7. September
Eintracht Frankfurt – Eintracht 0:1 (0:0)07.09.1966
4. Spieltag Bundesliga -- 1966/67
Als ob Eintrachts Auftaktprogramm in der Saison 1966/67 mit den Duellen gegen die Meister der bisherigen drei Bundesliga-Spielzeiten nicht schon hart genug gewesen wäre, mussten die „Löwen“ am 4. und 5. Spieltag zwei Auswärtsspiele in Folge bestreiten. Und dann auch noch gegen die beiden Teams, die als einzige mit makellosen 6:0-Punkten (2-Punkte-Wertung) in die Saison gestartet waren! Bevor es zum Tabellenführer VfB Stuttgart ging, stand zunächst die Begegnung beim Zweiten Eintracht Frankfurt auf dem Spielplan. Dieser hatte seine Siege bei Bayern München (2:1), gegen den 1.FC Köln (4:0!) und bei Fortuna Düsseldorf (4:2) errungen.
Die Begegnung war auf den Mittwoch vorgezogen werden. Am folgenden Samstag gehörte das Waldstadion in Frankfurt den Profiboxern. Der Deutsche Kart Mildenberger kämpfte an diesem Abend gegen den Box-Schwergewichtsweltmeister Cassius Clay (und verlor).
Immerhin! Nach den beiden Siegen in den Heimspielen gegen Werder Bremen (2:0) und den 1.FC Köln (1:0) und der guten Leistung beim 1:2 beim aktuellen Deutschen Meister 1860 München sahen sich die Blau-Gelben nicht chancenlos in Frankfurt. Sie lagen schließlich selbst auf einem guten 5. Platz in der Tabelle und hatten während der Bundesligazeit bereits 1x bei den Hessen gepunktet. Während die Partien der 1. und 3. Bundesliga-Saison deutlich verloren gegangen waren (0:3, 1:4), fuhren die „Löwen“ in der Spielzeit 1964/65 mit einem Teilerfolg (2:2) in die Okerstadt zurück.
Unglücklich aus Sicht des BTSV war allerdings die Vorverlegung der Partie auf den 7.9.1966. Spielmacher Lothar Ulsass hatte sich im Vorfeld am Knöchel verletzt und wurde bis zum Mittwoch nicht mehr rechtzeitig fit. Zudem fiel mit Brase einer der beiden einzigen Spieler aus, die bisher alle 97 Bundesligabegegnungen bestritten hatten. Die zunächst vermutete Grippe stellte sich später als üble Viruserkrankung heraus, die eine lange, lange Genesungszeit nach sich zog. Für Brase rückte Meyer in die Mannschaft, für Ulsass kam Wolfgang Grzyb zu seinem Bundesligadebüt.
Der Abendtermin hatte der Fussballbegeisterung in Frankfurt keinen Abbruch getan. 35.000 Menschen wollte die Begegnung sehen.
Die Frankfurter übernahmen sofort die Initiative, während sich die „Löwen“ auf die Abwehrarbeit konzentrierten. Zeitweise glich das Spiel einer Dauerbelagerung des Braunschweiger Strafraums. Immer wieder rollten die Angriffe der gut spielenden Hessen an, aber der enge blau-gelbe Abwehrriegel hielt. Er hielt sogar dann noch, als Gerwien nach etwa 30 Minuten wegen eines Fouls seines Gegenspielers sechs Minuten lang behandelt werden musste und danach nur noch sehr eingeschränkt mitwirken konnte. Kurioserweise wirkten die seltenen Konter des BTSV fast sogar gefährlicher als die Angriffe der Hessen, wenn man einmal von dem Pfostenschuss von Solz absah, bei dem Wolter und seine Vorderleute viel Glück hatten. Natürlich war ein „Luffe“ Wolter in ausgezeichneter Form auch sehr hilfreich. So „retteten“ die Blau-Gelben ein 0:0 in die Pause.
In der 2. Halbzeit änderte sich das Spiel. Eintracht Braunschweig wurde zunehmend sicherer und nun auch offensiv mutiger. In gleichem Maße wurden die Frankfurter, die in der 1. Hälfte hohes Tempo gegangen waren, immer müder. So geschah nach 67 Minuten tatsächlich das kaum erwartete. Nach einer Flanke von Maas stand Gerwien völlig frei und konnte zum 0:1 abstauben. Ausgerechnet der verletzte „Statist“ Klaus Gerwien! Wahnsinn!
In den verbleibenden mehr als 20 Minuten drohte den „Löwen“ nur noch selten Gefahr. Sie waren dem zweiten Tor sogar näher als die Hessen dem Ausgleich. Ein Treffer fiel aber nicht mehr. Endstand: 0:1! Jubel in Blau-Gelb im Frankfurter Nachthimmel !
Der Sieg des BTSV wurde durch die Aussage des Frankfurter Trainers Schwartz, seine Mannschaft habe die beste erste Halbzeit der Saison gespielt, noch aufgewertet.
Was war nur mit der Braunschweiger Eintracht los? Sollte das von Trainer Johannsen ausgegebene Saisonziel, den 10. Platz zu erreichen, womöglich sogar noch übertroffen werden können? Eintracht Fans waren jedenfalls optimistisch und freuten sich erst einmal über den 3. Tabellenplatz hinter dem VfB und den punktgleichen Frankfurtern.
Diesen 3. Platz behielten die Blau-Gelben auch nach den Samstagsbegegnungen. Zwar zog der 1.FC Kaiserslautern durch ein 2:1 beim 1.FC Nürnberg mit 7:1- Punkten vorbei, dafür verlor der VfB Stuttgart aber beim 1.FC Köln mit 1:3 und rutschte auf Platz 5 ab.
Nur am Rande: Hannover 96 verlor sein Heimspiel gegen den Aufsteiger (und Absteiger am Saisonende) Fortuna Düsseldorf mit 0:2 und fand sich auf Platz 12 wieder.
[Stand: Januar 2014]

Eintracht - Hertha BSC Berlin 4:1 n.V.(1:0/1:1)07.09.1974
DFB-Pokal 1.Runde - 1974/75
Zum DFB-Pokalspiel der ersten Runde begrüßte Eintracht am 7.9.1974 die Mannschaft von Hertha BSC Berlin im Stadion an der Hamburger Straße.
Die Stimmung in Fussball-Braunschweig war ausgezeichnet!
Eintracht hatte den Abstieg aus der Bundesliga 1973, der "durch einen ... vielerorts als ominös empfundenen 4:0-Erfolg von Hannover 96 am letzten Spieltag in Wuppertal" (Jahrbuch des Fussballs 73/74, Copress-Verlag München) zustande gekommen war, umgehend mit dem Wiederaufstieg korrigiert und in der laufenden Saison bereits gezeigt, dass wieder bessere Zeiten in der Okerstadt angebrochen waren. Zwar lief die Spielzeit 1974/75 erst zwei Spieltage, doch durfte man als Blaugelb-Infizierter bereits jetzt optimistisch in die Zukunft blicken.
Die neuen Spieler Wolfgang Frank, Karl-Heinz Handschuh und Aleksandar Ristic schienen alle echte Verstärkungen zu sein und der neue Trainer Branco Zebec schien der Mannschaft ein erfolgversprechendes Spielsystem zu vermitteln. Während die Braunschweiger Zuschauer bisher eine von Kraft und Tempo lebende Elf gewohnt waren, bekamen sie nun ein spielerisch gutes Team zu sehen. An diesem Eindruck vermochte auch die Niederlage am 2. Spieltag beim 1.FC Kaiserslautern (0:2) nichts zu ändern, die dem Auftaktsieg gegen Tennis Borussia Berlin (5:0) gefolgt war.
Nun also wieder Berlin. Dieses Mal die Hertha, dieses Mal Pokal.
Hertha hatte vor der Saison Schlagzeilen gemacht, weil es mit Uwe Kliemann den teuersten Spielertransfer getätigt hatte. 850.000 DM hatte der Wechsel von Eintracht Frankfurt gekostet. Ausgezahlt hatte sich die Investition bisher nicht. Mit 1:3-Punkten war man in die Saison gestartet (3:3 gegen Fort. Düsseldorf und 1:2 bei Bayern München).
Die Blau-Gelben und die Herthaner hatten sich im Pokal seit Bundesligagründung (1963) bereits einmal gegenübergestanden. Zehn Jahre zuvor, in der Saison 1964/65 also, siegte der BTSV mit 5:1 -- ebenfalls in der ersten Runde. Ein gutes Omen?
Lediglich 11.000 Zuschauer wollten die Auseinandersetzung sehen.
Eintracht dominierte die 1. Halbzeit und ging verdient mit einem 1:0 (Gersdorff, 8. Minute; Bild unten zeigt den Torjubel) in die Pause. Nach dem Wechsel kam die Hertha. Hochüberlegen gestalteten die Berliner das Spiel und hätten bereits nach 52 Minuten das 1:1 erzielen können. "Luggi" Müller schoss einen Elfmeter jedoch über das Tor. So dauerte es noch bis zur 83. Minute, bis Hertha der Ausgleich gelang. 1:1 hieß es auch nach 90 Minuten. Verlängerung!
Nach dem bisherigen Spielverlauf war zu erwarten / aus Braunschweiger Sicht zu befürchten, dass Hertha nun "den Sack zumachen" würde. Zu dominant waren die Berliner in der 2. Halbzeit aufgetreten. Doch genau das Gegenteil geschah. Die "Löwen" stürmten wie entfesselt und erzielten noch drei blitzsaubere Tore: 2:1 Grzyb (97.), 3:1 Bründl (104.) und 4:1 Gersdorff (109.). 4:1 lautete auch das Endergebnis.



Die hochgehandelte Hertha war – wenn auch unter Wert – geschlagen und die Blau-Gelben hatten ihre Bundesligareife nachgewiesen. Horst Wolter, Eintrachts Torwart der Meistersaison, der nun bei den Berlinern spielte und auf der Ersatzbank gesessen hatte, erklärte nach der Partie: "Eintracht wird keine (Abstiegs-) Sorgen bekommen und landet am Ende zwischen Platz 10 und 14. In Braunschweig zu gewinnen, wird für jeden schwer."
Rundum zufrieden gingen die "Löwen"-Fans nach Hause und studierten die anderen Pokalergebnisse. Bayern München hatte das zweite Bundesligaduell gegen den VfB Stuttgart mit 3:2 gewonnen. 3:2 ging auch die Begegnung der Zweitligisten Göttingen 05 gegen Hannover 96 aus. Konnte man mit leben!
In der zweiten Pokalrunde gewannen die Blau-Gelben (am 25.10.1974) bei Rot-Weiß Lüdenscheid mit 5:3. In der Runde der letzten 32 war dann Schluss. Gegen den Verbandsligisten Viktoria Köln, der zuvor gegen die Stuttgarter Kickers (4:0) und die TSG Usingen (6:1) erfolgreich gewesen war, unterlag man zu Hause mit 1:2 (8.2.1975).
Das blamable Pokal-Aus änderte nichts daran, dass Eintracht als Aufsteiger eine tolle Saison spielte. Am Ende belegte der BTSV Platz 9. Elf Heimsiege waren errungen worden und nur 3 Begegnungen an der Hamburger Straße gingen verloren (1.FC Köln 1:4, Bor. M"Gladbach 1:3, HSV 1:2). So falsch hatte Wolter mit seiner Einschätzung also nicht gelegen.
Herthas Saison verlief ebenfalls noch erfolgreich. Die Berliner wurden Vizemeister hinter Borussia Mönchengladbach. Ihr Bundesliga-Spiel in Braunschweig verloren sie jedoch mit 1:2 – fünf Wochen nach dem Pokalspiel.
Eintracht und Hertha trafen danach noch ein weiteres Mal im DFB-Pokal aufeinander. Am 22.9.2004 siegte der Regionalligist Eintracht gegen den Bundesligisten Hertha mit 3:2. Die Pokalbilanz gegen die Berliner blieb unbefleckt. [Stand: Juni 2011]