30. September
Vorstopper Rainer Hollmann30.09.1948
Ein Löwengeburtstag
Rainer Hollmann wurde am 30.9.1948 bei Duisburg geboren. Er begann seine Karriere bei Eintracht Duisburg und wechselte dann zu Rot-Weiss Oberhausen, mit denen er auch in der Bundesliga spielte. Als Oberhausen 1973 gemeinsam mit Eintracht abstieg, konnten die Blau-Gelben den ehemaligen Junioren-Nationalspieler verpflichten. Es sollte der Beginn einer langen Beziehung sein: Rainer Hollmann spielte 11 Spielzeiten für die "Löwen" und war in all diesen Jahren Stammspieler auf dem Vorstopper-Posten!
Von 1973/74 bis 1983/84 absolvierte er im blau-gelben Dress 259 Bundesligaspiele (23 Tore), 13 Spiele in der 2. Bundesliga Nord (0), 33 Regionalligaspiele (2) sowie 9 Aufstiegsspiele (1). In seine Zeit fielen zwei (Wieder-) Aufstiege in die Bundesliga (1974, 1981) und ein Abstieg (1980). Er war damit auch in der Zeit dabei, in der die Blau-Gelben unter Trainer Zebec den vermeintlich schönsten und attraktivsten Fussball in der Bundesligageschichte von Eintracht überhaupt zeigten (1975-1977).
Hollmann war für einen Vorstopper der 70er Jahre relativ torgefährlich. Bemerkenswert dass er von seinen 23 Bundesligatoren allein drei (zwischen 1975 und 1977) gegen den FC Bayern München erzielte. Das können nicht einmal viele Stürmer von sich sagen!
Die kurioseste Geschichte um Rainer Hollmann spielte sich am 1. Spieltag der Saison 1977/78 auf dem Betzenberg ab. Eintracht führte im Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern mit 1:0, als Schiedsrichter Burgers zwanzig Minuten vor Schluss ein deutlich vor dem Strafraum begangenes Foul an einem Lauterer Spieler in den 16er verlegte und Elfmeter gab. Im Rahmen der erregten Diskussion hierüber streckte der Schiedsrichter Hollmann mit einem Ellbogencheck nieder. Hollmann war sofort bewusstlos und wachte erst Minuten später im Krankenwagen wieder auf. So etwas hatte es zuvor noch nie in der Bundesliga gegeben! Eintracht verlor die Begegnung ohne ihn durch den Elfmeter und ein weiteres Tor fünf Minuten vor dem Spielende noch mit 1:2.
Nach seiner aktiven Zeit schlug Hollmann die Trainerlaufbahn ein. Seine größten Erfolge errang er hierbei im außereuropäischen Ausland.

Eintracht - Erzgebirge Aue 4:1 (3:0)30.09.2000
10. Spieltag Regionalliga Nord - 2000/01
Am 30.9.2000 fand der 10. Spieltag der Regionalliga Nord statt. Eintracht empfing die Mannschaft von Erzgebirge Aue.
In dieser Saison waren zwei Dinge für Eintracht neu:
1.) Seit Juli hatten die Blau-Gelben mit Gerhard Glogowski einen neuen Vereinspräsidenten, nachdem Helmut Dohr überraschend zurückgetreten war.
2.) Die Regionalliga Nord war mit Beginn der Saison 2000/2001 eine von insgesamt nur noch zwei Regionalligen. Aus vier Regionalligen hatte der DFB zwei gemacht. Die Blau-Gelben hatten die Qualifikation in der Vorsaison mit einem 3. Platz in der "alten" Regionalliga Nord geschafft.
Gegen Erzgebirge Aue hatte Eintracht bisher keine Punktspiele bestritten. Lediglich in der sog. Intertoto-Runde war man bereits zu DDR-Zeiten aufeinandergetroffen. Wer den Dialog mit den Fans von Aue suchte, fand heraus, dass die Erzgebirgler froh waren, der Regionalliga Nord und nicht der Regionalliga Süd zugewiesen worden zu sein. Man freute sich auf Duelle mit Traditionsvereinen wie Fortuna Düsseldorf, Rot-Weiß Essen, Fortuna Köln, Preußen Münster, den VfB Lübeck und – natürlich – Eintracht Braunschweig.
Aue reiste als Tabellenführer an. In 9 Begegnungen hatte die Mannschaft 21 Punkte errungen. Dieser gute Start war von kaum jemand erwartet worden. Nur ein Trainer überhaupt hatte den Erzgebirglern eine gute Rolle im Kampf um die (beiden) Aufstiegsplätze zugetraut: Eintrachts Trainer Reinhold Fanz. Aber auch die "Löwen", denen mehr als 10 Trainer eine erfolgreiche Saison vorhergesagt hatten, waren gut gestartet. Mit erreichten 17 Punkten aus 8 Begegnungen (1x spielfrei) waren sie Tabellendritter.
17.000 Zuschauer wollten sich dieses Spitzenspiel im Stadion an der Hamburger Straße nicht entgehen lassen.
Eine spannende Begegnung wurde es an diesem Samstag nicht. Die Blau-Gelben spielten von Beginn an druckvoll und gingen bereits nach 5 Minuten in Führung. Kais Manai, der auch das Titelbild von "Eintracht aktuell" zu diesem Spiel zierte, traf mit einem 18m-Schuss zum 1:0 ins Auer Netz. Vor der Pause fielen durch Kosta Rodrigues und Dirk Weetendorf zwei weitere Tore. Nach der Pause schaltete Eintracht einen Gang zurück und ließ Aue mitspielen. So kamen die Erzgebirgler zum Anschlusstreffer. Kurz vor dem Schlusspfiff stellte Weetendorf mit seinem zweiten Tor den alten Abstand wieder her.
Eintracht war durch diesen deutlichen 4:1 - Sieg auf den zweiten Tabellenplatz vorgerückt und hatte seine Ambitionen auf eine erfolgreiche Saison eindrucksvoll untermauert. Entsprechend zufrieden gingen alle Einträchtler nach Hause.
Ein Blau-Gelber hatte zusätzlich besonderen Grund zur Freude: Serge Branco, seit 1997 Spieler bei der Eintracht, war an diesem Tag mit seinem Heimatland im fernen Australien Olympiasieger geworden. Die Fussball-Nationalmannschaft von Kamerun hatte Spanien nach Elfmeterschießen mit 5:3 bezwungen.

1.FC Kaiserslautern – Eintracht 1:1 (1:0)30.09.2012
8. Spieltag 2. Bundesliga – 2012/13
Englische Woche in der 2. Bundesliga! Zum Abschluss musste Eintracht zum 1.FC Kaiserslautern reisen. Und mit ihm seine Fans!
So langsam wurde es unheimlich! Nicht einmal die kühnsten Optimisten unter den Eintracht-Anhängern hatten mit solch einem Verlauf der Saison 2012/13 gerechnet.
Nach 7 Spieltagen führten die „Löwen“ die Tabelle an. Die Tabellenführung hatten sie bereits am 2.Spieltag übernommen. Sie waren ungeschlagen geblieben und hatten 19 von 21 möglichen Punkten geholt. 19 von 21!!! Nur bei 1860 München hatten sie sich vor Wochenfrist mit einem 1:1 begnügen müssen. Der Rest? Nur Siege! Ob der Gegner 1.FC Köln, Union Berlin, SC Paderborn, VfR Aalen, Jahn Regensburg oder zuletzt am Mittwoch MSV Duisburg hieß -- Sie alle hatten gegen den BTSV verloren.
Ein Saisonauftakt wie in Blau und Gelb gemalt!
Am nächsten in der Tabelle kam den „Löwen“ noch Energie Cottbus. Die Lausitzer wiesen 17 Punkte auf und waren ebenfalls noch ohne Niederlage. Das gleiche galt für den Dritten 1.FC Kaiserslautern mit 15 Punkten. Es folgten der FSV Frankfurt (14P.), Hertha BSC (14P.) sowie 1860 München (13P., auch noch unbesiegt).
Die Begegnung Lautern gegen Braunschweig war also das Spitzenspiel des 8.Spieltags. Da die Partie am Sonntag stattfand, konnten sich beide Teams vorher in Ruhe anschauen, wie denn die Konkurrenz ihre Aufgaben am Freitag und Samstag gemeistert hatte. Und das sah doch gar nicht so schlecht aus. Zwar waren die Münchner Löwen siegreich geblieben (4:0 gg. Sandhausen), aber sowohl Energie Cottbus (1:3 bei Union Berlin) als auch der FSV Frankfurt (0:3 beim VfR Aalen) hatten Niederlagen einstecken müssen. Damit stand bereits vor dem Anpfiff fest, dass Eintracht die Tabellenführung in jedem Fall behalten würde.
Der 1.FC Kaiserslautern war gerade (als 18.) aus der Bundesliga abgestiegen und hatte sich den sofortigen Wiederaufstieg zum erklärten Ziel gesetzt. Der Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz hatte seinem neuen Trainer Franco Foda, der zuvor erfolgreich bei Sturm Graz in Österreich tätig war, zu diesem Zweck einige Hochkaräter verpflichtet. Baumjohann (von Schalke 04), Idrissou (Eintr.Frankfurt), Bunjaku (1.FC Nürnberg) und Azaough (VfL Bochum) waren wohl die Bekanntesten. So war es nicht verwunderlich, dass die Pfälzer im Rahmen einer Trainerumfrage vor der Saison nach Hertha (17 Nennungen) mit 16 Nennungen zum zweitheißesten Aufstiegskandidaten erklärt worden waren.
Für Eintracht eine unlösbare Aufgabe? Mut machten den „Löwen“ zwei Umstände:
1. Das letzte Duell in Kaiserslautern am 6.5.2007 ging 1:1 aus, obwohl Eintracht in dieser Spielzeit schon als Absteiger aus der 2. Bundesliga feststand und der FCK noch kleinere Aufstiegshoffnungen hegte.
2. Die Pfälzer hatten in der laufenden zwar alle 3 Auswärtsspiele, zuletzt 2:1 beim MSV, gewonnen, aber nur eine der 4 Heimpartien.
Zudem mussten die „Roten Teufel“ in der Begegnung auf Alushi, Azaough, Baumjohann und Bunjaku verzichten. Torjäger Idrissou dagegen, der Eintracht Frankfurt in der Vorsaison mit 14 Treffern zum Bundesligaaufstieg geschossen hatte und den die „Löwen“-Fans bereits seit dem 29.10.2003 kannten, als er mit Hannover 96 im Pokal in Braunschweig unterging (2:0) konnte auflaufen.
Bei Anpfiff hatten sich an diesem 30.9.2012 33.000 Zuschauer am Betzenberg, der seit einigen Jahren Fritz-Walther-Stadion hieß, eingefunden. Unter ihnen befanden sich mehr als 2.000 Eintracht-Fans, die in der Sonne stehend mit „Spitzenreiter, Spitzenreiter“-Rufen lautstark Präsenz zeigten. Sie sahen, dass ihre Mannschaft zum ersten Mal mit dem erst nach dem 3.Spieltag (Ende August) neuverpflichteten Chinesen Chendong Zhang in der Startelf auflief. Er sollte gemeinsam mit Boland und Kruppke, der sein 100. Zweitligaspiel (und damit die meisten) bestritt, die offensive Dreierreihe hinter der einzigen Spitze Kumbela bilden. In der Abwehr vertraute Trainer Lieberknecht, der -- wie auch Rische, Bohl, Correia, Henn, Kessel und Kumbela – früher selbst für den FCK gespielt hatte, auf die bewährte Viererreihe Correia, Bicakcic, Dogan und Reichel. Theuerkauf und Kratz bildeten die Doppel-6, Davari stand im Tor.
Eintracht begann selbstbewusst und abgeklärt. Nach 10 Minuten hatten die Blau-Gelben bereits zwei Ecken herausgeholt. In Minute 21 erspielten sie sich ihre erste Gelegenheit. FCK-Keeper Sippel passte jedoch auf und klärte knapp vor Zhang. Von den Hausherren war bis zu diesem Zeitpunkt wenig zu sehen. Um so überraschender war es daher, dass die Pfälzer nach 25 Minuten Grund zum Jubeln hatten. Abwehrspieler Dick hämmerte einen Freistoß aus 19m oben rechts direkt in den Winkel – 1:0. Nach der Führung wurde Lautern mutiger, aber nicht für lange. In der 33. Minute sah alles nach dem verdienten Ausgleich aus, aber Boland konnte seine Chance, als er über links kommend frei zum Schuss kam, nicht nutzen. Knapp ging der Ball am langen Pfosten vorbei. In Minute 43 – die „Löwen“ hatten das Eckenverhältnis mittlerweile auf 4:3 geschraubt – die nächste Chance: Kruppke tauchte nach Pass von Correia rechts allein vor Sippel auf, aber der machte sich ganz breit und hielt den Ball. Kurz vor der Pause hatten dann die Pfälzer tatsächlich eine Gelegenheit. Davari konnte den Drehschuss jedoch parieren. So blieb es bis zum Pausenpfiff des Berliner Schiedsrichters Siebert beim 1:0.
Eine unverdiente Führung für die Gastgeber. Dies sah auch Eintracht-Manager Arnold so, indem er im Pauseninterview beim Bezahlsender „Sky“ erklärte: „Wir machen mehr für das Spiel. Wir sind tonangebend.“
In der 2.Halbzeit lief Stürmer Orhan Ademi für Zhang auf. Auf dem Platz wirkte sich die etwas offensivere Ausrichtung der „Löwen“ jedoch nicht aus. Der FC stand nun deutlich sicherer, und Eintracht fiel nichts ein. So tat sich bis etwa 15 Minten vor Schluss kaum etwas. Fast das Spannenste war noch die Einwechslung Pfitzners (für Kratz), der zunächst minutenlang in einem Trikot ohne Werbung über den Rasen lief. Aaaber dann!
Nach 74 Minuten spielte Kruppke Ademi an, der rechts im Strafraum auf den Pass wartete. Orhan Ademi tanzte erst einen Abwehrspieler aus, dann den zweiten, umspielte noch Torwart Sippel und schob den Ball schließlich aus spitzem Winkel an einem weiteren Abwehrspieler vorbei ins Lauterer Tor.
Tooooooor ! 1:1! Kollektives Ausflippen im Gästeblock. So ´was hatte man ja noch nie gesehen. „Spitzenreiter, Spitzenreiter!“
Nach dem Ausgleich war der Eintracht-Anhang nun richtig laut und dominierte klar. „Eintracht ist Alles!“
Auf dem Platz dagegen hatten nun die „Roten Teufel“ das Tempo wieder angezogen. Sie wollten den Sieg. Nachdem Bicakcic in der 78.Minute mit einem Luftloch für etwas Unruhe gesorgt hatte, war den Blau-Gelben eine Minute später das Glück aber ´mal so richtig hold. Nach dem Freistoß für Lautern kam Torschütze Dick frei zum Kopfball. Davari konnte den nicht schlecht plazierten Ball gerade noch an den Pfosten lenken. Von dort prallte das Leder zurück und fand seinen Weg parallel zur Torlinie am ganzen Tor entlang. Kein Spieler kam dran. Kein Tor! Durchatmen!
Der Rest der insgesamt 92 Minuten Spielzeit war geprägt von Kampf auf beiden Seiten. Spielerische Höhepunkte gab es nicht mehr, dafür aber einen Platzverweis. Der erst 5 Minuten zuvor eingewechselte Lauterer Spieler Riedel sah nach einem rüden Foul an Pfitzner zu Recht „Rot“ (90.). Kurz darauf war Schluss und die „Löwen“-Fans konnten noch einmal das „Spitzenreiter, Spitzenreiter“ und zudem „Oh, wie ist das schön“ anstimmen.
1:1 bei einem Aufstiegsfavoriten, weiterhin unbesiegt, weiterhin Tabellenführer, Tabellenführung auf 3 Punkte ausgebaut! -- Eintracht-Fan, was willst Du mehr?!
Der Kommentator von „Sky“ fasste die Leistung der Blau-Gelben wie folgt zusammen: „Die Braunschweiger brauchen nicht von Klassenerhalt zu reden. Die sind genau so gut wie Kaiserslautern, die werden bis zum Schluss oben mitspielen. Eintracht Braunschweig ist auf dem Weg nach oben seit heute nicht mehr aufzuhalten.“
Gut, das war nur die Aussage eines zu Extremen neigenden Fussball-Reporters, aber schön angehört hat sie sich allemal! Treffender und prägnanter war da schon das Fazit von „Löwen“-Bändiger Lieberknecht: „Das war großes Kino!“
Perfekt wurde der Spieltag am Montag. Hertha BSC erreichte im Abendspiel nur ein 2:2 beim MSV Duisburg. Die Tabelle bot danach folgendes Aussehen:
1.)Eintracht 20 Punkte; 2.)Cottbus 17; 3.)1860 16; 4.)Lautern 16; 5.)Aalen 15; 6.)Hertha 15
Und der 1.FC Köln?? 14. mit 8 Punkten.
Wie sollte das nur weitergehen? War Eintracht wirklich bereits im zweiten Jahr in der 2. Bundesliga auf dem Weg in die Beletage des deutschen Fussballs?
Für Orhan Ademi ging es jedenfalls gut weiter. Wenige Tage später erhielt Ademi, der nun schon zwei wichtige Tore für den BTSV erzielt hatte und am 9.Spieltag (beim 3:0 gegen den VfL Bochum) das dritte folgen ließ, eine Einladung zur U21 der Schweiz. Am 12.Oktober stand er gegen Deutschlands U21 auf dem Platz.
[Stand: Juli 2014]