10. November
Eintracht – Hamburger SV = 2:0 (1:0)10.11.1964
10. Spieltag Bundesliga 1964/1965
‚Wie konnte das passieren? Wie konnte die Eintracht, die nach dem 6.Spieltag eine ausgeglichene Punktzahl von 6:6-Punkten (2-Punkte-Wertung) aufwies, nur drei Spieltage später auf einem Abstiegsplatz (15.) stehen? Sollten die Fussball-Experten, die den „Löwen“ aus Braunschweig nun schon zum zweiten Mal den Abstieg prognostizierten, doch endlich Recht behalten?‘ – Langsam, gaaanz langsam! Und gaaanz ruhig, Blau-Gelber! Es ging einfach knapp zu in dieser zweiten Bundesliga-Saison 1964/65 – das war alles! Außerdem war die Spielzeit noch nicht einmal zu einem Drittel gespielt. Kein Grund also, die Oker umzuleiten oder das Erika-Kraut in der Heide aus Nervosität gleich büschelweise auszureißen. Die meisten Anhänger des BTSV Eintracht von 1895 werden die Situation ohnehin realistisch eingeschätzt haben und gelassen geblieben sein. Sie vertrauten weiterhin Trainer Johannsen und seinen Spielern. Aber ein wenig unangenehm war der Blick auf die Tabelle doch.
Nach dem 2:2 am 6.Spieltag beim Aufsteiger Hannover 96 schien mit nun erspielten 6 Punkten der schlechte Saisonstart der Blau-Gelben mit nur 1 Pünktchen aus den ersten 3 Partien vergessen zu sein. Es folgte allerdings ein (erwartetes) 1:5 beim Meister 1.FC Köln, eine 0:1-Heimniederlage gegen Borussia Dortmund und ein 2:3 beim 1.FC Nürnberg nach 2:0-Führung. Da keine Mannschaft – außer vielleicht Schalke mit 4:14 Punkten – offensichtliche Probleme mit dem Leistungsniveau der Eliteklasse im deutschen Fussball zu haben schien, reichte diese Niederlagenserie schon aus, um den BTSV nach 9 Spieltagen auf den vorletzten Tabellenplatz abstürzen zu lassen. Aber mit den davor plazierten Meidericher SV und Borussia Neunkirchen wiesen immerhin zwei Teams dasselbe Punkteverhältnis auf.
Allerdings erwartete die „Löwen“ mit dem Heimspiel gegen Hamburger SV nun eine weitere schwierige Aufgabe. Die Mannen von der Elbe reisten als Tabellendritter (12:6 Punkte) an und waren nur 1 Punkt hinter dem Spitzenreiter Köln zurück. Mit Uwe Seeler und den Gebrüdern „Charly“ und Bernd Dörfel (Spieler bei Eintracht von 1968-70) besaßen die Hansestädter einen Sturm der Extraklasse. Zudem reiste der HSV mit der Empfehlung eines 3:2-Erfolgs (nach 2maligen Rückstand) gegen den damaligen Vierten 1.FC Kaiserslautern an.
Eintracht hatte allerdings überhaupt keinen Grund, mit Angst in die Begegnung in gehen. Gegen den Abonnement-Meister aus den Zeiten der Oberliga-Nord, dessen Erscheinen in Braunschweig vor Einführung der Bundesliga immer das „Spiel des Jahres“ darstellte, hatte die Elf der Blau-Gelben bereits im Vorjahr mit 2:1 gesiegt. Die Mannen um Walter Schmidt wussten also, wie es geht.
Folgende Spieler liefen an diesem Samstag, den 10.11.1963, in das mit 36.000 Zuschauern prächtig gefüllte Eintracht-Stadion ein: Jäcker – Brase, Meyer – Schmidt, Kaack, Hosung – Gerwien, Moll, Wuttich, Ulsaß, Maas. Um 14.30 Uhr pfiff Schiedsrichter Tschenscher aus Mannheim die Begegnung an.
Der Gast aus der Hansestadt begann schwungvoll. Charly Dörfel, Peltonen und vor allem Uwe Seeler bereiteten Brase, Meyer und Kaack viele Probleme. Oft verloren die Braunschweiger Abwehrspieler ihre Zweikämpfe. Nach ca. 15 Minuten fing sich Eintrachts Defensive jedoch, und fortan waren die „Löwen“ das bessere Team. Nachdem Ulsaß in der 14.Minute mit seinem Schuss schon ´mal ein Achtungszeichen gesetzt hatte, hatten die Fans der Blau-Gelben in der 26.Spielminute dann tatsächlich Grund zum Jubeln. Gerwien, der nach 10monatiger Erkrankung wieder sein erstes Spiel machte, hatte abgezogen und Gäste-Torwart Schnoor wollte das Leder aufnehmen. Bedingt durch eine Unebenheit im Boden versprang der Ball und Schnoor konnte nur abklatschen. Wuttich war zur Stelle und staubte ab. 1:0 !
Auch danach dominierte Eintracht. Angetrieben von dem immer besser werdenden Walter Schmidt erspielten sich die „Löwen“ einige Chancen, die sie jedoch nicht zu einem weiteren Treffer nutzen konnten. So ging es mit einem 1:0 in die Pause.
Nach dem Wechsel zunächst dasselbe Bild: Der BTSV bestimmte das Spiel! Erst nachdem Wuttich (auf Vorlage von Maas) zur Freude der eigenen Fans das verdiente 2:0 erzielt hatte (57.), wachte der HSV auf. Die Gäste, insbesondere Bähre und Uwe Seeler, kämpften nun wenigstens und wehrten sich gegen die Niederlage. Doch Eintracht ließ nicht nach. So blieb das Klären von Kaack auf der eigenen Torlinie (75.) die einzige Szene, die den Sieg der Blau-Gelben noch einmal in Gefahr geraten ließ. Es fiel kein Tor mehr.
Eintracht hatte den Hamburger SV zuhause mit 2:0 – erneut -- geschlagen und sich damit wieder von den Abstiegsplätzen verabschiedet. Mit 8:12-Punkten belegte der BTSV nun Platz 11 der Tabelle.
Alles also gut, oder? Mitnichten! Der Abstiegskampf blieb in dieser Spielzeit für den BTSV lange ein Thema.
Gleich nach dem nächsten Spieltag, an dem die „Löwen“ mit 1:3 beim VfB Stuttgart verloren, fanden sie sich erneut auf dem 15.Platz der Tabelle wieder. Daran änderte auch der anschließende Punktgewinn (1:1) zu Hause gegen die Hertha aus Berlin nichts. Erst 5:1-Punkte aus den letzten 3 Spielen der Hinrunde und ein sich daraus ergebender 11.Platz (14:16 Punkte) ließen die blau-gelbe Fangemeinde ein sorgenfreies Weihnachten feiern. Im neuen Jahr blieb Eintracht jedoch zunächst 8 (!!) Spiele lang sieglos (4:12 Punkte) und rutschte damit wieder tief in die Abstiegszone. Der Tabellenletzte Schalke 04 wies nur 1 Pünktchen weniger auf, und allein dem – relativ betrachtet – guten Torverhältnis war es zu verdanken, dass der BTSV nicht auf Platz 15, sondern (vor dem KSC und Hertha) auf Platz 13 stand. Vier Siege in Folge vom 24. bis 27. Spieltag danach zerstreuten dann aber endgültig jegliche Abstiegssorgen.
[Stand: April 2020]

offensiver Mittelfeldspieler Everson10.11.1975
Ein Löwengeburtstag
Everson Pereira da Silva, kurz "Everson", wurde am 10.11.1975 in Campo Grande in Brasilien geboren. Bis 1997 kickte er in Brasilien. Es folgten Engagements bei Girondins Bordeaux / Frankreich, Servette Genf / Schweiz und RWD Molenbeek / Belgien.
Von dem belgischen Zweitligisten holte ihn "Löwen"-Trainer Fanz Ende September 1999 zum BTSV und testete ihn drei Wochen im Training. Der Test fiel positiv aus. Molenbeek erteilte die Freigabe und Everson unterschrieb am 15.10.1999 bei Eintracht einen 2-Jahres-Vertrag. Allerdings ließ er eine Klausel in den Vertrag einbauen, der ihm den Ausstieg nach Saisonende zusicherte.
Gleich am nächsten Tag bestritt er sein erstes Punktspiel für den BTSV, der in dieser Spielzeit mindestens Platz 6 in der Regionalliga Nord erreichen musste, um die Qualifikation für die neue, ab der Folgesaison nur noch aus zwei Staffeln bestehende Regionalliga zu schaffen.
Eversons Leistungen, der mit der Rückennummer 12 auflief, sprachen für sich. Bereits kurze Zeit später überschlug sich die Lokalpresse mit Lobeshymnen über den offensiven Mittelfeldspieler. Sätze wie "Einen wie Everson hatte Eintracht seit Jahren nicht" und "brillante Technik gepaart mit unerhörter Kampfkraft" waren zu lesen. Ab seinem ersten Einsatz im blau-gelben Trikot war der Brasilianer unumstritten. Es dauerte nicht lange, bis Stadionsprecher Uwe Tressel ihn immer mit den Worten "Unser Brasilianer ... Everson" ankündigte.
Everson absolvierte alle Spiele vom 12. bis zum 24. Spieltag und erzielte dabei 6 Tore. Mit ihm holten die "Löwen" 30 Punkte aus 13 Spielen und lagen nach dem 24. Spieltag auf dem dritten Tabellenplatz, nur 2 Punkte hinter dem Ersten. Nicht nur die Qualifikation für die neue Regionalliga, sondern sogar Tabellenplatz 1 und der Aufstieg in die 2. Bundesliga erschienen möglich.
Leider verletzte sich Everson dann so schwer (Schienbein, Muskel), dass er längere Zeit aussetzen musste. In den ersten drei Spielen ohne ihn holte Eintracht gerade einmal zwei Punkte. Das Thema Aufstieg in Liga 2 hatte sich damit schnell erledigt. Immerhin erreichte der BTSV mit Tabellenplatz 3 am Saisonende souverän die Qualifikation für die neue Regionalliga.
Am letzten Spieltag wurde Everson noch einmal eingewechselt – und gleichzeitig von Eintracht verabschiedet. Der Brasilianer war Zweitligist Arminia Bielefeld aufgefallen und die Arminen hatten ihm ein Vertragsangebot unterbreitet. Everson nahm an und löste den Vertrag in Braunschweig auf.
Für Arminia Bielefeld stand der offensive Mittelfeldspieler in der Folgesaison 2000/01 in zehn Punktspielen auf dem Platz. Fast wäre er danach noch einmal zu den Blau-Gelben zurückgekehrt. Leider kam es zu keinem Vertragsabschluss, und Everson unterschrieb stattdessen bei Eintrachts Ligakonkurrenten VfL Osnabrück. Dort absolvierte er in der Saison 2001/02 22 Regionalligaspiele (6 Tore).
Danach sicherte sich der französische Erstligist OGC Nizza die Dienste des Brasilianers. Dort war Everson überaus erfolgreich und kam bis zum Sommer 2004 in 61 Liga-Spielen zum Einsatz (11 Tore). Seine Leistungen waren so gut, dass ihn Benfica Lissabon zu sich holte. Damit begann jedoch Eversons Leidenszeit. Immer wieder wurde er von Verletzungen geplagt. Anfang 2006 ging es für ihn weiter zu den Young Boys Bern und von dort im Sommer 2007 zu Neuchatel Xamax. Nach einem halben Jahr in Tunesien folgte Eversons wohl letzter Auftritt in einem deutschen Verein. Er unterschrieb im Sommer 2009 einen 2-Jahres-Vertrag beim damaligen Zweitligisten TuS Koblenz. Nach 19 Einsätzen (1 Tor) hatte sich das Engagement mit dem Abstieg der TuS im Sommer 2010 erledigt. Everson wechselte in Frankreichs dritte Liga. [Stand: August 2011]
Obwohl er insgesamt nur 14 Spiele für die "Löwen" bestritt, erinnern sich viele Fans noch heute gern an ihn. Wer die Eintracht-CD "BTSV Fanclubs der Südkurve präsentieren: Braunschweiger Fans" aus dem Jahr 2000 besitzt, wird Everson sowieso nicht vergessen. Dort ist beim "Löwen-Rap" (Song 2) die Ansage von Stadionsprecher Tressel zu Eversons 1:0 am 24. Spieltag gegen den SC Norderstedt (Endstand: 2:0) zu hören.