6. September
Eintracht – Rot-Weiß Oberhausen 0:4 (0:3)06.09.1969
4. Spieltag Bundesliga – 1969/70
Nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1967 hatte Eintracht seine Fans in der Folgesaison mit einem 9.Platz in der Abschlusstabelle eher ein wenig enttäuscht. Da die „Löwen“ in der nächsten Spielzeit 1968/69 jedoch wieder einen guten 4.Platz belegten und dabei nur einen Punkt (2-Punkte-Wertung) hinter dem Zweiten Alemannia Aachen zurücklagen, sahen die Fans der Saison 1969/70 optimistisch entgegen.
Nach drei Spieltagen wusste man in der Stadt an der Oker nicht so recht, wie man den Saisonstart seiner Lieblingsmannschaft nun einschätzen sollte. Am 1.Spieltag hatte das Team beim 1.FC Köln eine ausgezeichnete Leistung geboten, wurde von Schiedsrichter Aldinger (Waiblingen) beim Stand von 2:0 aber klar benachteiligt und verlor die Partie noch mit 2:3. Es folgten zu Hause ein 1:1 gegen die „Roten“ aus Hannover und auswärts ein 3:3 beim Hamburger SV. Das Unentschieden gegen die 96er war recht glücklich zustande gekommen, da die Gäste klar überlegen agierten und Eintrachts Ausgleich (durch Gersdorff) erst in der letzten Spielminute fiel. Auch über die Punkteteilung in Hamburg durften sich die Blau-Gelben nicht beschweren. Nach einer 2:0-Führung, die so gar nicht dem Spielverlauf entsprach, lag der BTSV bereits mit 2:3 zurück, als erneut in der Schlussminute (durch Maas) der Ausgleich gelang. Vielleicht gab die Begegnung des 4.Spieltags gegen den Aufsteiger Rot-Weiß Oberhausen ja Aufschluss darüber, was man von Eintracht in dieser Saison erwarten durfte.
Der Aufsteiger aus dem Westen reiste mit einer gehörigen Portion Selbstbewusstsein in der Löwenstadt an. Nach zwei Heimsiegen gegen Eintracht Frankfurt (3:1) und Borussia Dortmund (2:1) und einem 0:0 beim 1.FC Kaiserslautern auf dem gefürchteten Betzenberg waren die Rot-Weißen noch ungeschlagen und belegten Platz 2 der Tabelle.
Dennoch gingen viele der 18.000 Zuschauer, die sich an diesem Samstag, den 6.9.1969 im Stadion an der Hamburger Straße eingefunden hatten, optimistisch davon aus, dass Eintracht die Partie siegreich beenden würde. Immerhin war RWO nur ein Aufsteiger! Sie sollten sich gewaltig getäuscht haben!
Das Spiel war nicht einmal 15 Minuten alt, da hieß es bereits 0:2. Zwei Ecken hatten ausgereicht, um den Gästen eine komfortable Führung (durch Treffer von Karbowiak/4. und Fröhlich/12.) zu ermöglichen. Die Führung war zudem verdient, weil Eintrachts Abwehr, insbesondere Bäse und Grzyb, immer wieder Probleme mit den Oberhausener Angreifern bekamen. Nach der schnellen 2-Tore-Führung zogen sich die Rot-Weißen zurück und ließen die Blau-Gelben kommen. Eintracht rannte wütend an, schaffte es aber nicht, den an diesem Nachmittag starken Gäste-Torwart Scheid zu überwinden. Ganz anders RWO! In der 31.Minute stürmte Angreifer Dausmann auf Wolter zu, umspielte ihn und schoss zum 0:3 ein. Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause. Auch nach dem Wechsel blieben die Bemühungen der „Löwen“ um eine Resultatsverbesserung erfolglos. Oberhausen dagegen spielte mit der deutlichen Führung im Rücken weiter überzeugend auf. Und traf durch Dausmann erneut ins Schwarze! 0:4 hieß es am Ende. Null zu Vier !
Mit seinem zweiten Treffer hatte Dausmann den „Löwen“ und ihren Fans gleichzeitig einen Stich ins Herz verletzt. Mit 4 Toren Unterschied hatte Eintracht zuvor kein Heimspiel in der Bundesliga verloren! 0:4 – eine Klatsche, nach dem Empfinden der Eintracht-Fans!
Gut, Heimniederlagen mit drei Toren Differenz hatte man in den abgelaufenen 6 Jahren Bundesliga schon 5x erleben müssen (0:3 am 15.2.64 gg Eintracht Frankfurt, am 9.9.67 und 22.4.69 gg Werder, am 16.9.67 gg 1.FC Nürnberg und 1:4 am 15.1.66 gg den HSV), einmal fielen dabei auch vier Gegentore, aber so deutlich …! Da tröstete es den Eintracht-Anhänger wenig, dass es vielen anderen etablierten Vereinen in der Bundesliga bereits ebenso oder gar schlimmer ergangen war. Was interessierte es, dass auch Bayern München, 1860 München, Borussia Mönchengladbach (2x), der Hamburger SV (2x), Werder Bremen (2x), Schalke 04 (2x), Eintracht Frankfurt , der 1.FC Nürnberg (3x), MSV Duisburg, Fortuna Düsseldorf (2x), der Karlsruher SC (4x), RW Essen, Alemannia Aachen und der 1.FC Saarbrücken genauso gedemütigt worden waren, von Tasmania Berlin und Borussia Neunkirchen (je 5x) ganz zu schweigen!
Auswärts konnte man so deftige Niederlagen schlucken. Und hatte es auch schon mehrfach tun müssen. Die bislang deutlichste Auswärtspleite war dabei das 0:5 beim VfB Stuttgart bereits in der Hinrunde der ersten Spielzeit der Bundesliga überhaupt (am 30.11.1963). Danach folgten noch 5 Niederlagen mit je 4 Treffern Unterschied (1:5 am 4.4.64 beim Meidericher SV, am 29.8.64 bei Werder Bremen, am 10.10.64 beim 1.FC Köln und 0:4 am 23.10.65 bei Werder Bremen, am 30.5.69 beim 1.FC Kaiserslautern). Das war es dann aber auch schon!
Zu Hause dagegen durfte sich der BTSV eine solche deutliche Niederlage jedenfalls nicht erlauben! Das war blamabel für die „Löwen“, die in allen 17 Heimspielen der Meister-Saison zusammen gerade einmal die doppelte Anzahl an Gegentoren, also 8, zugelassen hatten.
Es passte ins Bild, dass Eintrachts 0:4 gegen RWO der erste Auswärtssieg dieser Spielzeit überhaupt war. Ebenso passte es, dass die Blau-Gelben durch die Niederlage auf den letzten Platz der Tabelle abgerutscht waren. Neuer Spitzenreiter war … Rot-Weiß Oberhausen!
Die Stimmung in Braunschweig war erst einmal gedrückt. Und sie wurde kurzfristig nicht besser! Nach einer guten Leistung der Blau-Gelben beim 1:1 auf Schalke reiste am 6.Spieltag der Deutsche Meister FC Bayern München in der Okerstadt an. Auch der gewann im Stadion an der Hamburger Straße. Ebenfalls mit 4:0! Innerhalb von drei Wochen kassierte Eintracht 2x ein 0:4 zu Hause. Was über 6 Jahre nie passiert war, geschah nun 2x innerhalb von 22 Tagen! Unfassbar! Erneut Tabellenletzter!
So langsam dämmerte es den Fans der Braunschweiger Eintracht, dass sie mit ihrer Mannschaft eine schwere Saison vor sich haben würden. In der Tat! Erst nach dem ersten Saisonsieg am 8.Spieltag (3:1 gg Eintracht Frankfurt) fingen sich die „Löwen“ langsam und kletterten aus dem Tabellenkeller. Im Abstiegskampf steckten sie jedoch praktisch die ganze Saison über. Am Ende belegten sie den drittletzten Platz (16.). Die beiden unter ihnen stehenden Mannschaften (1860 München und Alemannia Aachen) stiegen ab.
Was die Heimniederlagen anbelangt, mussten die „Löwen“-Fans in den mittlerweile 21 Bundesligajahren nicht mehr allzu oft solche deutlichen Ergebnisse verkraften wie in der Spielzeit 1969/70. Es gab danach nur noch 3x ein 0:4: am 8.5.1971 gegen Hannover 96, am 30.3.85 gegen Borussia Mönchengladbach und am 29.9.2013 gegen den VfB Stuttgart. Die deutlichste Heimniederlage ist allerdings seit der Spielzeit 1977/78, der Spielzeit mit Paul Breitner im Kader also, ein 0:6 gegen Borussia Mönchengladbach vom 29.10.1977.
[Stand: Januar 2016]

Innenverteidiger Martin Amedick06.09.1982
Ein Löwengeburtstag
Martin Amedick wurde am 6.9.1982 in Delbrück geboren.
In Delbrück begann er auch mit dem Fussballspielen. Sein zweiter Verein war der SC Paderborn. Von dort ging es im Sommer 2001 weiter nach Bielefeld. In den Spielzeiten 2001/02 bis 2003/04 trat der 1,93 m große Innenverteidiger für die Arminia gegen den Ball und kam dabei in einem Zweitligaspiel zum Einsatz.
Mitte Mai 2004 gelang es den Verantwortlichen, Amedick für Eintracht zu verpflichten. Der BTSV hätte ihn gern bereits ein Jahr früher nach Braunschweig geholt, Benno Möhlmann als damaliger Trainer der Arminen legte jedoch sein Veto ein. Amedick erhielt einen 2-Jahres-Vertrag und war die erste Neuverpflichtung der "Löwen" für die neue Saison, die so erfolgreich werden sollte. Innerhalb von zehn Tagen folgten mit Siegert, Tauer und Kuru weitere neue Spieler, die sich als echte Verstärkungen erweisen sollten. Der BTSV hatte damit seine Saisonplanung für die nächste Spielzeit bereits weitgehend zu einem Zeitpunkt abgeschlossen, an dem die "alte" Saison noch lief (letztes Spiel: 5. Juni).
Bereits in den ersten Trainingseinheiten, die er aufgrund eines zuvor erlittenen Nasenbeinbruchs noch mit Gesichtsmaske absolvieren musste, war erkennbar, dass Amedick sofort Stammspieler werden würde. Insbesondere sein Kopfballspiel war herausragend. Und so kam es dann auch. Gemeinsam mit Marco Grimm bildete Amedick Eintrachts Innenverteidigung und kam in 35 von 36 Spielen in der Regionalliga Nord zum Einsatz. Lediglich einmal pausierte er krankheitsbedingt (24. Spieltag). Martin Amedick trug mit seinen durchweg guten Leistungen wesentlich dazu bei, dass der BTSV am Ende der Saison 2004/2005 den Aufstieg in die 2. Bundesliga feiern konnte. Als besonders torgefährlich hatte er sich dabei aber nicht erwiesen. Trotz seiner Kopfballstärke gelang ihm nur ein Treffer. Der war jedoch nicht ganz unwichtig. Am 34. Spieltag, dem fünftletzten, erzielte er nach 70 Spielminuten (nach einer Ecke) -- natürlich -- per Kopf den 2:1-Führungstreffer beim 3:1-Sieg gegen die Amateure des HSV.
Kurioserweise bleiben den Fans in Zusammenhang mit Amedick und der Saison 2004/05 auch zwei Szenen in Erinnerung, die Eintrachts Innenverteidiger vollkommen ungerechtfertigt in einem ungünstigen Licht erscheinen lassen. Im Auswärtsspiel beim Tabellenführer SC Paderborn am vorletzten Spieltag vertändelte Amedick beim Stand von 2:0 für die "Löwen" den Ball am eigenen Strafraum und konnte sich nur mit einem Foul knapp außerhalb des 16ers behelfen. Der Schiedsrichter pfiff dennoch Elfmeter, Paderborn verwandelte und der Eintracht-Anhang musste einige Minuten zittern, bevor Graf mit dem 3:1 alles klarmachte. Am letzten Spieltag schließlich führten die Blau-Gelben gegen die Amateure von Arminia Bielefeld nach aufregendem Spielverlauf mit 3:2, als kurz vor Schluss ein Armine aus größerer Entfernung abzog. Amedick kam noch dran, fälschte ab und der Ball klatschte an die Latte. Puuh! Es blieb beim 3:2. In beiden Spielen hätten Punktverluste zur Folge gehabt, dass der BTSV nicht aufgestiegen wäre.
Die Spielstärke von Amedick war auch Vereinen aus der Bundesliga nicht verborgen geblieben. So zeigte der BvB gesteigertes Interesse. Eintrachts Innenverteidiger erklärte jedoch frühzeitig, dass er die 2. Liga für sich als nächsten Schritt für angemessen halte und seinen Vertrag in Braunschweig erfüllen werde.
So spielte Amedick auch in der Zweitliga-Saison 2005/06 für die "Löwen". Natürlich zählte er wieder immer zur Anfangself – wenn er fit war. Leider war das in dieser Spielzeit nicht durchgehend der Fall. Einem Tritt von hinten des Dresdner Spielers Bröker ( , den Eintracht vor der Saison gern vom 1.FC Köln verpflichtet hätte, ) hatte es Amedick, der selbst meist ohne Fouls auskam, zu verdanken, dass er mit drei Bänderrissen vom 17.2. bis 29.3.2006 aussetzen musste. Er kam daher "nur" in 27 Zweitliga-Begegnungen zum Einsatz. In dem legendären Pokalspiel gegen Borussia Dortmund (2:1) stand er aber natürlich auf dem Platz.
Auch in dieser Zweitliga-Saison war Amedick nicht sonderlich torgefährlich. Lediglich am 12. Spieltag gelang ihm beim Auswärtsspiel bei Alemannia Aachen ein Treffer zum zwischenzeitlichen Ausgleich (73. Minute). Leider traf er danach auch ins eigene Tor (86.Minute), so dass die Begegnung noch verloren ging (1:2).
Im letzten Heimspiel gegen die SpVgg Unterhaching (3:0) feierte Amedick mit den Fans den Klassenerhalt und seinen Abschied. Das Unvermeidliche war eingetreten. Martin hatte beim BvB unterschrieben. Die Eintracht-Fans nahmen es ihm nicht übel.
Bei Borussia Dortmund blieb Amedick zwei Spielzeiten am Ball und bestritt in diesem Zeitraum 34 Bundesliga-Spiele (2 Tore) und 14 Regionalliga-Spiele (1 Tor). Da er beim BvB keine Zukunft mehr für sich sah, wechselte er im Sommer 2008 zum 1.FC Kaiserslautern in die 2. Liga. Mit dem FCK stieg er im Sommer 2010 in die erste Bundesliga auf. Bis zum Ende der Saison 2010/11 stehen für ihn dort 65 Zweitligaspiele (8 Tore) und 26 Bundesligaspiele (2 Tore) in der Statistik. Während es Ende der Saison 2010/11 so aussah, als ob Martin seinen Stammplatz in der Innenverteidigung verloren hätte, sieht es zu Beginn der Spielzeit 2011/12 nun wieder günstiger für ihn aus. [Stand: Ende August 2011]