8. Juni
Torwart Horst Wolter08.06.1942
Ein Löwengeburtstag
Horst Wolter wurde am 8.6.1942 bei Berlin geboren.
Seit 1960 spielte er bei Eintracht im Tor – zunächst als reiner Amateur, ab 1962 als Vertragsspieler. Für die Blau-Gelben bestritt "Luffe", wie ihn viele nannten, zwischen 1963 und 1972 195 Bundesligaspiele. Seine erfolgreichste Bundesligasaison war natürlich die Meisterschaftssaison 1966/67, in der er bis auf zwei Spiele immer im Tor stand und den "Löwen" durch seine Reaktionsschnelligkeit so manchen Punkt rettete.
Seine guten Leistungen blieben auch Bundestrainer Helmut Schön nicht verborgen. Am 22.2.1967 lief "Luffe" erstmals mit dem Adler auf der Brust auf (5:1 gegen Marokko). Danach bestritt er noch weitere 12 Länderspiele. Mit insgesamt 13 Länderspielen ist er auch der Rekord-Nationalspieler der Eintracht. Wolters bedeutenstes Länderspiel war das Spiel um den 3. Platz bei der Weltmeisterschaft 1970, das Deutschland gegen Uruguay mit 1:0 gewann (Tor: Overath).
Da der damalige Eintracht-Trainer Knefler ab der Saison 1971/72 den neu zu den Blau-Gelben geholten Torhüter Bernd Franke bevorzugte, wechselte Wolters 1972 zu Hertha BSC Berlin und spielte dort noch bis 1977 im Tor.
Anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft 1974 in Deutschland brachte die Post einen Briefmarkensatz heraus, auf dem verschiedene deutsche Nationalspieler abgebildet waren. Auf der 30 Pfennig-Briefmarke war "Luffe" Wolter zu sehen.

1.FC Saarbrücken - 1.FC Nürnberg 2:2 (2:0)08.06.1974
Aufstiegsrunde zur Bundesliga - 1974
Obwohl Eintracht nicht spielte, zitterten am 8.6.1974 Zehntausende von Löwen-Fans an ihren Radios zu Hause um ihre Mannschaft. Es war der letzte Spieltag der Aufstiegsrunde zur Bundesliga. Eintracht hatte spielfrei.
Nachdem Eintracht ein Jahr zuvor "durch einen bis heute vielerorts als ominös empfundenen 4:0-Erfolg von Hannover 96 am letzten Spieltag in Wuppertal" (Zitat aus Jahrbuch des Fussballs 73/74, Copress-Verlag München) erstmals aus der Bundesliga abgestiegen war, hatte die Mannschaft um Bernd Franke, den Mittelfeldregisseur Jürgen Weber und den von Bayern München zurückgekehrten Torschützenkönig Bernd Gersdorff keine Mühe, sich in der Regionalliga Nord durchzusetzen und die Aufstiegsrunde zur Bundesliga zu erreichen. Der vermeintlich härteste Konkurrent in der Liga, der FC St. Pauli, wurde mit einem 7:1 nach Hause geschickt. Die Mannschaft verlor nur 3 der 36 Spiele und schoß in 9 (!!) Spielen mindestens 5 Tore. Den Itzehoher SV traf es dabei am härtesten mit einem 0:10 zu Hause und einem 2:11 in Braunschweig.
Die Aufstiegsrunde selbst begann enttäuschend für Eintracht. Einem 0:1 in Nürnberg folgte ein 2:3 nach 2:0-Führung gegen Wattenscheid 09. Glücklicherweise gewann die Mannschaft 5 der verbleibenden 6 Spiele und spielte das sechste Unentschieden.
Ob die erreichten 11:5 Punkte aber für den Aufstieg reichen würden, sollte sich erst an diesem Tag im Spiel 1.FC Saarbrücken gegen 1.FC Nürnberg entscheiden. Dass die Nürnberger zu diesem Zeitpunkt nicht bereits als Aufsteiger feststanden, hatte Eintracht Wacker 04 Berlin zu verdanken, das den FCN in Berlin mit 5:0 schlug. So mussten die Nürnberger das letzte Spiel gewinnen, um Eintracht noch zu überholen.
Die Saarbrückener, die zuvor nur in einem der 7 Spiele punkten konnten, gingen schnell 2:0 in Führung und mit diesem Vorsprung auch in die Pause. In der 2. Halbzeit schaffte der FCN früh den Anschluss und in der 81. Minute den Ausgleich. Obwohl danach noch zahlreiche Ecken vor das Saarbrückener Tor geschlagen wurden, fiel kein weiteres Tor mehr.
Eintracht war bei Punktgleichheit mit einer um 1 Tor besseren Tordifferenz aufgestiegen.
Wer sich die Spannung bis zur "Sportschau" aufbewahrt hatte, erhielt schnell Klarheit, denn als Studiogast wurde gleich zu Beginn der Sendung u.a. Bernd Gersdorff vorgestellt.

Eintracht - Bayern München 0:1 (0:0)08.06.1985
34. Spieltag Bundesliga - 1984/85
Am letzten Spieltag der Saison 1984/85 hatten die Fans der Braunschweiger Eintracht eine traurige Pflicht zu erfüllen. Sie mussten ihre Mannschaft an diesem 8.6.1985 im Spiel gegen Bayern München auf ihrem bitteren Gang in die Zweitklassigkeit begleiten.
Der Abstieg der Löwen aus der Bundesliga stand schon länger fest. Rechnerisch war seit dem 31. Spieltag (bei 7 Punkten Rückstand auf den Relegationsplatz 16; 2-Punkte-Wertung) nichts mehr zu machen. Die letzten Hoffnungen hatten die Fans jedoch bereits am Spieltag zuvor nach der 2:4-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund aufgegeben.
Eigentlich war der Abstieg der Blau-Gelben vorprogrammiert. Präsident Günter Mast hatte dem Verein ein Sparkonzept mit Senkung des Lizenzspieleretats um etwa 30 % und mit Einheitsverträgen für die Spieler verordnet. Kein Wunder, dass unter diesen Vorausetzungen vor der Saison Leistungsträger abwanderten und echte Verstärkungen nicht verpflichtet werden konnten. So geriet man bereits zu Saisonbeginn – mit 4 Niederlagen zum Auftakt – in den Abstiegskampf und konnte sich hieraus nie befreien. Um so erstaunlicher und nur dem Kampfgeist der 'Löwen' sowie dem guten Verhältnis der Spieler zu Trainer Ristic zuzuschreiben war es, dass die Mannschaft bis in den März hinein Anschluss an die Nicht-Abstiegsplätze halten konnte. Dann aber war Schluss. Sechs Niederlagen am Stück (zwischen dem 23.3. und 25.4.) zerstörten die Chancen auf den Klassenerhalt. Die vielen jungen und unerfahrenen Spieler (wie Hoßbach, Lindner, Lux, Plagge, Posipal, Pospich, Scheil) waren letztendlich überfordert. So war es bezeichnend, dass mit dem erfahrenen Worm ein Spieler die meisten Tore erzielte, der zum Teil sogar als Libero aushelfen musste (10, gefolgt vom Mittelfeldspieler Peter Lux mit 6 Treffern). Die nominellen Stürmer trafen in der gesamten Saison nur zweimal (Plagge).


Nicht nur von der Bundesliga mussten die 'Löwen'-Fans an diesem Tag Abschied nehmen. Auch der 'Adler' Bernd Franke machte mit erreichten 37 Lebensjahren nach dem Spiel mit dem Profi-Fussball Schluss. Wie viele Punkte hatte er den Blau-Gelben in den 14 Jahren beim BTSV gerettet! So war es nur recht und billig, dass sein Bild die Titelseite von 'Eintracht aktuell' zu diesem Spiel zierte und Vize-Präsident Schäfer in der Kolumne noch einmal (unter Hinweis auf das Abschiedsspiel im September) lobende Worte für den Torhüter fand.
Bayern München dagegen stand kurz vor dem Meistertitel. Nach 33 Spieltagen führten die Bayern mit 2 Punkten Vorsprung vor Werder Bremen. Eine Niederlage in Braunschweig konnten sich die Münchner allerdings nicht leisten. In diesem Fall würden die Bremer wegen des besseren Torverhältnisses noch vorbeiziehen können. So hatten die Eintracht-Fans vor dem Spiel wenigstens noch die Hoffnung, dafür sorgen zu können, dass der Meister aus Norddeutschland kommt.
Die 'Löwen' boten eine engagierte Leistung und waren der Münchner Millionentruppe nahezu gleichwertig. So ging es auch mit einem gerechten 0:0 in die Pause. Kurz nach dem Wiederanpfiff traf Dieter Hoeness, nach seiner aktiven Zeit u. a. als Manager beim VfB Stuttgart, bei Hertha BSC Berlin und beim VfL Wolfsburg tätig, vor der Südkurve zum 0:1 für die Münchner. Dabei blieb es bis zum Schluss. Bayern war Meister und die Fans vom BTSV mussten mitansehen, wie die Münchner die Meisterschale überreicht bekamen.
Wer gehofft hatte, dass die Blau-Gelben wie bei den beiden Abstiegen zuvor (1973 und 1980) den direkten Wiederaufstieg schaffen würden, wurde enttäuscht. Zwei Jahre später folgte sogar (erstmalig) der weitere Abstieg in Liga 3. In die Bundesliga kehrten die 'Löwen' bis zum heutigen Tag nicht mehr zurück. Aber das kann sich ändern ...
[Stand: Sommer 2012]