10. April
Stürmer Jaro Deppe10.04.1948
Ein Löwengeburtstag
Jaro Deppe wurde am 10.4.1948 geboren. Er kam im Jahr der Meisterschaft 1967 vom SV Süd zur zweiten Mannschaft von Eintracht. Ab 1969 war er nur noch bei der ersten Mannschaft im Einsatz.
Der Stürmer, der auch in die Jugend-Nationalmannschaft berufen wurde, galt als eines der größten Braunschweiger Talente seit mehr als 20 Jahren. Dennoch kam er bei den "Löwen" im Zeitraum von 1967 bis 1976 nur auf 59 Bundesligaspiele (17 Tore) und 20 Einsätze in der Regionalliga (11 Tore) bzw. Aufstiegsrunde. Der Grund für die wenigen Einsätze bestand in einer Pechsträhne, die 1971 begann und letztendlich auch für das frühe Karriereende mit 28 Jahren sorgte. Mehrere Mundraum-Operationen verhinderten, dass Deppe in den Spielzeiten 1971/72 und 1972/73 auf mehr als 10 Einsätze kam. Als er sich 1973/74 wieder in die Mannschaft gespielt hatte, verletzte er sich gleich im ersten Spiel der Aufstiegsrunde schwer. Danach wurde er in keinem Punktspiel der Blau-Gelben mehr eingesetzt.
So waren die Spielzeiten 1970/71 und 1973/74 die erfolgreichsten Jahre für Deppe. In der Saison 1970/71 trug er mit 11 Toren (in 32 Einsätzen) neben Ulsass, der 18 Treffer erzielte, erheblich dazu bei, dass Eintracht am Saisonende auf dem 4. Tabellenplatz landete und sich damit für den UEFA-Cup qualifizierte. In der Saison 1973/74 half er durch wiederum 11 Tore (in 19 Einsätzen) mit, dass die "Löwen" den Betriebsunfall Abstieg sofort wieder korrigieren konnten.
Bei den Fans war Jaro Deppe wegen seiner geradlinigen und kämpferischen Art, Fussball zu spielen, immer beliebt.

Hertha BSC Berlin – Eintracht 0:3 (0:0)10.04.1965
27. Spieltag Bundesliga 1964/1965
Am 27.Spieltag der Spielzeit 1964/65 musste der BTSV bei Hertha BSC Berlin antreten.
So ganz gesichert war der Club aus der Stadt Herzog Heinrichs des Löwen noch nicht. Aber nach den drei Siegen zuletzt (1:0 gg 1.FC Nürnberg; 1:0 beim HSV; 2:1 gg VfB Stuttgart) sah es gut aus, dass Eintracht entgegen der Prognosen auch in der zweiten Bundesliga-Saison den Abstieg würde vermeiden können. Der Vorsprung auf die beiden Abstiegsplätze 15 und 16 betrug bei erspielten 24:28 Punkten (2-Punkte-Wertung) vier Spieltage vor Schluss immerhin schon 4 Punkte. Allerdings mussten die Blaugelben noch gegen drei abstiegsgefährdete Mannschaften antreten: beim Tabellenletzten Karlsruher SC am 30. und letzten Spieltag, beim Tabellen-Vierzehnten 1.FC Kaiserslautern am 28.Spieltag und eben bei Hertha BSC Berlin, dem 12. der Tabelle mit 22:30 Punkten. Drei Niederlagen in diesen drei Auswärtsspielen und ... . Nicht auszudenken!
Die alte Dame Hertha war in der Premierensaison der Bundesliga 1963/64 mit Platz 14 haarscharf am Abstieg vorbeigeschrammt und wollte solch ein Szenario natürlich nicht erneut erleben. Man verpflichtete zur Hebung der Qualität gleich 5 neue Spieler, unter anderem den WM-Nationaltorwart von Deutschland 1962 Wolfgang Fahrian. Auch bedingt durch Verletzungen von Leistungsträgern (Fahrian, Faeder, Rühl) fand man sich am 20.Februar nach einem 4:6 bei 1860 München am 22.Spieltag dennoch wieder im tiefsten Tabellenkeller wieder. Sechzehnter und Letzter: Hertha BSC. 6:2-Punkte aus den folgenden 4 Partien ließen die Berliner zwar wieder in der Tabelle klettern, aber nervös war man in der Hauptstadt immer noch. Die Nervosität hatte im Februar in der Mitgliederversammlung ihren Höhepunkt gefunden, als man sich in aufgewühlter Atmosphäre letztendlich selbst belastete, gegen das Bundesliga-Statut (durch Handgeldzahlungen, Überzahlungen bei Spielergehältern usw.) verstoßen zu haben.
Solche 'Nebensächlichkeiten' beeinflussten Trainer Johannsen und seine Mannen selbstverständlich nicht, zumal der Deutsche Fussball-Bund (DFB) noch keine Tendenz erkennen ließ, wie er mit den Verstößen umzugehen gedachte. Außerdem war der DFB nicht gerade durch ein hartes, konsequentes Handeln bekannt.
Die 'Löwen' traten an diesem Samstag, den 10.4.1965 voller Selbstbewusstsein im Olympia-Stadion an -- nicht etwa wegen der Lage bei Hertha und nicht nur wegen der eigenen Siegesserie, sondern auch deshalb, weil der BTSV überhaupt noch nicht in der Bundesliga gegen die Berliner verloren hatte. Zwar war man an der Hamburger Straße zweimal nicht über ein 1:1 in der Bundesliga hinausgekommen, aber in Berlin hatten die Blaugelben in der Premierensaison der deutschen Eliteliga 2:1 und im aktuellen Pokalwettbewerb am 16.1.1965, also nicht einmal 3 Monate zuvor, sogar mit 5:1 gesiegt. Allerdings war man sich durchaus bewusst, dass die Hertha nicht gerade das große Zittern vor den 'Löwen' aus Braunschweig bekommen würde. Der 2:1-Auswärtssieg am Betzenberg am vergangenen Wochenende und das 0:0 davor gegen den Tabellenführer aus Bremen hatten die Brust breit gemacht. Außerdem waren alle zeitweise verletzten Stammspieler wieder fit.
Johannsen schickte vor 43.700 Zuschauern folgende Elf auf den Platz: Wolter - Brase, Meyer - Schmidt, Kaack, Bäse - Ulsaß, Dulz - Gerwien, Moll, Maas. Horst Wolter kam also nach langer Verletzungspause erstmals wieder zu einem Einsatz (insgesamt 7 in der Saison).
Der Gastgeber begann stürmisch und erarbeitete sich schnell eine optische Überlegenheit. Aber die Herthaner wurden nicht wirklich gefährlich. Eintrachts Abwehr um den an diesem Nachmittag überragenden Walter Schmidt stand einfach zu sicher. Die Offensivaktionen der Blaugelben wirkten dagegen zwingender und brandgefährlich. Nachdem es zur Pause noch 0:0 gestanden hatte, glückte Eintracht kurz nach Wiedergewinn die nicht unverdiente Führung. Nach einer Freistoß-Flanke zog Gerwien aus größerer Entfernung kraftvoll ab und das Leder landete im Netz (47.). 0:1! Hertha gab sich nicht auf und versuchte zurückzuschlagen, fand aber kein geeignetes Mittel. Spätestens nach dem 0:2 durch Maas in Minute 79, ebenfalls durch einen Distanzschuss, war das Spiel entschieden. Der Widerstand der Berliner erlahmte und Moll konnte sogar noch das dritte Tor für die Blaugelben von der Strafraumgrenze aus erzielen (88.). Endstand: 0:3!
Ben Harder, der etliche Fußballbücher in den 50er und 60er Jahren verfasst hat, schrieb hinterher über dieses Spiel in seinem (in Kleins Druck- und Verlagsanstalt noch 1965 erschienenen) Buch 'Die Deutsche Bundesliga 1965/66': ... Keine führende Bundesligaelf, weder Werder Bremen, noch der 1.FC Köln, München 1860 oder Borussia Dortmund, gefiel .. im Berliner Olympia-Stadion spielerisch auch nur annähernd so gut wie die Braunschweiger Eintracht bei ihrem prächtigen 3:0 gegen Hertha BSC. Das war nicht bloß eine physisch starke, sondern auch eine in allen Belangen der Spielkultur imponierende Elf, über die die Berliner Kritik ziemlich einhellig urteilte: Kein anderes Bundesligateam gefiel hier so gut!? ... So weit seine Reaktion zur Kritik an Eintrachts Spielstil, der nicht ansehnlich sei und lediglich auf Nützlichkeitserwägungen beruhe.
Egal, wie man es auch sah: Eintracht hatte mit diesem Sieg jedenfalls sein Saisonziel, nämlich den Klassenerhalt sicher erreicht, da die drei Tabellenletzten 1.FC Kaiserslautern, Schalke 04 und der KSC ihre Spiele verloren hatten und der 1.FCK, der nur um 1 Punkt besser dastand als die beiden Letzten, noch gegen den KSC antreten musste.
Die 'Löwen' beendeten die Spielzeit schließlich (nach einem 0:3 beim KSC zum Abschluss) mit 28:32 Punkten auf Platz 9 der Tabelle. Neuzugang Lothar Ulsaß, der vor der Saison von Arminia Hannover zu den Blaugelben gewechselt war, landete mit seinen erzielten 12 Treffern gemeinsam mit 5 anderen Kickern auf Platz 7 der Torjägerliste.
Für Hertha hingegen wurde es sportlich noch einmal spannend, da sie eine Woche später beim Letzten KSC anzutreten hatte. Dort gewann sie 1:0. Dieser Sieg und ein anschließendes 1:1 im Heimspiel gegen Aufsteiger Borussia Neunkirchen reichten aus, um den Berlinern am Saisonende mit 25:35 Punkten den 14.Platz in der Tabelle zu sichern. Absteigen mussten der Karlsruher SC (24:36) sowie Schalke 04 (22:38) - Dachte man nach dem 30.Spieltag am Abend des 15.5.1965!
Drei Tage später, also am 18.5. war diese Regelung schon wieder Geschichte. Der sonst eher nachsichtige DFB hatte Hertha BSC Berlin an diesem Tag wegen seiner Verstöße gegen die Statuten in die Regionalliga zurückversetzt. Die Berufung der Berliner wies das DFB-Bundesgericht mit Urteil vom 19.6.1965 zurück. So weit, so gut und nachvollziehbar!
Was dann allerdings mit der Abstiegsregelung im Weiteren passierte, war der pure Hohn und hatte mit einer sportlichen Entscheidung nichts, aber rein gar nichts zu tun. Dass Borussia Mönchengladbach und Bayern München aufsteigen würden, war klar, denn sie hatten sich jeweils in ihrer Aufstiegsgruppe durchgesetzt. Aber wer sollte neben Hertha absteigen? Erst hieß es, die beiden Absteiger müssten dennoch absteigen, aber in dem Fall hätte man noch einen dritten Verein aufsteigen lassen müssen. Dann wollte man diesen 3.Aufsteiger in einem Entscheidungsturnier mit dem KSC, den beiden Zweitplazierten der Aufstiegsgruppen sowie Tasmania Berlin, dem Dritten der Regionalliga Berlin, ermitteln. Der Staffelsieger der RegL Berlin Tennis Borussia war immerhin nur Letzter in der Aufstiegsgruppe 2 geworden. Wenige Tage später kippte der DFB diesen Entschluss und wies dem KSC den letzten freien Platz zu. Dies wäre nach der heutigen Rechtslage vermutlich rechtmäßig, war es damals zweifelsfrei aber nicht, weshalb Tennis Borussia und Tasmania auch Einspruch erhoben. Der DFB widerrief seine Entscheidung und schmiss den KSC nun ganz raus. Doch nicht für lange. Ein paar Tage später war der Karlsruher SC durch DFB-Beschluss wieder drin.
Und blieb es auch! Die endgültige Regelung sah so aus, dass außer Hertha BSC kein weiterer Verein die Bundesliga verlassen musste. Die Eliteklasse wurde auf 18 Vereine aufgestockt. Den letzten freien Platz erhielt Tasmania Berlin ohne besondere Qualifikation.
Dass einem Berliner Verein der Bundesligaaufstieg geschenkt wurde, hing wahrscheinlich mit dem schlechten Gewissen des DFB zusammen. Der hatte zwar gegen Hertha konsequent durchgegriffen, war aber nicht bereit, aufgrund der am 22.6. von Hertha detailliert vorgetragenen Statut-Verstößen nahezu aller Vereine der Bundesliga zu ermitteln. Aber warum Tasmania und nicht TeBe dieses Freilos erhielt, weiß wohl nur der Berliner Bär.
Und warum Schalke, das nun überhaupt keine Chance auf den Verbleib in der Bundesliga, letztendlich nicht absteigen musste, weiß wohl keiner. Das heißt, einige werden es schon wissen, wenn sie noch leben, aber sie werden nicht darüber sprechen.
Eintracht interessierte das nicht wirklich. Abstieg vermieden, Ziel erreicht! Punkt!
[Stand: Juli 2020]

Mal was anderes:
Wenn Du Interesse an einer Zusammenfassung der ersten drei Bundesliga-Jahre des BTSV hast, schaust Du dir am besten diese PDF hier an. Der Umfang des Textes beträgt dabei 6 DIN A4-Seiten!

SpVgg Unterhaching - Eintracht 0:1 (0:1)10.04.2011
32. Spieltag 3. Liga - 2010/11
Am 10.4.2011 musste Eintracht im Auswärtsspiel bei der SpVgg Unterhaching antreten. Es war der 32. Spieltag der 3. Liga in der Saison 2010/2011.
Der Aufstieg des BTSV nach Liga 2 stand dem Grunde nach bereits seit längerer Zeit fest. Zu groß war der Vorsprung des Tabellenführers aus Braunschweig auf den dritten, den Relegationsplatz, als dass noch irgendjemand Zweifel am Aufstieg gehabt hätte. Lediglich der Zeitpunkt, an dem die Blau-Gelben den Aufstieg endgültig klar machen würden, war noch offen.
Nach dem 29.Spieltag, an dem die "Löwen" den Tabellenzweiten Hansa Rostock mit 2:1 besiegt hatten, betrug der Abstand zu Platz 3 schon 18 Punkte. Nach dem Sieg bei der TuS Koblenz (2:0) am Spieltag darauf waren es sogar 20. Bei noch 24 zu vergebenden Punkten in den ausstehenden 8 Begegnungen hofften die Fans nun bereits im Heimspiel gegen Werder 2 auf den entscheidenden "Dreier". Doch die Mannschaft von der Weser, Vorletzter in der Tabelle (19.), hatte etwas dagegen und siegte im Eintracht-Stadion mit 2:1. Da die Verfolger von Eintracht und Hansa ihre Spiele gewinnen konnten (Kickers Offenbach mit 1:0 gegen Unterhaching und RW Erfurt mit 3:1 in Dresden), war der Vorsprung auf Platz 3 und 4 auf 17 bzw. 18 Punkte "geschmolzen". In Anbetracht der Tatsache, dass die Verfolger am darauffolgenden Spieltag lösbare Aufgaben vor sich hatten, war nun auch nicht damit zu rechnen, dass ein Sieg beim Tabellenzehnten in Unterhaching den Aufstieg klarmachen könnte. Das Interesse der "Löwen"-Fans, die 600 km lange Reise in den Vorort von München mitzumachen, hielt sich daher auch in Grenzen, wenn man einmal von der Ultra-Gruppierung "Cattiva Brunsviga" und den zahlreichen anderen "Alles-Fahrern" absieht. Die große Menge der Fans freute sich bereits auf das folgende, vermeintlich entscheidende Heimspiel gegen den SV Babelsberg,
Während Eintrachts Spiel im Generali-Sportpark erst am Sonntag stattfinden sollte, mussten die Konkurrenten um die Spitzenplätze bereits am Sonnabend antreten. Und diese Ergebnisse aus den Samstagsspielen hatten es in sich und lösten in der Region zwischen Harz und Heide Euphorie und Reisevorbereitungen aus. Zwar hatte der Tabellenzweite Hansa Rostock seine Partie (mit 1:0 gegen Dynamo Dresden) gewonnen, doch wen juckte das?! Offenbach hatte beim Tabellen-Dreizehnten SV Babelsberg ebenso verloren (0:2) wie auch die Erfurter ihr Heimspiel gegen den Tabellen-Zwölften 1.FC Saarbrücken (1:2). Wenn man sich zusätzlich auch noch Eintrachts überragendes Torverhältnis anschaute (+52), dann reichte den "Löwen" nun sogar ein Unentschieden in Unterhaching zum Aufstieg. Etliche Fans planten daher um. Das Grillen oder der Besuch bei den Freunden musste ausfallen. Eintracht rief – und das im 600 km entfernten München!
So machten sich knapp 1.500 blau-gelb Infizierte auf die Reise, um die "Löwen" zum Aufstieg zu brüllen. Ein "besonderer" Fan reiste ebenfalls mit an. Rolf Töpperwien, langjähriger Fernseh-Fussballreporter und bekennender Eintracht-Anhänger, war zwar gerade erst in Ruhestand getreten, hatte seinem Lieblingsverein jedoch versprochen: "Wenn meine Eintracht eine realistische Aufstiegschance hat, kommentiere ich das Spiel, in dem sie es packen können." Er hielt sich an sein Versprechen und kommentierte die Begegnung live auf dem Webradio von newsclick.de (Braunschweiger Zeitung). Seinem Sohn, der ihn bei der Abfahrt murrend daran erinnert hatte, er habe doch versprochen, nicht mehr zu arbeiten, entgegnete er: "Ich gehe nicht arbeiten, ich gehe zu Eintracht Braunschweig!"
Einer allerdings konnte die Reise nach München nicht mitmachen. Mirko Boland, der zuvor in allen 31 Saisonspielen zum Einsatz kam, musste mit einem hartnäckigen Magen-Virus zu Hause in Braunschweig bleiben.
Dafür stand Eintrachts U19-Nationalspieler wieder zur Verfügung. Karim Bellarabi, der im Spiel gegen Werder 2 aus disziplinarischen Gründen (mehrmaliges Zuspätkommen) intern für eine Partie gesperrt worden war, "sollte den Sportpark erstürmen", wie die Braunschweiger Zeitung am 9.4. titelte. Für ihn wurde es ein ganz besonderes Spiel. Und das nicht nur, weil er am 8.4. 21 Jahre alt geworden war.
3.100 Zuschauer hatten sich zum Anpfiff um 14 Uhr im Generali-Sportpark eingefunden. Die Sonne schien! Ein Teil der blau-gelb Gewandeten hatte sich bereits vorher im Biergarten "eingestimmt". Alles war perfekt! Die Stimmung im Eintracht-Block war prächtig. Nun musste nur noch die Mannschaft mitziehen.
Sie tat ihrem Anhang den Gefallen. Der Sekundenzeiger hatte nach dem Anpfiff nicht einmal sechs volle Umdrehungen geschafft, als Bellarabi Mitte der gegnerischen Hälfte den Ball eroberte, noch ein paar Meter lief und dann von der Strafraumgrenze abzog. Hoch rechts schlug der Ball im Kasten der Gastgeber ein. Toor! Toooooooor! Jubel und Durchdrehen bei den Eintracht-Fans im Stadion. Jubel aber auch im entfernten Braunschweig in den zahlreichen Kneipen und Bars, in denen sich die Zuhausegebliebenen versammelt hatten, um am Laptop, Handy oder Radio mitzufiebern.
1:0 für den BTSV – das wär´s doch! Allerdings dauerte das Spiel noch 84 Minuten, da konnte noch viel passieren...
Zumindest wurde viel gesungen: "Werdet zur Legende, kämpfen bis zum Ende, für die Zweite Liga – BTSV!"
Um es kurz zu machen: Die "Löwen" vergaben ihre teilweise guten Chancen zum 2:0 und mussten daher zum Ende hin noch zittern. Aber auch die Spielgemeinschaft schaffte es nicht mehr, am Spielstand etwas zu ändern. So blieb es beim 0:1. Schlusspfiff! Auufstiiiieg !!!
Mehrere Dinge geschahen gleichzeitig: Trainer Lieberknecht sank auf die Knie! Die Mannschaft feierte am Mittelkreis! Kollektiver Jubel und Feuerwerk im Gästeblock, wo die ersten Fans begannen, den Zaun zu übersteigen.
Kurz darauf hatten die Ordner ein Einsehen und öffneten die Tore. Die Eintracht-Fans strömten auf den Rasen und die gemeinsame Feier von Fans, Spielern und Trainer hatte begonnen. Wer dabei war, wird sie garantiert nicht vergessen! Spieler und Fans standen am Spielfeldrand dicht beisammen und hüpften gemeinsam zu all den Braunschweiger Fan-Gesängen. Selten waren Fans ihrer Mannschaft im Zeitpunkt des Aufstiegs so nah gewesen. Geil! Lieberknecht sagte: "Ihr könnt stolz auf Euch sein. Lasst die Sau raus! Ihr habt es Euch verdient."
Das taten die Fans dann auch! Auch die in der Okerstadt. Kurz nach dem Abpfiff setzte in Braunschweigs Innenstadt ein Hupkonzert ein und etliche PKWs mit blau-gelben Fahnen fuhren kreuz und quer durch die City. Vor dem "Schloss" fand eine Spontan-Party mit 500 Eintracht-Anhängern statt. Braunschweig machte seinem Ruf, eine fussballverrückte Stadt zu sein, wieder einmal alle Ehre.
In Münchens Vorstadt hatte sich die Mannschaft derweil in die Kabine zurückgezogen und feierte dort weiter, immer noch begleitet von der einen oder anderen Fernseh-Kamera. Kumbela brüllte in die Mikros "Der Aufstieg ist nur für Euch, die Fans. Nur für Euch!" und nahm anschließend wieder am beschwingten Treiben teil. Das endete damit, dass die gesamte Mannschaft den Mode-"Hit" "Schatzi, schenk´mir ein Foto" schmetterte. Schön? Zumindest laut!



Der Tag des Aufstiegs endete für das Team in einem Münchner Brauhaus, wo die Feier bis in den Morgen weiterging. Danach hieß es auch bald "Abfahrt". Braunschweig wartete. Und wie! Als der Eintracht-Bus am Montag kurz vor 17 Uhr den Tempel erreichte, warteten dort schon 1.500 Fans, um der Mannschaft einen begeisternden Empfang zu bereiten [siehe Bild; von B.Grimm]. Die Feier und die Gesänge gingen weiter. Auch hier zeigte die Mannschaft, dass sie konditionell voll auf der Höhe ist.
Eintracht Braunschweig hatte den Aufstieg bereits am 32. von 38 Spieltagen geschafft. Rekord in der – noch nicht lange existierenden – 3. Liga! In der Saison 2008/09 hatte es 35 Spieltage gedauert, bis Union aufgestiegen war, und ein Jahr später stand der erste Aufsteiger (Erzgebirge Aue) erst am vorletzten Spieltag fest.
Auch bei den anderen Zahlen setzten die "Löwen" an diesem Spieltag Bestmarken:
73 Punkte – Rekord (bisher 70 von Union)
70 Tore erzielt – Rekord (bisher 59 von Ingolstadt 09/10)
17 Gegentore bekommen – Rekord (bisher 18 von Union).
Eintracht und seine Fans hatten sich den Aufstieg redlich verdient.
Das sah auch die Tagespresse so. Der (Berliner) Tagespiegel setzte noch einen drauf. Dort hieß es: "Eintracht Braunschweig gehört in die 2. Liga, mindestens. ... Eintracht ist das Gegenstück zum kommerzialisierten Eventfußball in Wolfsburg und das emotionale Herz Niedersachsens."
Sorry, Hanoi, aber so ist es !

Eintracht – Dynamo Dresden 1:0 (0:0)10.04.2017
28. Spieltag 2.Bundesliga – 2016/2017
Das dritte Spiel der sog. „Englischen Woche“ stand an. Eintracht Braunschweig empfing die Mannschaft von Dynamo Dresden.
Eigentlich konnten die „Löwen“ mit dem bisherigen Verlauf der „Englischen Woche“ vom 26. bis 28.Spieltag der Zweitliga-Saison 2016/17 recht zufrieden sein. In zwei Auswärtsspielen hatten sie immerhin 4 Punkte geholt. Einem 1:0-Sieg beim 1.FC Kaiserslautern, dem ersten Sieg am einst so gefürchteten Betzenberg seit ziemlich genau 40 Jahren, ließen sie beim Tabellensechsten SpVgg Greuther Fürth ein 0:0 folgen. Torhüter Jasmin Fejzic hielt in dem Spiel einen Elfmeter.
Was für die „Englische Woche“ galt, traf umso mehr auf die gesamte Spielzeit zu. Eintracht spielte eine überragende Saison! Herbstmeister mit 34 Punkten und mit jetzt 51 Punkten (nach 27 SpT) als Tabellendritter immer noch mitten drin im Aufstiegsrennen. Platz 1 und 2 hatten zwar die Bundesliga-Absteiger und haushohen Favoriten auf den Aufstieg Hannover 96 und VfB Stuttgart inne, aber mit 52 Punkten bzw. ebenfalls 51 Punkten und lediglich der besseren Tordifferenz waren sie alles andere als außer Reichweite. Vierter war Union Berlin mit 50 Punkten, gefolgt mit 45 Punkten von … Dynamo Dresden!
Mit den Sachsen hatten die Blaugelben seit dem Hinspiel noch eine Rechnung offen. Als die „Löwen“ dort am 11.Spieltag antraten führten sie mit 25 Punkten souverän die Tabelle an. Aufsteiger Dynamo dagegen war mit 13 Punkten (10.) durchschnittlich gestartet. Eintracht wurde seiner Favoritenrolle zunächst gerecht und führte Mitte der 2.Halbzeit mit 2:0. Doch 3 Tore, alle von Kutschke innerhalb von 13 Minuten erzielt, machten aus dem sicher geglaubten Sieg noch eine 2:3-Niederlage. Diese tat dem BTSV überhaupt nicht gut. Die „Löwen“ holten danach nur noch 9 Punkte bis zum 17.Spieltag und kamen auch nach der Winterpause mit 3 Punkten aus 4 Partien schwer in Tritt. Erst seit dem 22.Spieltag sahen die Eintracht-Fans wieder den überaus erfolgreichen Fußball von ihrem Team.
Während der BTSV also unter der Niederlage gegen Dynamo lange zu leiden hatte, tat den Sachsen das umgebogene Spiel offensichtlich gut. In den letzten 7 Spielen der Hinrunde holten sie 14 Punkte und auch die bisherige Rückrundenausbeute von 18 Punkten (aus 10 Partien) konnte sich sehen lassen. Eintracht holte in der Rückrunde „nur“ 17. Die Sachsen waren zudem seit 6 Begegnungen ungeschlagen (14 Punkte) und ihr Goalgetter Stefan Kutschke kam immer besser in Fahrt. Mit 9 Toren in den letzten 7 Partien und insgesamt 15 hatte er sich auf Platz 2 der Torjägerliste vorgearbeitet. Eintrachts Top-Torschütze Domi Kumbela (Platz 6 mit 11 Toren) hatte in der Rückrunde überhaupt noch nicht getroffen. Aber es gab ja noch Nyman (8 Tore).
Der BTSV wusste zwar die Schwere der Aufgabe richtig einzuschätzen (Lieberknecht: „Wir müssen eine TOP-Leistung abrufen.“), war aber – angesichts einer eigenen Serie von 8 Spielen ohne Niederlage -- so von den eigenen Fähigkeiten überzeugt, dass er zum einen Revanche für das Hinspiel nehmen, zum anderen aber auch einen Konkurrenten um den Aufstieg distanzieren wollte (Lieberknecht: „Wir haben die englische Woche mit einem Sieg begonnen und wollen sie mit einem Sieg abschließen.“).
Da die Begegnung Eintracht gegen Dynamo zum Live-Spiel des Fernsehsenders „Sport 1“ erkoren wurde und daher erst am Montag stattfand, hatten die „Löwen“ samt Fans Zeit und Muße sich anzuschauen, wie die Konkurrenz spielte. Hannover 96 musste schon am Freitag beim auf Platz 13 abgerutschten Aufsteiger Würzburger Kickers antreten … und spielte 0:0. War also nichts mit der Prognose vom allmächtigen 96-Boss Kind, der zum „Kicker“ sagte (nachzulesen in der Ausgabe vom 6.4.17): „Unterstellt, dass wir am Freitag in Würzburg gewinnen, könnte schon das nächste Heimspiel gegen Braunschweig eine Vorentscheidung bringen.“ Man soll eben nichts als selbstverständlich unterstellen. Aber Kind war ja bekannt dafür, dass er keinem Interview aus dem Wege ging und regelmäßig mit (positiv formuliert) „verblüffenden“ Aussagen polarisierte. Es soll schon Journalisten gegeben haben, die bei seinem Erscheinen ihr Hörgerät ausschalteten.
Am Sonntag siegte der VfB erwartungsgemäß gegen den Tabellenletzten KSC mit 2:0 und Fortuna Düsseldorf trotzte Union Berlin nach 0:2-Rückstand noch ein 2:2 ab. Was war nur mit den Unionern los? Nach ihrer überraschenden Tabellenführung nach dem 25.Spieltag hatten sie nur 1 Punkt aus 3 Partien geholt.
Aber egal! Eintracht und seinen Fans konnte es nur recht sein. Somit hatten zwei Konkurrenten geschwächelt. Damit winkte der 2.Platz bei einem Heimsieg. Sogar die Tabellenführung war möglich, ein 4:0 unterstellt. Doch „Halt“, Unterstellungen machen Blaugelbe nicht, das ist Sache der Roten!
22.880 Zuschauer fanden sich schließlich am Spieltag, den 10.4.2017, im Eintracht-Stadion ein, um dieses Spitzenspiel zu sehen. Unter ihnen waren auch gut 2.000 Dresdner.
Lieberknecht hatte sich für folgende Startelf entschieden: Fejzic – Ofosu-Ayeh, Dacarli, Valsvik, Reichel – Zuck, Kijewski, Boland, Hochscheidt – Abdullahi, Hernandez. In der Dresdner Elf fiel neben Kutschke ein Name besonders aus. „Lumpi“ Lambertz hatte sich nach 12 Jahren in Düsseldorf dazu entschlossen, seine Karriere bei Dynamo ausklingen zu lassen, nachdem die Fortuna seinen Vertrag nicht verlängert hatte.
Nach Anpfiff des Schiedsrichters Daniel Siebert (Berlin), der schon das für Eintracht so unglücklich verlaufene Hinspiel geleitet hatte, entwickelte sich zunächst eine Partie ohne besondere Dominanz eines Teams. Das änderte sich nach 15 Minuten. Ausgehend von einem geblockten Schuss von Reichel, der schon in der 10.Spielminute eine Schusschance hatte, einem Kopfball-Versuch von Decarli (16.) und einem Kopfball von Valsvik (17.) diktierten die „Löwen“ fortan das Geschehen auf dem Rasen, erspielten sich aber keine weiteren Gelegenheiten. Insbesondere Hochscheidt fiel über die rechte Seite wiederholt durch gelungene Aktionen auf. Es dauerte bis zur 39.Minute, ehe Dynamo seinerseits ein Offensivzeichen setzte und gleichzeitig wieder auf Augenhöhe agieren konnte. Ein 16m-Schuss von Lambertz (39.) und ein Kutschke-Schuss aus spitzem Winkel (40.) blieben aber die einzigen erwähnenswerten Angriffsaktionen und waren auch nicht von Erfolg gekrönt. Nach 45+1 Minuten pfiff der Schiri zur Pause. 0:0. Eine knappe Führung für den BTSV wäre verdient gewesen.
Für die 2.Halbzeit wechselte Trainer Lieberknecht Nyman für den schwach gebliebenen Abdullahi ein. Und nach wenigen Minuten tat sich schon etwas – allerdings nicht auf dem Rasen, sondern auf den Rängen. Die Dynamo-Fans verliehen ihrem Erscheinen durch besondere optische und akustische Signale Nachdruck: Leuchtfackeln brannten und Böller explodierten. Nach kurzer Unterbrechung wurde die Partie fortgesetzt. Diese wurden von beiden Seiten nun mit hoher Intensität geführt. Großchancen blieben aber aus. Die Aktionen von Kutschke (54., 67.) und nach einem Freistoß (66.) auf Dresdner Seite und Kijewski (59.) für Eintracht waren noch die einzigen erwähnenswerten. Die Situation, die sich dann in der 77.Minute ereignete, war schon ein anderes Kaliber: Nach einem Fehler eines Abwehrspieler der Sachsen eroberte Hernández den Ball im gegnerischen Strafraum, legte ab auf den mittig 9m vor dem Tor lauernden freien Nyman. Dessen Schuss geriet jedoch zu unplaziert, sodass Gäste-Keeper Schwäbe noch halten konnte. Das hätte die Führung für Blaugelb sein können, ja aus Sicht ihrer Fans sein MÜSSEN. Apropos Fans! Die Südkurve intensivierte nach der vergebenen Großchance ihren Support und peitschte ihre Mannschaft nach vorn („Werdet zur Legende, …“). Man sah den Blaugelben auf dem Rasen nun förmlich an, dass sie noch einmal ein paar Prozent mehr gaben und diese Begegnung unbedingt gewinnen wollten. In Minute 81 schien es so weit zu sein. Nach einem Freistoß aus dem Halbfeld behinderte ein Dynamo-Spieler den eigenen Torwart und Decarli kam ans Leder. Er konnte die Situation aber nicht ausnutzen und vergab. Haareraufen bei einigen blau-gelb Infizierten! ‚Egal, weiter!‘ Gleiches galt, als Kutschke nach einem Freistoß für seine Mannschaft den Ball volley nahm, ihn aber nicht richtig traf und das Eintracht-Tor verfehlte (89.).
Nach 90 Minuten stand es noch 0:0. Die intensiven Bemühungen der „Löwen“ nach einem Dreier schienen vergeblich gewesen zu sein. Aber noch blieb die Nachspielzeit von 4 Minuten, um das erlösende Tor zu schießen. Und tatsächlich! In der 92.Minute bekamen die Blaugelben links von der Mittellinie einen Freistoß zugesprochen. Boland führte aus, Valsvik köpfte, der gerade (für Hochscheidt ; 90.) eingewechselte Kumbela köpfte ebenfalls, aber zum 16er zurück, wo Reichel lauerte. Direktabnahme mit Links und flach im vom Torwart gesehen linken Eck schlug das Geschoss ein. Tooor, Tor, Tor, Toooor! ‚Wahnsinn!‘ Die Südkurve…, ach was,… das ganze Stadion tobte ! Natürlich mit Ausnahme von 2 Blöcken in der Nordkurve. 1:0! Reichel hatte schon wieder in der Nachspielzeit wie bereits im letzten Heimspiel gegen Heidenheim (3:2) das Siegtor erzielt. Denn kurz darauf war Schluss. Im Übrigen schon das 5.Saisontor des Linksverteidigers mit der Nummer 19!
Eintracht hatte 1:0 gewonnen und die „Braunschweiger Zeitung“ titelte am nächsten Tag (durchaus pfiffig) „Schluss ist, wenn Reichel trifft“. Derweil freuten sich ihre Fans über den 2.Tabellenplatz – VOR Hannover! Damit waren perfekte Voraussetzungen für das Derby am kommenden Wochenende in der sog. Landeshauptstadt geschaffen…!
Das Derby sowie der Kampf gegen Hannover um den 2.Tabellenplatz gingen für den BTSV schließlich verloren, auch die Relegation gegen den VfL Wolfsburg. In beiden Fällen spielte ein und derselbe Schiedsrichter eine unschöne Rolle.
[Stand: Juni 2021]