30. August
Eintracht - Werder Bremen 3:2 (1:0)30.08.1975
5. Spieltag Bundesliga - 1975/76
Am fünften Spieltag der Bundesliga-Saison 1975/76 stellte sich die Mannschaft von Werder Bremen im Stadion an der Hamburger Straße vor. Es war der 30.8.1975. Es sollte ein besonderes Spiel werden.
Die Blau-Gelben waren ein Jahr zuvor (nach einem Jahr Regionalliga) wieder in die Bundesliga aufgestiegen und hatten als Aufsteiger einen guten 9. Platz in der Abschlusstabelle belegt. In die aktuelle Saison waren die "Löwen" noch besser gestartet. Nach dem 1:1 zum Saisonstart bei Bayern München folgten ein 5:2-Sieg gegen Hertha BSC Berlin, ein 0:0 gegen den 1. FC Köln sowie ein 2:0-Sieg beim Karlsruher SC. Bei 6:2 Punkten (2-Punkte-Wertung!) belegte Eintracht den zweiten Tabellenplatz und war noch ungeschlagen. Werder war mit 2 Siegen und 2 Niederlagen durchschnittlich gestartet und belegte den 10. Tabellenplatz.
Eintracht kam gut in die Partie hinein und ging durch ein Tor von Handschuh verdient mit 1:0 in Führung. Mit diesem Ergebnis ging es auch in die Pause. Auch nach dem Wechsel dominierte zunächst der BTSV. In der 61. Minute verhängte der Schiedsrichter Elfmeter gegen die "Löwen". Verteidiger Wolfgang Grzyb war mit dieser Entscheidung nicht einverstanden, beleidigte den Unparteiischen ("Rindvieh") und sah dafür die Rote Karte.
Ein Eintracht-Spieler war vom Platz gestellt worden! Das hatte es seit Einführung der Bundesliga im Sommer 1963 in 370 Bundesligaspielen (und 36 Regionalligaspielen 1973/74) noch nie gegeben. Eine stolze Serie, die von keinem anderen Erstligisten übertroffen wurde und wohl auch Bestand für die Ewigkeit haben wird, war zu Ende gegangen.
Der Bremer Ex-Nationalspieler Höttges verwandelte den Elfmeter zum 1:1. Den knapp 21.000 Zuschauern schwante Böses. Eintracht mit einem Mann weniger – das konnte nicht gutgehen! Oder doch? Eine Viertelstunde vor Schluss zeigte der Schiedsrichter wieder auf den Punkt, dieses Mal auf der anderen Seite. Gersdorff lief an, verwandelte und Eintracht lag trotz Unterzahl erneut in Führung. Wiederum konnten die "Löwen" den Vorsprung nicht halten. Fünf Minuten vor Schluss glich Werder aus. Die Zuschauer hatten sich mit dem – in Anbetracht des Platzverweises gar nicht so üblen – Endergebnis von 2:2 schon abgefunden, da bekamen die Blau-Gelben in der letzten Spielminute einen indirekten Freistoß im Strafraum der Gäste zugesprochen. Der Schiedsrichter ahndete ein Zeitspiel des Bremer Torhüters. Gersdorff schoss, der Bremer Spieler Röntved, der kurz zuvor erst den Ausgleich geschossen hatte, fälschte ab und der Ball ging ins Tor. 3:2 – Eintracht hatte das Spiel in Unterzahl gewonnen.
Zwar legte Werder im Anschluss gegen die Wertung des Spiels Protest ein. Dieser wurde jedoch zurückgewiesen.
Eintracht hatte mit dem Sieg den zweiten Tabellenplatz gefestigt und war ungeschlagen geblieben. Nach zwei weiteren Spielen ohne Niederlage (0:0 bei Bayer Uerdingen und 3:1 gegen Fortuna Düsseldorf) übernahmen die "Löwen" vorübergehend sogar die Tabellenführung. Am Ende der Saison konnte Braunschweig auf einen guten fünften Tabellenplatz stolz sein, der zur Teilnahme am UEFA-Cup berechtigte.

Eintracht - 1. FC Kaiserslautern 4:1 (1:0)30.08.2003
1. Runde DFB-Pokal – 2003/04

Die Schwimmerin Antje Buschschulte hatte es möglich gemacht, indem sie den "Löwen" für die 1. Hauptrunde des DFB-Pokals der Saison 2003/2004 den 1. FC Kaiserslautern zuloste: E-n-d-l-i-c-h wieder ein Bundesligist in einem Pflichtspiel im Stadion an der Hamburger Straße !
Sechzehn Jahre waren vergangen, seitdem mit dem 1. FC Nürnberg das letzte Mal ein Erstligist in Braunschweig antreten musste (ebenfalls Pokal; 2:3). Kein Wunder also, dass die Vorfreude der Fans auf diese Begegnung am 30.8.2003 riesengroß war.
Nicht nur die Vorfreude war riesengroß, sondern auch der Optimismus. Immerhin hatte Eintracht den Abstieg aus der 2. Bundesliga gut verkraftet, wie der Saisonstart in der Regionalliga Nord mit 13 Punkten aus 5 Spielen und Platz 1 in der Tabelle bewies. Zudem stellte sich mit Lautern ein Erstligist vor, dessen Saisonstart mit nur einem Sieg aus vier Spielen und dem (wegen eines 3-Punkte-Abzugs) aktuellen Tabellenplatz 18 bestenfalls als "durchwachsen" zu bezeichnen war. Der 1. FC Kaiserslautern schien schlagbar!
Dennoch war der FCK natürlich ein attraktiver und zugleich gefährlicher Gegner. Insbesondere mit dem aktuellen U21-Nationaltorhüter Tim Wiese und den Stürmern Miroslav Klose, Halil Altintop und Lokvenc standen erstklassige Spieler in ihren Reihen. Außerdem hatte die Mannschaft vom Betzenberg ihre Lust auf Pokal gerade in der Vorsaison bewiesen, indem sie bis ins Finale vorgedrungen und erst dort dem FC Bayern unterlegen war.
Schließlich sprach auch die Statistik für die Lauterer. In den beiden Duellen mit dem BTSV im DFB-Pokal hatten sie jeweils die Oberhand behalten. Beide Spiele hatten in Kaiserslautern stattgefunden. In der Saison 1975/76 gewann der FCK mit 2:0 und in der Saison 1980/81 mit 3:2. Bei diesem Spiel war Eintracht Zweitligist und hatte dennoch den Sprung bis ins Halbfinale geschafft. Nun betrug der Klassenunterschied sogar zwei Klassen ...
18.000 Zuschauer hatten sich erwartungsvoll ins Stadion begeben, um am frühen Samstagabend eine Pokalüberraschung zu erleben. Sie wurden nicht enttäuscht!
Von Beginn an war kein Klassenunterschied zwischen dem Bundesligisten und Eintracht zu erkennen. Die Anfangsviertelstunde verlief bei einer Chance für die "Löwen" und zwei Chancen für den FCK ausgeglichen. Danach übernahm der BTSV das Kommando. Nachdem Jürgen Rische in der 19. Minute mit einem Schuss an die Latte noch Pech gehabt hatte, machte es Eintrachts Mannschaftskapitän vier Minuten später mit einem Kopfball dann besser. Tooor! Der Außenseiter führte mit 1:0! Wer erwartet hatte, die Lauterer würden mit wütenden Attacken reagieren, sah sich getäuscht. Die einzigen erwähnenswerten Attacken waren zwei Fouls des Verteidigers Tchato am Torwart der Blau-Gelben Alex Kunze, die Schiedsrichter Gräfe mit jeweils einer gelben Karte ahndete. Gelb-Rot in der 36. Minute. Lautern nur noch zu Zehnt. Bis zur Pause passierte nicht mehr.
Nach dem Wechsel spielten die "Löwen" auf die Südkurve, auf ihre Fans. Diese machten zunächst das, was sie in diesen Jahren regelmäßig mit dem Gästetorwart zu tun pflegten: Sie begrüßten ihn gebührend mit dem Gesang "Da steht ein ... im Tor, das ist so ..." Die Keeper der Gäste ignorierten diesen Gesang im Allgemeinen, nicht so Tim Wiese. Der spätere Werder- und Nationaltorwart drehte sich amüsiert um und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Fast war man als Eintracht-Fan geneigt, Wiese wegen dieser sympathischen Geste in der 50. Minute zu bedauern, als er den Ball zum zweiten Mal aus seinem Netz holen musste. Aber nur fast! 2:0! Geil! Pech für den Torwart der Betze-Buben. Mazingu hatte ihn mit einem Lupfer überwunden.
Elf Minuten später schöpfte der FCK wieder Hoffnung. Nationalstürmer Klose, der später für Werder Bremen (2004-07) und Bayern München (ab 2007) spielte und bei der WM 2006 in Deutschland Torschützenkönig wurde, gelang der Anschlusstreffer. Es sollte jedoch die einzige nennenswerte Torszene für die Lauterer in der 2. Halbzeit bleiben. Mit 10 Mann hatten sie nichts mehr zuzusetzen. Ganz im Gegensatz dazu die "Löwen": 66. Minute, Kopfball Rische, 3:1! Nun brachen alle Dämme! Die Fans feierten den bevorstehenden Sieg und die "Welle" rollte durchs Stadion.
In der 90. Minute machte der sieben Minuten zuvor eingewechselte Lars Fuchs den Abend mit seinem Treffer zum 4:1 perfekt. Eintracht hatte den Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern auch in dieser Höhe hochverdient "aus dem Pokal gefegt", wie die Braunschweiger Zeitung am folgenden Montag titelte.
Rische und Mazingu hatten ein überragendes Spiel gemacht. Ausgerechnet Jürgen Rische, der in den Jahren 1995-99 selbst für den FCK gegen den Ball trat und dort unter Trainer Otto Rehhagel 1998 auch Deutscher Meister geworden war. Aber noch zwei andere "Löwen" hatten eine Vergangenheit am Betzenberg: Daniel Graf (1995-99), der vor der Saison zu den Blau-Gelben stieß, und – Torsten Lieberknecht, der erst einen Tag vor dem Pokalspiel vom 1. FC Saarbrücken verpflichtet worden war. Lieberknecht, der für die Lauterer von 1992-94 13x in der Bundesliga antrat, hatte von seinem (aufgrund einer Muskelverletzung von Arnold notwendig gewordenen) bevorstehenden Pokaleinsatz erst am Vormittag des Spiels erfahren, als er gerade gemeinsam mit seiner Frau auf Wohnungssuche war. Nach dem Spiel sagte er: "Es ist immer etwas Besonderes, als Pfälzer für oder gegen den FCK zu spielen. Aber jetzt bin ich stolz, ein Löwe zu sein".
In der zweiten Pokalrunde wurde Eintracht erneut ein Bundesligist zugelost. Am 29.10.2003 versuchte Hannover 96 sein Glück in Braunschweig – und kehrte mit einer 0:2-Niederlage im Gepäck geschlagen an die Leine zurück. Erst im Pokal-Achtelfinale gelang es dem Zweitligisten Alemannia Aachen, die "Löwen" aus dem Pokal zu werfen. Sie siegten am 2.12.2003 im Stadion an der Hamburger Straße deutlich mit 5:0.

Eintracht – Karlsruher SC 6:0 (2:0)30.08.2015
5. Spieltag 2.Bundesliga – 2015/2016
Während halb Fussball-Deutschland über den Wechsel von Kevin de Bruyne vom VfL Wolfsburg für (eine Ablösesumme von) 75 Millionen zu Manchester City diskutierte, bereitete „Löwen“-Dompteur Torsten Lieberknecht seine Mannschaft gewissenhaft auf das Zweitliga-Heimspiel am 5.Spieltag der Saison 2015/16 vor. Mit dem Karlsruher SC stellte sich am 30.8.2015 der Vorjahresdritte im Stadion an der Hamburger Straße vor, der in der Relegation nur hauchdünn und unverdient (1:1 auswärts und 1:2 n.V. zu Hause ) gegen den HSV am Aufstieg in die Bundesliga gescheitert war.
Wie es immer wieder bei Teams zu beobachten ist, die einen Aufstieg in der Relegation verpassten, war auch der KSC wenig erfolgreich in die neue Saison gestartet. Zum Auftakt verlor die Mannschaft gleich einmal die ersten beiden Partien, hatte dann aber das Glück, mit dem FSV Frankfurt und dem MSV Duisburg auf zwei wenig spielstarke Mannschaften zu treffen, die am Saisonende zu den drei Absteigern zählen sollten. Beide Spiele gewannen die Karlsruher und reisten mit frischem Selbstbewusstsein in die Okerstadt.
Auch die Blau-Gelben hatten Selbstbewusstsein getankt. Nach zwei Heimniederlagen und einem Auswärtsunentschieden war ihnen mit dem 2:0-Sieg bei Arminia Bielefeld am 4.Spieltag ein kleiner Befreiungsschlag gelungen. Wieviel dieser Sieg wert war, musste die Begegnung gegen den KSC zeigen. 20.630 Zuschauer (darunter ca. 800 aus Karlsruhe) wollten es an diesem Sonntag wissen.
Sie sahen zunächst einen vor Block 9 erscheinenden Eintracht-Trainer Lieberknecht, der den Fans Beifall spendete. Eine Geste, mit der er zeigen wollte, dass er die Kritik der letzten Wochen an der Fanszene (wegen des RB-Transparentes „In Braunschweig weiß ein jedes Kind, dass alle Bullen – rot geschrieben – Scheiße sind“ und eines in Bielefeld verhinderten Diebstahl eines Eintracht-Transparentes durch Überklettern eines Trennzaunes) zum Teil für nicht gerechtfertigt hielt. (Diese Erklärung gab er nach dem Spiel gegenüber dem Reporter des Fernsehsenders „Sport 1“ ab.) Sauber, Torsten!
Die „Löwen“ traten wieder – wie meistens in der Saison – mit einer Dreierkette in der Abwehr an. Baffo, Decarli und Kapitän Correia erhielten bei Ballverlust Verstärkung von den ansonsten hoch stehenden Außenverteidigern Reichel und Sauer, der (nach Bielefeld) zu seinem zweiten Saisoneinsatz kam. Davor agierten Matuschyk und Boland als „6er“. Die offensiven Positionen besetzten Berggreen zentral sowie Khelifi und Holtmann auf den Außen.
Der KSC dagegen musste die Innenverteidigung umbesetzen, da Gordon verletzt ausfiel. Hier spielten Mauersberger und Gulde. Als Offensivkräfte setzte Trainer Kauczinski auf Yamada, Hoffer und Torres. Mit Letzteren verband der BTSV schlechte Erinnerungen. Torres war es gewesen, der am 16.Spieltag der vorangegangenen Spielzeit (7.12.2014) das „Goldene Tor“ gegen die Blau-Gelben im Wildpark erzielte und damit eine Siegesserie der „Löwen“ von fünf gewonnenen Partien in Folge beendete, die Eintracht bis auf Platz 2 der Tabelle geführt hatte. Erwähnen sollte man von der Startaufstellung der Karlsruher noch Grischa Prömel, weil er im Sommer 2016 mit der deutschen Olympiamannschaft in Brasilien die Silbermedaille errang.
Um 13.30 Uhr pfiff Schiedsrichter Stieler (Hamburg) die Partie an. Nach nicht einmal vier Minuten hatten die Gäste bereits zwei Ecken herausgeholt. Ertrag: Null! Dann war Eintracht dran! Und wie! Nachdem er in der 6. Minute noch einen Kopfball zu hoch angesetzt hatte, verlängerte Berggreen drei Minuten später einen Schussversuch von Matuschyk mit der Hacke links unten ins Tor.
Tooor ! 1:0! Als Torjubel zeigten Berggreen und Khelifi den Fans Liegestütze – die Art von Torjubel, den die Eintracht-Spieler bereits in Bielefeld praktiziert hatten.
In der 12. Minute legte Berggreen fast postwendend nach. Dieses Mal ließ er die gute Schusschance jedoch ungenutzt. Danach fand der KSC zurück ins Spiel und versuchte deutlich mehr nach Vorn. Große Probleme bereitete er den Blau-Gelben damit jedoch nicht. Außer Ecke Nr.3 sprang nichts heraus. Als sich die ersten Fans schon in Richtung Ausgang begeben hatten, um das Halbzeit-Bier zu ordern, ereignete sich auf dem Spielfeld noch Vorentscheidendes. Eine Kombination über Sauer, Khelifi und Berggreen, der zwei Gegenspieler auf sich zog, schloss Reichel mit dem 2:0 ab (43.).
Unmittelbar danach wurde Marc Pfitzner für den angeschlagenen Boland eingewechselt (44.), kurze Zeit später war Pause. Das Bier schmeckte – zumindest in der Südkurve. In der Nordkurve, bei den Gästefans, hatte es teilweise einen faden Beigeschmack.
Beide Mannschaften wechselten in der Halbzeit aus. Karlsruhe brachte für Prömel und Barry den vom HSV erst kurz zuvor ausgeliehenen Gouaida sowie Valentini. Lieberknecht ersetzte Holtmann durch Zuck.
Natürlich versuchten die Gäste gleich wieder, Druck zu entfalten. In der 47.Minute kamen sie auch zu einer Gelegenheit. Valentini legte sich den Ball jedoch zu weit vor, so dass die „Löwen“-Abwehr noch zu Lasten einer Ecke klären konnte.
Eckenverhältnis: 0:4 – Spielstand: 2:0!
Nachdem auch diese Standardsituation nicht zum Erfolg geführt hatte, übernahm Eintracht vollends die Spielkontrolle. Sehr zur Freude ihrer Fans in der Südkurve, denn in den nächsten 25 Minuten sollten sich nahezu alle Szenen direkt vor ihren Augen abspielen. Khelifi machte den Anfang. Allein vor Orlishausen brachte er den Ball aber nicht am gegnerischen Torwart vorbei (48.). Zuck machte es fünf Minuten später besser. Einen Freistoß vom linken Strafraumeck verwandelte er direkt, wobei KSC-Mittelfeldspieler Peitz kräftig mithalf, indem er per Kopf unhaltbar abfälschte (53.)! 3:0!
„Ohh, wie ist das schön!“ – Gesänge im Stadion!
In Minute 56 brachte sich erstmals Pfitzner, den alle „Pfitze“ riefen, offensiv ins Gespräch. Nach der ersten Ecke für die Blau-Gelben setzte auch er seine Hacke ein – Außennetz. Technisch nett anzusehen, aber nichts gegen seine Aktion zwei Minuten später!
Sauer hatte sich in der 58. Minute auf der rechten Seite bis zur Grundlinie durchgetankt, flankte den Ball halbhoch in die Mitte, wo „Pfitze“ einlief. Da der Ball zu weit nach hinten flog, gab es nur die Möglichkeit eines Fallrückziehers. Eintrachts Nummer 31 versuchte ihn, lag hoch waagerecht in den Luft, traf das Leder voll, und … und …der Ball schlug unhaltbar im linken Eck des KSC-Tores ein!
Toooooooooooooooor! 4:0! Durch den Braunschweiger Jung‘ Pfitzner! Per Fallrückzieher! Waaahnsinn!
Etwas „Größeres“ für die Eintracht-Fans konnte es kaum geben, als dieses Tor ihres Lieblings!
Pfitzner selbst blieb nach seinem Treffer zunächst auf dem Rasen sitzen und nahm die Glückwünsche seiner Mitspieler in dieser Position entgegen. Es war ihm anzusehen, dass er selbst nicht so recht fassen konnte, was ihm da eben gelungen war. Aber es war Realität! Ihm, der sich sonst meist durch intensiv geführte Zweikämpfe auszeichnete, war ein Zaubertor gelungen. Natürlich kam dieser Treffer mit in die Auswahl „Tor des Monats“ für den Monat August. Der Reporter von „Sport 1“ gebrauchte in der Zusammenfassung des Spiels am Abend sogar die Formulierung: „Klaus Fischer bekommt eine Gänsehaut“. (Schalke-Stürmer Fischer hatte sich mit seinem Fallrückziehertor beim 4:1 im Freundschaftsländerspiel gegen die Schweiz am 16.11.1977 unsterblich gemacht. Dieses Tor wurde zum „Tor des Jahrhunderts“ gewählt.)
Im Stadionrund sangen die „Löwen“-Fans mittlerweile „Europapokal, Europapokal!“ Bald jedoch stellten sie ihre Gesänge kurzzeitig wieder ein, denn es gab erneut Grund zum Jubeln. Einen 22m-Freistoß zirkelte Berggreen über die Mauer hinweg ins rechte Eck (64.). Tooor! 5:0! Berggreens zweiter Treffer in der Partie!
Nun sangen die Fans „Einer geht noch, einer geht noch rein!“ Und, in der Tat: Nur sieben Minuten später schlug wiederum Sauer eine Flanke von der rechten Seite in den Strafraum. Der Ball segelte über die gesamte Abwehr hinweg zu Ken Reichel. Der nahm das Leder volley! – Tor (71.)!
Tooor! Auch Reichel hatte damit doppelt getroffen. Es wurde immer klarer, dass Eintrachts linker Außenverteidiger von der Umstellung auf die Dreierkette deutlich profitierte, was seine Torgefährlichkeit anbelangte.
6:0! Sechs Tore! Das hatte es zuvor beim BTSV in der 2.Bundesliga erst 4x gegeben (6:2 bei RW Essen am 27.8.80 und 7:0 gg VfB Oldenburg am 25.4.81 in der 2.BL-Nord; 6:1 gg VfL Osnabrück am 17.5.92 in der Abstiegsrunde; 6:0 gg Mainz 05 am 21.11.92)! Zudem noch 4 Treffer innerhalb von 18 Minuten! Stark!
Danach ließen es die Blau-Gelben verständlicherweise etwas langsamer angehen. Während die Eintracht-Fans die „La Ola“ zelebrierten, kam der KSC so noch zu seinen drei besten Gelegenheiten (73., 89., 90.). Aber auch Eintracht hatte noch eine Chance (80.). Ein Treffer fiel jedoch nicht mehr. Pünktlich nach 90 Minuten pfiff der Schiedsrichter die Begegnung ab. Das „Traumtor-Festival“ (Zitat des Sport 1-Reporters am Abend) hatte ein Ende.
Sieg! 6:0!
In der anschließenden Pressekonferenz sagte Kauczinski, dass nur die ersten 7, 8 Minuten seines Teams okay gewesen seien. Der Sieg für die „Löwen“ ginge daher auch in dieser Höhe in Ordnung. Im Gespräch mit Medienvertretern bestätigte sein Keeper Orlishausen diese Einschätzung. KSC-Sportdirektor Todt bezeichnete die Niederlage sogar als „Abreibung erster Güte“. Torsten Lieberknecht sprach dagegen von einem „Sahne-Tag“ und widmete den Sieg „den Fans, die uns immer unterstützt haben. Sie mussten medial viel Kritik einstecken.“
Die Sportzeitschrift „Kicker“ würdigte die gute Leistung von Eintracht, indem sie in ihrer Montagsausgabe (31.8.2015) Berggreen zum „Mann des Tages“ in der 2.Bundesliga machte und neben ihm mit Correia und Decarli zwei weitere „Löwen“ in die „Elf des Tages“ berief.
Durch den Sieg kam der BTSV auf nun 7 Punkte und rückte auf den 8.Tabellenplatz vor. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass die Blau-Gelben vor dem Spiel bei Arminia Bielefeld noch Vorletzter waren! Da lohnte sich für die Fans doch mittlerweile wieder sogar der Blick auf die Tabellenspitze. Dort thronten am Tag nach dem Spiel (Montag) der VfL Bochum und der SC Freiburg ganz oben mit jeweils 12 Punkten, gefolgt von zwei Teams mit 10 (1.FC Heidenheim, FC St.Pauli). ‚Machbar, alles machbar‘, dachte sich so mancher Eintracht-Infizierte und hoffte auf weitere Siege.
Allerdings stand bei dieser Betrachtung die Montagspartie des VfL Bochum noch aus. Im „Live-Spiel“ bei „Sport 1“ besiegte der VfL den TSV 1860 München mit 1:0 und stockte seine Punkte auf 15 auf. 15 Punkte nach 5 Spielen – eine makellose Bilanz. Bereits in der Vorsaison war Bochum die ersten 7 Spiele ungeschlagen geblieben. Es half dem Verein für Leibesübungen jeweils nichts. In beiden Spielzeiten stieg der VfL nicht auf.
[Stand: September 2016]