Pokalfinale in Berlin pfeifen sollte (Betriebssportgruppe VW – BvB = 3:1), die Begegnung an. Auf der Seite der Blau-Gelben sollten Gikiewicz; Sauer, Correia, Dogan, Reichel; Pfitzner, Boland; Omladic, Hochscheidt, Ryu; Berggreen die letzte Chance nutzen. In der Karlsruher Startelf stand mit Rouven Hennings der zweitbeste Torjäger der 2.Liga (15 Treffer) und mit Philipp Max ein vielversprechendes Talent, das seine Bundesliga-Karriere noch vor sich hatte (ab Sommer 2015: FC Augsburg).
Wenn es jemand gegeben haben sollte, der sich der Bedeutung des Spiels nicht bewusst war, so wurde er noch in der 1.Spielminute aufgeklärt. Hochscheidt hatte Peitz gefoult, und sofort erfolgte die sog. Rudelbildung. Schiri Brych musste eingreifen und schlichten, was er dann mit den Gelben Karten für Hochscheidt, Peitz und Pfitzner auch tat. Danach diktierte zunächst Eintracht die Partie. Die „Löwen“ störten früh den Spielaufbau der Gäste und versuchten so, Druck zu erzeugen. Außer zwei Ecken sprang aber nichts dabei heraus. Erst nach ca. 10 Minuten deutete der KSC seine Gefährlichkeit an. Einen Freistoß aus größerer Entfernung, der im Lattenkreuz eingeschlagen wäre (12.), konnte Gikiewicz jedoch ebenso entschärfen wie einen Schuss des frei vor ihm auftauchenden Nazarow (16.). Im Anschluss tat sich eine Zeit lang wenig Aufregendes auf dem Platz. Die Zuschauer sahen schon ein Zweitliga-Spiel der besseren Art, aber gelungene Offensivaktionen hatten Seltenheitswert. Auch die Blau-Gelben spielten ordentlich bis gut, nur kam der letzte Pass zu selten an. So blieb der von Gulde geblockte Omladic-Schuss (20.) die einzige nennenswerte Offensivaktion. Nach 30, 35 Minuten deutete nichts auf ein Tor im 1.Durchgang hin. Die Partie plätscherte vor sich hin.
Das änderte sich in Minute 36. Eine ebenso riskante wie sehenswerte, aber auch absolut notwendige Grätsche von Pfitzner verhinderte einen wahrscheinlichen Einschlag im Eintracht-Gehäuse. Sieben Minuten später half auch das nichts mehr. Hennings hatte sich klug vom Gegenspieler gelöst, den Ball erhalten und knapp an Gikiewicz vorbei vollstreckt (43.). Fast hätte Correia den nicht unhaltbaren scheinenden, langsamen Ball noch vor dem Überschreiten der Torlinie erreicht. 0:1! Jubel in Block 19, Ernüchterung in der Südkurve!
Die Blaugelben auf dem Rasen zeigten sich unbeeindruckt vom Gegentreffer und kamen noch vor dem Pausenpfiff zu einer Ausgleichschance. Zuck, den Eintracht kurz zuvor vom SC Freiburg gekauft (zuvor Leihe) und mit einem 3-Jahres-Vertrag ausgestattet hatte, war bis zur Grundlinie durchgebrochen, fand mit seiner Flanke aber keinen Abnehmer (45.+1). Pause! Von den Spielanteilen her war das 0:1 aus Sicht der „Löwen“ unverdient, jedoch hatte sich der Gast als zwingender in seinen Offensivaktionen erwiesen.
Für die 2.Halbzeit brachte Trainer Lieberknecht Nielsen für Hochscheidt. Es sollte also etwas offensiver werden. Und das wurde es dann auch. Zuck (49.) und Boland (53.) mit zu hohen angesetzten Schüssen (49.) sowie Nielsen (51.) mit einem gerade noch abgefangenen Pass auf Berggreen sorgten für erste Aufregung beim KSC. Nielsen, der in der 55.Minute zum Unverständnis der Zuschauer den gelben Karton von Schiri Brych sah, hatte sofort für frischen Schwung gesorgt. Eintracht kombinierte nun sehenswert und drängte auf den Ausgleich. Die Zuschauer bekamen eine Eintracht vom Feinsten zu sehen. In der 68. Minute schien der überfällige Ausgleich endlich zu fallen. Boland hatte sich bis zur Grundlinie durchgespielt und passte zurück auf Nielsen, der das Leder jedoch knapp am Tor vorbeischob. ‚Es ist zum Haareraufen! Nun aber!´ Der Minutenzeiger war gerade einmal weitergesprungen, da kamen erst Omladic und dann der Sekunden zuvor (für Pfitzner) eingewechselte Düker zum Schuss. Letzteren entschärfte Orlishausen mit einer Glanzparade. Der Torwart der Gäste war es dann auch, der nach 72 Minuten erneut einen Treffer der Blau-Gelben verhinderte. Bis zu diesem Zeitpunkt war der BTSV klar besser und hätte den Ausgleich mehr als verdient gehabt. Chancen des KSC: außer einem Schüsschen von Nazarow (72.) ab-so-lu-te Fehlanzeige! Erst danach ließ der Druck der „Löwen“ langsam nach. Chancen ergaben sich jedoch auch weiterhin. In der 82.Minute sorgte ein Kopfball des 3 Minuten zuvor (für Omladic) eingewechselten Kessels für Gefahr, wurde aber zur Ecke geklärt. Eckenverhältnis zu diesem Zeitpunkt: 5:1. Ergebnis: 0:1.
In Minute 84 gab es erneut eine Rudelbildung, in der Reichel den gegnerischen Peitz schubste. Dieser ging schauspielreif zu Boden. Schiri Brych, der sich an diesem Nachmittag nun wahrlich nicht als Heimschiedsrichter gezeigt hatte, zog sofort „Rot“. Eine absolut überzogene Entscheidung. Wenigstens ging Peitz mit „Gelb-Rot“ auch vom Platz. Drei Minuten später folgte dann der endgültige K.O. für die Blau-Gelben. Nach einem Einwurf und dem folgenden Fehler von Dogan kam erneut Hennings frei zum Abschluss und ließ sich die Chance nicht entgehen. 0:2 (87.). Eintracht gab zwar danach immer noch nicht auf und erspielte sich noch 2 Ecken sowie 3 hochkarätige Chancen (Dogan, 91., Klärung auf Torlinie; Kessel, 92. frei vor Torwart; Boland, 94., Schuss auf Mann), aber an diesem Tage sollte es irgendwie nicht sein. Nach 94 Minuten beendete der Schiedsrichter die Partie.
Endstand: 0:2! Absolut unverdient, aber Realität!
Eintracht hatte damit seine letzte Chance auf den Aufstieg verspielt. Zum Schämen bestand nach dieser guten Leistung jedoch kein Anlass. Das gab die Südkurve den enttäuschten Spielern auch noch lautstark zu verstehen.
Beim Karlsruher SC herrschte dagegen Freude pur. Erzgebirge Aue hatte dem 1.FC Kaiserslautern tatsächlich ein 0:0 abgetrotzt und dem KSC damit dank des besseren Torverhältnisses zu Platz 3 in der Tabelle verholfen (beide 55P.). Da gleichzeitig Darmstadt 98 bei Greuther Fürth 0:1 verloren hatte, durfte man sogar wieder auf Platz 2 hoffen (56P.).
Eine Woche später hatten sowohl Bundesliga als auch 2.Liga ihr Finale. Die „Roten“ schafften den Klassenerhalt direkt, der HSV musste – wie in der Vorsaison -- in die Relegation. Dort sollten sie auf den KSC treffen, der seinen 3.Platz mit einem Heimsieg halten konnte. Nach einem 1:1 zu Hause schaffte der „Dino“ mit einem glücklichen 2:1 n.V. in Karlsruhe wiederum den Klassenerhalt.
Eintracht beendete die Saison in der 2.Bundesliga nach einem 0:2 bei Union Berlin auf Platz 6. Zuvor hatte Trainer Lieberknecht übrigens noch in einem ausführlichen „Kicker“-Interview (Ausgabe vom 18.5.) erklärt, für ihn „ist ein Wechsel nach Hannover unvorstellbar“.
21.610 Zuschauer waren im Durchschnitt zu den 17 Heimspielen der „Löwen“ in dieser Saison 2014/15 erschienen. Das bedeutete eine Stadionauslastung von 92,7%, der zweithöchsten in Liga 2.
Apropos Zuschauer! In derselben Ausgabe des „Kicker“, in der Lieberknecht „Nein“ zu 95+1 gesagt hatte, ließ sich der damalige Vorstandsvorsitzende von Eintracht Frankfurt zum Fanverhalten des VfL Wolfsburg aus: „Die gewinnen gegen Bayern München und kommen samstags drauf dann mit 156 Fans zu uns.“
Aber das war ja 2015 und hat sich bis heute ja … ähem … gründlich geändert…
Saison 2019/20, Europa League, Gruppenphase:
1.Heimspiel: 10.112 Zuschauer
2.Heimspiel: 11.620 Zuschauer (Zahlen von „fussballdaten.de entnommen)
[Stand: November 2019]