9. August
FC Bayern München - Eintracht 1:1 (0:1)09.08.1975
1. Spieltag Bundesliga - 1975/76
Zum Start der Bundesliga-Saison 1975/76 musste Eintracht nach München zum FC Bayern reisen.
Die Blau-Gelben hatten das erste Jahr nach dem Wiederaufstieg 1974 sehr ordentlich mit einem 9. Tabellenplatz abgeschlossen und waren damit sogar um einen Platz besser als der Deutsche Meister von 1972 bis 1974, der FC Bayern, platziert. Die "Löwen" gingen zuversichtlich in die neue Saison, zumal sie glaubten, sich mit dem jugoslawischen Nationalstürmer Danilo Popivoda und Dieter Zembski (von Werder Bremen) gut verstärkt zu haben. Allerdings fiel Popivoda nach einem Schlüsselbeinbruch erst einmal für längere Zeit aus.
Die Bayern dagegen waren ihren eigenen Ansprüchen in der abgelaufenen Saison selbstredend nicht gerecht geworden und strebten Wiedergutmachung an. Aber auch sie mussten zum Saisonauftakt erst einmal auf vier Stammspieler verzichten, wovon sich die Ausfälle von Gerd Müller und Uli Hoeneß erheblich auf die Offensivaufstellung auswirkten. Allerdings sollte ein Team, in dem solche Spieler wie Sepp Maier, Franz Beckenbauer, "Bulle" Roth und Karl-Heinz Rummenigge stehen, auch für sich allein ausreichen, um ein Bundesligaspiel erfolgreich zu bestreiten.
Der BTSV machte sich nichts vor. Auch wenn der FC Bayern im Vorjahr keinen erfolgreichen Fussball gespielt hatte und personell geschwächt war, gingen die Münchner als haushoher Favorit in diese Begegnung. Die Blau-Gelben hatten nicht vergessen, dass sie lediglich in der ersten Saison nach dem Aufstieg der Bayern (1965/66) in München punkten konnten (2:2) und danach 8x in Folge in der Bundesliga mit einer Niederlage nach Hause geschickt worden waren. Die Ergebnisse hatten dabei teilweise schon sehr wehgetan (0:2, 0:3, 1:2, 1:5; 1:4, 1:4, 0:3 und 0:1).
Aufgrund extremer Hitze war dieses Samstagsspiel in die Abendstunden verlegt worden. 40.000 Zuschauer sahen zunächst, wie Eintrachts Kapitän Bernd Gersdorff Sepp Maier zu dessen Wahl zum "Fussballer des Jahres 1975" mit der Überreichung eines Blumenstraußes gratulierte.
Gersdorff hielt für Maier noch ein zweites Geschenk bereit. In der 44. Spielminute schenkte der Stürmer dem Nationaltorhüter einen ein und erzielte damit die Führung für die "Löwen". Das Ergebnis war nicht einmal unverdient. Zwar gaben sich die Bayern alle Mühe Druck aufzubauen, der BTSV spielte jedoch durchdachter und verhinderte einen vernünftigen Spielaufbau durch die Münchner. Meist hatten die Blau-Gelben keine Mühe, Torchancen des FCB zu verhindern. Mit dem 0:1 ging es in die Pause. Auch nach dem Wechsel änderte sich das Spiel nicht. Fast wäre Eintracht sogar ein zweiter Treffer gelungen, aber Maier verhinderte mit einer Glanzparade das Kopfballtor von Grzyb. Ein Tor gelang dafür den Bayern. Sieben Minuten vor Spielende trafen sie zum Ausgleich. Das 1:1 war auch der Endstand.
Eintracht hatte sich den Punkt redlich verdient, wie auch Bundestrainer Helmut Schön feststellte. "Löwen"-Dompteur Branco Zebec ging noch weiter: "Heute haben wir den Sieg verpasst", sagte er und befand sich damit auf einer Linie mit der Aussage im nächsten "Kicker", Bayern sei gerade noch mit einem blauen Auge davongekommen.
Die "Löwen"-Fans, die die lange Reise nach München mitgemacht hatten, waren dennoch zufrieden. Der Saisonauftakt war gelungen!
Die Zufriedenheit der Eintracht-Fans hielt bis Saisonende an. Der BTSV spielte bis zum 25. Spieltag ganz vorn in der Tabelle mit und schaffte schließlich mit Tabellenplatz 5 die Qualifikation für den UEFA-Cup.
Bei den Bayern aus München punktete der BTSV in der Bundesliga danach (in weiteren 8 Duellen) nur noch 2x: beim 2:2 in der Folgesaison 1976/77 und beim 1:1 in der Saison 1982/83.
Bayern München ist damit neben dem 1. FC Köln der einzige Verein, bei dem Eintracht in der Bundesliga häufiger antrat, aber nie gewinnen konnte.
Außer diesen beiden Mannschaften gibt es insgesamt überhaupt nur noch zwei weitere Teams, die sich Eintracht im eigenen Stadion in der Bundesliga nicht geschlagen geben mussten: Waldhof Mannheim in zwei Duellen (1983/84: 2:2; 1884/85: 0:2) und Tennis Borussia Berlin in einem Spiel (1976/77: 0:0).

Eintracht – 1.FC Heidenheim 3:0 (1:0)09.08.2014
2. Spieltag 2. Bundesliga – 2014/2015
Am 2.Spieltag der Saison 2014/15 hatte Eintracht die Mannschaft vom 1.FC Heidenheim im Punktspiel der 2.Bundesliga zu Gast.
Die „Löwen“ schienen den Abstieg aus der 1.Bundesliga und die damit verbundenen Abgänge von etlichen Stammspielern (Bellarabi, Bicakcic, Davari, Elabdellaoui, Kumbela) gut verkraftet zu haben, wie das dominante und spielerisch sehenswerte 2:2 bei der Fortuna aus Düsseldorf am 1.Spieltag gezeigt hatte. Allerdings blieb abzuwarten, wie sich die schwere Verletzung von Hochscheidt (Adduktorenabriss) auswirken würde, dem Trainer Lieberknecht eine zentrale Rolle zugedacht hatte.
Mit dem 1.FC Heidenheim reiste eine Mannschaft an, die der BTSV schon kannte – allerdings nur aus Duellen in der 3.Liga. Zuletzt waren die Heidenheimer am 34.Spieltag der Saison 2010/11 im Stadion an der Hamburger Straße angetreten (4:0 für Eintracht) und hatten mit den Blau-Gelben deren Aufstieg in die 2.Bundesliga gefeiert. Nun waren die Heidenheimer (als Meister der 3.Liga mit 79 Punkten) selbst aufgestiegen und zudem erfolgreich in die Saison gestartet. Gemeinsam mit seinen Spielern hatte Trainer Frank Schmidt, der nur 100 Meter vom Heidenheimer Stadion entfernt geboren wurde und die Mannschaft nun schon seit dem Jahr 2009 durchgehend betreute, einen 2:1-Heimsieg gegen den FSV Frankfurt bejubeln dürfen. Der Anfang für den angestrebten Klassenerhalt, den die Sportzeitung „Kicker“ in ihrem Jahresheft gerade von einem guten Start abhängig gemacht hatte, war also schon einmal gemacht. Tabellenrang 2 war eine nette Begleiterscheinung.
Im Kader des 1:FC Heidenheims standen mit Mark Schnatterer, Patrick Mayer (Torschützenkönig der 3.Liga 2010/11 mit 19 Treffern gemeinsam mit dem „Löwen“ Domi Kumbela), Florian Niederlechner (später Mainz 05 und SC Freiburg ) und Robert Leipertz (später Schalke 04 und FC Ingolstadt ) schon überdurchschnittlich gute Spieler, dennoch war Eintracht für diese Begegnung natürlich Favorit. Immerhin war es das Duell Bundesligaabsteiger gegen Drittligaaufsteiger.
Trotz des vom Namen her wenig attraktiven Gegners fanden 21.430 Zuschauer den Weg an diesem Samstag, den 09.08.2014, in den „Tempel“. Die Begeisterung für Eintracht Braunschweig zwischen Harz und Heide hatte durch den Abstieg nicht gelitten!
Lieberknecht bot folgende Anfangself auf: Gikiewicz – Hedenstad, Correia, Dogan, Reichel – R.Korte, Theuerkauf, Boland, Zuck – Nielsen, Kruppke. Mit Gikiewicz, Hedenstad und Zuck gaben gleich 3 Neuzugänge ihr Punktspieldebüt im Eintracht-Stadion. In der Startelf des Aufsteigers stand mit Smail Morabit ein „alter“ Bekannter. Morabit hatte von Sommer 2008 bis Sommer 2010 selbst für Eintracht gespielt. Der zweite ehemals Blau-Gelbe im Kader von Heidenheim, Julius Reinhardt, hatte die Reise nach Braunschweig gar nicht erst mitgemacht.
Die Partie (unter der Leitung von Schiedsrichter Kinhöfer, Herne) begann lebhaft. Von Beginn an standen die beiden Torhüter, insbesondere Zimmermann von den Gästen, im Mittelpunkt. Chancen von Hedenstad, Kruppke und Zuck stand eine Gelegenheit von Bagceci gegenüber. Nach etwa einer Viertelstunde beruhigte sich das Spiel. Der Aufsteiger stand nun gut sortiert in der Defensive und ließ kaum noch zielstrebige Angriffe der Blau-Gelben zu. Erst nach 35 Minuten gelang es Eintracht wieder, offensiv ein Zeichen zu setzen. Boland scheiterte jedoch, wie auch kurz darauf Schnatterer auf der Gegenseite. Nur wenig später kamen die „Löwen“ dann doch zur Führung. Reichel hatte Nielsen geschickt und Eintrachts Norweger sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen (38.). 1:0! Mit diesem Ergebnis ging es auch in die Pause.
Nach dem Wechsel drängte Heidenheim vehement auf den Ausgleich. Niederlechner und Schnatterer tauchten wiederholt gefährlich vor dem Gehäuse von Gikiewicz auf und forderten ihn. Einmal wäre Eintrachts Keeper chancenlos gewesen. Correia klärte jedoch für ihn gegen Niederlechner auf der Torlinie. So blieb es zunächst bei der knappen Führung für den BTSV. Diese wurde aber bereits kurze Zeit später komfortabler. Ausgehend von einem Freistoß von Nielsen gelangte der Ball schließlich zu Reichel, der ihn hoch ins Gästetor drosch (56.). 2:0!
Heidenheim ließ sich auch danach nicht hängen und kämpfte um den Anschlusstreffer. Die Abschlüsse von Griesbeck, Schnatterer, Heise und Morabit vermittelten aber nicht mehr die Entschlossenheit und Gefährlichkeit der Angriffe direkt nach der Pause. So war es nicht wirklich verwunderlich, dass nicht dem 1.FC Heidenheim ein Tor gelang, sondern Eintracht das Dritte. Zuck schickte Reichel, der tunnelte den Torhüter – 3:0 (72.)!
3:0 – wieder Reichel! Mit seinem Treffer vom 1. Spieltag in Düsseldorf waren das schon 3 Reichel-Tore! In 2 Spielen! Ausgerechnet Eintrachts Linksverteidiger, der seit der Saison 2007/08 für den BTSV kickte und nie, nie mehr als ein Saisontor erzielt hatte. Wahnsinn! Erst am Dienstag vor dem Spiel war seine bisherige Torungefährlichkeit in der „Braunschweiger Zeitung“ unter der Überschrift „Auf dem Weg zur Bestmarke“ thematisiert worden. Er hatte hierbei für die Saison erklärt: „Ich habe mir ein bisschen mehr vorgenommen.“ – Nur zu, ChicKen, lass´ Dich nicht aufhalten! Weiter so!
Mit dem 3:0 war die Begegnung natürlich entschieden. Die Gäste bemühten sich zwar weiterhin um eine Resultatsverbesserung, aber vergeblich. Es blieb bei diesem Ergebnis.
3:0, 4 Punkte – Eintracht war erfolgreich in die Zweitligasaison gestartet.
Was dieser Sieg in Hinblick auf die Tabelle wert war, mussten die anderen Ergebnisse zeigen. Von den vier Mannschaften, die am 1.Spieltag siegreich geblieben waren, hatte keine auch ihre zweite Partie gewonnen. Das bedeutete, dass die Teams mit 4 Punkten die Tabelle anführten. Davon gab es gleich 8 ! Dank des deutlichen Sieges lag der BTSV hinter dem VfL Bochum (5:1 bei Erzgebirge Aue) und der SpVgg Greuther Fürth (5:1 gegen Mitabsteiger 1.FC Nürnberg) auf Platz 3 der Tabelle.
Mit einem guten Gefühl konnten sich die Eintracht-Fans auf das folgende Pokal-Wochenende freuen. Das Auswärtsspiel beim Bremer SV stand an!
Guter Dinge wird in den nächsten Tagen auch Ken Reichel gewesen sein. 3 Tore, damit Führender in der Torjägerliste, schon 2x in der „Elf des Tages“ und darüber hinaus „Spieler des Tages“ im „Kicker“. Was will man mehr?
Übrigens: Der – von vielen als selbstverständlich angesehene – Sieg gegen den 1.FC Heidenheim erwies sich in der Rückbetrachtung als wertvoller als zunächst gedacht. Von den insgesamt 17 Spielen der Hinrunde verloren die Heidenheimer nur weitere 3 und die auch nur mit einem Treffer Unterschied (2:3 in Düsseldorf; 0:1 in Ingolstadt und gegen VfR Aalen). Siege errangen sie gegen Union Berlin (3:1), den 1.FC Nürnberg (3:0!), den VfL Bochum (5:0!), beim FC St.Pauli (3:0) und gegen den SV Sandhausen (3:0). Torsten Lieberknecht hatte schon Recht, indem er nach dem Heidenheim-Spiel feststellte: „3:0 gegen einen Aufsteiger in einer so frühen Phase der Saison zu gewinnen, ist gut! Eine tolle Geschichte!“
[Stand: Juli 2018]