15. August
VfL Osnabrück - Eintracht 1:4 (0:0)15.08.1998
3. Spieltag Regionalliga Nord - 1998/99
Bereits am 3. Spieltag der Saison 1998/99 trafen zwei Mannschaften aufeinander, denen gute Chancen im Kampf um den Spitzenplatz in der Regionalliga Nord eingeräumt wurden. Der TOP-Favorit Eintracht Braunschweig musste beim VfL Osnabrück antreten. Das Spiel fand am 15.8.1998 vor 8.000 Zuschauern an der Bremer Brücke statt.
Eintracht, das in den beiden Vorjahren jeweils den zweiten Platz in der Abschlusstabelle belegt und damit keine Möglichkeit auf den Aufstieg gehabt hatte, wollte es in dieser Saison unbedingt besser machen. Als Saisonziel war Tabellenplatz 1 und der Aufstieg in die 2. Bundesliga ausgegeben worden. Den Kader hatte man entsprechend zusammengestellt. Für die abgewanderten Kolakovic und Boy waren die Stürmer Milovanovic von Hannover 96, Tyszkiewicz vom VfL Wolfsburg und Simonsen vom VfL Osnabrück sowie für die Abwehr Frank Meissner aus Ricklingen verpflichtet worden. Außerdem stieß der im letzten Winter zur Eintracht geholte 17jährige Kameruner Branco zum Kader der ersten Mannschaft.
Sowohl Eintracht als auch der VfL waren mit jeweils einem Sieg und einem Unentschieden in die Saison gestartet. Gute Voraussetzungen für ein spannendes Spiel also.
Die 1.500 "Löwen"-Fans unter den Zuschauern sahen zunächst eine optisch überlegene Eintracht. Zwingende Torchancen ergaben sich hieraus allerdings nicht. Ganz im Gegensatz dazu kam der VfL durch drei Konter zu hervorragenden Gelegenheiten, konnte diese aber nicht nutzen. So ging es mit einem 0:0 in die Pause. In der 57. Minute machte es der Osnabrücker Stürmer Thioune, der gern gegen Eintracht traf, dann besser und brachte seine Mannschaft in Führung. Das Gegentor wirkte auf die Blau-Gelben wie ein Weckruf. Sie wurden danach noch dominanter und erspielten sich nun auch Chancen. Zani und Arobieke mit einem Doppelschlag in der 70. und 72. Minute sowie Mackel und Milovanovic mit zwei Treffern in den Schlussminuten (88. und 90. Minute) sorgten letztendlich für einen deutlichen 4:1 – Auswärtssieg der Eintracht.
Es war der höchste Sieg gegen den VfL Osnabrück seit 1961. Eintracht rückte in der Tabelle damit vom 5. auf den 3. Tabellenplatz vor.
Die Fans waren zufrieden. Sie konnten zu diesem Zeitpunkt schließlich noch nicht wissen, dass Eintracht eine Saison der Pleiten, Pech und Pannen (mit Trainerentlassungen von Lorkowski und Sandhove) vor sich hatte. Am Ende belegte der VfL Osnabrück mit 11 Punkten Vorsprung auf den BTSV Tabellenplatz 1. Mit dem Aufstieg wurde es für die Blau-Gelben also wieder nichts.

Wacker Burghausen - Eintracht 0:2 (0:0)15.08.2009
4. Spieltag 3. Liga - 2009/10
Das zweite Auswärtsspiel der Drittligasaison 2009/2010 musste Eintracht am 15.8.2009 bei Wacker Burghausen bestreiten.
Die Blau-Gelben waren sehr ordentlich in die zweite Saison der eingleisigen 3. Liga gestartet. Dem Heimsieg gegen den Absteiger aus der 2. Bundesliga VfL Osnabrück (1:0) waren ein Unentschieden bei Borussia Dortmund 2 (0:0) sowie ein weiterer Heimerfolg gegen den ambitionierten Aufsteiger aus der Regionalliga Nord Holstein Kiel (2:1) gefolgt. Mit den erreichten 7 Punkten rangierte Eintracht auf dem 5. Tabellenplatz, punktgleich mit dem Tabellenersten.
Auch Wacker hatte die Saison mit zwei Siegen und einem Unentschieden begonnen und war Tabellenvierter. Der gute Start der Burghausener war insofern erstaunlich, da sie in der Vorsaison sportlich abgestiegen waren und nur durch den Verzicht von Kickers Emden weiter in der 3. Liga spielen durften.
Aufgrund der Tabellensituation war das Duell zum Spitzenspiel der 3. Liga geworden. Zusätzliche Brisanz steckte in dem Spiel, da der TOP-Torjäger der Burghausener der vergangenen Saison Marco Calamita für eine Ablösesumme von etwa 50.000 Euro zur Eintracht gewechselt war.
Beide Mannschaften begannen an diesem Samstagnachmittag sehr vorsichtig. Torchancen waren bis zur Halbzeit Mangelware. Nach der Pause mussten die etwa 150 "Löwen"-Fans zunächst mit ansehen, wie das Eintracht-Team durch die gelb-rote Karte gegen Tim Danneberg dezimiert wurde. Wer jedoch dachte, Wacker würde das Spiel nun kontrollieren und auf den Führungstreffer drängen, sah sich getäuscht. Während die Burghausener von Minute zu Minute hilfloser wirkten, wurden die zehn Blau-Gelben immer gefährlicher. Hierbei zeichnete sich der zur Halbzeit eingewechselte "King" Onuegbu besonders aus. Dreimal hätte er die "Löwen" selbst in Führung schießen können, scheiterte aber jeweils unglücklich. In der 82. Minute machte er es besser, indem er klug auf Calamita ablegte. Dieser überlupfte den heranstürmenden Torwart und erzielte so das 1:0 gegen seine ehemaligen Mannschaftskameraden. Auf den Torjubel verzichtete er – ganz im Gegensatz zu den Eintracht-Fans, die die weite Fahrt über 650 Kilometern auf sich genommen hatten. Drei Minuten später durften sie schon wieder jubeln. Eintracht bekam einen Freistoß 19 Meter vor dem Tor zugesprochen, den Dennis Kruppke mit einem plazierten Schuss über die Mauer in den Torwinkel zum 2:0 verwandelte.
In den verbleibenden fünf Minuten passiert nichts mehr.
Eintracht hatte das Spiel in Unterzahl mit 2:0 gewonnen und damit auch die Tabellenführung in der 3. Liga erobert.
Tabellenführer! – Nach ziemlich genau vier Jahren durften die in der letzten Zeit nicht gerade erfolgsverwöhnten Eintracht-Fans wieder einmal eine Tabellenführung bejubeln.
Vielleicht nahm der eine oder andere Fan diese erfreuliche Tatsache zum Anlass, sich auch noch Karten für das Theaterstück "Unser Eintracht" im Kleinen Haus des Staatstheaters Braunschweig zu besorgen, das sich ausschließlich dem blau-gelben Traditionsvereins widmete und zwei Tage zuvor Premiere hatte...

„ ... , dass alle Roten Bullen Scheisse sind!“15.08.2015
Ein Transparent sorgt für Aufregung !
Eintracht – Rasenballsport Leipzig 0:2 (0:0)
3. Spieltag 2.Bundesliga – 2015/16 //
Es war einmal ein Großindustrieller, der suchte nach weiteren geeigneten Werbemaßnahmen für sein Produkt. Oh, er hatte sich schon allerlei einfallen lassen! Er jagte Autos um die Rennstrecken in der ganzen Welt, sponserte halsbrecherische Aktionen von vermeintlich lebensmüden Einzelsportlern und nannte in seiner Heimat auch einen ganzen Fussballverein sein Eigen. Aber das reichte ihm nicht! Und so hielt er Ausschau im Nachbarland. Auf den Fussball dort aufmerksam wurde er durch die Betriebssportgruppen bzw. sog. Fussballvereine zweier Großkonzerne. Einmal auf diese Sportart fokussiert, ermutigte ihn das enorme finanzielle Engagement eines Software-Herstellers in seinen Heimatverein, einem seit 1899 bestehenden Traditionsverein auf Kreisebene, zu weiteren Nachforschungen. Dabei fiel ihm schließlich die Aktion eines in der Nordhälfte des Landes beheimateten Wirtschaftsmagnaten auf, der gleichzeitig Präsident eines Fussballvereins war. Dieser hatte dem dortigen Fussballverband in Hinblick auf die Besitzrechte an einem Verein so lange in den Ohren gelegen, bis die bestehende Regelung, man nannte sie auch 50+1-Regel, im Sinne des Unternehmers geändert wurde. Nun war unser Großindustrieller endgültig überzeugt, dass der Fussball im Nachbarland die geeignete Werbebühne für sein Produkt darstellen würde. Er begab sich also auf die Suche nach einem geeigneten Standort, an dem er einen Fussballverein käuflich erwerben konnte. Und er wurde fündig … !
Was sich für jeden echten Fussballfan mit Traditionsbewusstsein und solchen Idealen wie selbstbestimmten Vereinen wie ein Horrormärchen anhören musste, wurde in Deutschland im ersten Jahrzehnt des 21.Jahrhunderts Wirklichkeit.
Dietrich Mateschitz, österreichischer Produzent des sog. Energydrinks „Red Bull“ und Besitzer von Österreichs mehrmaligem Meister Red Bull Salzburg, fand in der Leipziger Region ideale Voraussetzungen für den Aufbau einer neuen Fussball-Großmacht vor. Ein großes Stadion war bereits vorhanden (Zentralstadion), ein Verein im bezahlten Fussball dagegen fehlte. So unternahm er im Jahr 2006 den Versuch, den Verein Sachsen Leipzig zu übernehmen. Das Projekt scheiterte einerseits an Fan-Protesten und andererseits wegen namensrechtlicher Einwände am DFB, der für den zu diesem Zeitpunkt in der Regionalliga kickenden Verein zuständig war.
Was in der Regionalliga nicht gelang, führte eine Liga tiefer schließlich zum Erfolg. Mittlerweile war die 3.Liga installiert worden, die Regionalliga war nur noch die vierthöchste Klasse und darunter gab es immerhin noch die Oberliga Nordost mit einem interessanten Verein aus der Leipziger Region, dem SSV Markranstädt. Kurzum: Der Verein RB Leipzig wurde am 19.5.2009 -- ausschließlich von Mitarbeitern von „Red Bull“ – gegründet und übernahm das Startrecht in der Oberliga Nordost vom SSV Markranstädt. Da es sich um eine Angelegenheit der Oberliga handelte, musste nicht der DFB, sondern der örtlich zuständige Nordostdeutsche Fussballverband dieser Übertragung zustimmen. Und er tat das am 13.6.2009. RB trat in der Oberliga an, musste jedoch bis zum Mai 2010 ohne offizielles Vereinswappen auflaufen, da dem Fussballverband der erste Entwurf zu große Ähnlichkeit mit dem Red Bull-Logo aufwies. Herrn Mateschitz wird es egal gewesen sein. So prangte halt seine Werbung allein auf der Brust der Spieler.
Dank der verpflichteten Verstärkungen im Spielerkader gelang bereits im Sommer der Sprung in die Regionalliga, für die nun auch der DFB die Lizenz erteilte (4.5.2010). RB zog gleichzeitig um vom Stadion in Markranstädt in das Leipziger Zentralstadion, das nun Red Bull-Arena hieß. Der sportliche Erfolg setzte sich aber trotz weiterer namhafter Neuverpflichtungen zunächst nicht fort. Die Saison 2010/11 beendete man als Vierter, und auch ein Jahr später reichte es als Dritter der Abschlusstabelle nicht zum Aufstieg. Der gelang den „Bullen“ dann im Sommer 2013, mittlerweile mit Ralf Rangnick als Sportdirektor. Mateschitz war mit seinem Verein, dem weiterhin nur wenige Firmenmitglieder oder Nahestehende angehörten, damit im bezahlten Fussball angekommen.
Dank weiterer Millionen-Investitionen in Beine und Strukturen stellte die 3.Liga nur eine Zwischenstation dar. RasenBallsport Leipzig schaffte den sportlichen Aufstieg gleich nach einer Spielzeit, im Sommer 2014.
Da für die Lizenzerteilung in den beiden Bundesligen nicht der DFB, sondern die DFL zuständig ist, galt es für Mateschitz und Rangnick nun, einen neuen Verband vom Einhalten der Regularien zu überzeugen. Das gelang, wen wundert ´s, zunächst nicht. Am 22.4.2014 erteilte die DFL grundsätzlich die Spielberechtigung, verband damit jedoch drei Auflagen:
Öffnung des Vereins für neue Mitglieder durch Senkung des Jahresbeitrags von 800 Euro, Abgrenzung des Vereinswappens vom Red Bull-Logo und Besetzung der Vereinsführung nicht mehrheitlich mit Red Bull-Mitarbeitern.
Nach Beschwerde hiergegen am 30.4.2014 und deren Zurückweisung am 8.5.2014 erklärte sich RB zu Zugeständnissen bereit und erhielt am 15.5.2014 die Lizenz für die Saison 2014/15. Und das verwunderte tatsächlich den einen oder anderen -- zumal bis zum heutigen Tage ein Stimmrecht für neue (Förder-) Mitglieder in der Satzung des Vereins, die man im Übrigen nicht öffentlich einsehen kann, nicht vorgesehen ist. Stimmberechtigt bleiben allein die dem Konzern allesamt nahestehenden drei Handvoll Stamm-Mitglieder des Vereins. Diese – und nur diese, nicht etwa die Gesamtheit der ca. 200 Fördermitglieder -- suchten (im ersten Quartal 2015) auch das vierte Mitglied des Aufsichtsrats aus dem Kreis der Fördermitglieder aus. Für Martin Kind, den Präsidenten von Hannover 96, war die Lizenzerteilung allerdings eine Selbstverständlichkeit, denn er hatte sich bereits nach der Beschwerderückweisung durch die DFL dafür stark gemacht.
Mit RasenBallsport Leipzig trat nun erstmalig ein Konstrukt in der deutschen Bundesliga an, das ausschließlich Werbezwecken dient. Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg können für sich immerhin in Anspruch nehmen, durch das finanzintensive Sponsoring – VW zahlt dem Verein nach Schätzungen mehr als 80 Millionen Euro pro Saison -- den Betriebsstandort und damit das Produkt aufwerten zu wollen. Auch Dietmar Hopp kann lokale Motive für sich geltend machen, wobei die Auswahl des Vereins TSG (1899) Hoffenheim, der Umfang der Vermarktung (zB durch Dauerwerbung im Stadion), die Betonung einer Pseudo-Tradition und der ständige Ruf nach dem Rechtsstaat bei Anfeindungen schon alle Grenzen weit überschreiten. Selbst Hannovers Präsident, der Totengräber der konsequenten Anwendung der 50+1-Regelung, der bald auch offiziell das Sagen bei 96 haben wird, darf eine lokale Verbundenheit mit dem Verein, den er selbst gern als „Premiumprodukt“ bezeichnet, ins Feld führen, wie ein Blick aus dem Beifahrerfenster auf der Autobahn A7 auf dem Weg nach Hamburg beweist. Dies alles gilt für Mateschitz und sein Getränk nicht. Hier steht ausschließlich die Marke Red Bull im Vordergrund. Lokaler Bezug des Produkts? – Fehlanzeige! Mitsprachemöglichkeiten für lokale Interessensvertreter? – Fehlanzeige! Einflussnahme durch (neue) Mitglieder? – Fehlanzeige! Berücksichtigung von Faninteressen? – Hahaha!
Natürlich zog diese neue Form der Vermarktung im bezahlten deutschen Fussball Fanproteste jeglicher Art nach sich. Die Gesamtheit der Fans, die sich schon durch die Entwicklung im Fussball seit Einführung des Privatfernsehens genug gegängelt und eingeschränkt fühlten, wollte diese neue Form der Kommerzialisierung nicht unbeantwortet lassen. Nahezu jede Fanszene von Traditionsvereinen, die gegen RB Leipzig antreten mussten, organisierte Aktionen gegen die „Bullen“. Transparente, (wenig freundliche) Anti-Gesänge oder Boykott des Spiels in Leipzig usw., alles war vertreten.
RB zeigte sich allerdings wenig beeindruckt. Der Plan wurde konsequent verfolgt. Rangnick tat sich regelmäßig als Besserwisser und Agitator hervor, und die Mannschaft wurde, so gut es ging, durch gemeinschaftliche Aktionen vor schädlichen Außeneinflüssen geschützt – Einige sprechen von Verhaltensweisen, wie sie sonst nur von Sekten bekannt sind -- und sowohl im Sommer 2014 als auch in der Winterpause noch einmal durch teure Neuzugänge verstärkt. Die steigenden Zuschauerzahlen in Leipzig taten ein Übriges. Dennoch langte es in der Spielzeit 2014/15 nicht zu einem Tabellenplatz, der den Durchmarsch in die 1. Bundesliga zuließ. Die „Bullen“ beendeten die Saison als Fünfter.
Eintracht übrigens, das die Spielzeit als Tabellensechster abschloss, hatte die erste Begegnung in Leipzig mit 1:3 verloren. Erhebliche Teile der organisierten Fanszene hatten diese Partie boykottiert und sich stattdessen auf dem Schützenplatz in der Okerstadt zum gemeinsamen Sky-Schauen getroffen. Das Rückrundenspiel in Braunschweig endete 0:0 und wurde – natürlich -- von Anti-RB-Aktionen begleitet.
In der Sommerpause 2015 hatte Rangnick das Übliche getan und von Mateschitz´ Geld wieder reichlich für neue Spieler ausgegeben. Über 13 Millionen Euro waren allein an Ablösesummen geflossen. Dazu kamen noch zunächst bei Red Bull Salzburg „geparkte“ Spieler, die bereits zu einem früheren Zeitpunkt als Kostenfaktor zu Buche geschlagen hatten. Selke von Bundesligist Werder Bremen als teuerste Neuverpflichtung war den „Bullen“ 8 Millionen Euro wert. Der Bundesliga-Aufstieg sollte her!
In der Saison 2015/16 stand der Werbeauftritt von RB Leipzig in Braunschweig für den 3.Spieltag auf dem Spielplan. Die DFL terminierte das Aufeinandertreffen schließlich für den 15.8.2015, einem Samstag.
Im Grunde handelte es sich wieder – wie die beiden Duelle in der Vorsaison – um ein Ereignis, über das ein Bericht nicht lohnt, denn zu einem sportlichen Vergleich gehören nun einmal ähnliche Voraussetzungen der Kontrahenten. Und die waren nicht gegeben. Auf der einen Seite ein Großkonzern, dem keine Millionen und Aber-Millionen zu viel sind, um sein Produkt auf der großen deutschen und später der europäischen Fussballbühne präsentieren zu können, auf der anderen Seite ein Fussballverein, der seinen Mitgliedern auf der Jahreshauptversammlung (vom 8.12.2015) voller berechtigtem Stolz einen Jahresüberschuss (der abgelaufenen Saison) von 192.701,89 Euro präsentiert. Auf der einen Seite eine reine Marketing-Strategie, auf der anderen Seite ein nahezu 120jähriger Verein, in den Generationen von Mitgliedern und Fans viel Herzblut investiert haben und noch investieren.
Auch die Werbeveranstaltung selbst, für die es nun leider auch noch 3 Punkte gab, rechtfertigt keinen Bericht. Die „Löwen“, die mit einer Heimniederlage gegen den SV Sandhausen und einem Unentschieden beim 1.FC Kaiserslautern (0:0) etwas enttäuschend in die Saison gestartet waren, unterlagen den „Bullen“ durch Treffer des Millionen-Sturms Selke und Forsberg mit 0:2 und fanden sich auf dem vorletzten Tabellenplatz wieder.
Wäre da nicht die Sache mit dem Spruchband vor der Südkurve gewesen, man bräuchte wirklich kein Wort über die Veranstaltung zu verlieren. Aber das Transparent war nun einmal da!
Pünktlich zum Einlauf der Mannschaften war die Bande der Südkurve entlang zu lesen:
„In Braunschweig weiß ein jedes Kind, dass alle (Roten) Bullen Scheisse sind !“
Wohlgemerkt, es war hierbei nur das Wort „Bullen“ zu lesen, das jedoch abgehoben von der Schrift der anderen Worte mit roter Farbe gepinselt war.
Na, das ging ja nun gar nicht!
Bereits am Montag wurde die Aktion in der „Braunschweiger Zeitung“ verurteilt. In einem Kommentar sprach der Sportredakteur von fehlendem Respekt und „Böswilligkeit“ der Initiatoren. Gleichzeitig wurde unterstellt, dass die Beleidigung einer ganzen Berufsgruppe beabsichtigt gewesen sei. Es bedarf wenig Phantasie, um hierbei auf den Beruf des Polizeibeamten zu kommen. Der Kommentar schloss mit der Behauptung, dass die Mehrheit der Zuschauer im Stadion das Spruchband immerhin mit Pfiffen missbilligt habe. Dieselbe These stellte auch der Geschäftsführer des BTSV auf und distanzierte sich von den „Verunglimpfungen gegenüber unseren Gegnern“, wie einer auf der Homepage des BTSV veröffentlichten Erklärung desselben Tages zu entnehmen war.
Wie beide Personen zu der Wahrnehmung gelangten, dass die Spruchband-Aktion von Pfiffen von Eintracht-Fans begleitet wurde, wird ein Großteil der 21.315 Zuschauer nicht beantworten können. Wer nicht gerade in diesem Moment einen Hörsturz erlitten hatte (oder Hörgeräte herstellt), wird kein Pfeiffen in seinem Ohr vernommen haben. Warum auch? Nahezu jeder Fan, der sich ein wenig mit dem „modernen“ Fussball beschäftigt, weiß einfach, dass es genau solche Konstrukte wie RB sind, die langfristig die Traditionsvereine aus den Bundesligen vertreiben werden. Es gab daher eher viel Zustimmung, aber zumindest keine Pfiffe -- außer dem Anpfiff von Schiedsrichter Aytekin. Wie wohltuend las sich dagegen die Berichterstattung in der Sportzeitschrift „Kicker“ vom gleichen Tag. Auch da kamen die „Löwen“ nicht gut weg, aber unter der Überschrift „Alarmsignale“ beschränkte man sich auf das Sportliche.
Ganz anders die „Braunschweiger Zeitung“ und der BTSV selbst, die beide übrigens kein Wort darüber verloren hatten, als die Eintracht-Fans beim letzten Auftritt beim FC St.Pauli am 23.9.2014 mit dem Transparent „Cattivisten - Dummbeutel - Faschisten -- Auf´s Maul!!“ empfangen wurden. Schon am Dienstag, den 18.8.2015 ging es weiter. Der BTSV sagte erst einmal eine schon länger geplante Veranstaltung der Fans mit Trainer Lieberknecht und Marc Arnold für den Mittwoch ab, obwohl ein Zusammenhang mit der kritisierten Aktion nicht gegeben war. Und die „BZ“? Fetter Artikel mit ähnlichem Inhalt wie am Montag, nun schon im Lokalteil!. Möglicherweise durch die Unterstellung der Lokalzeitung in die Pflicht genommen, sah sich nun auch der Braunschweiger Polizeisprecher gegenüber dem Redakteur zu der Aussage veranlasst: „Das Plakat ist beschämend. Wir werden das so nicht tolerieren.“ Deeskalation geht anders! Vielleicht so, wie der Leiter des Fan-Projekts das Spruchband kommentierte: „Ich habe im Stadion schon schlimmere Transparente gesehen.“ Die „Braunschweiger Zeitung“ offensichtlich nicht, denn am Mittwoch ging es mit einem weiteren Artikel im Lokalteil auf 27x27cm weiter.
Warum kam eigentlich niemand auf die Idee, dass das Wort „Rote“ nur deshalb in dem Reim fehlte, weil dann das Versmaß nicht eingehalten worden wäre? Na, jedenfalls kam niemand darauf! Worauf die Fan-Gruppierung „Cattiva Brunsviga“ allerdings aufmerksam wurde und in einem offenen Brief an den Verein vom 19.8.2015 auch hinwies, war die Seite 16 des aktuellen Eintracht-Magazins „Unser Aantracht“ zum Spiel gegen RB Leipzig. Dort hieß es in einer Werbung des Hauptsponsors: „PERFEKT FÜR DIE BULLENJAGD – Der neue SEAT Leon …“ Nun – endlich – trat Ruhe ein!
Allerdings nicht lange! Am Freitag, den 21.8.2015 stand für die „Löwen“ schon das nächste Punktspiel an. Die Blau-Gelben gastierten bei Arminia Bielefeld, gewannen mit 2:0 und glichen auf diese Weise den misslungenen Saisonstart schon fast wieder aus. Alles wäre gut gewesen, wenn nicht ein Bielefelder Ordner während der Partie versucht hätte, ein Fan-Banner zu stehlen. Logisch dass sich der „Löwen“-Anhang das nicht gefallen ließ und den Diebstahl verhinderte, indem einige Personen den Trennzaun zwischen den Blöcken überwanden. Warum der Schiedsrichter daraufhin die Begegnung für einige Minuten unterbrach, blieb sein Geheimnis. Er tat es jedenfalls, obwohl sich kein Fan im Innenraum befand. Die Folge war, dass erneut Kritik auf die blau-gelbe Fangemeinde einprasselte, wobei die „Braunschweiger Zeitung“ in diesem Zusammenhang ausgesprochen sachlich berichtete.
Obwohl die organisierte Fanszene bereits mit Brief vom 22.8.2015 unter Beifügung von Beweisen auf die Ursache der Vorgänge in Bielefeld hinwies, richtete sich das Präsidium des BTSV in einem auf der Website veröffentlichten Brief vom 25.8.2015 an seine Fans. Hierin wurde zum einen – vollkommen zu Recht – der Vandalismus von sog. Fans in einem Eisenbahnzug in Zusammenhang mit dem Bielefeld-Spiel beklagt. Zum anderen distanzierten sich die Offiziellen aber auch erneut von Verunglimpfungen sportlicher Gegner sowie der Polizei (???) in Zusammenhang mit dem Leipzig-Auftritt. Außerdem wurde die Spielunterbrechung in Bielefeld den Fans angelastet und hierbei inakzeptable Aggression angeprangert. Die Kritik gipfelte -- aus Sicht der Fans – sinngemäß in der Aussage, man hätte den Diebstahl hinnehmen müssen, weil die Verantwortlichen von Arminia Bielefeld schon angemessen reagiert hätten. Hallo? Beim Lesen der entsprechenden Zeilen fiel dem einen oder anderen Fan nun wirklich die blau-gelbe Mütze vom Kopf. Hätte man tatsächlich darauf warten sollen, dass der eine Bielefelder Ordner seinem bösen Kollegen die Diebstahlsbeute wieder abnimmt?
Glücklicherweise hat Eintracht Braunschweig auch einen Trainer. Und was für einen! Torsten Lieberknecht ging vor dem (nächsten) Heimspiel gegen den Karlsruher SC (6:0) in die Südkurve und spendete den Fans vor Block 9 stehend Applaus. Darauf nach dem Spiel vom Fernsehsender „Sport 1“ angesprochen, erklärte er: „Das war eine bewusste Handlung, weil die Fans in den letzten Wochen, teilweise zu Recht, in der Dimension aber auch zu Unrecht, angegangen worden sind.“
Das, und nur das ist Eintracht !
[Stand: Januar 2016]