21. August
Arminia Bielefeld – Eintracht 0:2 (0:0)21.08.2015
4. Spieltag 2.Bundesliga – 2015/2016
Das hatten sich die Fans der Braunschweiger Eintracht aber ´mal ganz anders vorgestellt!
Gut, es war allgemein bekannt, dass es bei vielen Wechseln im Spielerkader eine gewisse Zeit braucht, bis sich die neue Mannschaft eingespielt hat. Und ein großer Personalumbruch hatte zweifellos bei Eintracht stattgefunden. Mit Kessel (zu Union Berlin), Kruppke (Karriereende), Dogan (Eintracht 2), Theuerkauf (Heidenheim), Nielsen (Leihende, zurück zu RB Salzburg), Hedenstad (Leihende, zurück zum SC Freiburg), Ryu (Leihende, zurück zu Bayer Leverkusen), Raffael Korte (Union Berlin), Henn (Hansa Rostock), Washausen (SV Elversberg), Gianluca Korte (zunächst ohne Verein) und Petkovic (ohne Verein) hatten 12 Spieler den BTSV verlassen. Diesen Abgängen standen mit Matuschyk (vom 1.FC Köln), Schönfeld (Erzgebirge Aue), Baffo (Halmstad BK für 200.000€; erst nach dem 1.SpT), Ofosu-Ayeh, Fejzic (beide vom VfR Aalen) und Hvilsom (Hobro IK für 500.000€), sowie den aus dem eigenen Nachwuchs hochgezogenen Düker, Engelhardt, Holtmann, Kijewski und Slamar 11 Neuverpflichtungen gegenüber. Zudem waren der bisher nur ausgeliehene Zuck fest verpflichtet worden (Kaufoption beim SC Freiburg für 340.000€ gezogen) und der (an den VfR Aalen) verliehene Ademi zurückgekehrt.
Aber mussten die Fans deshalb zwangsläufig mit einem Fehlstart in die Zweitligasaison 2015/16 rechnen? – Wohl kaum!
Erstens gaben die neu verpflichteten Spieler Anlass zur Hoffnung, dass ein Qualitätsverlust nicht eingetreten war. Zweitens deutete der gute 6. Platz aus der Vorsaison 2014/15, der Spielzeit nach dem Abstieg aus der Bundesliga also, darauf hin, dass die „Löwen“ in der 2. Bundesliga „angekommen“ waren, also keinerlei Anpassungsprobleme mehr haben würden. Drittens schließlich ließ auch die Vorbereitung keinen problematischen Saisonstart erwarten.
Löwendompteur Torsten Lieberknecht war sehr früh (15.6.) in die Trainingsarbeit eingestiegen, hatte also genug Zeit, ein neues Team zu formen. Die meist ordentlichen Leistungen in den Vorbereitungsspielen (2:1 bzw. 3:1 Siege gegen Schachtjor Donezk und Rubin Kasan sowie 1:2 Niederlagen gegen Dynamo Kiew und Rayo Vallecano) ließen vermuten, dass ihm das gelungen war.
Und dann war da ja auch noch die DPA-Umfrage bei den Trainern der Zweitligisten nach den Favoriten für den Aufstieg. Hinter den TOP-Favoriten RB Leipzig (11 Nennungen) und SC Freiburg (9) wurden die Blau-Gelben gemeinsam mit dem 1.FC Kaiserslautern, dem 1.FC Nürnberg und Fortuna Düsseldorf zum erweiterten Favoritenkreis für den Aufstieg gezählt.
Die „Löwen“-Fans, von denen 16.000 eine Dauerkarte für die Heimspiele erworben hatten, sahen dem Saisonstart also optimistisch entgegen und … wurden enttäusch!. Nach drei Spieltagen fand sich der BTSV auf dem 17. Tabellenplatz, einem direkten Abstiegsplatz wieder!
Das Heimspiel am 1.Spieltag gegen den SV Sandhausen, der die Vorsaison als Zwölfter abgeschlossen hatte, wegen Lizenzverstößen mit minus 3 Punkten in diese Spielzeit gehen musste und als Abstiegskandidat gehandelt wurde, ging mit 1:3 verloren. Zwar folgte ein ordentliches 0:0 beim 1.FC Kaiserslautern, aber auch die zweite Begegnung im Stadion an der Hamburger Straße endete ohne Punktgewinn. Rasenballsport Leipzig siegte mit 2:0.
Nur 1 Punkt nach 3 Spielen!
Die „Löwen“ waren also schon ein wenig unter Druck vor diesem 4.Spieltag, der ein Auswärtsspiel bei Arminia Bielefeld für sie vorsah.
Wer nach dem letzten Punktspiel zwischen Eintracht und Arminia suchte, musste weit zurückgehen in der Zeit. Letztmalig standen sich beide Vereine in der Saison 1986/87 gegenüber, ebenfalls in der 2.Bundesliga. Damals siegten die Arminen in Braunschweig mit 3:2 und in Bielefeld mit 3:1. Am Ende dieser Saison stieg der BTSV erstmalig in die Drittklassigkeit ab. Wenn man von den Duellen der „Löwen“ mit Arminias 2.Mannschaft in der Regionalligasaison 2004/05 (1:0 auswärts und 3:2 daheim – Aufstieg !!) und dem Aufeinandertreffen im DFB-Pokal in der Erstligasaison von Eintracht 2013/14 (1:2 in Bielefeld) einmal absieht, waren sich die beiden Vereine also über 28 Jahre „aus dem Weg gegangen“. -- Schon außergewöhnlich bei zwei Vereinen, die beide nicht konstant in einer Spielklasse kickten, sondern zwischen den drei höchsten Klassen pendelten.
Die Arminen konnten im Gegensatz zu den Blau-Gelben mit dem bisherigen Saisonverlauf zufrieden sein. Sie hatten als Aufsteiger zwar ebenfalls noch nicht gewonnen, waren aber gleichzeitig noch ungeschlagen. Drei Unentschieden, unter anderem ein beachtliches 0:0 beim FC St.Pauli, bedeuteten einen soliden Platz 10 in der Tabelle. Zudem konnte sich Trainer Norbert Meier auf seine Abwehr verlassen. Erst 2 Gegentore hatte Bielefeld zugelassen. Gemeinsam mit RB Leipzig waren das die zweitwenigsten.
Ca. 2.000 Eintracht-Fans ließen sich von dem erfolglosen Saisonstart ihres Vereins nicht verdrießen und reisten am Spieltag, den 21.8.2015, einem Freitag, der Mannschaft nach Bielefeld hinterher, um sie in der „Schüko-Arena“ zu unterstützen. Sie stellten damit mehr als 10% der insgesamt 18.383 Zuschauer.
Pünktlich um 18.30 Uhr pfiff Schiedsrichter Rene Rohde (Rostock) die Begegnung an. Bereits knapp vier Minuten später bot sich den „Löwen“ die Gelegenheit zur Führung. Hochscheidt kam frei vor dem gegnerischen Tor an den Ball, konnte diesen aber nicht sauber kontrollieren.
Nach je einer Ecke für beide Teams folgte dann nach 12 ½ Minuten ein Höhepunkt der anderen Art. Offensichtlich ermutigt von dem kurz zuvor ertönten „Tod und Hass dem BTSV“ aus dem Arminen-Block versuchte ein Bielefeld-Ordner, ein aufgehängtes Eintracht-Transparent abzunehmen und zu stehlen. Wer es nicht schon vorher wusste, dem wurde es nun spätestens klar: zwischen Arminia und 95+1 besteht eine Fan-Freundschaft! Natürlich ließen sich die Eintracht-Fans den Diebstahl nicht gefallen und sicherten das Fanbanner, wobei sie den Zaun zum Nachbarblock überkletterten. Das wiederum veranlasste den Schiri, das Spiel zu unterbrechen, obwohl sich weder Personen im Innenraum befanden, noch Gegenstände geworfen wurden. Verstehen muss man das wohl nicht! Nach knapp vier Minuten ging es dann endlich weiter.
Der Rest der 1.Halbzeit war gekennzeichnet von Eintrachts Bemühen, das Spiel zu kontrollieren, was angesichts der schlechten Leistung der Bielefelder nicht sonderlich schwierig war, und einigen wenigen Chancen. Den Anfang machte die Arminia mit einem Schuss von Chr.Müller vom 16er, der trotz freier Schussbahn rechts vorbei ging (25.). Es folgte ein Berggreen-Aufsetzer nach der 3.Ecke für Eintracht, den Bielefelds Keeper Hesl gut parierte (33.). Den Abschluss stellte ein Schuss von (für Müller früh eingewechselten) Ulm vom 16er dar, der das Gehäuse vom Löwen“-Torwart Gikiewicz knapp verfehlte (43.). So stand es zur Halbzeit 4:3 an Ecken für die Blau-Gelben, an Toren aber 0:0. Eine Führung hatte auch keine der beiden Mannschaften verdient.
An der schlechten Qualität des Spiels änderte sich in den ersten zehn Minuten der 2.Halbzeit nichts. Ein gerade noch unterbundener Konter der Arminen (52.) musste schon fast als Highlight durchgehen. Ansonsten: fußballerische Magerkost! ‚Vielleicht würde ja eine der Standardsituationen zum Erfolg führen‘, dachten die „Löwen“-Fans. Und tatsächlich! Nach der 6.Ecke für den BTSV fiel der abgewehrte Ball Matuschyk vor die Füße, und der zog aus 20m einfach gleich ab. Flach zischte der Ball in die rechte untere Ecke. Tooor! Tor für Braunschweig! 0:1 in der 58.Spielminute!. Der erste Treffer des Neuzugangs aus Köln!
Vier Minuten später fiel fast das 0:2, aber Reichel zielte genau auf den gegnerischen Torwart und Boland schoss über das Tor. Danach fiel die Begegnung auf das alte, schlechte Niveau zurück. Abgesehen von einer etwas unübersichtlichen Situation im „Löwen“-Strafraum in der 72.Minute tat sich vor beiden Toren bis annähernd fünf Minuten vor dem Ende rein gar nichts Gefährliches. Bielefelder Aufbäumen? – Fehlanzeige! Im Gegenteil! Nach einer Kombination Matuschyk-Khelifi-Matuschyk-Berggreen-Khelifi lupfte Eintrachts Nummer 22 den Ball aus 12m ins Arminen-Tor. Hesl, der in der ganzen Saison den Vorzug vor dem Ex-Keeper des BTSV Daniel Davari erhalten hatte, war chancenlos. 0:2 in der 84. Spielminute! Als Torjubel machte Khelifi gemeinsam mit Boland 2 Liegestütze.
Jeder im Stadion wusste, dass die Begegnung damit entschieden war. Außer Schüssen von Arminias Torjäger Klos (85.) und Berggreen (89.), die beide ihr Ziel verfehlten, passierte nichts mehr auf dem Rasen. Nach 92 Minuten beendete der Schiedsrichter die Partie.
0:2! Auswärtssieg! Verdient! Der erste Saisonsieg für die „Löwen“!
Die Qualität des Spiels war den Fans egal. Hauptsache waren die 3 eingefahrenen Punkte! Nach dem Abfeiern mit der Mannschaft konnte man entspannt die Heimreise antreten – natürlich mit allen Bannern. Zu Hause erfuhr man dann noch von einem weiteren „Löwen“-Sieg. Die „Zwote“ hatte bei der U23 des VfL Wolfsburg das Regionalliga-Punktspiel mit 1:0 gewonnen und grüßte von der Tabellenspitze.
Arminen-Trainer Meier gab nach der Niederlage seiner Mannschaft gegenüber der Presse zu, dass sein Team „die Grenzen aufgezeigt bekommen habe“. Der neue Kapitän der Eintracht Marcel Correia sagte, trotz des schlechten Saisonstarts „haben wir immer an uns geglaubt“.
Durch den Sieg zog der BTSV an Arminia vorbei und verbesserte sich auf den 11.Tabellenplatz. Bielefeld war nun 14..
Nach dem Sieg konnte man in Braunschweig nun ein Stück gelassener und auch optimistischer an die nächsten Aufgaben herangehen. Dass allerdings dem Sieg gegen Bielefeld vier weitere „zu Null“-Spiele mit 14 eigenen Toren und 10 Punkten folgen würden, erwarteten wohl nur große Optimisten.
Übrigens: Wie schwierig es an den meisten Spieltagen war, einen Sieg gegen Aufsteiger Arminia Bielefeld zu erringen, sollte die 2.Bundesliga erst im Laufe der Saison erfahren. Die nächste Partie gewannen die Arminen, die in der Vorsaison nicht nur aufgestiegen, sondern im Pokal (u.a. durch Siege gegen die Bundesligisten Hertha, Gladbach und Werder) bis ins Halbfinale vorgedrungen waren, gleich einmal beim Bundesliga-Absteiger SC Paderborn mit 2:1. Danach blieben sie fünf weitere Spiele ungeschlagen, indem sie jeweils Unentschieden spielten, u.a. auch beim SC Freiburg (2:2 am 7.SpT) und beim 1.FC Nürnberg (2:2 am 9.SpT). Erst am 11.Spieltag verloren sie zum zweiten Mal, bei Fortuna Düsseldorf mit 0:1. Es folgte eine weitere Serie von neun Spielen mit nur einer Niederlage (0:1 gg RB Leipzig am 15.SpT), bevor Bielefeld erneut gegen Eintracht antreten musste:
21.Spieltag: Eintracht Braunschweig – Arminia Bielefeld = 1:0.
4. Niederlage der Arminen, davon 2 gegen Eintracht. Wenn es in einer Spielzeit schon kein Derby gibt, …!
[Stand: September 2016]