25. Mai
1. FC Magdeburg – Eintracht 1:225.05.1977
Freundschaftsspiel – 1976/77
Am 25.5.1967 trat Eintracht zum Freundschaftsspiel beim 1. FC Magdeburg an.
Es gab wieder Freundschaftsspiele zwischen Mannschaften der beiden deutschen Staaten! Während sich die Teams der Bundesrepublik und der DDR über viele, viele Jahre nur in den offiziellen europäischen Wettbewerben (Europapokal der Landesmeister und der Pokalsieger, Messepokal bzw. UEFA-Cup, Intertoto-Runde) gegenüberstehen konnten, hatte die Entspannungspolitik der frühen 70er Jahre dazu geführt, dass die innerdeutschen Sportbeziehungen wieder aufgenommen worden waren. Freundschaftliche Vergleiche waren wieder möglich und wurden im Fussball seit 1975 wieder durchgeführt.
Eintracht hatte die Bundesliga-Saison 1976/77 gerade vier Tage zuvor mit einem 6:0 gegen Rot-Weiß Essen beendet und dabei die zweite deutsche Meisterschaft nur haarscharf verpasst. Ein Punkt und sieben Tore fehlten am Ende gegenüber dem (alten und) neuen Meister Bor. M"Gladbach. Aber auch für die Magdeburger war es eine erfolgreiche Spielzeit gewesen. Vier Punkte hinter dem neuen DDR-Meister Dynamo Dresden, aber noch einen Punkt vor Carl-Zeiss Jena belegte der FC Tabellenplatz 2 und hatte sich damit – wie auch die Blau-Gelben – für die Teilnahme am UEFA-Cup qualifiziert.
Wie in der DDR allgemein üblich, waren die Verantwortlichen auch im Vorfeld dieser Begegnung sehr darum bemüht, möglichst keine Kontakte zwischen DDR-Bürgern und Bewohnern der Bundesrepublik zuzulassen.


So hatten die 1.000 "Löwen"-Fans, die die Mannschaft zu dem Spiel begleiteten, zwar ihre Einreisegenehmigungen für damalige Verhältnisse verblüffend unbürokratisch erhalten, wurden dann aber in den eingesetzten Bussen in einem Konvoi durch den Harz geleitet und direkt zu dem für sie vorgesehenen abgesonderten Bereich im Stadion gebracht.
Auch die Mannschaft, die schon vorher in Magdeburg eingetroffen war, sollte in ihrem Hotel "International" von der Umwelt abgeschirmt werden. Aber nicht mit Eintracht! Bewaffnet mit Klub-Nadeln, Wimpeln und Mannschaftsbildern in großer Anzahl verließen die Spieler das Hotel und mischten sich einfach unter die Menge. Bereits kurze Zeit später waren alle Fan-Artikel verteilt und neue wurden in Braunschweig geordert.
Eintrachts Verhalten kam gut an bei den Magdeburgern! Seit 1974, als die Bayern beim 1. FC im Europapokal der Landesmeister antreten mussten und während ihres Aufenthalts darauf bestanden hatten, dass ihr eigener mitgebrachter Koch das Essen zubereitet, waren die Elbe-Städter auf die "West-Vereine" nicht mehr gut zu sprechen gewesen. Eintracht hatte mit seinem vorbildlichen Verhalten den schlechten Eindruck, den Bayern München hinterlassen hatte, ausgelöscht.
30.000 Zuschauer wollten die Begegnung an diesem Mittwochabend im Ernst-Grube-Stadion sehen. Diese Zahl war deswegen bemerkenswert, weil zeitgleich das Endspiel im Europapokal der Landesmeister FC Liverpool gegen Bor. M"Gladbach (Endergebnis: 3:1) live im Fernsehen gezeigt wurde. Die Zuschauerzahl zeigte deutlich, dass es sich eben nicht nur "um einen internationalen Vergleich" handelte, wie das Magazin zu diesem Spiel glauben machen wollte, sondern um ein Spiel zweier deutscher Mannschaften
Es wurde ein abwechslungsreiches Spiel. Eintracht gewann am Ende mit 2:1.
Dem BTSV war es damit als erste Mannschaft der Bundesrepublik gelungen, einen freundschaftlichen Vergleich mit einem DDR-Team zu gewinnen. Zwar stand es in den Pflichtspielen der Eurocup-Wettbewerbe zwischen den Bundesligisten und den DDR-Oberligisten in etwa ausgeglichen, ein Freundschaftsspiel gegen eine Mannschaft aus der DDR hatte jedoch noch kein Bundesligist gewonnen.
Die Vergleiche bisher:
1.FC Kaiserslautern – Carl Zeiss Jena = 0:1 (1975)
Kickers Offenbach – Lok Leipzig = 2:2 (1975)
Carl-Zeiss Jena – 1.FC Kaiserslautern = 2:1 (1976)
Lok Leipzig – Kickers Offenbach = 1:0 (1976)
MSV Duisburg – Dynamo Dresden = 1:1 (1977)
Vorwärts Frankfurt/Oder – Fortuna Düsseldorf = 2:1 (1977)
Auch 1978 änderte sich an dieser Erfolglosigkeit der Bundesligisten – mit der Ausnahme von Eintracht in Magdeburg -- zunächst nichts:
Eintracht – Lok Leipzig = 2:2
Dynamo Ost-Berlin – MSV Duisburg = 2:0

Eintracht - Hertha BSC Berlin 2:1 (1:0)25.05.1988
Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga - 1988
Am 25.5.1988 trat Hertha BSC Berlin im Kampf um den Aufstieg zur 2. Bundesliga in Braunschweig an.
Eintracht war ein Jahr zuvor aus der 2. Bundesliga in die Oberliga abgestiegen. Die "Löwen" spielten in der Saison 1987/88 damit erstmalig in der Vereinsgeschichte nur drittklassig. Dafür zierte wieder der rote Löwe die Trikots -- die 13 Jahre der Jägermeister-ßra waren vorbei.
Die Oberligasaison verlief für die Blau-Gelben unter ihrem Spielertrainer Uwe Reinders überaus erfolgreich. Mit 25 Siegen (bei nur 2 Niederlagen) aus den 34 Saisonspielen wurde souverän der Meistertitel vor dem VfL Wolfsburg errungen. Die Mannschaft hatte dabei 89 Tore erzielt. Als TOP-Torjäger zeichneten sich Olaf Schmäler (13), der erst im Winter verpflichtete Dreßel (10), Buchheister (9) und der Trainer (8) aus.
Die ersten beiden Tabellenplätze berechtigten zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga. In der Aufstiegsrunde Gruppe Nord traf Eintracht – neben dem VfL Wolfsburg – auf die Mannschaften MSV Duisburg, Hertha BSC Berlin und Preußen Münster. Eintracht musste Erster oder Zweiter dieser Gruppe werden, um aufzusteigen.
Da die "Löwen" das erste Aufstiegsrundenspiel beim MSV Duisburg unglücklich mit 1:0 verloren hatten und am 2. Spieltag spielfrei waren, standen sie im Spiel gegen die Berliner Hertha schon unter Druck. Eintracht-Präsident Tenzer brachte es im Vorwort von "Eintracht aktuell" zu diesem Spiel auf den Punkt: "Heute, gegen Hertha BSC Berlin, müssen wir gewinnen."
Eintracht begann an diesem Mittwochabend auch schwungvoll. Kurz vor der Pause gelang Bernd Buchheister die von den 16.000 Zuschauern umjubelte Führung. Als die Berliner jedoch nach einer Stunde ausglichen, verflachte das Spiel. Den Blau-Gelben gelang es nicht mehr, Druck auf die Herthaner auszuüben. Das Spiel steuerte einem Unentschieden entgegen. In der 90. Spielminute beging der Berliner Torwart Junghans jedoch einen verhängnisvollen Fehler. Es ging einem langen Ball ohne Not bis zu Strafraumgrenze entgegen, erreichte ihn jedoch nicht mehr vor dem Eintracht-Stürmer. Savic hatte keine Mühe, per Kopf den Siegtreffer zu erzielen.
Die "Löwen" hatten das Spiel doch noch gewonnen und die ersten wichtigen Punkte im Kampf um den Aufstieg zur 2. Bundesliga errungen.
Am Ende der Aufstiegsrunde hatte Eintracht den Aufstieg geschafft – gemeinsam mit dem Gegner dieses Abends, der Hertha aus Berlin.

Eintracht - FSV Mainz 05 1:4 (0:2)25.05.2003
34. Spieltag 2. Bundesliga – 2002/03

Am 25.5.2003 war es also soweit. An diesem Tag musste sich im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05 entscheiden, ob Eintracht nach nur einem Jahr wieder aus der 2. Bundesliga absteigen würde.
Die Erwartungen der Eintracht-Fans vor dieser Saison 2002/2003 waren ganz andere gewesen. Nach dem Last-Minute-Aufstieg im letzten Sommer durch das Kopfballtor von Piorunek waren die Hoffnungen groß, dass sich die "Lowen"? wieder als feste Größe im Fussball-Unterhaus etablieren könnten. Und dann diese Saison! Abstiegskampf praktisch von Beginn an, schon fast aussichtslos abgeschlagen nach der ersten Halbserie mit 10 Punkten und eine nahezu unbegreifliche Heimschwäche mit nur 3 Siegen bei 16 Auftritten! Immerhin hatte es die Mannschaft in der Rückrunde geschafft, sich durch deutlich bessere Leistungen insbesondere in den Auswärtsspielen (5 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen) noch eine kleine Chance auf den 14. Tabellenplatz und damit den Klassenerhalt zu erarbeiten.
Vor diesem 34. und letzten Spieltag sah die Situation im Tabellen"keller" wie folgt aus:

12. Rot-Weiß Oberhausen 37 Punkte -9 Tore
13. LR Ahlen 37 Punkte -13 Tore
14. Karlsruher SC 36 Punkte -13 Tore
15. Eintracht 34 Punkte -17 Tore
16. SSV Reutlingen 33 Punkte -7 Tore

Oberhausen war für den BTSV unerreichbar, das war klar. Aber neben Karlsruhe schien bei günstigstem Verlauf selbst Ahlen noch einholbar zu sein.
Besondere Brisanz bekam der Abstiegskampf dadurch, dass er eng mit dem Kampf um den dritten Aufstiegsplatz verbunden war. Hier stritten sich noch drei Mannschaften:
.
3. Eintracht Frankfurt 59 Punkte +23 Tore (53 geschossen)
4FSV Mainz 05 59 Punkte +22 Tore (60 geschossen)
5. SpVgg Greuther Fürth 57 Punkte +21 Tore

Mit Mainz 05 empfingen die "Löwen" also den Tabellenvierten, der nur um ein Tor schlechter als der Tabellendritte Eintracht Frankfurt dastand. Die Frankfurter selbst mussten zu Hause gegen den SSV Reutlingen antreten, der aufgrund seines vergleichsweise guten Torverhältnisses auch noch auf den Klassenerhalt hoffte. Der Karlsruher SC schließlich hatte die SpVgg Greuther Fürth zu Gast, die bei einem Sieg mit 2 Toren Differenz noch an Frankfurt und Mainz vorbeiziehen konnte.
Die Situation von Eintracht vor diesem letzten Spieltag wäre eine bessere gewesen, wenn die Mainzer am 32. Spieltag nicht ihr Spiel in Ahlen nach 3:2-Führung bis zur 89. Minute noch mit 3:4 verloren hätten. Die Eintracht-Fans (und auch die des Karnevalsvereins) hatte die Dramaturgie dieses im DSF live übertragenen Montagsspiels geschockt! Eintracht wäre punktgleich mit Ahlen gewesen und Mainz hätte bereits den Aufstieg vor Augen gehabt! Der Fussballgott wollte es anders! So musste Eintracht -- genau wie Mainz -- in jedem Fall gewinnen und darauf hoffen, dass Fürth in Karlsruhe punktet oder Ahlen sein Heimspiel gegen Oberhausen verliert.
Fünf Tage vor dem Spiel waren die Stadionplätze restlos ausverkauft. Ein Zehntel der 23.500 Karten war nach Mainz gegangen.
Bereits nach wenigen Minuten Spielzeit stand fest, dass Eintracht sein Ziel, den Klassenerhalt, an diesem Sonntag nicht würde erreichen können. Mainz, in dessen Reihen so bekannte Spieler wie Andrej Voronin (später u. a. bei Bayer Leverkusen und dem FC Liverpool) und Benjamin Auer standen, spielte überlegen und führte nach 19 Minuten verdient mit 2:0. So stand es auch zur Pause. In Halbzeit 2 wurde es für die Blau-Gelben nicht besser. Im Gegenteil! 47. Minute – 0:3, 61. Minute -- 0:4. Alle 4 Treffer hatte Benjamin Auer erzielt. Danach ließen es die 05er langsamer angehen, schalteten einen Gang zurück und nahmen Auer vom Platz (66.). Zu diesem Zeitpunkt stand es in Frankfurt 3:3, so dass Trainer Jürgen Klopp wohl davon ausging, dass ein Absichern des Vorsprungs die richtige Taktik sei.
Was sich danach abspielte, war typisch Eintracht Braunschweig und macht diesen Verein aus. Die "Löwen"-Fans, die angesichts des Spielstands und der Chancenlosigkeit nun wirklich allen Grund hatten, traurig zu sein, ließen nicht nach, die Mannschaft zu unterstützen, sondern verstärkten den Support sogar. Jetzt erst recht! Einmal Löwe, immer Löwe! In den letzten 15 Minuten des Spiels stand schließlich das gesamte Stadion einschließlich Tribüne und feuerte das als Absteiger feststehende Team, das sich trotz des Rückstands nicht hängen ließ und weiter kämpfte, lautstark an. In der 81. Minute gelang Thiam per Kopf der verdiente und umjubelte Anschlusstreffer zum 1:4. Es war zugleich der Endstand. Eintracht war abgestiegen und das Braunschweiger Publikum feierte seine Mannschaft trotzdem! Auch dem Mainzer Trainer nötigte dieses Verhalten Respekt ab: "Die Kulisse, die Stimmung – einfach sagenhaft!"
Apropos Mainz!? Nach dem Schlusspfiff versammelte sich das Mainzer Team einschließlich Trainer auf dem Rasen, um auf die Bekanntgabe des Ergebnisses aus Frankfurt zu warten. Dass die Eintracht in der 83. und 90. Minute zwei weitere Treffer erzielt hatte, hatte sich bereits herumgesprochen. Aber war es dabei geblieben? Kurze Zeit später stand fest, dass Mainz 05 nicht in die Bundesliga aufsteigen würde. Den Frankfurtern war in letzter Sekunde das 6:3 und damit der Aufstieg geglückt.
Einige Anhänger der Blau-Gelben nahmen diese Nachricht zum Anlass, ihre Schadenfreude gegenüber den Mainzer Spielern und deren Fans zu äußern. Hierüber beklagte sich Trainer Klopp nach dem Spiel medienwirksam. Das Deutsche Sportfernsehen (DSF, jetzt Sport 1) strahlte daraufhin Bilder einer kleinen Gruppe von Eintracht-Fans aus, die sich über die Mainzer lustig machten, und stellte die Fangemeinde des BTSV insgesamt an den Pranger. Verschwiegen wurde geflissentlich, dass
-- von der Mainzer Auswechselbank ein Wasserkasten auf die vollbesetzte Tribüne flog,
-- Mainzer Spieler nur mit Hilfe von Ordnungskräften daran gehindert werden konnten, gegenüber Stadionbesuchern handgreiflich zu werden,
-- ein Mainzer Spieler Braunschweiger Journalisten unflätig beleidigte, und
-- Trainer Klopp den Tribünenbesuchern hämisch applaudierte.
Eine Form von Sensationsjournalismus, die nicht nur die Fußball-Fans in Braunschweig verwunderte! Eintracht wird von Mainz 05 aus der 2. Bundesliga geschossen und von den Fans wird womöglich erwartet, dass sie die Mainzer angesichts ihres verpassten Aufstiegs noch trösten.
Wie wenig sachgerecht der inzwischen zum Erfolgstrainer und Medienliebling aufgestiegene Trainer Klopp auch heute noch mit dem verpassten Aufstieg 2003 umgeht, zeigt ein Interview in der "Bild am Sonntag" am 31.10.2010. Er gab dort an, niemals Eintracht oder Union Berlin trainieren zu wollen, weil sich die Fans dort bei den verpassten Mainzer Aufstiegen 2002 und 2003 so unsportlich verhalten hätten. Die "Löwen"-Fans werden es verschmerzen können!
Neben Eintracht und dem SSV Reutlingen stiegen der FC St. Pauli (17.) und Waldhof Mannheim (18.) aus der 2. Bundesliga ab. Ein Sieg im Duell mit Mainz 05 hätte dem BTSV auch nicht geholfen, da der Karlsruher SC und der LR Ahlen ihre Spiele jeweils mit 2:1 gewonnen hatten.
Die 17 Heimspiele der "Löwen" in der Saison 2002/03 wurden von mehr als 260.000 Zuschauern, im Schnitt also mehr als 14.000, besucht. Diese Zahlen zeigten überdeutlich, welche Bedeutung Eintracht für die gesamte Region hatte und wie viele Menschen die blau-gelben Farben in ihrem Herzen trugen. Das hat sich bis heute nicht geändert. Wie schrieb der damalige Präsident Glogowski im Vorwort des Stadionmagazins "Eintracht aktuell" zum Spiel gegen Mainz? "Egal wie es auch immer ausgeht – in jedem Fall bleiben wir der Eintracht treu!" Stimmt! [Stand: Dezember 2010]