3. September
Eintracht -- 1.FC Köln 1:0 (0:0)03.09.1966
3. Spieltag Bundesliga -- 1966/67
Das Auftaktprogramm der „Löwen“ in der 4. Bundesliga-Saison 1966/67 hatte es in sich. Gleich zu Beginn standen die Duelle mit den Deutschen Meistern der letzten drei Spielzeiten auf dem Programm.
Mit 2:2-Punkten (2-Punkte-Wertung) nach zwei Spieltagen war man in Braunschweig daher auch nicht unzufrieden. Gegen den Meister 1965 Werder Bremen war den Blau-Gelben ein verdienter 2:0-Sieg geglückt, bei dem der neu (von Holstein Kiel) verpflichtete Torjäger Saborowski auch gleich getroffen hatte. Die anschließende 1:2- Niederlage beim aktuellen Meister 1860 München (Tor wieder Saborowski) hatte zwar wehgetan, zumal Eintracht dem Gegner absolut ebenbürtig war, aber auch gleichzeitig Mut gemacht. Wer so beim aktuellen Meister auftritt, sollte auch im 4. Jahr Bundesliga nichts mit dem Abstieg zu tun haben und sein Saisonziel, einen Mittelfeldplatz, erreichen können..
Sollte ! `Mal schauen, wie sich die „Löwen“ in der Auseinandersetzung mit dem 1.FC Köln präsentieren würden … !
Mit dem 1.FC Köln stellte sich an diesem 3.9.1966 einer der Giganten des deutschen Fussballs im Stadion an der Hamburger Straße vor. Deutscher Meister gleich im ersten Bundesligajahr 1963/64, Zweiter ein Jahr später und schließlich Fünfter in der abgelaufenen Saison! In Köln herrschte die Meinung vor, der FC müsse generell um den Meistertitel mitspielen. Mit Overath, Wolfgang Weber und Heinz Hornig standen in seinen Reihen auch drei Spieler, die mit der Deutschen Nationalmannschaft im Sommer bei der WM in England hinter dem Gastgeber gerade Vizeweltmeister (2:4 n.V.) geworden waren.
Außerdem gab es da noch etwas, das die Aufgabe für den BTSV nicht unbedingt leichter machte: Nie in der Bundesliga hatte Eintracht zuvor gegen den FC gewonnen! Auswärts hatte es mit 1:4, 1:5 und 0:3 immer deftige Niederlagen gesetzt. Und zu Hause war die Bilanz mit zweimal 1:1 und einer 1:2-Niederlage (in der vergangenen Spielzeit) auch nicht gerade berauschend.
Immerhin standen die Blau-Gelben nach den ersten beiden Spieltagen vor den Kölnern in der Tabelle. Zwar hatten diese zum Auftakt den Meister TSV 1860 mit 2:0 besiegt, dann aber bei der Eintracht aus Frankfurt eine 0:4-Schlappe hinnehmen müssen. Der BTSV besaß daher bei Punktgleichheit das bessere Torverhältnis.
Als weitere Motivationshilfe hatte „Löwen“-Bändiger Johannsen einen Zeitungsartikel in die Umkleidekabine gehängt, das ein Zitat des ehemaligen FC Köln-Spielers und Fussball-Weltmeisters von 1954 Hans Schäfer enthielt. Dieser hatte nach der 0:3-Niederlage von Eintracht beim FC am 19.3.1966 gesagt, in der Braunschweiger Mannschaft würde er heute noch im Pyjama spielen.
25.000 Zuschauer passierten an diesem Samstag die Stadiontore.
Sie sahen, dass die Kölner auf Wolfgang Weber verzichten mussten. Dieser hatte sich unter der Woche bei dem Turnier in Barcelona um den Juan-Gamper-Goldpokal, bei dem seine Mannschaft nach einem Sieg gegen den französischen Meister FC Nantes (3:2n.V.) und einer Niederlage gegen den Gastgeber (1:3) Zweiter geworden war, verletzt und musste daher passen. Mit Hornig, Löhr und dem (von Juve verpflichteten) Schweden Magnusson im Sturm, Overath und dem jungen Flohe im Mittelfeld und Soskic (von Partizan Belgrad) im Tor standen aber Akteure auf dem Platz, die diesen Verlust auffangen sollten. Die „Löwen“ hatten ihren Libero Achim Bäse wieder dabei, auf den sie in München verzichten mussten.
Eintracht legte los wie die Feuerwehr. Bereits nach 10 Minuten stand es 5:0 nach Ecken. Zwei Chancen hatten sich die Blau-Gelben zu diesem Zeitpunkt auch schon herausgespielt (Ulsass, Saborowski). Nur das Tor hatten sie bisher nicht getroffen. Das änderte sich auch nicht bis zum Halbzeitpfiff, obwohl die „Löwen“ ständig im Angriff lagen und ca. ab der 20.Spielminute auch von einer Verletzung des Kölner Abwehrspielers Rumor profitierten. Spielerwechsel waren damals noch nicht erlaubt. Für den blaugelben Anhang war es zum Haareraufen: Das bessere Team, Chancen, aber kein Treffer! Was soll’s?! Eintracht spielte gut, also schmeckten auch Pausenbier und Pausenbratwurst!
Die 2. Halbzeit bot zunächst dasselbe Bild. Der BTSV, bei dem insbesondere Schmidt und Ulsass überragend spielten, griff an und Köln verteidigte fast durchgehend. Allein Overath und Magnusson (, der den Blau-Gelben unglücklicherweise später noch einmal in den Reihen von Juventus Turin über den Weg laufen sollte,) boten vorn eine ordentliche Leistung und setzten hin und wieder Akzente. Aufgeschreckt wurden die „Löwen“ jedoch von einem anderen Gäste-Spieler. Nach ca. einer Stunde nahm sich Struth ein Herz und ließ einen Gewaltschuss los. Wolter hielt. Kurz danach belohnte sich die Mannschaft in den blaugelben Trikots dann endlich für ihre engagierte Leistung. Gerwien über außen -- flaches Zuspiel in die Mitte auf Ulsass – Tor! Tooor für Eintracht in der 63. Spielminute! 1:0!
Der Torjubel war kaum verhallt, da tauchte wieder Ulsass frei vor Soskic auf, zielte aber genau auf Mann. Fast das 2:0!
Ja, der Lothar Ulsass! Gut dass der Liebling der Fans seinen Vertrag vor der Saison um 3 Jahre verlängert hatte und nicht den Lockrufen von Hannover 96 erlegen war!
Eintracht blieb auch danach überlegen und erspielte sich weitere Gelegenheiten. In Probleme, die Führung zu verteidigen, gerieten die Blau-Gelben nie. Ein längst hochverdientes 2:0 fiel jedoch nicht mehr. Nach 90 Minuten pfiff Schiedsrichter Schreiner ab.
1:0! Sieg! Der erste gegen den 1.FC Köln in der Bundesliga!
Kölns neuer Trainer Multhaupt sagte nach dem Spiel: „An dem verdienten Sieg der Braunschweiger gibt es natürlich nichts zu rütteln.“ Die in Koln erscheinende Sport-Zeitung „Der Fussball Sport“ schrieb in seiner Ausgabe am folgenden Montag (19.Jg., Nr.36): „Das eigentliche Wunder heißt Braunschweig …“
Jawoll! Welche Ausmaße dieses „Wunder“ noch annehmen würde, ahnte zu diesem Zeitpunkt wohl niemand.
Für die „Löwen“ ging es in der Bundesliga erst einmal weiter mit zwei Auswärtsspielen bei Eintracht Frankfurt und beim VfB Stuttgart. Beide Teams waren mit 6:0-Punkten in die Saison gestartet.
Na dann …!
[Stand: 15.1.2014]